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Bürckel, Josef#

* 30. 3. 1895, Lingenfeld (Deutschland)

† 28. 9. 1944, Neustadt an der Hardt (Deutschland, Selbstmord)


nationalsozialistischer Politiker, Gauleiter der NSDAP, Mitglied des Reichstags

Josef Bürckel
Josef Bürckel. Foto, 1938.
© Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU

Josef Bürckel wurde am 30. März in Lingenfeld in der Pfalz geboren.

Nach vierjährigem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg wurde er Lehrer, gab aber seinen Beruf auf, nachdem er 1926 Gauleiter der NSDAP in der Rheinpfalz geworden war. 1930 in den Reichstag gewählt, vertrat er die NSDAP der zur "Saarpfalz" erweiterten Pfalz, und vier Jahre später wurde er Nachfolger von Papens als Saar-Bevollmächtigter der Reichsregierung. Nach der Saarabstimmung (1935) wurde er Reichskommissar für das Saarland.

Nach dem Anschluss Österreichs war Bürckel Gauleiter von Wien, von 23. 4. 1938 bis 31. 3. 1940 war er "Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" mit der Aufgabe, die "Ostmark" politisch, wirtschaftlich und kulturell völlig in das Deutsche Reich einzugliedern.

Ein fähiger Organisator und als Politiker nicht ungeschickt, suchte Bürckel die den Anschluss begleitenden Gewalt- und Plünderungsorgien gegen Juden dadurch zu beenden, dass er durch Erlasse alle Personen, die sich jüdische Betriebe angeeignet und unter ihre "kommissarische Kontrolle" gebracht hatten, aufforderte, über die betreffenden Vorgänge Bericht zu erstatten. In manchen Fällen strengte er sogar Strafprozesse gegen Personen an, die sich durch den Diebstahl von Wertsachen bereichert hatten.

Dennoch war Bürckel als oberster NS-Führer in Österreich für die systematische und rücksichtslose Unterdrückung verantwortlich, die 1939/40 in der Deportation der Wiener Juden gipfelte.

Von 30. 1. 1939 bis 7. 8. 1940 war er Gauleiter von Wien, danach Chef der Zivilverwaltung in Lothringen.

Bürckel war auch für die am 22./23. Oktober 1940 erfolgte, völlig unerwartete Deportation von mehr als 6500 Juden aus Baden und Saarpfalz in das besetzte Frankreich verantwortlich.

Ab 1941 war er Reichsstatthalter in der Westmark, ab 30. 1. 1942 auch SS-Oberführer im Stab des Reichsführers-SS.

Am 28. September 1944 soll Bürckel Selbstmord begangen haben.


--> Historische Bilder zu Josef Bürckel (IMAGNO)

Literatur#

  • P. Hüttenberg, Die Gauleiter, 1968
  • G. Botz, Bürckel und die Wiener Stadtverwaltung, Wiener Geschichtsblätter 30, 1975

Quellen#

  • AEIOU
  • Who is Who in Nazi Germany, Weidenfeld, London, 1982


Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl


Wirklich sehr erfreulich, dass das Forum auch den deutschstämmigen Gauleiter behandelt, zumal er - wie ausgezeichnet dargelegt - in der Wiener "Judenfrage" die entscheidende Rolle spielte. Die politische Geschichte der Stadt Wien wird dadurch deutlich akzentuiert. Es war schon auch die deutsche Gründlichkeit, die den Holocaust zu dem werden liess, was er leider war...; wenn er wirklich im schon im September 1944 Selbstmord begangen hat, dann spricht das für Kontakte zum Widerstand, denn gerade zu diesem Zeitpunkt lief Hitlers Rache auf Hochtouren. (Unternehmen Gewitter)

--Glaubauf Karl, Mittwoch, 16. Juni 2010, 08:05