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Bregenz #

Wappen von Bregenz.© Verlag Ed. Hölzel, Wien.

Bundesland: Vorarlberg Bregenz
Bezirk: Bregenz, Stadt
Einwohner: 29.153 (Stand 31.12.2016)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 427 m
Fläche: 29,51 km²

Bregenz ist die Landeshauptstadt von Vorarlberg und Bezirkshauptstadt. Bregenz ist (hinter Dornbirn und Feldkirch) die drittgrößte, jedoch am dichtesten besiedelte Stadt des westlichsten Bundeslandes Österreichs. Die Stadt liegt am Ostufer des Bodensees. Sie besteht aus den Katastralgemeinden Bregenz, Rieden und Fluh. Die Rheintal-Autobahn A14 umfährt die Stadt im Pfändertunnel, der City-Tunnel verbindet Bregenz mit der A14. Bregenz verfügt über drei ÖBB-Bahnhöfe bzw. Haltestellen, einen Hafen der Bodenseeschifffahrt (Vorarlberg Lines) und die Pfänderbahn, eine Seilschwebebahn auf den Bregenzer Hausberg Pfänder.

Aus der Geschichte#

Die besondere landschaftliche Lage zwischen Berg und See bestimmte die Entwicklung von Bregenz, der ältesten Stadt am Bodensee, welcher jahrhundertelang "Lacus Brigantinus" hieß. Das Rheintal wurde in neolithischer Zeit – ca. 8.000 v. Chr. – über die natürlichen Zugänge von Norden entlang des Bodenseeufers und von Westen über die Walenseefurche erschlossen. Der römische Geograph Strabo erwähnte Bregenz um 30/20 v. Chr. als „Brigantion“. Der einzigen stadtähnlichen Siedlung kam als politischem Versammlungsort, Kultort und Marktort zentrale Bedeutung in Vorarlberg zu.

Panorama Bregenz
Panorama Bregenz, © Bregenz Tourismus/Curt Huber

Die seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesenen Kelten waren Vertreter der in Mittel- und Westeuropa verbreiteten Latènekultur. Im 3. bis 5. Jh. n. Chr. fand eine Reihe von Kriegszügen der germanischen Alemannen ins Alpenrheintal statt. Im Übrigen scheinen aber Romanen und Alemannen eher friedlich nebeneinander gelebt zu haben. Es ist anzunehmen, dass es in Bregenz schon im 4. Jh. eine Christengemeinde gab, noch bevor die nordirischen Wandermissionare Hl. Kolumban und Hl. Gallus mit Gefährten von 610–612 am Bodenseeufer predigten und das Christentum unter den heidnischen Alemannen verbreiteten. Im Jahre 1095 gründete Graf Ulrich X. das Benediktinerkloster Mehrerau. Um 1250 erfolgte die mittelalterliche "Neugründung" der Stadt Bregenz auf dem Plateau der Oberstadt. Die ältesten Teile der Stadtmauer stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Damit zeichnete sich die Entwicklung als Stadt im rechtlichen Sinne ab. Bis ins 17. Jahrhundert tagten die Landstände abwechselnd in Bregenz und in Feldkirch. Erst die Landesverfassung vom 30. Juli 1923 verankerte Bregenz als Landeshauptstadt.

Mit dem Bau der Vorarlberger Bahn (1870–1872) und der Arlbergbahn (1881–1884) begann der Aufstieg der Fabrikindustrie, besonders Textilindustrie, in der damals noch selbstständigen Nachbargemeinde Rieden. Seit 1896 gab es Pläne für eine Zusammenlegung der Gemeinden Bregenz und Rieden, wobei wirtschaftliche und städteplanerische Überlegungen im Vordergrund standen. 1919 sprachen sich die Bewohner bei einer Volksabstimmung für die Zusammenlegung aus.

