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Brünnl (Dobrá Voda bei Nové Hrady, Tschechische Republik) hojna voda #

Maria Brünnl - Foto: P. Diem
Wallfahrtskirche Maria Trost
Der Erholungs- und Wallfahrtsort Dobrá Voda liegt am nördlichen Abhang des Gebirges Novohradské hory, auf 695 m Seehöhe. Das Dorf ist 7 km südwestlich von Nové Hrady entfernt, vom österreichischen Kurort Moorbad Harbach bei Weitra sind es nur wenige Kilometer über die Grenze auf einer neu asphaltierten Waldstraße.

Die Wallfahrtskirche Maria Trost (tschechisch: Poutní kostel P. Marie Tešitelky) am Abhang des Kuhberges im Gratzener Bergland bietet einen weiten Ausblick in das Wittingauer Becken.

Nachdem seit der Mitte des 16. Jahrhunderts im südlich gelegenen Heilbrunn (Hojná Voda) Heilquellen bekannt waren, wurde zwischen Heilbrunn und Rauhenschlag (Chlupatá Ves) am nördlichen Abhang des Kuhberges eine weitere Quelle entdeckt. Seit 1698 gilt dieses "Brünnl" als wundertätige Heilquelle.

Die Gründungslegende#

Die Verehrung der Gottesmutter geht auf eine Erscheinung der Brüder Hans und Matthias aus Schlagles (Paseky) zurück, die am Dreikönigstag 1698 eine Schar von Wallfahrern gesehen haben sollen, die zum örtlichen Marterl zogen. Nachdem in der Nacht vom 4./5. Oktober 1701 der Bauernsohn Matthias Egidi aus Friedrichschlag (Bedrichov) träumte, dass ihm Arbeiter ein Kirchenmodell zeigten und ihm auftrugen, eine solche Kirche an der Stelle des Marterls zu errichten, baute er dort eine Kapelle. Da diese schon bald die vielen Wallfahrer nicht fassen konnte, begann der Grundherr der Herrschaft Gratzen, Albert Karl von Buquoy, 1708 mit dem Bau der heutigen Wallfahrtskirche „Maria Trost“, die 1715 geweiht wurde. Der Architekt oder Baumeister ist nicht bekannt, genannt wird K. I. Dienzenhofer.

Das Kirchengebäude#

Der Hochbarockbau steht auf einer Terrasse oberhalb der leicht radioaktiven Quelle. Der Grundriss ist ein abgeschrägtes Rechteck mit zugebauten Apsiden und drei Türmen.

Der Aufgang zur Kirche besteht aus einer zweiarmigen Freitreppe. Da sie sich auf halber Höhe noch einmal teilt, führen zwei Stufenanlagen zum Hauptportal und zwei weitere zum Kreuzgang, der die Kirche von drei Seiten umschließt.

Unter dem mittleren Teil der Freitreppe ist eine dreiteilige Kapelle eingebaut, die ein eichenlaubgeschmücktes Eisengitter abschließt. Im mittleren Teil der Kapelle stehen eine Pieta, in den seitlichen Teilen Statuen der Heiligen Johannes der Täufer, Hieronymus, Maria Magdalena und Rosalia. Das Quellwasser fließt in die zwei Marmorbecken vor der Kapelle. Über dem Hauptportal befindet sich oberhalb des ovalen Fensters ein Doppelwappen des Stifters Albert Karl von Buquoy und seiner Ehefrau Antonia Renata von Czernin.

Innenausstattung #

Das Kircheninnere ist 23 Meter lang und 16 Meter breit. Die Wände, mit acht Fenstern und korinthischen Pilastern, enthalten Nischen, in denen sich überlebensgroße Statuen der Kirchenväter Hieronymus, Augustinus, Gregor und Ambrosius befinden. Das Deckengemälde von 1729 wurde 1888 renoviert, es zeigt Gestalten aus dem Alten und dem Neuen Testament.

Der Hauptaltar von 1718 besteht aus einem bis zum Gewölbe reichenden Rahmen, den goldene Bänder, Wolken und Engelsgestalten zieren. Nachdem das ursprüngliche Altarbild 1841 durch einen Blitz beschädigt worden war, entstand das heutige Bild 1842 in Krumau. Zu beiden Seiten des Marienbildes stehen große Engelsgestalten mit der Inschrift „O Trösterin der Betrübten, zeige dich als Mutter“. Der Altar ist mit Gott Vater sowie der Taube des Heiligen Geistes im Strahlenkranz bekrönt.

Der linke Seitenaltar zeigt unter einem Baldachin den stigmatisierten hl. Franz von Assisi sowie die Heiligen Adalbert und Norbert. In einem Oval ist der Mitbegründer des Zisterzienserordens Bernhard von Clairvaux mit der hl. Maria dargestellt.

Der dem hl. Johannes Nepomuk geweihte, rechte Seitenaltar trägt Statuen der Heiligen Sigismund und Wenzel sowie des Erzengels Michael.

Die vergoldete Kanzel aus Holz ist mit vielen Putti verziert und von Heiligenstatuen umgeben. Auf dem Schalldeckel steht eine Statue des hl. Paulus, der ein Buch und ein Schwert hält.

Die Orgel im Westen des Kirchenschiffes wurde 1727 aufgestellt. Das Orgelgehäuse ist mit Schnitzereien und Ornamenten verziert. Den oberen Abschluss bildet eine lebensgroße Figur des Königs David mit der Harfe.

Jüngste Geschichte#

Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg und der Übernahme der Macht durch die Kommunisten 1948 kam die Wallfahrt zum Erliegen. Obwohl das Stift Hohenfurth bereits im April 1950 liquidiert worden war, konnten sich die Zisterzienser in Dobrá Voda noch bis 1952 halten. Durch die Auswirkungen des Eisernen Vorhangs war der Ort weitgehend entsiedelt. Die Kirche konnte vor der geplanten Zerstörung gerettet werden, allerdings wurde die Heilquelle zugeschüttet. Während der Zeit des Prager Frühlings lebte die Wallfahrt kurze Zeit wieder auf. Nach der politischen Wende von 1989 übernahmen österreichische Mönche die seelsorgliche Betreuung der Wallfahrtskirche Dobrá Voda.

Der Grenzübergang bei Harbach wurde nach der Grenzöffnung neu gestaltet - ein religiöses Friedens-Mahnmal lädt zur Besinnung ein.

Literatur#


  • Zdenek Štrejn, Vladimír Hyhlík: Brünnl - Wallfahrtskirche Maria Trost. Historická spolecnost Starý Velehrad 1995,
  • Maria Trost in Brünnl - Pfarrkirche Maria Himmelfahrt.

Kapelle - Foto: P. Diem
Kapelle

Fassade - Foto: P. Diem
Fassade


Pieta - Foto: P. Diem
Pieta

Mahnmal an der Grenze - Foto: P. Diem
Mahnmal an der Grenze


Redaktion: Peter Diem