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Bolzano, Bernhard#

* 5. 10. 1781, Prag

† 18. 12. 1848, Prag

katholischer Geistlicher, Philosoph und Mathematiker

Bernhard Bolzano
Bernhard Bolzano - Foto:ONB

Er wurde 1805 zum Priester geweiht und war 1805-1819 Professor für Religionsphilosophie an der Universität Prag.

Aufgrund von Verleumdungen wurde er wegen angeblicher Irrlehre 1819 seines Amtes enthoben, obwohl er schon damals "böhmischer Leibniz" genannt wurde. Als Theologe vertrat er die moralistisch-rationale Richtung; als Philosoph war er von Kant und der Aufklärung beeinflusst, in der Logik schloss er sich den Auffassungen von Leibniz an, wobei er eine scharfe Unterscheidung zwischen dem Logischen und dem Psychologischen forderte. Als Mathematiker prägte er scharfe Definitionen der Grundbegriffe und war ein Wegbereiter der Mengenlehre.

Seine philosophischen Werke beeinflussten das Denken des 20. Jahrhunderts - der Begründer der Phänomenologie Edmund Husserl erkannte dies als erster und nannte Bolzano 1901 "einen der größten Logiker aller Zeiten". Seine Freunde gaben ohne Namensnennung den überwiegenden Teil seiner Werke heraus.


Seine Selbstbiographie gab M. J. Fesl 1875 heraus. Schriften herausgegeben von der Königlich Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 5 Bde. (1830-48), eine etwa 50bändige Gesamtausgabe ist seit 1969 im Erscheinen (Hrsg E. Winter).

Werke (Auswahl)#

Hauptwerk:
  • Wissenschaftslehre, 4 Bde., 1837 (Neuaufl. 1914, 1929)
  • Athanasia oder die Gründe für die Unsterblichkeit der Seele, 1827 (2. Aufl. 1838)
  • Paradoxien des Unendlichen, 1851 (2. Aufl. 1889, Neuaufl. 1920)

Literatur#

  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.