Kultur#

Theateraufführungen haben in Bregenz eine lange Tradition. Der 1692 aufgeführte "Bürger als Edelmann" von Molière war noch ein rein adeliges Theatervergnügen. Für das Jahr 1793 ist eine bürgerliche Dilettantengesellschaft nachgewiesen. Berufsschauspielergruppen spielten im Alten Rathaus in der Oberstadt und später im großen Theatersaal des Schlachthauses auf dem Kornmarktplatz. Das Theater am Kornmarkt wurde im 1838/40 erbauten Kornhaus eingerichtet und 1955 zur Spielstätte des 1946 gegründeten Theaters für Vorarlberg – heute Vorarlberger Landestheater – umgewandelt.

Die Bregenzer Festspiele – auf der größten Seebühne der Welt – begannen 1946 bescheiden auf zwei Kieskähnen am See. Von Mitte Juli bis Mitte August kommen jährlich ca. 150.000 Besucher an den Bodensee, um das Musiktheater unter freiem Himmel zu erleben. Dabei spielen die einzigartige Naturkulisse, ein imposantes Bühnenbild und hochkarätiges Operntheater zusammen. Zudem bietet das Festival Orchesterkonzerte, Schauspiel sowie „Kunst aus der Zeit“ und crossculture. Weitere international bekannte Kulturangebote sind die Bregenzer Meisterkonzerte, das Tanzfestival „Bregenzer Frühling“ und die Ausstellungen des Magazin4 – Bregenzer Kunstverein.

Neben dem 2013 neu sanierten vorarlberg museum und dem Vorarlberger Landestheater positioniert sich der Neubau des 1997 eröffneten Kunsthauses Bregenz (KUB) nach dem Entwurf des Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor an der Silhouette zum Bodensee. Das Äußere des KUB wird bestimmt durch eine Lichtdiffusionshaut aus Glaspaneelen. 500 m² im Erdgeschoss dienen als Ausstellungsfläche und multifunktionaler Aktionsraum. Durch die einheitliche Positionierung der Ein- und Ausgänge entwickelt sich ein Rundgang durch die sich nur in den Raumhöhen unterscheidenden drei Obergeschosse, die je nach Ausstellung als Säle – einzeln oder durch mobile Elemente unterteilt – genutzt werden.

Sehenswürdigkeiten#

Bregenz war bis zur Wende des 18. zum 19. Jahrhundert eine ausgesprochene Barockstadt; noch heute finden sich im Stadtbild zahlreiche barocke Anklänge, vor allem in kirchlichen Bauten:

