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Buchberger, Bruno#

* 22. 10. 1942, Innsbruck (Tirol)


Mathematiker, Informatiker


Bruno Buchberger
Bruno Buchberger
© Bruno Buchberger

Buchberger besuchte das Akademische Gymnasium in Innsbruck. 1960 entschloss er sich spontan für das Studium der Mathematik an der Universität, wo er parallel auch als Programmierer angestellt wurde.


1965/66 promovierte er an der Universität Innsbruck mit der mathematischen Theorie der Gröbnerbasen und dem Buchberger-Algorithmus. In seiner Dissertation ("Ein Algorithmus zum Auffinden der Basiselemente des Restklassenrings nach einem nulldimensionalen Polynomideal") löste Buchberger ein 60 Jahre altes mathematisches Problem: eine Theorie zum Lösen sogenannter "nicht-linearer" Gleichungen. Über die Methode, die er nach seinem Doktorvater Wolfgang Gröbner "Gröbner-Basen" genannt hat, sind seither mehr als 1000 wissenschaftliche Arbeiten erschienen.

Die Theorie wurde seither von Buchberger weiter verfeinert und ausgebaut und so zu einem wesentlichen Baustein der Computer-Algebra, die heute in Naturwissenschaft, Technologie und Informatik breite Anwendung in der Lösung konkreter Probleme findet (z.B. in den automatischen Problemlösungs-Modulen der Robotik, im computerunterstützten Entwurf (CAI) und in der Modellierung biologischer Systeme).


1973 habilitierte sich Buchberger im Fach Mathematik und übersiedelte 1974 nach Oberösterreich und war von 1974 bis 2002 Ordentlicher Universitätsprofessor für Computer-Mathematik am Institut für Symbolisches Rechnen an der Johannes-Kepler-Universität (JKU) in Linz.
Außerdem hatte Buchberger zahlreiche Gastprofessuren im In- und Ausland (Europa, USA, Japan und Australien) inne.


Von 1979 bis 1981 war er Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der JKU, 1987 gründete er dort das Research Institute for Symbolic Computation (RISC, Forschungsinstitut für Symbolisches Rechnen), dessen Vorstand er bis 1999 war.


1989 transferierte Buchberger dieses Institut nach Schloss Hagenberg (OÖ), wo er 1990/91 den Softwarepark Hagenberg (im Mühlkreis) gründete, den er bis Juli 2013 leitete. Hier haben rund 60 Unternehmen und Institute mit mehr als 1000 Mitarbeitern ihren Sitz, dazu kommen noch 1500 Studenten der Fachhochschulen - Forschung, Ausbildung und Wirtschaft an einem Ort.


2006 setzte Buchberger mit seiner Zukunftsplattform für die Regionale Entwicklung für Hagenberg sowie für drei Nachbargemeinden eine breite Initiative in der Bevölkerung zur Verbesserung der Lebensqualität und Attraktivität der Region. Außerdem initiierte er in Timisoara (W-Rumänien) einen Spin-off des RISC, das 'Institute e-Austria Timisoara'.


Buchberger ist Initiator der FH-Studiengänge in Österreich und Autor des ersten Konzepts des oberösterreichischen Technologie-Netzwerks (1992), der Entwickler des Systems 'Theorema' zum automatischen Beweis mathematischer Sätze und leitet seit 1996 die Forschungsgruppe 'Theorema'; er ist der Koordinator für den Aufbau der Informatik an der Universität Innsbruck (2000) und war federführend am Konzept 'e-Austria' für die österreichische Bundesregierung beteiligt (2001).


Der vierfache Vater lebt zusammen mit seiner Familie in Hagenberg.


Bei der OCG Jahresveranstaltung am 11.4. 2011 wurde die Präsidentschaft von ao. Univ.-Prof. Dr. Gerald Futschek an Mag. Reinhard Goebl übergeben.

Festredner war Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h.c. mult. Bruno Buchberger, der im Rahmen dieser Veranstaltung die Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Computer Gesellschaft erhielt.


