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Böhm, Karlheinz#

* 16. 3. 1928, Darmstadt (Deutschland)

† 29. 5. 2014, Gröding (Salzburg)


(Film-)Schauspieler
Gründer der Stiftung Menschen für Menschen


Karlheinz Böhm, © IMAGNO/Ullstein
Karlheinz Böhm
Leiter der Stiftung "Menschen für Menschen"
Photographie. 12. 03. 2003
© IMAGNO/Ullstein
Sohn des Dirigenten Karl Böhm

Karlheinz Böhm wurde am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn des Dirigenten Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard geboren.

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Böhm - wie sein Vater österreichischer Staatsbürger - in Darmstadt, Hamburg und Dresden, bevor er 1946 mit den Eltern nach Graz übersiedelte, wo er maturierte.

Er wollte ursprünglich Pianist werden, studierte aber auf Drängen seines Vaters Anglistik und Germanistik und anschließend in Rom ein Semester Kunstgeschichte.
1948 brach er das Studium zugunsten seiner Schauspielleidenschaft ab, ging nach Wien, arbeitete zunächst als Regieassistent (bei Karl Hartl) und besuchte die Schauspielschule des Burgtheaters (bei Helmut Krauss). Nach seinem Debüt an der "Burg" war Karlheinz Böhm von 1949 bis 1953 am Wiener Theater in der Josefstadt engagiert. Ab 1960 folgten Bühnengastspiele in Berlin, München, Frankfurt und Zürich.

Zeitgleich begann in den 1950er Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen. Spielte er 1948 noch eine kleine Rolle in "Der Engel mit der Posaune" neben Filmgrößen wie Paula Wessely, Attila Hörbiger und Maria Schell, beeindruckte er 1952 an der Seite Hildegard Knefs in der Verfilmung des Schauerromans "Alraune". In den nächsten Jahren wirkte er in ungefähr 30 Filmen mit - zumeist in der Rolle des ehrlichen jungen Mannes: als Arzt in "Die Sonne von St. Moritz" (1954) oder Kriegsmariner in "Blaue Jungs" (1957).

Seinen großen Durchbruch als Publikumsliebling erreichte Karlheinz Böhm mit der von 1955 bis 1957 gedrehten "Sissi"-Trilogie (von Ernst Marischka) als liebenswerter, junger "Kaiser Franz Joseph". Er prägte das Bild des Märchenkaisers und verkörperte zusammen mit Romy Schneider das brave, saubere Ideal der Nachkriegsjahre.

Um diesem Image zu entkommen, drehte Karlheinz Böhm in der Folge mehrere Filme im Ausland. Anfang der 1960er Jahre versuchte er sein Image radikal zu verändern - u.a. mit dem Psychothriller "Peeping Tom" ("Augen der Angst"), wo er einen psychopathischen Mörder spielte. (Der Film, von der damaligen Kritik verrissen, gilt heute als Meisterwerk!)

Nach seiner Rückkehr aus dem angelsächsischen Raum 1963 gelangen Böhm erfolgreiche Comebacks auf Bühne und vor der Kamera. Trotzdem beendete er nach den unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975) seine Filmlaufbahn und trat nur noch im Fernsehen und im Theater auf.


Für "Menschen für Menschen" gab er dann 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf: seit er am 16.5.1981 in der ZDF-Show "Wetten, dass..?" die Fernsehzuschauer aufgefordert hatte, für Hungernde in der Sahel-Zone zu spenden, engagiert er sich in Äthiopien mit seiner im selben Jahr gegründeten Hilfsorganisation "Menschen für Menschen". In der Stiftungsarbeit fand er eine neue Lebensaufgabe und in Äthiopien eine zweite Heimat.

Seine Bilanz in dem ostafrikanischen Land kann sich sehen lassen: Rund 4,5 Millionen Menschen profitierten von den Hilfsprojekten der Stiftung. Im Rahmen von "Menschen für Menschen" wurden Hunderte Brunnen gebohrt und über 300 Schulen eröffnet; mit Hilfe von Kleinstkrediten wurde die Selbstständigkeit für Frauen ermöglicht und gegen die Beschneidung von Mädchen angegangen.

Karlheinz Böjm erhielt 2003 die äthiopische Ehrenstaatsbürgerschaft; er war in vierter Ehe mit der aus Äthiopien stammenden Agrarexpertin Almaz Böhm verheiratet, die seit 2008 geschäftsführende Vorsitzende und seit 2011 Vorsitzende der Stiftung Menschen für Menschen ist.

Mit ihr und aus seinen früheren Ehen mit Elisabeth Zonewa, Gudula Blau und Barbara Lass hatte er insgesamt 7 Kinder.

Karlheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren im Kreis seiner Fanilie in Grödig bei Salzburg. Sein Lebenswerk – die Organisation „Menschen für Menschen“ - wird auch nach seinem Tod fortgesetzt werden.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, 1983
  • Bambi, 1984
  • Theodor-Heuss-Preis, 1985
  • Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1985
  • Humanitärer Preis der deutschen Freimaurer, 1986
  • Bambi, 1990
  • Bundesverdienstkreuz (Großes Verdienstkreuz mit Stern), 21001
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2002
  • World Award, 2002
  • Internationaler Hundertwasser-Preis, 2008
  • Berlinale Kamera bei der Berlinale für sein Wirken im deutschen Film und sein humanitäres Engagement, 2008
  • Bayerischer Verdienstorden, 2008
  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 2008
  • Save the World Award in Österreich, 2009
  • UNESCO-Ehrenpreis, 2009
  • Fundraising Award 2014 (posthum für Lebenswerk), 2014

Werke (Auswahl)#

Filme
  • Alraune, 1952
  • Der Weibertausch, 1952
  • Salto Mortale, 1953
  • Und ewig bleibt die Liebe, 1954
  • Dunja, 1955
  • Sissi, 1955
  • Sissi – Die junge Kaiserin, 1956
  • Die Ehe des Dr. med. Danwitz, 1956
  • Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin, 1957
  • Das Schloß in Tirol, 1957
  • Blaue Jungs, 1957
  • Das haut einen Seemann doch nicht um, 1958
  • Man müßte nochmal zwanzig sein, 1958
  • La Paloma, 1959
  • Augen der Angst (Peeping Tom), 1960
  • Der Gauner und der liebe Gott, 1960
  • Schicksals-Sinfonie, 1962
  • Die wundervolle Welt der Brüder Grimm (The Wonderful World of the Brothers Grimm), 1962
  • Die vier apokalyptischen Reiter (The 4 Horsemen of the Apocalypse), 1962
  • Flieg mit mir ins Glück (Come Fly with Me), 1963
  • Traumnovelle, 1969
  • Schloß Hubertus, 1973
  • Martha, 1974
  • Faustrecht der Freiheit, 1974
  • Fontane Effi Briest, 1974
  • Mutter Küsters Fahrt zum Himmel, 1975
  • Tatort: Schwarze Einser, 1978
  • Ringstraßenpalais, 1980

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl