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Burgen und Schlösser#

Karte: Schlösser, Burgen, Ruinen und Ausgrabungen
Schlösser, Burgen, Ruinen und Ausgrabungen.
© Verlag Ed. Hölzel, Wien.

Schon in der Jungsteinzeit gab es im österreichischen Raum Wehranlagen (Wallburg Schanzboden bei Falkenstein, Niederösterreich, 4500 v. Chr.). Bekannt sind die "oppida" der Kelten (Leopoldsberg bei Wien, Braunsberg bei Hainburg). Burgsiedlungen waren in der Karolingerzeit Schwerpunkte (Ennsburg).

Wallburgen der Slawen gab es im nördlichen Niederösterreich (Thunau bei Gars), in Kärnten (Karnburg) oder Steiermark (Graz). Neben größeren Anlagen wurden auch kleine Hügel künstlich aufgeworfen und mit Burgställen besetzt. Auch in der Babenbergerzeit wurde ein System von Burgbezirken aufgebaut. Ein Beispiel des 10. Jahrhunderts ist der Kirchenberg von Wieselburg (Niederösterreich), der rekonstruiert wurde. Mit Burgen als Schwerpunkte entstanden Marken (Hengistburg in der Steiermark).

Im 11. Jahrhundert entstanden große und kleine Höhenburgen, deren Namen auf -burg, -stein, -berg, -fels oder -egg endeten. Der Idealtyp einer Burg um 1100 war ein oft turmartig überhöhtes "festes Haus" und eine Kapelle, beides mit einer Mauer (Bering) umgeben. Großburgen dieser Art waren die Schallaburg, Raabs, Gars.

Seit dem 12. Jahrhundert wurden Burgen als Mittelpunkt einer weltlichen Grundherrschaft errichtet und waren bis 1848 Stütze der lokalen Verwaltung, Schutz und Schirm für die Untertanen und wirtschaftliche Grundlage des Inhabers oder Lehensträgers. Je nach Stand und Rang wurden Burgen ausgebaut, besonders häufig wurden sie in Grenzräumen errichtet. Dort gab es auch in Dörfern befestigte Türme oder Höfe. Burgen dienten nun vorwiegend der lokalen Verteidigung oder der Beherrschung eines Raumes bzw. der Sperre von Tälern oder Pässen. Typisch war die Anlage von Großburgen durch die Erzbischöfe von Salzburg im 11. Jahrhundert (Hohensalzburg, Hohenwerfen, Friesach, Leibnitz). Neben Höhenburgen gab es im Flachland auch Wasserburgen, die später meist 4 Flügel oder 3 Flügel und eine Mauer sowie Ecktürme aufwiesen (Orth, Ebenfurth, Pottendorf).

Auch die Herrschersitze des Mittelalters waren Burgen, manche wurden auch in befestigte Städte einbezogen (Wien, Wiener Neustadt). Solche Burgen zählen qualitativ zu den besten des europäischen Raumes. Burgstädte entstanden im Grenzbereich Niederösterreich und Steiermark. Seit dem 13. Jahrhundert wurden Stadtburgen, die an der Ecke der Stadtbefestigung lagen, häufig.

Die Burgkapellen wurden bereits zur Zeit der Romanik mit Fresken geschmückt (Ottenstein am Kamp, Petersberg in Friesach).

Die große Zeit des Burgenbaus war das 13. Jahrhundert, als sich die Grundherrschaften und der Ministerialenstand entwickelten. Nun entstanden meist mächtige Türme (Bergfriede), die auch der Machtdemonstration dienten. Im Spätmittelalter wurde der Burgenbau auch zu einem landesfürstlichen Machtinstrument. Einesteils versuchte der Landesfürst, Burgen unter seine Kontrolle zu bringen und durch Burggrafen verwalten zu lassen, andererseits wurden Burgen, die Widerstand leisteten, gebrochen. So entstanden die ersten Ruinen. Zur Zeit der Gotik wurde bereits nach mehr Wohnlichkeit verlangt, des Öfteren wurden auch bauliche Ausgestaltungen zur Verstärkung (Vorburgen, Zwinger, Basteien) oder zur Repräsentation (Friedrichstor in Linz) vorgenommen.

