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Bandlkramerlandl#

Historische Landschaftsbezeichnung für die Textilregion um Waidhofen an der Thaya und Groß-Siegharts (Waldviertel); dort seit dem 18. Jahrhundert hausindustrielle Weberei von Bändern für Wäsche, Kleidung und zu Gebrauchszwecken (Gurten, Schnüre) vorwiegend aus heimischem Leinengarn, zum Teil auch aus Schafwolle.

Produzenten waren von Verlegern abhängige Kleinbauern, Häusler und Inwohner, deren Familienmitglieder in den Produktionsprozess eingebunden waren.

Die Verleger ("Bandlkramer") sicherten sich ihre Position durch Bereitstellung der notwendigen Produktionsmittel (Rohstoffe, Webstühle) und durch Monopolisierung des Warenvertriebs (Beschäftigung von eigenständigen Hausierern als "Bandlträger"). Die Industrialisierung der Textilbranche brachte das Ende des Verlagssystems; ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Bandfertigung in größeren Textilfabriken. Der Niedergang des gesamten Produktionszweigs in der Region setzte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein.

Literatur#

  • A. Komlosy (Hg.): Spinnen, Spulen, Weben - Leben und Arbeiten im Waldviertel und anderen ländl. Textilregionen, 1991
  • dieselbe, Waldviertler Textilstraße - Reiseführer durch Geschichte und Gegenwart einer Region, 1990
  • L. Hokr, Das Bandlkramerlandl, 1991 (wissenschaftlicher Film des ÖWF)


--> Bandelkramer (ABC zur Volkskunde Österreichs)