unbekannter Gast

Eisstockschießen#

Eisstockschießer 1931
2. Arbeiter-Wintersport-Olympiade am 8. Februar 1931 in Mürzzuschlag. Fotographie
Wintersportmuseum Mürzzuschlag

Eisstockschießen ist ein alter Volkssport.

Er entwickelte sich in Gegenden mit zufrierenden Gewässern und wurde früher nur im Winter gespielt.
Vermutlich kam das Eisstockschießen, bzw. seine Vorläufer, im 13. Jahrhundert aus Skandinavien. Erste Bilder, auf denen eine ähnliche winterliche Freizeitbeschäftigung abgebildet ist, stammen sowohl aus Holland als auch aus dem Alpenraum des 16. Jahrhunderts.


Gab es in den Anfängen dieser Sportart nur den Wintersport, also das Eisschießen, so entwickelte sich dieser Sport zu einem Ganzjahressport, mit Meisterschaften im Winter und im Sommer (Sommerbahnen-Asphalt und ähnliche Belege). 1936 wurde Eisschießen erstmals als sogenannter "Vorführwettbewerb" bei den Olympischen Spielen zugelassen, seit 1951 werden Europa- und seit 1983 Weltmeisterschaften ausgetragen.

Die Staats- und Österreichischen Meisterschaften werden – wie auch Europameisterschaften und Weltmeisterschaften - im Winter und im Sommer in allen Klassen im Mannschaftsspiel, Weitenwettbewerb und Zielwettbewerb ausgetragen.


Laut Statistik der Österreichischen Bundessportorganisation (BSO), ist der Bund Österreichischer Eis- und Stocksportler (BÖE,1935 gegründet) mit 125.000 Aktiven, hinter Fußball, Schisport und Tennis, der viertstärkste Sportverband in Österreich. Mit seinen 1.800 Vereinen liegt der Eis- und Stocksport hinter Fußball sogar an zweiter Stelle in Österreich.




Die Sportart unterscheidet drei verschiedene Wettkampfarten: das Mannschaftsspiel, das Zielschießen und das Weitschießen.

Beim Mannschaftsspiel versuchen zwei 4er-Mannschaften die Eisstöcke von einer Standvorrichtung aus möglichst nahe an die "Daube" (rundes, bewegliches Ziel aus Gummi, Durchmesser 12 cm, Höhe 4,5 cm sowie eine zentrische Bohrung) zu schießen.

Die möglichen Aufgaben um die Bestlage der Stöcke zur Daube nennt man Setzen, Anstellen, Bringen und Abschießen. Die Spielfelder für das Mannschaftsspiel sind 28 m lang und 3 m breit. Auf beiden Seiten ist eine Abschußstelle und ein Zielfeld von 6 m x 3 m. In der Mitte des Ziel- bzw. Abschußfeldes ist das "Daubenkreuz" markiert.

Bei einem Turnier spielt eine Mannschaft gegen jede. Ein Spiel besteht aus sechs Durchgängen, genannt "Kehren". Gewinner ist, wer die meisten "Stockpunkte" erzielt. Der erste Stock, der die Daube näher ist als der beste des Gegners, zählt 3 Punkte, jeder weitere 2 Punkte. Eine "Kehre" bringt somit im Höchstfall 3+2+2+2=9 Stockpunkte. Wenn das Augenmaß nicht ausreicht, um die Bestlage der Stöcke zur Daube festzustellen, muss das Bandmaß entscheiden. Für ein gewonnenes Spiel gibt es zwei Punkte, für ein Unentschiedenes einen Punkt.

Beim Zieleinzelwettbewerb spielen Einzelspieler um die höchste Punktzahl. Der Wettbewerb wird in vier Durchgängen mit unterschiedlichen Aufgaben ausgetragen. Bei den Durchgängen 1 und 3 wird auf 5 Zielringe gespielt, die auf das Eis bzw. den Asphalt gezeichnet sind. Im zweiten Durchgang müssen Zielstöcke in markierten Kreisen herausgeschossen werden. Beim vierten Durchgang wird ebenfalls auf Zielstöcke in markierten Kreisen gespielt. Die Aufgabe besteht darin, dass entweder der Stock des Spielers abgelenkt wird bzw. der Zielstock "gebracht" wird und auf den Zielringen zum Stehen kommt. Bei jedem Durchgang können maximal 50 Punkte erzielt werden.


Der Weitenwettbewerb ist ebenfalls ein Wettbewerb von Einzelspielern, jedoch geht es um den weitesten Versuch. In fünf Durchgängen müssen alle Wettkämpfer mit derselben Laufsohle spielen. Die Bahn, deren Breite an der Abschußstelle 4 m beträgt und bei 300 m eine Breite von 16 m hat, kann unter Beibehaltung des Winkels beliebig lang sein. Je nach Beschaffenheit von Laufsohle und Eis können z. B. auf einem zugefrorenen See Weiten von über 500 m erzielt werden. Der derzeitige Weltrekord liegt bei 560 m.

Gemessen wird die Weite von der Abschußstelle bis zu der vorderen Stockbegrenzung des zum Stillstand gekommenen Stockes. Verläßt der Stock die Bahn, dann wird die Weite an der Stelle gemessen, an der er die Begrenzungslinie überschritten hat.



Der moderne (Eis)Stock ist ein Wettkampfgerät: es besteht aus dem Stockkörper, verschiedenen Laufsohlen und dem Stil. Der komplette Eisstock hat ein zulässiges Gesamtgewicht von ca. 4,3 kg. Auf Eis sind die Laufsohlen aus Gummi und auf Asphalt aus Kunststoff.


Trotzdem werden aber auch heute noch in kleinen Manufakturen Eisstöcke wie früher aus (Hart-)Holz gefertigt (gedrechselt) und mit einem Eisenreifen versehen, der sowohl für die nötige Härte beim Aufprall als auch für optimale Gewichtsverteilung sorgte.



Zum Eisschießen braucht es eigentlich nicht viel: einen zugefrorenen See, Eisstöcke (zunächst nur einfache Holzscheiben mit Griff), eine Daube (hölzerner Zielwürfel) und ein paar Gleichgesinnte.

Das Eisschießen nach den genauen Regeln wird auch "olympisches" Eisschießen genannt, das Spielen nach herkömmlicher Art (ohne Begrenzung des Spielfeldes, der Mannschaftsgröße und Wertung nur der gewonnenen Kehren) als "wildes" Schießen bezeichnet, das durchaus regionale Unterschiede aufweist.


Heute befinden sich die Zentren des Volkssports in Süddeutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz, aber auch in Australien, Afrika, USA, Kanada und Südamerika wird Eisstock geschossen.


--> Eisstockschießen (Heimatlexikon, Video Clip)

--> Eisstockdrechsler (Heimatlexikon, Video Clip)

--> Eisstockschießen in Oberösterreich, um 1934 (Video Album)

--> Sonderpostmarke 1990, 3. Eisstock-Weltmeisterschaft (Briefmarken)

--> Historische Bilder zu Eisstocksport (IMAGNO)

Literatur#

  • K. Jeschko, Eisschießen, 1971

Quellen#