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Becher, Johann Joachim#

* 6. 5. 1635, Speyer (Deutschland)

† Oktober 1682, London (Großbritannien)

Kameralist, Arzt und Chemiker


Johann Joachim Becher
Johann Joachim Becher. Stich von P. Kilian.
© Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, für AEIOU

Nach Studien- und Wanderjahren in Deutschland, Schweden, Italien und Holland wurde er Leibarzt in Mainz und in München, kam 1666 an den Wiener Kaiserhof, wo er die Schaffung eines Kommerzkollegs als Wirtschaftsbehörde anregte, verließ Österreich wieder, kehrte aber 1670 als alchimistischer und wirtschaftlicher Berater Kaiser Leopolds I. zurück. Sein Projekt einer Seidenmanufaktur war unterdessen in Walpersdorf (Niederösterreich, 1666-78) verwirklicht, die 1. Orientalische Handelskompagnie war 1667 gegründet worden; nun schuf er in Wien ein Kunst- und Werkhaus als Musterwerkstätte (1676-83). Ab 1679 nahm er sein Wanderleben wieder auf, bereiste Holland und England. Becher war ein seiner Zeit vorauseilender Theoretiker des Merkantilismus, der viele Anregungen gab, deren Verwirklichung er aber selten durchstand. Er gewann erstmals Leuchtgas aus Steinkohle; in seinen Schriften befasste er sich mit Theologie, Philosophie, Chemie und Wirtschaft.

Werke (Auswahl)#

  • Physica subterranea, 1667-69, deutsch 1680 und 1703 (Naturlehre)
  • Moral Discurs, 1669
  • Methodus didactica, 1674 (philosophisch-pädagogische Schrift)
  • Politischer Discurs von den eigentlichen Ursachen des Auf- und Abnehmens der Städte, Länder und Republiken, 1673
  • Psychosophia, 1674 (Summe seiner Welterfahrung)
  • Närrische Weisheit, 1682 (Erfindungen)
  • Chymischer Glückshafen, 1682

Literatur#

  • H. Hassinger, J. J. Becher. Ein Beitrag zur Geschichte des Merkantilismus, 1951 (mit Werkverzeichnis)
  • G. Frühsorge und G. F. Strasser, J. J. Becher (1635-1682), 1993
  • Neue Deutsche Biographie