Kotsis, Buchberger, Goebl
Laudatorin Univ.Prof. Dr. Gabriele Kotsis neben Univ.Prof. Dr. phil. Dr. h.c. mult. Bruno Buchberger, der vom neuen Präsidenten der OCG Mag. Reinhard Goebl die Ehrenmitgliedschaft erhält

Buchberger, Ehrenmitgliedschaft
Reinhard Goebl überreicht die Ehrenurkunde an Bruno Buchberger
Er brillierte mit einer Rede über die Anwendung von Gröbnerbasen und vor allem den autmomatischen Entwurf von Algorithmen, wo er fürwahr erstaunliche Resulate erzielt hat. Bekanntlich verwendet man Gröbnerbasen, um aus polynominalen Gleichungssystemen mit mehreren Variablen die einzelnen Variablen zu isolieren. Der Beweis, dass dies mit einem geeigneten Algorithmus immer geht, war einer der ersten tiefen Erkenntnisse Buchbergers. Dass sein System für den automatischen Entwurf von Algorithmen sogar diesen Algorithmus findet, ist wegen der Komplexität eine Sensation. Buchberger nannte daher seinen Vortrag ironisch "Eliminating Variables and eliminating Buchberger."


Darüber hinaus ist Bruno Buchberger zwar Mathematiker, aber auch leidenschaftlicher Klarinettenspieler - uns so trat er auch hiermit seiner Band "Bookie Mountain Jazz Trio" auf.


Buchberger m. Bookie Mountain Jazz Trio
B. Buchberger mit seinem Bookie Mountain Jazz Trio

Buchberger
B. Buchberger

Buchberger
B. Buchberger

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl):#

  • Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, 1991
  • Ehrendoktorat der Universität von Nijmegen, Niederlande, 1993
  • Oberösterreichischer Wissenschaftspreis, 1995
  • Hermes Award des Wirtschaftsblatts, 1999
  • Goldenes Ehrenkreuz der Oberösterreichischen Raiffeisen Bank, 1999
  • Goldene Ehrenmedaille der Oberösterreichischen Regierung, 1999
  • Erwin Wenzl Ehrenpreis, 2003
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse, 2003
  • Wilhelm Exner Medaille der Österr. Handelskammer, 1995
  • Rudolf Trauner Wissenschaftspreis der OÖ Wirtschaftskammer 1994
  • Ehrendoktorat der Universität von Timisoara, Rumänien, 2000
  • Ehrendoktorat der Universität von Bath, Großbritannien, 2005
  • Julius-Raab Medaille, 2006
  • Kanellakis Award der ACM (Association for Computing Machinery) , 2007
  • Österreicher des Jahres in der Kategorie "Forschung", 2010
  • Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Computer Gesellschaft, 2011

Publikationen (Auswahl)#

  • Ein Algorithmus zum Auffinden der Basiselemente des Restklassenrings nach einem nulldimensionalen Polynomideal, Dissertation, Univ. Innsbruck, 1966
  • Computer Trees: A Concept for Parallel Processing, 1979
  • Mathematische Grundlagen der Informatik I, 1980
  • Mathematics for Computer Science I - The Methode of Mathematics, 1981
  • Computer Algebra – Symbolic and Algebraic Computation, 1982
  • Artificial Intelligence and Symbolic Computation. Lecture Notes in Computer Science Vol. 3249, B. Buchberger & J. A. Campbell
  • Mathematik, Informatik, Österreich, 1997
  • Gröbner Bases and Applications, 1998
  • Computer-Algebra: Das Ende der Mathematik?, 2000
  • Theorema, 2006

Bruno Buchberger veröffentlichte mehr als 500 wissenschaftliche Arbeiten und gründete er 1985 das 'Journal for Symbolic Computation', das er als Herausgeber bis 1995 leitete, und das als das bedeutendste wissenschaftliche Magazin im Bereich des symbolischen Rechnens gilt.

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: N. Miljković, I. Schinnerl