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Winter, Ernst Florian #

* 16. 12. 1923, Wien

† 16. 4. 2014, Wien


Politikwissenschaftler, Historiker

Ernst Florian Winter
Ernst Florian Winter
© Peter Diem
Ernst Florian Winter ist der Sohn des ehemaligen Wiener Vizebürgermeisters Ernst Karl Winter.

Er besuchte das humanistische Gymnasium in der Klostergasse in Währing und die Neulandschule.

Winter begleitete seinen Vater Ernst Karl bereits sehr früh auf seinem politischen Weg. Regelmäßig fanden stundenlange Diskussionen in der familiären Wohnung statt, an denen unter anderem Personen wie Alfred Missong, August Maria Knoll, Hans Karl von Zessner-Spitzenberg sowie auch Engelbert Dollfuß teilnahmen.

Im März 1938 flohen die Familie Winter (7 Kinder, das achte war unterwegs) vor den Nationalsozialisten über die Schweiz, Frankreich und England in die Vereinigten Staaten und gelangten als eine der ersten nichtjüdischen Emigrantenfamilien nach New York; in Tenafly/New Jersey bekamen sie schon am Tag nach ihrer Ankunft einen "homestead", eine kleine Farm, zur Miete angeboten.

Der 15-jährige Ernst Florian lernte innerhalb weniger Monate Englisch, absolvierte die Highschool und eine Möbeltischlerausbildung, bevor er an der Columbia University mit dem Studium für Politikwissenschaft und Internationales Recht begann.

An seinem 18. Geburtstag meldete er sich freiwillig zur US-Army, bei der er zwei der Trapp-Söhne, Rupert von Trapp und Werner von Trapp, traf. Er nahm sich vor, genau zu "Florian", also am 4. Mai, seine Heimat zu befreien. Als die amerikanischen Truppen im Frühjahr 1945 vom befreiten KZ Dachau in Richtung Österreich vorstießen, wies ihn sein Kommandant der 84. US-Infanteriedivision Black Hawk mit einem Vortrupp an, im Innviertel in einem Vierkanthof die Unterkunft vorzubereiten: es war die Privatbrauerei Schnaitl in Gunderthausen im Innviertel in Oberösterreich.

Am 4. Mai 1945 überquerte Winter mit einem Schlauchboot die Salzach und überschritt als erster amerikanischer Soldat die Grenze zu Österreich bei Burghausen. Schon acht Tage später erreichte er mit der US-Armee die Stadt Salzburg.

Nach dem Befehl zu weiteren Kriegseinsätzen im Fernen Osten kehrte Winter ein Jahr später nach Amerika zurück, wo er 1948 am Ostermontag Johanna von Trapp heiratete (* 1919, † 1994). Das Paar hatte sieben Kinder (und mittlerweile dreiundzwanzig Enkelkinder und fünf Urenkel).

Prof. Dr. Ernst Florian Winter war Lehrbeauftragter für Geschichte und Politikwissenschaft am Iona College/New York, für diplomatische Geschichte an der Columbia University und hielt zahlreiche Gastvorträge an der Fletcher School of Law and Diplomacy, Princeton University, Georgetown University und Indiana University.

1960 nahm er den Ruf der Minister Drimmel und Klaus an, nach Österreich zurückzukehren, um die Studienrichtung der Politikwissenschaften zu etablieren. 1964 wurde Ernst Florian Winter vom damaligen Außenminister Bruno Kreisky zum Gründungsdirektor der Diplomatischen Akademie Wien nach dem Zweiten Weltkrieg bestellt. Von 1964 bis 1967 war er in dieser Funktion tätig; er blieb jedoch der Akademie für sein restliches Leben eng verbunden. Bis 2013 war Prof. Winter, der 2013 seinen 90. Geburtstag feierte, noch Gast bei Veranstaltungen im Haus. Bis zum Sommer 2012 war er für die junge Generation noch ein hochgeschätzter Vortragender und Zeitzeuge vieler historischer Ereignisse.

Winter war einige Jahre Direktor des 1963 von Lazarsfeld und Morgenstern gegründeten Ford-Instituts - heute Institut für Höhere Studien.

Zwischen 1968 und 1970 war Ernst Florian Winter Direktor der Sozialwissenschaft der UNESCO in Paris; gleichzeitig war er ab 1968 Verhandlungsführer zwischen den USA und der Volksrepublik China, und später Vorsitzender der ersten Mission der UN-Vertretung in China. Im Verlauf seiner diplomatischen Laufbahn war er als Direktor auch bei der UNEP in Nairobi und bei der UNIDO in Wien tätig.

Weitere politische Aufträge der Vereinten Nationen führten ihn u.a. nach Genf, Russland und in die Mongolei. Insgesamt hat Ernst Florian Winter in 83 Ländern gelebt und gearbeitet; er spricht (u.a.) fließend Chinesisch, Deutsch, Englisch, Japanisch, Russisch und Spanisch.

Seit 1992 ist Winter Vorstandsmitglied einer internationalen Vereinigung für umweltfreundliche Technologien.

Nach seiner Pensionierung als Direktor der Diplomatischen Akademie Österreichs ließ sich Winter als Bergbauer und Haflinger-Pferdezüchter im Defereggental in Osttirol nieder und bewirtschaftete hier seit den 1990ern ein biologisches Selbstversorgerareal.

Ab 2009 war Ernst Florian Winter Vorsitzender des Internationalen Rates des Vereins Österreichischer Auslandsdienst, dem u.a. György Dalos, Alberto Dines, Gabriela von Habsburg, Beate Klarsfeld, Branko Lustig, Erika Rosenberg und Ben Segenreich angehören.

Ernst Florian Winter ist auf dem Gersthofer Friedhof begraben (Grab 2/12/46).

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ranshofen-Wertheimer-Preis, 2008
  • Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, 2010
  • Weltmenschpreis, 2010
  • Ehrenzeichen für Verdiente um die Befreiung Österreichs, 2012

Literatur#

  • William Anderson/David Wade, The World of the Trapp Family, 1998

Quellen#


Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl