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Erzberg, Steiermark - AEIOU

Erzberg #

Erzberg bei Eisenerz, Stmk., © Österreich Werbung, MAXUM, für AEIOU
Erzberg bei Eisenerz, Stmk.
© Österreich Werbung, MAXUM, für AEIOU

Obersteiermark, in den Eisenerzer Alpen, 1466 m, auch "Steirische Pyramide" genannt, der größte Erztagbau Mitteleuropas und die größte Sideritlagerstätte (FeCO3) der Welt. Durch die Verwachsung von Siderit mit dem eisenärmeren Ankerit schwankt der Eisengehalt zwischen 22 % und 40 %.

Geologisch gehört der Erzberg zur Grauwackenzone, die sich mit den Kalken und Schiefergesteinen aus dem Erdaltertum von Niederösterreich bis Tirol erstreckt. Abbautätigkeiten im Bereich des Erzbergs sind seit den Römern ("norisches Eisen", etwa Anfang 4. Jahrhundert n. Chr.) bekannt, aus dem Jahr 712 existiert eine weitere Nachricht vom Erzabbau, die erste urkundliche Nennung stammt aus 1171.

Im 19. Jahrhundert erlebte der Erzberg einen großen Aufschwung unter Erzherzog Johann.
In Teilen des 1986 aufgelassenen Untertageabbaus wurde mit 30 Erlebnisstationen, verteilt auf 4  km Stollen, in 2 Ebenen ein Schaubergwerk eingerichtet.

--> Mehr zum Erzberg in diesem Beitrag des Heimatlexikons
--> Erzabbau am steirischen Erzberg, um 1950 (AEIOU Video-Album)
--> Steiermark - Der Erzberg, Eisenerz und Leopoldsteiner See (Bibliothek / Österreich aus der Vogelperspektive)
--> Historische Bilder zu Steiermark Erzberg (IMAGNO)
--> Sagen um den Erzberg

Literatur:

  • G. Sperl, Montangeschichte des Erzberggebietes nach archäologischen und schriftlichen Dokumenten, 1988

Essay#

Abenteuer Erzberg#


Von

Gloria Ammerer


Gloria Ammerer
Gloria Ammerer
Foto P. Diem

Die Abenteuerfahrt mit dem Hauly, dem „größten Taxi der Welt“ führt an der Nordseite des Erzberges hinauf bis auf die Etage „Dreikönig“ auf 1.085 m Seehöhe. Danach geht es an der Südseite des Erzberges hinunter in das Gebiet des Hintererzberges – an den Schlammteichen vorbei zu der tiefsten Abbaustelle der Etage „-IV“ mit dem Erzbergsee.

Auf der Etage „Voglbichl“ befinden sich die Bergdirektion mit der Bergverwaltung, die Zentralwerkstätte, der Fuhrpark sowie die zentrale Tankstelle (300.000 Liter Fassungsvermögen). In der Zentralwerkstätte werden seit 1974 die Fahrzeuge, die am Erzberg im Einsatz sind, repariert und Instand gehalten. Am Steirischen Erzberg sind im Moment 9 schwere Lastkraftwagen im Einsatz. Die SLKWs der Firma KOMATSU sind die größten in Betrieb stehenden SLKWs mit 120t Nutzlast, einem Gesamtgewicht von knapp 200t und einer Leistung von 1.064 PS. Weiters sind 3 Radlader mit einem Schaufelinhalt von bis zu 11 m3 im Einsatz. Das sind dann je nach Gesteinshärte zwischen 23 und 32 Tonne Gestein pro Schaufel. 2 SLKWs wurden zu Spritzenwagen umgebaut. Diese werden benötigt, um die große Staubentwicklung auf den Straßen am Erzberg eindämmen zu können. Jeder dieser beiden Spritzenwagen fasst ca. 70.000 Liter Wasser.

Der Hauly#

Hauly
Hauly
Foto P. Diem

Die offizielle Bezeichnung des „Haulys“ lautet „Haulpak Truck 85C". Er wurde 1980 von der Firma „WABCO“ in Illinois in den USA hergestellt und war dann 11 Jahr hier am Steirischen Erzberg in Betrieb. 1991 hat man ihn dann aus dem Verkehr gezogen, ehe er 1993 zu dem umgebaut wurde was er heute ist. Seit 1997 fahren zwei „Haulys“ mit den Besuchern über den Steirischen Erzberg.

Der Hauly ist 11,5m lang, 5,5m breit und 4,5m hoch. Die Besucher sitzen in der geschlossenen Lademulde auf einer Höhe von 4 Metern. Der „Hauly“ hat ein Eigengewicht von 55 Tonnen und konnte in seiner Lademulde bis zu 77 t Gestein fassen. Heute bietet er allerdings nur noch 64 Besuchern Platz. Angetrieben wird der „Hauly“ von einem 860 PS starken Dieselmotor. Er hat ein Automatikgetriebe mit 6 Vorwärts- und einem Retourgang und kann Geschwindigkeiten bis zu 60km/h erreichen. Der „Hauly“ ist 6-fach bereift, wobei die Reifen einen Durchmesser von 2,5 m, eine Breite von 70 cm und ein Eigengewicht von 1,2 t besitzen.

Der Erzberg#

Der Erzberg befindet sich im Eigentum der Erzberg Privat-Stiftung und wird als „VA- Erzberg GmbH“ geführt. Sein heutiges Gesicht bekam der Erzberg zwischen 1897 und 1907. Damals begann man mit der Etagenbildung. Ursprünglich war der Erzberg 1.535 m hoch und hatte 60 Etagen mit einer Höhe von je 12 m. Früher hat man von oben herab abzubauen begonnen und so wurden die oberen Etagen ziemlich schnell abgebaut und teilweise auch abgetragen. Deswegen ist der Erzberg heute nur noch 1.465 m hoch und hat 42 Etagen – einige Halbetagen mit 12 m, die restlichen mit 24 m Höhe. Kleiner werden wird der Erzberg jetzt aber nicht mehr, sondern nur mehr schmäler, da die obersten 14 Etagen bereits ausgeerzt sind, das heißt, dass in diesen Etagen kein Abbau mehr stattfindet. Abgebaut wird nur noch von der Seite und bis zur Mitte des Erzberges.

Der Abbau#

Abgebaut wird am Steirischen Erzberg der so genannte „Siderit“, der Spateisenstein (FeCO3 – Eisencarbonat), mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 32%. Das Eisenerz des Erzberges ist hochqualitativ, da es hochbasisch, sehr kalkhältig und frei von jeglichen „Stahlschädlingen“ wie Phosphor und Schwefel ist. Diese „Stahlschädlinge“ würden den Stahl brüchig machen, und den Kalk braucht man, damit der Stahl fließen kann.

Gearbeitet wird am Steirischen Erzberg von Montag bis Freitag und zwar in Dreidrittelschichten – Früh-, Nachmittag- und Nachtschicht, Sommer wie Winter. An Wochenenden und Feiertagen herrscht Betriebsruhe.

Heute sind am Erzberg ca. 200 Mitarbeiter beschäftigt. Früher waren es einmal bis zu 4.200 Personen, die hier am Erzberg Arbeit fanden.

Abbau
Abbau
Foto P. Diem

Die Erzgewinnung erfolgt heute mittels Bohren und Sprengen. Die Bohrlöcher haben einen Durchmesser von 152 mm und Längen von bis zu 28 m.

Seit 1981 wird im Tagebau mit so genannten „Emulsionssprengstoffen“ gesprengt. Diese Sprengstoffe sind Dispersionen aus Tröpfchen einer wässrigen Lösung (mit Sauerstoff liefernden Stoffen – Ammoniumnitrat etc.) in einem ölartigen, organischen Medium aus Ölen, Wachsen, Emulgatoren etc. (als kontinuierliche Brennstoffphase). Dieser Sprengstofftyp hat den Vorteil, dass er erst vor Ort, also an der Sprengstelle, in einem Mischladefahrzeug hergestellt und in die Sprengbohrlöcher eingebracht werden kann. Je nach Gebirgshärte und Wasserführung wird der gewünschte Sprengstoff in der richtigen Zusammensetzung und Menge in diesen Mischladefahrzeugen der Fa. Maxam produziert. Pro Sprengung werden ca. 50.000 Tonnen Gestein hereingeschossen, davon ist ca. die Hälfte (25.000t) Eisenerz und davon wiederum kommt täglich ca. ein Viertel (6.000t) zum Versand.

Das Gestein, das der Bergmann bei einer Sprengung hereinschießt, nennt er den Verhau oder das Hauwerk. Dieses Hauwerk kann man in drei große Gruppen teilen:

Die erste große Gruppe sind die so genannten „Berge“, das taube, wertlose Gestein mit einem Eisengehalt von weniger als 20%. Dieses Gestein wird von den SLKWs direkt zu unseren Sturzhalden gebracht.