Nach 1500 vollzog sich der Wandel von der Verteidigungsburg zum Herrschaftssitz, nicht mehr benötigte Burgen wurden vernachlässigt. Auch die Erfindung der Kanonen (Belagerung von Kufstein 1503) machte eine Änderung der Bautechnik notwendig. Neben der Verstärkung der Anlagen war nun auch die Schaffung eines Freiraums um die Burg wichtig. Wirtschaftsaufgaben erforderten zusätzliche Gebäudetypen. Vielfach wurden italienische Festungsbaumeister herangezogen, die repräsentative Tore, Arkadenhöfe, besser beheizbare Wohnräume, Bibliotheken und Säle schufen. So wurde die Burg zum Schloss. Der italienische Einfluss blieb bis ins Spätbarock bestehen. Von 1500 bis 1620 übernahm man Renaissanceformen, 1620-80 frühbarocke, 1680-1740 hoch- und spätbarocke Formen mit entsprechenden Merkmalen und Raumgestaltung. Dem Hauptanliegen, der Umformung in bequemere, ansehnlichere Komplexe unter Beibehaltung der Wehrfunktionen, wurde durch Um- oder Zubauten entsprochen (Hochosterwitz, Riegersburg/Steiermark, Herberstein). Die meisten Burgen wurden so im 16. und 17. Jahrhundert den wechselnden Bedürfnissen angepasst, manche entscheidend verändert, wie die Schallaburg und die Rosenburg. In Clam wurde 1636 ein 6geschossiger Wohnturm angebaut, in Weitra wurde um 1590 der schlechte Bau abgebrochen und eine Vierflügelanlage mit Arkadenhof erbaut.

Im Bereich der Burgen entstanden Turnierplätze, die oft auch als Glacis verwendbar waren. Die Burgen wurden im 16. Jahrhundert zunehmend zu Zufluchtsorten, besonders in den von Osmanen bedrohten Gebieten, mit dem Ziel, die Bevölkerung des Umlands längere Zeit aufnehmen zu können.

In der Barockzeit wurde die Burg endgültig zum Schloss, war meist unbefestigt, wurde stattlich erbaut, oft auch kostspielig als Herrschaftssitz eingerichtet, war von Parkanlagen umgeben, wurde häufig aber nur zeitweise genutzt. Beispiele sind Schönbrunn, Eggenberg in Graz, Mirabell in Salzburg, die Hofburg in Innsbruck, aber auch Laxenburg, Schlosshof und das Belvedere in Wien. Nun hatten die Inhaber meist Stadthäuser, von denen manche zu Stadtschlössern umgestaltet wurden, besonders vom Hofadel in Wien. Bedeutsam wurden auch die Wirtschaftsgebäude, wie der Meierhof. Unwohnliche Anlagen wurden meist aufgegeben und verfielen, manchmal wurde daneben ein Neubau erbaut. Zu einem großen Burgensterben führte die Einführung der Gebäudesteuer am Ende des 18. Jahrhunderts; damals wurden viele Burgen abgedeckt und zu Ruinen gemacht. Vielfach verwendete man sie im 19. Jahrhundert als Kasernen.

Im Zeitalter des Biedermeier entstanden historisierende Burgen (Franzensburg, Grafenegg), nicht selten unter Nachahmung des englischen Tudorstils; Kreuzenstein ist ein besonderes Beispiel. Auch Großbürger (Fabrikanten, Inhaber von Bergwerken) errichteten nun vor allem im ländlichen Raum burgähnliche Ansitze.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts büßten die Burgen und Schlösser vielfach ihre wirtschaftliche Bedeutung ein, besonders im 20. Jahrhundert wurden manche herrenlos oder enteignet und gingen in öffentlichen Besitz über. Auch in der Besatzungszeit kam es teilweise zu Zerstörungen an Burgen und Schlössern.

