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Drimmel, Heinrich#


* 16. 1. 1912, Wien

† 2. 11. 1991, Wien


Jurist und Politiker (ÖVP)

Ausschnitt aus einem Bild mit Maria Schaumaer, © IMAGNO/Barbara Pflaum
Heinrich Drimmel
© IMAGNO/Barbara Pflaum

Heinrich Drimmel wurde am 16. Jänner 1912 als Sohn eines Polizeibeamten geboren.

Seine Schulausbildung von der Volksschule bis zur Universität absolvierte er in Wien, wo er 1935 sein Jusstudium mit der Promotion zum Dr. iur. abschloss.

Nachdem er schon 12jährig der katholischen Jugendorganisation beigetreten war, betätigte er sich während seines Studiums führend in der katholischen Studentenbewegung - zeitweilig war er sogar Vorsitzender der Organisation. Von 1929 bis zur Auflösung 1936 gehörte er der Wiener Heimwehr und dem Studentenfreikorps des Heimatschutzes an, von 1934 bis 1937 stand er an der Spitze der Studentischen Selbstverwaltung an den österreichischen Hochschulen.

Nach Abschluss seines Studiums trat er 1936 in den österreichischen Staatsdienst ein und arbeitete zunächst in der Finanzlandesdirektion Wien; 1937 wechselte er in das Unterrichtsressort, wo er Hochschul- und Kulturangelegenheiten bearbeitete. Nach dem Anschluss 1938 wurde er zum Finanzdienst zurückversetzt. Er absolvierte die Finanzakademie und konnte die Ausbildung mit dem Assessor-Examen in Berlin abschließen.

1940 wurde er zum Kriegsdienst einberufen, machte den Zweiten Weltkrieg bei verschiedenen Infanteriedivisionen an der Ost- und Südostfront mit und geriet noch zum Kriegsende für 18 Monate in amerikanische Gefangenschaft. Ende 1946 konnte Dr. Drimmel nach seiner Heimkehr die 1938 unterbrochene Tätigkeit im Unterrichtsministerium wieder aufnehmen.

Er wurde Ministerialsekretär im Unterrichtsministerium (unter Unterrichtsminister Dr. Felix Hurdes), wurde 1952 mit der Leitung der Hochschulesektion betraut und 1953 zum Ministerialrat ernannt.

Von 1954 bis 1964 war er Bundesminister für Unterricht: er führte die Schulreform 1962 durch (u.a. 9 Jahre Schulpflicht), ermöglichte den Abschluss des Konkordats 1962 und gründete mehrere Hochschulen (pädagogische Akademien, Hochschule Linz, Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Graz u.a.). Er war auch "Sportminister" und von 1956 bis 1969 Präsident des Österreichischen Olympischen Kommitées.

Nach seiner 10jährigen Amtszeit als Minister verlegte er seinen politischen Schwerpunkt in die Wiener Kommunalpolitik - von 1964 bis 1969 war er amtsführender Wiener Stadtrat, Landeshauptmannstellvertreter und Vizebürgermeister von Wien.

Nach einem Wahldebakel 1969 kehrte er wieder ins Unterrichtsressort zurück und zog sich 1971 gänzlich aus dem politischen Leben zurück. In dieser Zeit verfasste er eine Reihe von Büchern zur Geschichte Österreichs.

Heinrich Drimmel war Mitglied der Katholisch Österreichischen Hochschulverbindungen Nordgau Wien sowie zahlreicher anderer Verbindungen im Österreichischen Cartellverband (ÖCV). Weiters war er Mitglied der Katholischen Mittelschulverbindung Austro-Germania Wien (wurde 1956 unter dem Namen Leopoldina nach Gmünd verlegt).

Dr. Heinrich Drimmel starb am 2. November 1991. Er ruht auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab (Gruppe 29, Reihe 1, Nr. 10).


--> Historische Bilder zu Heinrich Drimmel (IMAGNO)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, 1958
  • Komturkreuz des Ehrenzeichens des Landes Burgenland
  • Großkreuz des spanischen Ordens Alfons X. des Weisen, 1958
  • Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1959
  • Großkreuz des königlich norwegischen St. Olaf Ordens
  • Großkreuz des königlich niederländischen Ordens von Oranien-Nassau
  • Großkreuz des päpstlichen Gregoriusordens
  • Bayerischer Verdienstorden
  • päpstliche Benemerenti Medaille
  • Ehrendoktorwürde (LLD) Katholische Universität von Amerika (Washington D.C.), 1963
  • Ehrendoktorwürde (LLD) Georgetown University (Washington D.C.), 1963
  • Österreichische Olympia-Medaille, 1964
  • Bürger der Stadt Wien, 1977
  • Ehrenband "in vestigiis Wollek", höchste Auszeichnung des Österreichischen Cartellverbandes (ÖCV), 1988
  • Opilio Rossi Medaille der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände Österreichs (AKV)
  • Benennung des Heinrich-Drimmel-Platz in Wien Landstraße (3. Bezirk), 1997

Werke (Auswahl)#

  • Die Häuser meines Lebens, 1975
  • Der konservative Mensch und die Revolution, 1976
  • Gott sei uns gnädig. Die Welt von Josef Stalin bis Jimmy Carter, 1979
  • Kaiser Franz - ein Wiener übersteht Napoleon, 1981
  • Franz von Österreich. Kaiser des Biedermeier, 1982
  • Franz Joseph, 1983
  • Die Antipoden, 1984
  • Trilogie Österreich 1918-38
    • Vom Umsturz zum Bürgerkrieg, 1985
    • Vom Justizpalastbrand zum Februaraufstand, 1986
    • Vom Kanzlermord zum Anschluß, 1987
  • Gott erhalte. Biographie einer Epoche, 1989
  • Gott mit uns. Das Ende einer Epoche, 1989
  • Vom Anschluß zum Krieg, 1989
  • Österreichs Sternstunden, 2002

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl