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Beethovens Einzige Geliebte: Josephine!#

Buchbesprechung von Michael Hedley Burton

Beethovens Einzige Geliebte: Josephine!
Ich war schon lange daran interessiert, wer Beethovens "Unsterbliche Geliebte" wirklich war. Jeder Schriftsteller hat eine Muse, sterblich oder unsterblich. Beethoven hatte wohl ein paar, aber ist es nicht bezeichnend, welcher Frau er seine Musik zukommen ließ als ein Geschenk der Liebe? Dieser einzigartige, großartige, berühmte Brief an die Unsterbliche Geliebte, der in einem Geheimfach seines Schreibtisches nach seinem Tod gefunden wurde, nannte ihren Namen nicht. Dieses Schreiben wurde einst (ich habe vergessen von wem) "der größte Ausdruck von Leidenschaft, der jemals von einem Mann an eine Frau geschrieben wurde" genannt, und während nahezu 200 Jahren hat man sich gefragt, wer wohl die mysteriöse Empfängerin des Briefes wirklich war.

Als ich meine eigenen Forschungen über Beethovens Leben für mein Ein-Mann-Stück "Being Beethoven" machte (zum ersten Mal in Amerika von Marke Levene und ein Jahrzehnt später von mir selbst in Neuseeland aufgeführt), wurde ich von dem amerikanischen Musikkritiker, Maynard Solomon, überzeugt, dass die mysteriöse Frau eine Bekannte, Antonie Brentano, war.

John Klapproth hat ein ganzes Kapitel und viele verstreute Bemerkungen an anderen Stellen, die mir meine eigene Dummheit heimleuchten, nämlich solchen Unsinn zu glauben. Johns Logik ist vernichtend für die, die an eine Kandidatin glauben, für die nichts weiter spricht als dass sie an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit war. Die Frau seiner Wahl, Beethovens "Einzige Geliebte" Josephine (Josephine Brunsvik), war unbestreitbar mit Beethoven in früheren Jahren romantisch verbunden. Er schrieb ihr Briefe im gleichen Stil wie der Brief an die Unsterbliche Geliebte, indem er sie, gleichfalls, "mein Engel" genannt hat. Wenn ich diese Briefe selber gelesen hätte, sie allein hätten genügt, um mich zu überzeugen, der Stil ist so ähnlich. Andere Beweise stammen aus Briefen von Josephines Schwester Therese: Wie Josephine, war sie in Beethoven verliebt und war ihm über Jahrzehnte treu ergeben, aber es war ihr klar, daß ihre Schwester die Auserwählte war. Alles in allem jedoch: der Nachweis dieser tiefen Liebesbeziehung zwischen Ludwig und Josephine ist einfach zu überwältigend, um geleugnet werden - eine Zuneigung, die die Wechselfälle von Raum und Zeit überlebt hat.

Geheimhaltung#

Laut Klapproth ist der Grund, warum so viele Menschen in der englischsprachigen Welt der Illusion verhaftet sind, dass die Identität dieser Frau noch nicht entschieden sei, dass so vieles von der neueren Forschung in deutsch veröffentlicht und nicht übersetzt wurde. Klapproths Argumentationsweise ist sicherlich wasserdicht: Er zitiert das, was bekannt ist, und füllt die Lücken mittels Deduktion, wodurch klar wird, wann Ereignisse bewiesen sind, und wann es noch Grund für Unbestimmtheit gibt. Solomon wies Josephine als eine ernsthafte Kandidatin zurück, weil es keine Dokumente gibt über ihren Verbleib zu der Zeit, als Beethoven den Brief schrieb. Klapproth zeigt, obwohl es keine Beweise gibt, dass sie dort war, so gibt es auch keinen Beweis, daß sie nicht da war; in der Tat gab es zwingende Gründe für sie, im Geheimen zu reisen und in einer solchen Weise, daß es offiziell nicht bekannt wurde.

Solange sie lebten, war Geheimhaltung erforderlich zwischen Ludwig und Josephine, und Beethoven tat was er konnte, seine Gefühle geheimzuhalten, weil er und seine Geliebte schicksalsbedingt nicht heiraten konnten. Sie wurden zunächst getrennt, weil Josephine, als eine Gräfin, von ihrer Mutter gezwungen wurde, einen reichen Mann zu heiraten, der adlig (und alt) war. Später, nachdem ihr erster Mann gestorben war, kam eine tragische Wendung in Josephines Leben aufgrund ihres schrecklichen Schicksals: die Verbindung mit ihrem zweiten Mann (dem Erzieher ihrer Kinder), der sie verführte und schwängerte (ein "Fehler", wenn es je einen gab!). Er war ein Mann, der die Macht hatte, ihr alle Kinder wegzunehmen, wenn sie es gewagt hätte, ihrem Herzen zu folgen und mit Beethoven zusammen zu sein.

Obwohl vieles im Geheimen blieb, ließen Beethoven und seine Geliebte doch viele Spuren ihres langfristigen Engagements zurück. Das Buch ist tadellos recherchiert und alle entscheidenden Aussagen in Briefen, Tagebüchern, etc., sind in deutscher als auch (wo übersetzt) in der Oroginalsprache zitiert. Dies ist sehr wichtig, denn Klapproth zeigt, wie viele Fehler durch schlechte Übersetzungen gemacht wurden. Er zeigt sogar, dass Solomon, dem einige Übersetzungsfehler mitgeteilt wurden, sich dennoch weigerte, Änderungen in späteren Ausgaben seines Buches zu machen, weil seine Übersetzung die Deutung stützte, die er anstrebte. (Ein bemerkenswertes Beispiel, das Klapproth anbietet, ist eine Passage in Beethovens Notizbuch, wo ihn jemand fragt: "Wollen Sie bey meiner Frau schlafen?" und dies wird durch Solomon übersetzt, "Do you want to sleep with my wife?" ("Wollen Sie mit meiner Frau schlafen?"). Als Beethoven offenbar bejahte, wurde dies als Beweis für den Sittenverfall des gehörlosen Komponisten zitiert, aber eine bessere Übersetzung, die auch den nachfolgenden Satz, den Solomon ausgelassen hat, besser erklärt, wäre das etwas weniger alarmierende: "Do you want to sleep at my wife's place?")

Eine fesselnde Geschichte#

Beethovens Einzige Geliebte: Josephine! ist nicht nur ein Krimi um herauszufinden, wer die mysteriöse Frau war, das Buch ist eine absolut fesselnde Geschichte einer menschlichen Tragödie, Herz ergreifend, auch wenn die Heldin nicht die Geliebte Beethovens gewesen wäre. Der Bericht von Josephine Versinken in körperliche Erkrankungen und psychische Instabilität ist ergreifend. Klapproth erzeugt ein Bild der Persönlichkeit dieser Frau, die so stark mit Beethoven verbunden war und doch gezwungen wurde, ihm fernzubleiben, wenigstens in diesem irdischen Leben. Jeder, der die Musik Beethovens kennt und liebt, sollte wirklich ein Exemplar dieses Buches erstehen und ihre tragische Geschichte lesen.

Beethovens Musik ist immer wieder neu entdeckt worden und wird immer wieder neu für verschiedene Generationen gespielt, und keiner hört sie genau so wie früher. Für mich macht es durchaus einen großen Unterschied zu wissen, wie Beethovens Geheimnis seinen Willen angefeuert hat, diese seine Musik zu schaffen. Beethoven hatte etliche Affären und Verstrickungen, aber Josephine war seine "Herzensfreundin", ihm gleich in vielerlei Hinsicht und häufig die Quelle seiner Musik. Darunter ist die schönste und romantischste Musik, die jemals komponiert wurde.

Ich werde für immer dankbar sein, dass dieses Buch mich auf eine Geschichte aufmerksam machte, die mir sonst unbekannt geblieben wäre. Beethoven kann als ein noch größerer Mensch angesehen werden, dafür, daß er dieses Geheimnis über Jahrzehnte hinweg treu für sich behielt. Und Josephine - das Leben gab ihr wenige Segnungen, aber ein Buch wie dieses stellt sie der Welt so dar, dass wir sie kennenlernen, sie verstehen und Mitgefühl empfinden können für die Ausweglosigkeit ihres tragische Schicksals. Möge sie Erfüllung finden im Reich der Sterne jenseits dieses irdischen Leidens - zusammen mit ihrem Unsterblichen Geliebten, Beethoven.

John E. Klapproth: Beethovens einzige Geliebte: Josephine!