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Adamovich, Ludwig senior#

* 30. 4. 1890, Esseg (Osijek, Kroatien)

† 23. 9. 1955, Wien


Jurist


Ludwig Adamovich sen.
Ludwig Adamovich sen. Foto, 1937
© Öst. Institut f. Zeitgeschichte, Wien / Bildarchiv, für AEIOU

Vater von Ludwig Adamovich junior


Ludwig Adamovich wurde am 30. April 1890 in Osijek/Esseg (Kroatien) geboren und stammte aus einer Familie von Gutsbesitzern und Beamten.


Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Kalksburg absolvierte er ab 1908 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1913 promovierte.

Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und trat 1919 in den Verwaltungsdienst des Landes Niederösterreich (Konzeptsbeamter bei der BH Gmünd); ab Dezember 1920 gehörte er dem Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes an.


1924 habilitierte sich Adamovich an der Universität Wien für Staats- und Verwaltungsrecht; 1927 wurde er als außerordentlicher Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an die Deutsche Universität Prag, 1928 als ordentlicher Professor für diese Lehrfächer an die Universität Graz, 1934 ebenfalls als ordentlicher Professor an die Universität Wien berufen.


Im Februar 1930 wurde er in den Verfassungsgerichtshof berufen; nach dem Mai 1933 - nach Lahmlegung des Verfassungsgerichtshofes durch das Kabinett Dollfuß - wechselte er in den Verwaltungsgerichtshof.


Ab November 1934 war er Mitglied des Bundestages, 1936 stellte er seinen juristischen Rat der von Kurt Schuschnigg eingesetzten Untersuchungskommission, die den Zusammenbruch der Versicherungsgesellschaft "Phönix" und seine Hintergründe durchleuchten sollte, zur Verfügung. Noch am 16. Februar 1938 von Kanzler Schuschnigg zum Justizminister berufen, wurde er nach dem März 1938 aller seiner Ämter enthoben und mit 31. August 1938 in den Ruhestand versetzt.


Nach dem 2. Weltkrieg übernahm Adamovich wieder sein Lehramt und wurde im Mai 1945 zum Rektor der Wiener Universität gewählt. Gleichzeitig war Adamovich Berater der provisorischen Staatsregierung Renner in Verfassungsfragen und arbeitete die Verfassungsvorlagen zur Wiederherstellung des österreichischen Rechtssystems aus.

Im Juni 1946 wurde er zum Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes ernannt; dieses Amt übte er bis (zu seinem Tod) 1955 aus.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gr.033A/02/05)
  • die Adamovichgasse im 23. Wiener Bezirk ist nach ihm benannt

Werke (Auswahl)#

  • Die österreichischen Verfassungsgesetze des Bundes und der Länder, 1925
  • Grundriß des österreichischen Verfassungsrechtes, 1947

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl