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Die Stadt, "wo Menschen und Bücher leben" (Celan)#

Denkmal Sperber
Denkmal Manes Sperber
Rose Ausländer Tafel
Gedenktafel Rose Ausländer
Denkmal Celan
Denkmal Paul Celan

Manès Sperber wurde am 12. Dezember 1905 in Zablotów in der Ukraine geboren. Sperber, der jüdischer Abstammung war, kam mit seiner Familie 1916 nach Wien. Dort schloss er sich der kommunistischen Partei an und Schüler sowie Mitarbeiter Alfred Adlers. Ab 1927 lebte Sperber in Berlin, wo er unter anderem Herausgeber der "Zeitschrift für individualpsychologische Pädagogik und Psychohygiene" war. 1933 emigrierte Sperber nach Frankreich. 1937 kehrte er sich von der KP ab und begann mit seiner Auseinandersetzung mit totalitären Ideologien ("Zur Analyse der Tyrannis", 1939).
Ab 1946 arbeitete Sperber als Lektor, später auch als Verlagsleiter und Kulturphilosoph an der Sorbonne in Paris. In seinem erzählerischen Hauptwerk, der Romantrilogie "Wie eine Träne im Ozean" ("Der verbrannte Dornbusch", 1949; "Tiefer als der Abgrund", 1950; "Die verlorne Bucht", 1955), schildert Sperber das dramatische Schicksal europäischer Intellektueller und Revolutionäre von den 20er Jahren bis in die Nachkriegszeit.

Rose Ausländer ist neben Paul Celan die führende Vertreterin der deutsch-jüdischen Dichtung der Bukowina. Als Rosalia Ruth Scherzer kam sie am 11. Mai 1901 in Czernowitz zur Welt. Nach kriegsbedingter Flucht nach Wien im Jahre 1916 kehrte die Kaufmannsfamilie 1919 in die inzwischen rumänisch gewordene Stadt zurück, emigierte aber nach dem Tod des Vaters 1922 nach Amerika. Rosa heiratete ihren Studienfreund Ignaz Ausländer, doch die Ehe scheiterte. Von 1931 bis 1946 lebte Rosa mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und dessen Familie wieder in Czernowitz, siedelte von dort nach Bukarest und emigrierte neuerlich in die USA. Doch die neue Heimat blieb ihr fremd. 1957 begegnete sie auf einer Europareise Paul Celan und fand durch ihn zu einer grundlegenden Änderung ihres Stiles. Ab 1963 blieb sie in Europa, kam 1965 nach Deutschland und ließ sich Anfang der 70er-Jahre in Düsseldorf nieder. Das "Nelly-Sachs-Haus" der jüdischen Gemeinde wurde ihre Wohnstätte. Die letzten zehn Lebensjahre verlebte sie in Krankheit; 1988 starb sie. Die deutsche Sprache war ihre ureigene Ausdrucksform, sie nennt sie ihr "Mutterland". Das Judentum hat tiefe Spuren in ihrem Werk hinterlassen, gleichwohl ist die aufgeklärte, liberale Atmosphäre des Elternhauses prägend geworden. Ihr rein lyrisches Werk ist eine große Liebeserklärung an die Bukowina.

Paul Celan zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern dieses Jahrhunderts. Als Paul Anczel kam er am 23. November 1920 in Czernowitz zur Welt. Die Bukowina beschrieb er später als "eine Gegend, in der Menschen und Bücher leben". Der Deportation nach Transnistrien durch das Antonescu-Regime entkam er durch Flucht zur Roten Armee, die ihn in ein Internie-rungslager steckte. Nach dem Krieg arbeitete er in einem Bukarester Verlag, floh aber 1947 nach Wien und lebte ab 1948 als Sprachlehrer in Paris. Seine Lyrik ist äußerst schwierig und düster; mehr und mehr findet er zu einer Sprachverdichtung, die kaum mehr zu entschlüsseln ist und an die Grenze sprachlicher Möglichkeiten geht. Als ergreifender Ausdruck jüdischen Schicksals gilt seine Todesfuge. Celans Gedichte sind in Anthologien wie Von Schwelle zu Schwelle, Mohn und Gedächtnis, Atemwende, Lichtzwang, Sprachgitter oder Zeitgehöft(post-hum) zusammengefasst. 1958 wurde er mit dem Literaturpreis der Stadt Bremen und 1960 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet. Zunehmend an Depressionen leidend, schied er Ende April 1970 freiwillig aus dem Leben.
Anfang Juni 1992 wurde in Czernowitz mit Unterstützung Österreichs das Celan-Denkmal errichtet und von dem Klagenfurter Brügermeister Dr. Leopold Guggenberger enthüllt. Guggenberger hatte sich sehr für die Einrichtung der Städtepartnerschaft mit Czernowitz eingesetzt. Paul Celan ist insofern mit Klagenfurt verbunden, als er zwischen 1948 und 1958 eine lose Romanze mit Ingeborg Bachmann (1926-1973) hatte. Beider Briefwechsel erschien 2008 unter dem Titel Herzzeit.

