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Der Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen (ÖCV)#

Wappen des ÖCV
Wappen des ÖCV
Das Farbstudententum geht auf die Ende des 18. Jahrhunderts zuerst an den mitteldeutsch-protestantischen Universitäten (Halle, Jena) gegründeten CORPS zurück. Als älteste noch bestehende Corps gelten Guestphalia Halle (heute Münster, 1789) und Onoldia Erlangen (1798). Bis 1820 entwickeln sich die organisatorischen Grundlagen (demokratisch gewählter CORPSCONVENT, Leitung durch CHARGIERTE - SENIOR, CONSENIOR, SEKRETÄR). Das ungeregelte Fechtwesen wurde durch (PFLICHT)MENSUR und EHRENGERICHT in geordnete Bahnen gelenkt, der COMMENT, die Summe der farbstudentischen Gebräuche, kodifiziert. 
Die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden deutschen Burschenschaften griffen zunächst auf das liberale Erbe der URBURSCHENSCHAFT (1815) zurück, gerieten aber bald in das nationalistische Fahrwasser, was zur Einführung der MENSUR und des ARIERPARAGRAPHEN führte.

Als Reaktion auf die Dominanz protestantischer und liberaler Kräfte an den deutschen Hochschulen wurde 1844 die katholische Verbindung "Bavaria" in Bonn gegründet. 1851 folgte die "Aenania" in München, die mit der 1851 in Breslau gegründeten "Winfridia" ein Freundschaftsverhältnis eingeht, das als Ursprung des Verbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen gilt, der sich ab 1860 CARTELLVERBAND (CV) nennt.

Der von Bismarck 1871-75 entfachte Kulturkampf verstärkte noch die Entschlossenheit der katholischen Verbindungen, den Hochschulboden nicht kampflos den Corps und Burschenschaften zu überlassen. In Österreich wurde die 1879 erfolgte Gründung der Deutschnationalen Partei durch Georg Ritter von Schönerer mit ihren antihabsburgischen, antiklerikalen und antisemitischen Bestrebungen von Corps und Burschenschaften begrüßt.


Als erste katholische Verbindung auf österreichischem Boden war 1864  die "Austria Innsbruck" entstanden, wo der Boden für Katholiken leichter war. In Wien kämpften "Austria Wien" (farbentragend ab 1879), "Norica" (1883) und "Rudolfina" (1898) schon vor der Jahrhundertwende um die Gleichberechtigung an den Hochschulen, in Graz die "Carolina" (1888). Äußerlich ging es um die Ablehnung von DUELL und MENSUR durch die katholischen Verbindungen (mangelnde "SATISFAKTIONSFÄHIGKEIT"), dahinter stand natürlich ein weltanschaulicher Machtkampf. Den immer zahlreicher werdenden CV-Verbindungen gelang es, sich nach und nach zu etablieren, sodass sie nach dem Ersten Weltkrieg bereits eine akademische Elite hervorgebracht hatten, derer sich die Christlichsoziale Partei als Nachwuchsreservoir bedienen konnte. In dieser Periode entspannte sich das gegenseitige Verhältnis der katholischen und der schlagenden Verbindungen vorübergehend, um in der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus völlig zu zerbrechen. Die österreichischen Verbindungen traten im Juli 1933 aus dem Gesamt-CV aus und bildeten den ÖCV. Die Unterstützung des autoritären Ständestaats erfolgte - besonders unter dem Eindruck des von den Nazis ermordeten CVers Dr. Engelbert Dollfuß - mehrheitlich, aber nicht einmütig, wie sich etwa am Kreis um den sozial sehr engagierten kurzzeitigen Wiener Vizebürgermeister Dr. Ernst Karl Winter zeigte.

Die Okkupation Österreichs im Jahre 1938 bedeutete Verbot, Verfolgung und Widerstand. Viele CARTELLER kamen ins KZ und zwei Dutzend CVer mussten ihr aktives Auftreten gegen Hitlerdeutschland mit dem Leben bezahlen. Bald nach dem Krieg konnten die Verbindungen des ÖCV ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Obwohl der CV offiziell nicht parteipolitisch tätig wird, engagierten sich viele seiner Mitglieder im Rahmen der Österreichischen Volkspartei, die auch heute noch auf die Personalreserve CV zurückgreifen kann. Freilich ist seit dem Verlust der Führungsposition der ÖVP im Jahre 1970 der Einfluss des CV in der österreichischen Innenpolitik weitgehend geschwunden.

--> Website des ÖCV

Die Zeitschrift des ÖCV "Academia" erscheint sechs Mal im Jahr.

CVer im Widerstand
CVer im Widerstand - Fotos P. Diem
CVer im Widerstand
Wien 8., Lerchenfelderstraße 14

Literatur#

  • G. Hartmann, Der Cartellverband in Österreich, 1994/2012