Die zweite große Gruppe ist das so genannte „Zwischengut“ mit einem Eisengehalt von 20-32%. Das Zwischengut ist taubes Gestein vermischt mit Eisenerz. SLWKs bringen das Zwischengut zu unserem Großbrecher, wo es gebrochen und dann weiter zur Aufbereitungsanlage befördert wird.

Die dritte große Gruppe ist das so genannte „Fertigerz“ mit einem Eisengehalt von 32-38%. Das Fertigerz wird zum Großbrecher gebracht, wo es ebenfalls gebrochen wird.

Sowohl das gebrochene und aufbereitete Zwischengut, das nun vom tauben Gestein getrennt ist, als auch das gebrochene Fertigerz gelangen anschließend in die NBSA, die Nachbrech- und Siebanlage, wo sie auf 8mm Versandtkorngröße zerkleinert und danach am Erzlager abgestürzt werden.

Etage Dreikönig#

Auf der Etage „Dreikönig“ befindet sich eine große „dunkelgrüne“ Gesteinsspitze. Das ist der so genannte „Porphyroid“. Dies ist vulkanisches Ergussgestein, eines der ältesten Gesteine unserer Erde, und kommt normalerweise nur in großen Tiefen, am Untergrund unserer Lagerstätte vor. Dass man dieses Gestein hier an der Oberfläche findet, ist eine wahre Seltenheit. Bergseitig sieht man auf der Etage „Dreikönig“ noch die versetzten Kammern des Langlochabbaues. Diese Abbaumethode wurde früher untertage eingesetzt. Man sieht die 3 m breiten Sicherheitspfeiler, die man als Stütze stehen lassen musste - dazwischen wurde das Erz in Kammern abgebaut. Später hat man die ausgeerzten Kammern dann von oben wieder mit taubem, wertlosem Gestein aufgefüllt. Denn hätte man die leeren Kammern stehen gelassen, so wäre der Erzberg irgendwann in sich zusammengebrochen.

Der Abbau untertage hatte vor allem klimatische Gründe. Da es im Winter oft bis zu 2 m Schnee gab und das gesamte Gestein noch gleisgebunden abgefördert wurde, brachten die enormen Schneemassen das Abbaugeschehen im Tagebau fast vollständig zum Erliegen. Daher hat man im Winter früher vermehrt untertage und im Sommer vermehrt obertage abgebaut.

Früher war der Erzberg in ein „Vordernberger Rievier“ und in ein „Innerberger Revier“ geteilt. Innerberg ist der alte Name von Eisenerz. Die Trennungslinie war die so genannte „Ebenhöhe“ auf 1.186m. In Vordernberg gab es damals 14 und in Innerberg 19 Radwerke.

Eisenerz#

Zu Füßen des Erzberges befindet sich die Stadt „Eisenerz“. Eisenerz wurde am 01.08.1948 zur Stadt erhoben. Die Eisenerzer Altstadt stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Die Stadt Eisenerz läuft sternförmig auseinander. Das lang gestreckte Tal in Richtung Kaiserschild, Seemauer und Hieflau, ist das „Münichtal“. Dort befindet sich auch ein Schlackenberg, ein Überbleibsel der Kokshochöfen, die dort von 1901 bis 1946 in Betrieb waren.

Das zweite Tal ist das „Trofengbachtal“ mit seinen Reihenhäusern, das sich Richtung Präbichl erstreckt. Im Trofengbachtal befanden sich früher die Arbeitersiedlungen.

Das dritte große Tal ist das „Krumpental“. Es erstreckt sich Richtung Süden, in Richtung Eisenerzer Ramsau. Das Krumpental ist der älteste Stadtteil Eisenerz und entstand im 13.Jahrhundert.

Südseite - Hintererzberg#

An der Südseite des Erzberges wird schon längere Zeit nicht mehr abgebaut, deswegen begrünt er sich schön langsam wieder. Talseitig erblickt man ein grünes Hochtal, die „Eisenerzer Ramsau“. Die Ramsau ist im Sommer ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel.

