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Dokumentarfilm#

Filmgenre, in dem tatsächliche Geschehnisse und Ereignisse (meist ohne Spielhandlung oder semidramatisch) wiedergegeben werden. Die Anfänge des Films bestanden zum überwiegenden Teil aus Dokumentaraufnahmen, später entstanden daraus eigene Filmarten, wie etwa Wochenschauen, wissenschaftliche Filme, Lehr- und Kulturfilme.

Erste Versuche erfolgten 1904-08: R. Pöch drehte in Neuguinea und in der Kalahari, J. Halbritter dokumentierte Tagesaktualitäten (Blumenkorso, Autorennen am Semmering), H. Theyer drehte Kulturfilme über Glasbläser, Färber und Tischler; seine Arbeiten führten 1912 zur Gründung der "Zentralstelle der wissenschaftlichen und Schulkinematographie". 1909 erschien der 1. österreichische Dokumentarfilm in den Wiener Kinos: "Die Kaisermanöver in Mähren". Filmpioniere wie das Ehepaar Kolm ("Der Faschingszug in Ober-St. Veit", "Der Trauerzug Sr. Exzellenz des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger", 1910) oder S. Kolowrat ("Die Gewinnung des Erzes am steirischen Erzberg in Eisenerz", 1912; Alexander Kolowrat-Krakowsky) stellten neben der Spielfilmproduktion auch regelmäßig Dokumentarfilme her.

1918 begann die UFA in Berlin mit der Herstellung von Kulturfilmen mit populärwissenschaftlichen Inhalten, die in Österreich Nachahmung fanden, etwa in den Fremdenverkehrsfilmen K. Köfingers (20er Jahre) und später in den propagandagelenkten Kulturfilmen der Wien-Film 1938-45. In den Nachkriegsjahren wandelten sich die Kulturfilme zu Fremdenverkehrs- und Werbefilmen, verloren aber mit der Verbreitung des Fernsehens ständig an Bedeutung.

Chronikartigen Dokumentar- und Nachrichtencharakter hatte in ihrer Mischung aus Politik, Sport und Kultur die Wochenschau, die man zeitweise sogar in eigenen Wochenschau-Kinos vorführte (in Wien ab 1936 als Non-Stop-Kinos, außerdem in Linz, Salzburg, Innsbruck). Erstmalig 1914 als "Kriegs-Journal" der Wiener Kunstfilm vorgeführt, folgten ihr die "Sascha-Meßter-Wochenschau", 1931-33 eine internationale Wochenschau nach dem österreichischen Selenophonverfahren und 1934-38 "Österreich in Bild und Ton, Österreichische Wochenschau". In der Nachkriegszeit: 1946-49 "Welt im Film" (alliierte Wochenschau), ab November 1949 "Austria-Wochenschau" und "Weltjournal", produziert von der Austria Wochenschau, die heute unter dem Namen "Austria Film und Video" produziert.

Literatur#

  • W. Fritz, Dokumentarfilme aus Österreich 1909-1914, 1980
  • H. Petschar und G. Schmid, Erinnerung und Vision, 1990