Nach 1950 erfolgte vielfach eine Revitalisierung von Schlössern, meist mit öffentlichen Mitteln, wobei die kulturelle Nutzung bevorzugt wurde (Museen in Salzburg, Innsbruck, Linz, Graz-Eggenberg, Schallaburg, Regierungssitze in Graz und Wien, Rathäuser Salzburg unter anderem, Kulturzentren Eisenstadt unter anderem), oft findet man gemischte Nutzung.

Die Burgen wurden seit dem 19. Jahrhundert wissenschaftlich erforscht (A. Piper, Österreichische Burgenkunde, 8 Bände, 1902-10), fortgesetzt wurde die Burgenkunde in der Zwischenkriegszeit (R. Baravalle und W. Knapp, Steirische Burgen, 3 Bände, 1936-41; G. Binder, Burgen und Schlösser in Niederösterreich, 2 Bände, 1925; Burgenarchiv und Karte der Wehr- und Schlossbauten in Niederösterreich von F. Halmer, Planaufnahmen durch A. Klaar, W. Götting und W. Knapp); 1950 wurde die Burgenkunde durch eine Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften belebt (Verzeichnis österreichischer Burgen und Schlösser 1955). Viele Forscher wirken regional und lokal (R. Büttner); auch Rekonstruktionen zur Herstellung von Modellen (O. Chmelik, K. Schemper). Bücher über Burgenkunde sind häufig.


--> Historische Bilder zu Burgen und Schlösser (IMAGNO)

Literatur#

  • E. Berger, in: Adel im Wandel, Ausstellungskatalog, 1990
  • M. Mitterauer, Burg und Adel in den österreichischen Ländern, in: H. Patze, Die Burgen im deutschen Sprachraum 2, 1976
  • Burgenbuchreihe des Birken-Verlags
  • G. Stenzel, Österreichs Burgen, 1989
  • G. Clam-Martinic, Österreichisches Burgenlexikon, 1992




Ergänzend sei gesagt, dass es, erst seit dem die Burgen nicht mehr aus Holz waren, also nicht mehr einfach verbrennen konnten, den Adelstitel von oder zu der Hauptburg des Geschlechts gab. Bis dahin war es ohne den Bezug zum ursprünglichen Hauptstandort des Geschlechts.

Oft war das Heiligtum des Geschlechts das Stammbuch in 3 Ausfertigungen erstellt worden. In dem Stiftskloster des Geschlechts wurde ein Exemplar für den Hauptsitz erstellt. Ein Exemplar war im Kloster selbst untergebracht und ein drittes Exemplar meist in einem sehr weit entfernten Adelssitz desselbigen Geschlechts, oft als Sommersitz oder ein Ableger davon benannt.

So war es möglich, dass auch bei Unruhen und Kriegen dieses wichtigste Buch, die Identität und die Geschichte des Geschlechts nicht verloren gehen konnte.

Auch lernte man später in Kriegszeiten, die Burgen so etwa 200 bis 400 m zu umgehen, um eigene Verluste zu verringern. Man isolierte so den Sitz und versuchte oft ohne viel Kampf, diesen auszuhungern.

Darstellungen von Burgtürmen und Burgdächern mit und ohne Dach aus Holzschindeln erklären oft die Zeit, in der der Holzschnitt oder das Gemälde, der Kupferstich oder die Zeichnung allgemein entstand.

War Krieg im Lande, wurden die Dächer abgedeckt, um so ein Ausbrennen der Burg durch Brandpfeile vorzubeugen. Die Burgen auf den Höhen hatten meist ein ausgeklügeltes Drainagesystem, das weiter unten wieder in den Innenhof in eine Zisterne führte. So konnte man Wasser bevorraten.

Auch wurden oft innerhalb der Ringe der Burg Schafe oder Ziegen gehalten, um bei urplötzlichen Angriffen etwas Frischfleisch für die erste Zeit zu haben, bis die Brieftauben Hilfe von Freundesburgen des Geschlechts heranbringen konnten, soweit dies noch möglich war.


Gruß Einer_von_uns

--Rosner Leo, Samstag, 16. Oktober 2010, 11:33