Im Gebiet des Hintererzberges befinden sich die letzten Reste der Schrägaufzüge. Der erste Schrägaufzug führte von der „Etage Dreikönig“ (1.085 m) auf die „Etage Zauchen“ (1.269 m) und der zweite von der „Etage Zauchen“ weiter auf die „Etage Thekla“ (1.465 m). Die „Etage Thekla“ ist die oberste Etage unseres Erzberges. Diese Schrägaufzüge waren angelegt worden, um die Bergmänner zu ihren Arbeitsstätten zu bringen. Bevor man diese Schrägaufzüge gebaut hatte, mussten die Bergmänner noch zu Fuß zu ihren Arbeitsstätten gehen – und das konnte dann schon bis zu 4 Stunden dauern.

Ehe man 1974 die Zentralwerkstätte unten auf der „Etage Voglbichl“ errichtete, wurden die Fahrzeuge und Maschinen in den ehemaligen Rüsthallen repariert. Von diesen gab es insgesamt drei hier am Erzberg. In diesen Rüsthallen wurde auch die Pressluft erzeugte, die man in der Grube für die Bohr- und Fördergeräte benötigte. Die Pressluft wurde von übertage mittels dicker Eisenrohre in die Grube geleitet.

Auch der alte „Erzbergbahnhof“ ist von der südlichen Seite des Erzberges zu sehen. Früher wurde direkt am Erzberg das Eisenerz auf Züge verladen, über eine Bahn nach Vordernberg gebracht und dort dann geschmolzen. 1986 wurde im Krumpental eine moderne computergesteuerte Verladestation errichtet. Bis 1988 fuhren noch Personenzüge über die Erzbergbahn, diese wurden dann aber auch eingestellt. 1990 wurde die Erzbergbahn reaktiviert und seit damals fährt in den Sommermonaten eine Schaubahn über die Erzbergbahn.

Schlammteiche – Aufbereitung#

Im Gebiet des Hintererzberges befinden sich auch die drei Schlammteiche, in die der „Schlamm“, der bei der nassmechanischen Trennung anfällt, hineingepumpt wird. Diese Schlammteiche sind 110 m tief. Die nassmechanische Trennung in der WEMCO erfolgt in riesengroßen „Waschtrommeln“, in denen sich eine Schwereflüssigkeit befindet. Diese Schwereflüssigkeit ist Ferrosilizium und besteht aus 82% Eisen, 15% Silizium und 3% anderen Metallen. Diese Mischung wird mit Wasser aufgeschwemmt und ergibt eine Suspension – die so genannte Schwertrübe mit einer Dichte von ~3 [kg/dm3], d.h. ein Liter davon ist dreimal so schwer wie ein Liter Wasser (bei +4 oC). In diese Schwereflüssigkeit kommt das Zwischengut hinein (Gestein mit einem Erzgehalt zwischen 20 und 32%).

Unter Ausnützung des spezifischen Gewichtes kommt hier das Schwimm-Sink-Verfahren zur Anwendung. Das schwere Eisenerz sinkt zu Boden und wird über Förderbänder weitertransportiert zur Nachbrech- und Siebanlage. Die leichteren tauben Gesteinsbrocken („Waschberge“) schwimmen oben auf. Das ganze feine Material vermischt sich während dieses Prozesses mit dem Ferrosilizium und wird zu Schlamm. Diesem Schlamm wird das Ferrosilizium dann teilweise wieder entzogen, aufbereitet und wieder verwendet. Der restliche Schlamm wird in die Schlammteiche gepumpt. Dort verdunstet das restliche Wasser, der Schlamm sinkt zu Boden und verfestigt sich. Bevor diese nassmechanische Trennung am Erzberg eingesetzt wurde, musste das Gestein noch händisch getrennt werden. Dazu hatte man so genannte „Klaubanlagen“. In der Mitte dieser Anlagen lief ein großes Förderband hindurch und links und rechts standen Frauen, die „Klauberinnen“, und trennten das taube Gestein vom Erz. Diese Frauen trennten so pro Schicht ungefähr 8-10 Tonnen Gestein voneinander. Die letzte dieser Klaubanlagen wurde erst 1967 geschlossen.

Veranstaltungen#

Das Erzbergrodeo, das wahrscheinlich härteste Off-Road Motorrad-Rennen der Welt, findet seit 1995 alljährlich zu Fronleichnam am Erzberg statt. Die 500 schnellsten Fahrer der über 1500 Starter, die sich im „Prolog“ qualifizieren konnten, starten im „Red Bull Hare Scramble“ ganz unten beim Erzbergsee und fahren dann auf einer ca. 30 km langen Strecke quer über den ganzen Erzberg bis hinauf auf die Erzbergspitze.

