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!!!Das römische Kastell Vindobona

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[{Image src='vindobona01.jpg' class='image_left' caption='Ziegel der XIII. römischen Legion (gefunden in der Landskrongasse)\\© Ch. Brandstätter Verlag' alt='Römischer Ziegel' height='100' width='319'}]


Nachdem die Römer ihre Herrschaft über den Raum von Wien gefestigt hatten, begannen sie mit seiner planmäßigen Erschließung. Die bäuerlich-keltische Bevölkerung blieb im wesentlichen unbehelligt, während die Besatzungssoldaten ihre planmäßigen militärischen Anlagen errichteten, die nicht nur eine genaue Kenntnis der Geländeformen, sondern auch der geologischen und klimatischen Verhältnisse verraten.

Vindobona ist ein sehr typisches Beispiel dafür. Die Donau floss damals noch viel näher dem heutigen Stadtgebiet. Die Porzellangasse entspricht einem damaligen Donauarm, die Liechtensteinstraße war eine Austraße am Ufferrand, der Salzgries diente als Schiffsanlegestelle. Der Steilhang zwischen Donau (Praterterasse) und Stadtterrasse bildete die Nordostgrenze des Lagers, es war an dieser Stelle vor Donauhochwässern geschützt.

[{Image src='vindobona02.jpg' class='image_right' caption='Römischer Meilenstein aus Inzersdorf\\© Ch. Brandstätter Verlag' alt='Römischer Meilenstein' height='250' width='141'}]
[{Image src='vindobona03.jpg' class='image_right' caption='Embleme der XIII. römischen Legion, Buchillustration 1739\\© Ch. Brandstätter Verlag' alt='Römische Embleme' height='250' width='145'}]
[{Image src='vindobona04.jpg' class='image_right' caption='"Wien wird unterm Kayser Augusto der Römerwohnsitz" \\© Ch. Brandstätter Verlag' alt='Wien als Römer-Wohnsitz' height='250' width='147'}]


Das in die Stadtterasse tief eingeschnittene Tal des Ottakringer Baches schloss den Lagerbereich gegen Nordwesten ab, heute noch im Straßenverlauf Strauchgasse-Tiefer Graben erkennbar. Ein weniger markantes Tal, nur von einem schmalen Bach durchzogen, bildete den Verlauf der Befestigung entlang Graben und Rotenturmstraße. Lediglich die Südwestflanke etwa zwischen Tuchlauben und Heidenschuß (Naglergasse) musste durch eine besonders starke Bruchsteinmauer mit sogenanntem ''opus spicatum'' (Steine mit Fischgrätmuster) geschützt werden. 

Die ''porta decumana'', das hintere Lagertor, lag an der Einmündung der Tuchlauben in den Graben. In der Wipplingerstraße 21 lag die ''porta principalis sinistra'', das linke Lagertor. Die ''porta principalis dextra'', das rechte Lagertor, lag in der Kramergasse; bei der Kirche Maria am Gestade fanden sich die Spuren eines Nordtores mit Stiegenabgang zur Donau. Die Lagerecken und die Tore waren mit mächtigen Türmen geschützt. Außerhalb dieses breiten Verteidigungsstreifens siedelten sich Händler, Wirte und Handwerker in den sogenannten Lagervorstädten (''canabae legionis'') an, von denen wir in Wien aber nur wenige wissen. An den aus dem Lager führenden Hauptstraßen wurden Gräberfelder angelegt.

Da der Boden des Lagerinneren immer verbaut war, wissen wir relativ wenig über die Innengestaltung. Die Kommandozentralen, die ''principia'' lagen vielleicht an oder westlich der ''via principalis'', etwa zwischen Judenplatz und Tuchlauben. Doch wurden weder von ihnen noch vom ''praetorium'', dem Sitz des Legionskommandaten, bisher Spuren gefunden. Dafür wissen wir, dass hinter Maria am Gestade das ''valetudinarium'', das Spital, lag. Am Hohen Markt fanden sich Reste einer Badeanstalt mit Hypokaustenheizung. Die Kasernen vermutet man hinter bzw. westlich der ''via principalis''.

[{Image src='vindobona05.jpg' class='image_left' caption='Römisches Relief (gefunden in der Kramergasse, 1895)\\© Ch. Brandstätter Verlag' alt='Römisches Relief' height='200' width='253'}]

Am Alser Bach (zwischen Elterleinplatz und Kalvarienberggasse, Wien XVII.) unterhielt die Legion eine Ziegelei. Die vielfach aus einem wärmeren Klima stammenden Legionäre litten wohl besonders unter rheumatischen Erkrankungen, weshalb das Aufsuchen warmer Heilquellen bei ihnen sehr beliebt war. Neben Baden bei Wien schätzten sie im unmittelbaren Umfeld des Kastells u.a. die Meidlinger Schwefelquellen  und die Quellen im Kuglerpark in Heiligenstadt (heute Heilgenstädter Park).

Auch das erste planmäßig angelegte und ausgebaute Straßennetz im Raum Wien ist eine Schöpfung der Römer. Nicht wenige Hauptstraßen des heutigen Verkehrsnetzes gehen darauf zurück.

!Quellen
* C. Brandstätter, G. Treffer, et al.: Stadtchronik Wien, 1986 

[{Metadata Suchbegriff='Wien'}]