Denkmal Fedkowitsch
Denkmal O.J. Fedkowitsch
Ivan Franko
Iwan Franko-Relief
Iwan Franko Denkmal Wien
Iwan Frank-Denkmal in der Postgasse Wien 1.,

Osip Jurij Fedkowytsch, 1834-1888, der Sohn eines huzulischen Bauern, war ein Pionier der ukrainischen Bildungspolitik. Er gründete die erste ukrainische Zeitung und war Inspektor der Volksschulen der Karpaten. Auf seine Initiative wurden zahlreiche Schulen gegründet. Die deutsche Sprache erlernte er als Soldat der k.u.k. Armee, mit der er 1859 nach Italien zog und die Schlacht bei Solferino miterlebte. Seine Erzählungen und Gedichte, vielfach aus dem Milieu der Huzulen, verfasste er teils in Ruthenisch (Ukrainisch), teils in Deutsch. Auch übersetzte er ruthenische Volkslieder ins Deutsche. Man gab ihm den Beinamen „Bukowiner Nachtigall". Er stammte aus Storonetz-Putilla in der Nordbukowina und starb in Czernowitz. Im Oktober 1995 wurde anlässlich des 120. Universitätsjubiläums das Fedkowytsch-Denkmal des Czernowitzer Bildhauers Volodymyr Hamal (* 1948) errichtet.

Iwan Franko (1856-1916) wurde 1856 als Sohn eines Dorfschmieds deutscher Abstammung im Kreis Drohobytsch in Ostgalizien geboren. Frankos Eindrücke aus der dreimonatigen Haft in Kolomyja sind in seinem Stück Am Grund festgehalten. In den Folgejahren vertiefte sich Franko in Lemberg in die National- und Literaturgeschichte der galizischen Ukraine. In den letzten Jahren seines Lebens erfuhr der Dichter Ehrungen wie die Feier zu seinem 40-Jahre-Dichterjubiläum 1914 und die Herausgabe von Jubiläums-Sammelbänden wie Gruß an Iwan Franko und Aus meinen Jugendjahren. Iwan Franko starb in Lemberg und wurde auf dem Lychakivski-Friedhof beerdigt. Nach Franko ist seit 1962 die Stadt Iwano-Frankiwsk und die Oblast (Regierungsbezirk) Iwano-Frankiwsk benannt. Die Universität von Lemberg (ukrainisch Lwiw) trägt seinen Namen. Die Verehrung für Franko ist in der modernen Ukraine allgegenwärtig.

Bild 'Drozdowski_Profil'
Bild 'Drozdowski_1'
Tafel Drozdwski
Gedenktafel Drozdowski
Literaturcafé
Literaturcafé
Deutsches Haus mit Drozdowski-Museum und, Cafe Karintia
Deutsches Haus mit Drozdowski-Museum und
Cafe Karintia

Das Deutsche Haus wurde nach dem Entwurf des sudetendeutschen Architekten Gustav Frisch gebaut. Die Fassade des Gebäudes ist ein Beispiel für die geometrische Romantik des Jugendstils zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Frühjahr 1908 legte man den ersten Grundstein und am 5. Juni 1910 versammelte sich die zahlreiche deutsche Bevölkerung des Landes zur Eröffnung und Einweihung des neu erbauten Deutschen Hauses. Auch heute gehört der deutschen Gemeinde ein Saal im Erdgeschoß. In der obersten Etage befindet sich der „Drosdowsky-Saal“, welcher für Veranstaltungen des Bukowina-Zentrums genutzt wird.

