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Astronomie#

1,5-m-Spiegelteleskop im Leopold-Figl-Observatorium
Astronomie: Das 1,5-m-Spiegelteleskop im Leopold-Figl-Observatorium am Schöpfl, NÖ
© Presseamt der Niederösterreichischen Landesregierung, Wien

Die 1. Pflegestätte der Astronomie in Österreich war die 1365 gegründete Universität in Wien. Der Ruhm der 1. Wiener astronomischen Schule 100 Jahre später ist mit den Namen Johannes von Gmunden, Georg von Peuerbach und Regiomontanus verbunden. Auch Propst Georg I. Muestinger von Klosterneuburg förderte die Astronomie. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wirkte sich für ihre Entwicklung besonders das Mäzenatentum von Kaiser Rudolf II. aus, der den Dänen Tycho de Brahe (1546-1601) ins Land rief. Auch J. Kepler stand die längste Zeit seines Wirkens in österreichischen Diensten. Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete der Hofmathematiker J. Marinoni auf dem Dach seines Hauses in Wien einen astronomischen Turm, den er hauptsächlich mit selbstverfertigten Instrumenten einrichtete. Von ihm angeregt und angeleitet, folgten die Jesuiten 1733 mit einer eigenen Sternwarte auf ihrem Kollegiumsgebäude.

1755 kam die Universitätssternwarte im damals neuerrichteten Universitätsgebäude hinzu, die mit den Instrumenten Marinonis ausgestattet und von Maximilian Hell geleitet wurde. Die Universitätssternwarte Wien schuf im Anhang zu den seit 1757 (10 Jahre vor den Engländern und fast 20 Jahre vor der Berliner Akademie) herausgegebenen Ephemeriden (bis 1807) das 1. regelmäßig erscheinende Publikationsorgan. Hells Schüler und Gehilfen, A. Pilgram, F. Triesnecker und J. T. Bürg, führten seine Arbeiten weiter. Hochwertige Ergebnisse liefernd, trat neben die Wiener Sternwarte der von den Äbten A. Fixlmüller und A. Desing 1748-59 errichtete "Mathematische Turm" mit der Sternwarte des Stifts Kremsmünster (Oberösterreich. Der 1908 dort aufgestellte Meridiankreis ist der einzige in Österreich, der seither kontinuierlich in Verwendung steht und Ergebnisse liefert.

An der Universität Wien wurden von 1391 bis 1882 ständig Vorlesungen "Über Himmel und Erde" gehalten. Im 19. Jahrhundert scheinen hervorragende Namen in der Geschichte der österreichischen Astronomie auf: J. J. und K. L. von Littrow, C. Doppler, der Wegbereiter der neuen, die Physik miteinbeziehenden Astronomie, und T. von Oppolzer, ein Meister der algorithmisierten astronomischen Berechnung. Große Verdienste erwarb sich K. L. von Littrow um die Erbauung der neuen Wiener Universitätssternwarte auf der Türkenschanze. Allerdings war eine Ausstattung mit modernen Geräten und Apparaten damals unmittelbar nicht möglich.

Dennoch gingen in den weiteren Jahren von der Wiener Universitätssternwarte zahlreiche Anregungen aus, so unter ihren Leitern E. Weiß und K. Graff. Während Weiß, sein Nachfolger und seine Schüler weiterhin der klassischen Astronomie verbunden blieben, schufen R. Spitaler (Astrophotographie), J. Palisa (Planetoidenforschung) und J. Holetschek (Kometen und Nebelflecke) die Verbindung zur modernen physikalischen Astronomie. Um 1900 war für kurze Zeit die von dem Brauereibesitzer M. Kuffner gegründete private Sternwarte in Ottakring in der Öffentlichkeit besser bekannt als die Universitätssternwarte. Dies vor allem durch die Tätigkeit von L. de Ball und S. Oppenheim. Weitere Vertreter der Astronomie vor und während des 2. Weltkriegs, vorwiegend auf theoretischem Gebiet, waren J. Hepperger, K. Hillebrand, A. Prey und K. Schütte.

Nach 1955 waren in Wien die Doppelstern- und Mondforschung (J. Hopmann) ebenso wie die Sonnenphysik (Sonnenobservatorium Kanzelhöhe der Universität Graz, H. Haupt) mit Beobachtungen stark vertreten. 1965 wurde das Leopold-Figl-Observatorium für Astrophysik am Schöpfl gegründet (Übergabe am 25. 9. 1969). A. Purgathofer und R. Rakos waren neben ihrer internationalen Forschung dort tätig. Der Bereich der theoretischen Astronomie und Astronomiegeschichte wurde von K. Ferrari d´Occhieppo, der der klassischen beobachtenden Astronomie von P. Jackson in Wien, der Bereich der Radioastronomie in Innsbruck von J. Pfleiderer vertreten. Kleinplaneten wurden in Graz bearbeitet. Über die Zugehörigkeit zur ESA (European Space Agency) ist den österreichischen Astronomen in mehrfacher Weise der Zugang zu astronomischen Experimenten von Raumplattformen möglich.

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