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Busek, Erhard#


* 25. 3. 1941, Wien


Jurist
Politiker (ÖVP); Vizekanzler a.D.


Erhard Busek
Erhard Busek. Foto, 2000
© Paul Wilke, Wien, für AEIOU

Erhard Busek wurde am 25. März 1941 als Sohn eines Baumeisters in Wien geboren, wo er auch aufwuchs und die Schule besuchte.

Nach der Matura 1959 absolvierte er an der Universität Wien ein Studium der Rechtswissenschaften, das er 1963 mit der Promotion abschloss.

Schon während seiner Schul- bzw. Studienzeit engagierte er sich bei der Katholischen Mittelschuljugend (KMJ), deren Zentralsekretär (1959-1961) und Zentralführer (1962-1966) er war. Von 1966 bis 1969 war er Vorsitzender des Österreichischen Bundesjugendrings (ÖBJR).

Nach teilweiser Absolvierung des Gerichtsjahres stieg Erhard Busek in das Berufsleben ein und war ab 1964 als zweiter Klubsekretär im ÖVP-Parlamentsklub tätig. 1968 wechselte er in die Bundesleitung des Wirtschaftsbundes, wo er zunächst als Organisationsreferent, ab 1969 als stellvertretender Generalsekretär und ab 1972 als Generalsekretär tätig war.

1975 trat er als Abgeordneter in den Nationalrat ein und wurde zum ÖVP-Generalsekretär bestellt. 1976 wechselte er zur Wiener Landespartei, der er zu Beginn der Umweltschutz-Bewegung ein grünes Image gab. Bis 1989 war er Landesparteiobmann der Wiener ÖVP, von 1978 bis 1987 war er außerdem Vizebürgermeister und Landeshauptmann-Stellvertreter von Wien.


1989 wurde Erhard Busek als Bundesminister für Wissenschaft und Forschung in die österreichische Bundesregierung (unter Bundeskanzler Franz Vranitzky, SPÖ) berufen. 1991 wurde er - als Nachfolger von Josef Riegler - zum Bundesparteiobmann der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) gewählt. Von 1991 bis 1995 war er Vizekanzler und gleichzeitig Bundesminister für Wissenschaft und Forschung (bis 1994) bzw. Bundesminister für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1994 bis 1995).
Ein besonderes Anliegen war dem überzeugten Mitteleuropäer die Vertiefung der kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zu vielen der ehemals kommunistischen Ostblockstaaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien).


Nach seiner Ablöse als Bundesparteiobmann (durch Wolfgang Schüssel) 1995 widmete er sich verstärkt seinen mitteleuropäischen und kulturellen Interessen: er übernahm den Vorsitz des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) und wurde 1996 Koordinator der Southeast European Cooperative Initiative (SECI).

Er war von 2000 bis 2002 Regierungsbeauftragter für die EU-Erweiterung, von 2002 bis 2008 Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa und von 2008 bis 2009 Berater des Außenministers der Tschechischen Regierung (in Fragen des westlichen Balkans während der EU-Präsidentschaft).
Darüber hinaus war Erhard Busek von 2000 bis 2012 Präsident des Europäischen Forum Alpbach (seither Ehrenpräsident) und von 2004 bis 2011 der erste Rektor der Fachhochschule Salzburg.

Zur Zeit ist er u.a. Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Koordinator der Southeast European Cooperative Initiative, Präsident des Vienna Economic Forums, Vorsitzender des Universitätsrates der Medizinischen Universität Wien und 'Jean Monnet Professor ad personam'.
(Dr. Erhard Busek ist Inhaber einer Jean Monnet Professur, die ihm zur Unterstützung seiner umfangreichen Aktivitäten für die Europäische Integration ad personam verliehen wurde. Seit dem März 2012 ist diese Professur an der Universität Graz verankert.)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ehrendoktorate der Universitäten
    • Krakau
    • Bratislava
    • Czernowitz
    • Rousse
    • Brasov
    • TU Liberec, 2003
    • Webster-St. Louis University in Wien
    • IEDC -Bled School of Management
    • TU Wien, 2008
    • Universität Prishtina, 2009
  • Ehrensenator
    • Universität für Bodenkultur Wien
    • Medizinischen Universität Innsbruck, 2009
  • Bulgarisches Verdienstkreuz
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien mit dem Stern
  • Ehrenzeichen Für Verdienste um die Polnische Kultur, 2003
  • Corvinus-Preis des Europainstitutes Budapest, 2005
  • Julius Raab Medaille in Gold des Österreichischen Wirtschaftsbundes, 2006
  • Pax Mercuria Sympathia, 2008
  • Dr. Elemer Hantos Prize, 2009
  • Orden des Weißen Doppelkreuzes 2. Klasse (für besondere Verdienste um die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Slowakischen Republik und der Republik Österreich und die Verbreitung des guten Namens der Slowakischen Republik im Ausland), 2011
  • The Merit Award of the Romanian Academy, 2012
  • Ehrenzeichen des Landes Salzburg, 2012
  • Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Alpbach, 2012
  • Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark, 2013
  • Donauland-Sachbuchpreis, 2016

Werke (Auswahl)#

  • Die unvollendete Republik, 1968
  • Auf dem Weg zur qualitativen Marktwirtschaft (mit C. Festa und J. Görner), 1975
  • Wien. Ein bürgerliches Credo, 1978
  • Mut zum aufrechten Gang (Hg.), 1983
  • Projekt Mitteleuropa (gemeinsam mit E. Brix), 1986
  • Aufbruch nach Mitteleuropa (Hg. mit G. Wilflinger), 1986
  • Wissenschaft, Ethik, Politik (Hg. mit M. Peterlik), 1987
  • Heimat Politik mit Sitz im Leben, 1994
  • Mitteleuropa. Eine Spurensicherung, 1997
  • Österreich und der Balkan – Vom Umgang mit dem Pulverfaß Europas, 1999
  • Der Grenzgänge, 2000
  • Eine Reise ins Innere Europas - Protokoll eines Österreichers, 2001
  • Offenes Tor nach Osten, 2003
  • Die Europäische Union auf dem Weg nach Osten (gem. m. W. Mikulitsch), 2003
  • Zu wenig, zu spät – Europa braucht ein besseres Krisenmanagement“, 2007
  • Eine Seele für Europa – Aufgaben für einen Kontinent, 2008
  • Unsere Zeit: Vorwärts gedacht. Rückwärts verstanden. (gem. m. A. Pelinka), 2014
  • Republik im Umbruch, 2016

Weiterführendes#

Literatur#

  • E. Welzig (Hg.), E. Busek - Ein Porträt, 1992
  • R. Bretschneider (Hg.), Mensch im Wort. Reden und Aufsätze., 1994

Quellen#

Redaktion: I. Schinnerl