Georg Drozdowski (1899-1987): Der Sohn einer österreichischen Offiziersfamilie besuchte in Czernowitz die Grundschule und übersiedelte während der Gymnasialjahre nach Wien; er maturierte am Wasa-Gymnasium. Im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges diente er als Fähnrich an der Italienfront. Er kehrte in seine Heimatstadt zurück, die nun Cernăuţi hieß und zum Königreich Rumänien gehörte. Bis zur Umsiedlung 1940 arbeitete er in Czernowitz als Bankbeamter, veröffentlichte aber daneben Gedichte und Prosa, vor allem in der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung und in der Czernowitzer Deutschen Tagespost. Er war Mitglied der Schlaraffia (Reich Pruthana). Nach der Rumänisierung des Stadttheaters arbeitete er gelegentlich bei den Kammerspielen mit und war zeitweise Dramaturg und Theaterkritiker.
Im Zuge der Umsiedlung der Bukowinadeutschen im Jahre 1940 zog er wieder nach Wien. Im Zweiten Weltkrieg diente er bei der Luftwaffe (Wehrmacht) und erlebte das Kriegsende als Feldwebel im kärnterischen Lavamünd. 1945 wurde er Kulturredakteur und später Kulturchef bei der Kärntner Volkszeitung in Klagenfurt. In fünf Jahrzehnten veröffentlichte er 17 Bücher sowie zahllose Arbeiten für die Presse und den Rundfunk.

Sein bekanntestes Buch ist Damals in Czernowitz und rundum. Erinnerungen eines Altösterreichers. Neuauflage, Georg-Drozdowski-Gesellschaft und Carinthia, Klagenfurt, 2003

Taras Schewtschenko
Taras Schewtschenko
Taras Schewtschenko wurde am 25.2.1814 im Dorf Morynzi bei Kyjiw als Sohn von Leibeigenen geboren. Er arbeitete als Hirtenjunge, konnte aber dennoch die Schule besuchen und las bereits mit 13 Jahren philosophische Werke. Als Vollwaise von seinem Gutsherrn als Kammerdiener eingestellt, begleitete er diesen auf vielen Reisen nach Polen, Litauen und Petersburg. Dort unternahm er seine ersten Versuche als Dichter. Der seelische Zwiespalt, immer noch Leibeigener zu sein, und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung belasteten ihn; letztere würde sich zeitlebens wie ein roter Faden in seinen Werken finden. 1838 konnte er sich aus seiner Unfreiheit loskaufen. Er wurde Student an der Akademie der Künste und finanzierte sein Leben in Petersburg durch seine Arbeit als Maler.
Bereits sein erster Gedichtband, Kobzar, wurde nur stark zensiert herausgegeben, dennoch erfuhr Schewtschenko tiefgreifende Resonanz bei der russischen Intelligenz. Man bescheinigte ihm Talent, kritisierte jedoch scharf die von ihm verwednete „bäuerliche“ ukrainische Sprache. Russisch wurde ja offiziell propagiert. Schwetschenko schrieb sein Tagebuch ausschließlich auf Russisch.
In den darauffolgenden Jahren entstanden – beeinflusst durch zahlreiche Reisen durch seine Heimat, wo Schewtschenko erneut Unfreiheit und Armut, aber auch den alten Zeugnissen ukrainischer Kultur begegnete – immer mehr Werke mit unverhüllt rebellischem Unterton, die ihm in allen Schichten stürmische Bewunderung verschafften. Schewtschenko wurde mit seinem Stil zum Prototyp des ukrainischen Romantikers.
1847 verbannt untersagte man ihm auf Lebenszeit die Rückkehr in die Ukraine und jede dichterische Tätigkeit. Ab 1850 wurde er in der Festung Nowopetrowsk (heute Fort Schewtschenko, Kasachstan) am Kaspischen Meer unter strenger Aufsicht festgehalten. Trotz Schreib- und Malverbots entstanden in dieser Zeit Dichtungen, die unter Pseudonym von Freunden veröffentlicht wurden sowie Gemälde, die er sogar verkaufen konnte.
1857 entlassen, lebte und arbeitete er unter strengster Zensur in Petersburg, unterstützt von wohlhabenden Freunden und gefeiert, aber auch gefürchtet von der russischen Gesellschaft. Am 26.2.1861 starb er an angina pectoris, umgeben von seinen Freunden. Noch im selben Jahr wurden die sterblichen Überreste in die Ukraine überführt und in Kaniw am Ufer des Dnepr beigesetzt, wie Schewtschenko es sich in seinem Gedicht Sapowit gewünscht hatte. Am Hang des Taras-Berges, wurde für ihn eine Gedenkstätte errichtet.