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Angelus, Johannes (Engel)#

* vor 1472, Aichach, Oberbayern

† 29. 9. 1512, Wien


Astronom (Astrologe), Mathematiker, Humanist und Arzt


Angelus immatrikulierte sich 1472 an der im selben Jahr gegründeten Universität Ingolstadt, die bald zu einem der Mittelpunkte des oberdeutschen Humanismus wurde. 1474 erlangte er Ingolstadt das Magisterium der Artes, las hier über aristotelische Physik und trug von 1492 bis 1498 im Rahmen einer neugeschaffenen Lektur Mathematik und Astronomie vor. Sein Nachfolger in dieser Lektur wurde 1498 Johannes Stabius.

Von 1489 bis 1491 arbeitete Angelus beim Augsburger Buchdrucker Erhart Ratdolt als Emendator klassischer und mittelalterlicher astronomisch-astrologischer Werke (Hyginus, Abu Mā schār, Pierre d'Ailly, Regiomontanus, Guido Bonatti). 1488 war er auch für den deutschen Wanderdrucker Marx Ayrer in Nürnberg tätig.

1497 studierte Angelus in Ingolstadt Medizin, verließ aber im selben Jahr die dortige Universität, hielt sich kurz in Würzburg auf und ist seit März 1498 mit seiner Familie in Krems nachweisbar, wo er als Arzt praktizierte. Ob und wo er ein Doktorat der Medizin erworben hat, ist ungewiss. Um 1500 ließ er sich als Arzt in Wien nieder. Nicht nachweisbar ist eine Tätigkeit an der Wiener Universität.

In Wien arbeitete Angelus vornehmlich an astronomischen Tafelwerken bzw. deren Verbesserung. Georg Tannstetter-Collimitius berichtet, daß Angelus bei der Arbeit an der Vervollständigung der "Tabulae Aequationum motuum planetarum" Peuerbachs gestorben sei. Er selbst bezeugt in seinem "Almanach novum et correctum" für das Jahr 1510, daß er zusammen mit Andreas Stiborius und anderen Astronomen auf dem Turm des Wiener Collegium ducale (im heutigen Universitätsviertel) Himmelsbeobachtungen durchgeführt habe, welche die Positionswerte der Alfonsinischen Tafeln als irrig erwiesen hätten.

Johannes Angelus ist vor allem durch drei eigene Arbeiten hervorgetreten:
Von 1484 an hatte er mehrere deutsche und lateinische Almanache (mit Anweisungen zum Aderlassen und Wettervorhersagen) und Praktiken (Mundanhoroskope) für bestimmte Jahre herausgebracht; 1488 erschien in Augsburg sein Hauptwerk, das "Astrolabium planum in tabulis ascendens", das ihn auch in Frankreich als Astrologen bekannt gemacht hat. Dieses "Astrolabium planum", das in einem Werk des spätmittelalterlichen Paduaner Arztes und Naturforschers Pietro d'Abano (gest. 1316) einen Vorläufer hat, führt 360 personifizierte Grade des Tierkreises vor, mit Holzschnitten und Beschreibungen, die jeden Grad entsprechend charakterisieren.

Angelus hat auch eine iatromathematische, d.h. medizinastrologische Schrift ("Tractat von der Pestilentz") verfasst, die 1518 posthum in Augsburg erschienen ist.

Literatur#

  • Johann Christian Poggendorff. Biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften. Band VIIa, Supplement, Berlin, 1971
  • Helmuth Grössing, Humanistische Naturwissenschaft. Zur Geschichte der Wiener mathematischen Schulen des 15. und 16. Jahrhunderts. (=Saecvla Spiritalia. Hgg. von D. Wuttke, Band 8), Baden-Baden 1983, S.189-190
  • Eberhard Knobloch, Astrologie als astronomische Ingenieurskunst des Hochmittelalters. Zum Leben und Wirken des Iatromathematikers und Astronomen Johannes Engel (vor 1472-1512). In: Sudhoffs Archiv, Bd. 67, Heft 2 (1983), S. 129 - 144
  • Archiv der Geschichte der Naturwissenschaften 16 (1986), S. 789-792


Redaktion: H. Grössing