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Thöny, Wilhelm#

* 10. 2. 1888, Graz (Steiermark)

† 1. 5. 1949, New York (USA)


Maler und Graphiker


Wilhelm Thöny
Wilhelm Thöny
© Privatbesitz

Wilhelm Thöny wurde am 10. Februar 1888 in Graz als Sohn eines Papiergroßhändlers geboren.

Er war musikalisch so begabt, dass die Entscheidung für die Malerei erst gegen Ende der Mittelschulzeit fiel. Nachdem er bereits in Graz an der der Landeskunstschule (bei Anton Marussig) eine erste Ausbildung erhalten hatte, ging er 1908 nach München, wo er bis 1914 an der Akademie der Bildenden Künste bei Gabriel von Hackl und Angelo Jank Malerei studierte und 1913 die Neue Secession mitbegründete.

In dieser Zeit befasste sich Wilhelm Thöny auch vorübergehend mit der Radierung und Buchillustration. Er stellte seine Bilder fallweise in Graz und in der Münchner Sezession schon mit guten Erfolgen aus.

1915 rückte Wilhelm Thöny in Graz als Einjährig-Freiwilliger ein und wurde 1917 als Kriegsmaler an der Südfront eingesetzt.
Nach einer gescheiterten Ehe und einem Aufenthalt in der Schweiz kehrt er über München 1923 in seine Heimatstadt Graz zurück und wurde Mitbegründer (zusammen mit Alfred Wickenburg, Fritz Silberbauer und Axel Leskoschek) und erster Präsident der Grazer Sezession.

1925 lernte er die Amerikanerin Thea Herrmann kennen und heiratete sie bald darauf. Ab 1927 arbeitete er auch für die Zeitschriften "Jugend" (München) und "Querschnitt" (Berlin).

1931 übersiedelte das Ehepaar nach Frankreich, wo sie in Paris und Südfrankreich lebten. In diesen Jahren entstand als "Quintessenz seines zeichnerischen Oeuvres" auch der (in zwei Fassungen vorhandene) Zyklus von Rötelzeichnungen zu Thomas Carlyles "Geschichte der Französischen Revolution".

Ende 1938 verließ er mit seiner Frau Europa und ging nach New York, wo ihn als Ausländer allerdings die Umstände des Zweiten Weltkriegs völlig einengten. Als sich danach endlich internationaler Erfolg abzeichnete, fielen 1948 in New York seine zu einer Ausstellung gesammelten Werke einem Brand zum Opfer.

Am 1. Mai 1949 erlag Wilhelm Thöny unerwartet einem Gehirnschlag.


Sein künstlerischer Nachlass wurde von Frau Thea Thöny im Lauf der nächsten Jahre nach Europa gebracht und der Salzburger Galerie Welz zur Verwaltung anvertraut. Durch ihren Einsatz kamen in Folge zahlreiche Ausstellungen und Publikationen zustande, die es nun ermöglichen, seine künstlerische Lebensleistung in ihrem ganzen Umfang zu überblicken.

Wilhelm Thöny gilt heute als einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und als Pionier der Moderne in der Steiermark.

1966 erhielt die Grazer Neue Galerie zur Feier ihres 25jährigen Bestandes eine "Thea-Thöny-Stiftung" in Form von zehn gewichtigen Ölbildern aus der Zeit zwischen 1922 und 1935, für die ein eigener Gedenkraum eingerichtet wurde.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Professortitel, 1929
  • staatlicher Ehrenpreis, 1930
  • Österreichischer Staatspreis
  • Ehrenpräsidentschaft der Sezession Graz
  • bei der Pariser Weltausstellung 1937 wurde Thöny für sein repräsentatives Bildnis des Erzbischofs Kardinal Verdier mit einer Goldmedaille und einem Ehrendiplom ausgezeichnet


Ausstellungen:

Personalausstellungen

  • Graz (Kriegsbilder), 1917
  • Graz (Sezession), 1926
  • Wien (Neue Galerie), 1928
  • München, 1929/30
  • Wien (Galerie Würthle), 1937
  • Paris, 1938
  • New York, 1944
  • Los Angeles, San Francisco, 1941
  • New York, Beverly Hills, Los Angeles, 1942
  • San Francisco, 1944
  • Salzburg (Galerie Nebehay), 1946
  • Salzburg (Galerie Welz), 1950
  • Graz (Joanneum), 1950
  • München (Haus der Kunst), 1951
  • Salzburg (Museumspavillon), 1953
  • Graz (Künstlerhaus), Linz (Neue Galerie), 1954
  • Wien (Österr. Galerie), 1954/55
  • Klagenfurt, Sao Paolo (3. Biennale), 1955
  • Venedig (28. Biennale), 19596
  • Rom (Osterr. Kulturinstitut), 1957
  • Graz (Neue Galerie), 1958
  • München (Kunstverein), Friedrichshafen, Saulgau, 1959
  • Darmstadt (Kunsthalle), Stuttgart (Kunstverein), 1960
  • Salzburg (Galerie Welz), 1961
  • Wien (Albertina, Galerie Würthle), 1963
  • Paris (Österr. Kulturinstitut), 1964
  • Graz (Galerie Moser), 1965
  • New York, Salzburg (Galerie Welz), Graz (Neue Galerie, Thea-Thöny-Stiftung), 1966
  • Innsbruck (Taxispalais), 1967
  • Graz (Neue Galerie), 1968
  • Graz (Galerie Moser), 1969
  • Zürich (ETH), Wien (Galerie Würthle), 1971
  • Salzburg (Galerie Welz), 1973
  • Graz (Künstlerhaus u. Kulturhaus), Triest, Wien (Galerie Würthle), 1974
  • Graz (Kulturhaus), Salzburg (Galerie Welz), 1977
  • Linz (Neue Galerie), 1978
  • Eisenstadt, 1979

Zu den meisten dieser Ausstellungen erschienen informative Kataloge mit Abbildungen.

Literatur#

  • W. Koschatzky, W. Thöny, Zeichnungen u. Aquarelle (Salzburg 1963)
  • Wieland Schmied, W. Thöny, Porträt eines Einzelgängers. Mit einer Dokumentation von Trude Aldrian (Salzburg 1976; das umfassende Standardwerk mit ausführlicher Biographie u. kompl. Austellungs- u. Literaturverzeichnis)
  • O. Breicha, W. Thöny. Sein Werk im Rupertinum, 1997
  • Neue Österreichische Biographie
  • Paul Fierens, W. Thöny (Paris 1934; Nr. 1-200 französisch, Nr. 201-400 deutsch von Thea Hermann-Thöny)
  • Thönys Beethoven-Zyklus in: Breuning, Erinnerungen aus dem Schwarzspanierhaus, eingel. v. W. Schneditz (Wien 1954)
  • Erwin Neumann, Aquarelle von W. Thöny (Wien 1957)
  • W. Thöny, 30 Rötelzeichnungen zu Carlyles "The French Revolution", Vorwort v. W. Hofmann (Darmstadt 1960)
  • W. Thöny, Bilder zur Passion (Graz 1965)
  • W. Thöny, Skizzen aus dem Leben (Salzburg 1977)
  • Neumann, Erwin: Wilhelm Thöny - Wien, 1956
  • List, 3, 1002-1003
  • Fuchs, H.: Die österr. Maler der Geburtsjahrgänge 1881-1900. - Wien. Bd 2. 1977, S. K121.

Quellen#


Redaktion: A. Geiger, I. Schinnerl