Nepomukkapelle1757 errichtete Votivkapelle mit rundem Grundriss
SeekapelleAn das Rathaus angebaut ist die Seekapelle (1696–98), ein einschiffiger Bau mit einem achteckigen Turm und zierlicher Kuppel.
MartinskapelleIm Untergeschoss beim Martinsturm birgt der Chor der Martinskapelle einen wertvollen Freskenzyklus aus dem 14./15. Jahrhundert.
Stadtpfarrkirche St. GallusBarockkirche (1737/38 umgebaut) mit einem gotischen, einem Torturm ähnlichen Fassadenturm. Dieser erhielt einen barocken Turmabschluss durch einen geschweiften Giebel mit Laterne.
SiechenkapelleDie Siechenkapelle, eine fromme Stiftung des Grafen Hugo XII. von Montfort, war die Kapelle eines Krankenhauses für Leprakranke. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie barockisiert
Kloster MehrerauUrsprünglich wurde ein Kloster von Graf Ulrich X. von Bregenz in Andelsbuch im Bregenzerwald an Stelle einer Einsiedelei gegründet. Um 1086 trafen dort Benediktiner ein, die dann 1095 an das Ufer des Bodensees, die „Au“, in Bregenz umsiedelten. Von 1740 bis 1743 entstand dort ein Neubau der Klosterkirche; Anfang der 1960er-Jahre wurde dieser völlig umgestaltet.
RiedenburgIm 13. Jahrhundert diente die „Riedenburg“ den Herren von Nidegge als Ansitz. 1854 eröffnete die Gesellschaft vom Heiligsten Herzen Jesu „Sacré Cœur“ eine Erziehungsanstalt und Schule für Mädchen.
Villa Raczynski - MarienbergDie auf einem Hang am Fuße des Gebhardsberges gelegene Villa mit Stadt- und Seeblick aus dem späten 19.Jahrhundert erwarben 1904 Dominikanerinnen und nannten den Besitz „Marienberg“.
KapuzinerklosterDie Kapuziner ließen sich 1639 in Bregenz nieder. Als die Stadt 1647 von den Schweden erobert wurde, blieb von Plünderung und Mord verschont, wer im Kloster Zuflucht finden konnte. Seit 1996 setzen dort die Schwestern der Hl. Klara das pastorale und soziale Werk der Kapuziner fort.
Kloster ThalbachEntstanden 1674–77, ist das Kloster Thalbach ein frühbarockes Beispiel einer symmetrisch-rechteckigen Klosteranlage.
Seeanlagen und HafenIn der Spätantike – im 4. Jahrhundert – reichte der Bodensee noch tief in das heutige Stadtgebiet herein. 1968 bis 1972 wurden am Leutbühel zahlreiche römische Mauerreste gefunden, die zuerst als Hafenmauer und 1999 schließlich als Hafenkastell interpretiert wurden.
Das Ufergelände ("Bregenz") wird 1249 erstmals genannt, dort befand sich wohl auch eine Schiffsanlegestelle. 1439 ließ Erzherzog Sigmund von Tirol die Schiffsanlegestelle (Stede) ausbauen. 1764 besaßen Lindau und Bregenz die größten Häfen am Bodensee. 1883–1892 wurde der Hafen großzügig ausgebaut, das Hafengebäude vergrößert und gegen Nordosten eine Hafenwand erstellt, die ein zweites Hafenbecken schuf.2008 bis 2010 wurde die Hafenanlage (u.a. auch mit attraktiven Sunset-Stufen) grundlegend saniert und – nach einer Volksabstimmung am 8. März 2009 - ein neues Hafengebäude „Die Welle“ in einer modern-funktionalen Beton-Glas-Architektur errichtet, um den vielen Passagieren der Bodenseeschifffahrt ein entsprechendes Entree zu bieten.
KornmarktplatzDer Kornmarktplatz war früher das Zentrum des Bregenzer Kornhandels. Heute befinden sich hier kulturelle Einrichtungen wie das 2013 neueröffnete vorarlberg museum, das Theater am Kornmarkt mit dem Vorarlberger Landestheater und das Kunsthaus Bregenz (KUB).
RathausDas Rathaus (in dieser Funktion seit 1810/11) wurde 1686 ursprünglich als städtisches Lagerhaus für den aufblühenden Kornhandel errichtet. Zum 50-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs I. wurde 1898 die Fassade im Stil der Spätrenaissance (Mosaikmedaillons mit Herrscherportraits) umgestaltet.
PfänderbahnDie 1927 eröffnete Kabinenseilbahn auf den Pfänder war die dritte Seilbahn Österreichs. Ihre Talstation gilt als architektonische Meisterleistung. 1994/95 wurde die Pfänderbahn komplett erneuert und modernisiert. Das 1998 eröffnete Pfänderbahn-Museum bei der Talstation erfreut sich bei Einheimischen und Gästen großer Beliebtheit.
OberstadtEin Tor mit Wappen erschließt die mittelalterliche Altstadt. Die Stadtmauer stammt aus der Mitte des 13.Jahrhunderts und ist zu einem Großteil noch erhalten. Der Martinsturm, das dominante Bauwerk der Oberstadt, ist das Wahrzeichen von Bregenz. Der mit Schindeln gedeckte größte Zwiebelturm Mitteleuropas ist das erste charakteristische barocke Bauwerk am Bodensee. Das sogenannte Alte Rathaus ist ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1662. Das größte Gebäude der Oberstadt ist das ehemalige Gefangenenhaus des Bezirkes, das 1857 anstelle der ehemaligen Burg der Grafen von Montfort erbaut wurde, heute Bundesdenkmalamt. Auf dem Ehregutaplatz steht der Montfort-Brunnen mit einer Plastik des Minnesängers Hugo XII. von Montfort, der 1357 in der Burg in der Oberstadt geboren wurde. Das Deuringschlösschen (1660–90) hatte Vorgängerbauten aus dem Mittelalter. Der Barockbau, der das Stadtbild der Oberstadt mit beherrscht, diente Künstlern gerne als Sujet, wie 1912 Egon Schiele.
Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis1953 hielt die Berufsvereinigung bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs Einzug in das 1848 errichtete Gebäude, um einen ständigen Ausstellungsraum zur Verfügung zu haben. Der zum Künstlerhaus gehörende öffentliche städtische Park ist wegen seines Arboretums sehenswert.
Vorarlberger LandesbibliothekDer Ansitz Babenwohl, malerisch am Fuße des Gebhardsbergs gelegen, war einst ein Benediktinerkloster. Die ehemalige Klosterkirche, jetzt Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek, wurde 1910–1916 mit einer 36 Meter hohen Kuppel errichtet. Den ältesten Bauteil bildet das in der Bausubstanz bis ins Mittelalter zurückreichende Schlösschen Babenwohl. 1981–1985 erhielt die neue Bibliothek einen Mitteltrakt, nachdem das dortige frühere Mädchengymnasium umgesiedelt ist. Seit 1985 beherbergt das ehemalige „Gallusstift“ die Vorarlberger Landesbibliothek.
GebhardsbergDer Gebhardsberg ist Wallfahrtsort und Aussichtsberg. Sein Namenspatron, der Hl. Gebhard (949–995), wurde in der Burg der Udalrichinger in der Bregenzer Oberstadt geboren. Ende des 11. Jahrhunderts erbauten die Grafen von Bregenz das Schloss Hohen-Bregenz. 1647 nahmen die Schweden die Burg ein und sprengten sie. Die Wallfahrtskirche wurde 1723 den hll. Georg und Gebhard geweiht. 1791 erfolgte nach einem Brand ein Neubau. 1977 und 2011/2012 wurden Renovierungen der Wallfahrtskirche durchgeführt. 1964/65 erfolgte der Abbruch des alten Mesnerhauses und der Neubau eines Burgrestaurants..

Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft #

Zu den wichtigsten Unternehmen in Bregenz zählen Rhomberg Bau GmbH, (Bauunternehmen und Eisenbahnbau); Wolford AG (Strümpfe und Bodies); Julius Blum GmbH (Beschlägehersteller); illwerke vkw (Stromerzeugung und Vertrieb); Bregenzer Festspiel- & Kongresshaus GmbH; Vorarlberg Lines (Bodenseeschifffahrt) sowie weitere Dienstleistungsunternehmen, wie Versicherungen, Banken, Steuerberater, Rechtsanwälte, Arztpraxen, Hotels, Gastronomie, Reisebüros usw.

Bregenz ist nicht nur Einkaufsstadt mit Erlebnischarakter in der internationalen Dreiländerecke Deutschland–Österreich–Schweiz, sondern auch Sitz verschiedener Bundes-, Landes- und Bezirksbehörden sowie eines neu erweiterten Landeskrankenhauses. Die Vorarlberger Landeshauptstadt ist auch eine innovative Schul- und Bildungsstadt mit überregionalem Einzugsgebiet, z.B. Zentrum für Fernstudien, Musikschule, Bibliotheken und Büchereien, Krankenpflegeschule, Volkshochschule Bregenz u.a. Siehe www.bregenz.at

Politik#

Von den 36 Mandaten der Bregenzer Stadtvertretung entfielen (nach den Gemeinderatswahlen 2010) 18 auf die ÖVP, 10 auf die SPÖ, 4 auf die GRÜNEN, 3 auf die FPÖ, 1 auf die Liste "Bregenz denkt".

Weiterführendes#

Literatur#

  • Österreichisches Städtebuch, Band III, Vorarlberg, 1973
  • B. Bilgeri, Geschichte der Stadt Bregenz, 1980
  • O. Sandner, Bregenz, 1983
  • A. Paul, Bregenz, Stadt an der Grenze, 1987

Quellen#

Redaktion: P. Diem