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Aufklärung#

Geistesgeschichtliche Erscheinung, die im 17. Jahrhundert in Europa aufkam, im 18. Jahrhundert in Österreich praktisch wirksam wurde und bis in das 19. Jahrhundert fortwirkte. Grundlage war die Ansicht, man könne die Menschen durch die Vernunft zu besserem Handeln bewegen. Die Aufklärung geht von der Vorstellung aus, alle Menschen seien gleich, sie müssten sich aber aus Abhängigkeiten lösen. In Österreich wurden die Ideen der Aufklärung weniger über die Philosophie als über Kameralistik, Jurisprudenz, Medizin und Naturwissenschaft verbreitet; sie wurden vor allem von Beamten und im höheren Bürgerstand aufgenommen. Besondere praktische Auswirkungen hatte die Aufklärung in der Rechts- und Staatslehre, wo Karl Martini und Joseph von Sonnenfels Hauptvertreter waren und die nachkommende Beamtengeneration in diesem Sinn prägten.

Mit diesen Rechtsprinzipien wurden Reformen der Zeit Maria Theresias und Josephs II. begründet. Maria Theresia war von der Aufklärung wenig berührt, ihr Sohn Joseph II. und einige ihrer Berater, wie Wenzel Anton Graf Kaunitz, Friedrich Wilhelm Graf Haugwitz oder Gerard van Swieten, standen jedoch im Bann der Aufklärung, beträchtlichen Einfluss hatte auch der Kirchenrechtler Josef Anton Riegger.

Sie vertraten die Ansicht, der Staat müsse religiöse Toleranz üben, Hexenprozesse, Folter und Todesstrafe seien abzuschaffen. Joseph II. übertrug diese Ideen auf viele Bereiche des Staates (aufgeklärter Absolutismus). Die Aufklärung hat mit dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch bis zur Gegenwart gültige Nachwirkungen.


Das Erziehungswesen stellte ein Hauptanliegen der Aufklärung dar, die Reform der Volksschule 1774 war von ihrem Geist getragen.

Großen Einfluss hatte die Aufklärung auf die Literatur, die vornehmlich erzieherisch und lehrhaft, aber auch kritisch wirken wollte. Autoren wie Cornelius von Ayrenhoff, Aloys Blumauer, Johann Babtist Alxinger oder Lorenz Leopold Haschka waren in diesem Sinne tätig.

Die Freimaurerei, der viele Vertreter der Führungsschicht angehörten, trug wesentlich zur Verbreitung aufklärerischer Ideen bei. Die Aufklärung formte den Staat der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in vielen Bereichen, wurde aber aufgrund der Auswirkungen der Französischen Revolution in Österreich wieder zurückgedrängt.


Literatur:

  • E. Winter, Barock, Absolutismus und Aufklärung in der Donaumonarchie, 1971
  • L. Bodi, Tauwetter in Wien, Zur Prosa der österreichischen Aufklärung 1781-95, 1977
  • E. Kovacs, Katholische Aufklärung und Josephinismus, 1979
  • Österreich im Europa der Aufklärung, internationales Symposium 1980, 2 Bände, 1985