Weitere Veranstaltungen am steirischen Erzberg: Erzbergtrophy (Mountainbikeevent), Nordic-Walking-event, etc.

Verladestation Krumpental#

Im Krumpental befindet sich die Verladestation, wo das fertig zerkleinerte Eisenerz (Korngröße: 8mm) direkt auf die Züge der ÖBB verladen wird. Das versandfertige Erz wird im Erzlager zwischengelagert.

Der Erzliefervertrag beläuft sich jährlich auf ca. 2,05 Mio. Tonnen Eisenerz. Davon gelangen 2/3 zu den Hüttenwerken nach Linz und 1/3 in die Hütte Donawitz.

Erzbergsee – Etage -IV#

Die „Etage –IV“ ist die tiefste Abbauebene. Dort befindet sich auch der Erzbergsee auf einer Höhe von 734 m mit einer Tiefe von 12 m. Gespeist wird der Erzbergsee vom Schmelz- und Quellwasser der umliegenden Berge. Das Wasser wird durch den Erzberg hindurchgedrückt, gefiltert und sammelt sich reinstes Trinkwasser in diesem See. Die schöne smaragdgrün-blaue Farbe kommt von dem hohen Mineralgehalt des Wassers.

Die „Etage –IV“ wird auch als „Zirkus“ bezeichnet, da die Etagen rundherum wie bei einer Arena angelegt sind.

Gesteinsarten#

Der Erzberg weist sehr viele, unterschiedlichen Gesteinsfärbungen auf. Das Violette, das ist der „Werfener Schiefer“, taubes, wertloses Gestein, das die Lagerstätte überlagert. Das Weiße ist reiner Kalk. Das rostigbraune Gestein ist das Eisenerz. Ursprünglich ist das Eisenerz jedoch grau und nur wenn es längere Zeit an der Oberfläche unter Lufteinwirkung liegt bekommt es durch Oxidation diese rotbraune Färbung.

Das Schaubergwerk#

Bus zum Schaubergwerk
Busfahrt zum Schaubergwerk
Foto P. Diem
im Schaubergwerk
Im Schaubergwerk
Foto P. Diem
im Schaubergwerk
Im Schaubergwerk
Foto P. Diem

Weiterführende Information:

--> Führer durch das Schaubergwerk

--> www.abenteuer-erzberg.at

--> www.erzbergrodeo.at

Gloria Ammerer

Essay#

Grünes Licht am Erzberg#

Spitzenforschung unter der Erde: Startschuss für internationales Tunnel-Forschungszentrum.#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 17. September 2014) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Eva Stanzl


Erzberg
Der steirische Erzberg wird zum Zentrum der Forschung.
© apa/Jan Sommer

Wien. Startschuss für das "Zentrum am Berg": Im Frühjahr wird der steirische Erzberg zum Forschungslabor. Das wohl europaweit einzigartige Forschungszentrum unter der Erde soll neue Erkenntnisse im Bereich Geotechnik, Rohstoffgewinnung, Berg- und Tunnelbau und Sicherheitstechnik ermöglichen.

Seit 2009 war um die Finanzierung der 30 Millionen Euro für das "Zentrum am Berg" (ZaB) gerungen worden. Am Montagabend haben sich die Ministerien für Wissenschaft und Verkehr, das Land Steiermark und die Montanuniversität Leoben auf eine gemeinsame Finanzierung geeinigt. 6 Millionen kommen von der Montanuni. Die beiden Ministerien teilen sich den Bundesanteil von 12 Millionen, und ebenso viel bezahlt das Land. "Der Schulterschluss zeigt den hohen Stellenwert des Projekts und stärkt den Forschungsstandort", betonte Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Dienstag: Das Zentrum werde als "Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fungieren, weil hier sowohl Grundlagen- als auch gezielte Auftragsforschung von Unternehmen" durchgeführt werden soll. Verkehrs- und Technologieminister Alois Stöger erklärte: "Österreich ist im Tunnelbau weltweit führend. Das ZaB soll mit seiner Spezialisierung auf Forschung, Training und Entwicklung internationale Bedeutung bekommen und einen Impuls für die Obersteiermark bringen."

Nach dem für Frühjahr geplanten Spatenstich soll mit den 30 Millionen Euro Forschungsinfrastruktur im Berg geschaffen werden. Dazu müssen stillgelegte Bergbau-Tunnels der Voest Alpine auf den Durchmesser von Straßen- und Eisenbahntunnels erweitert und technologisch ausgestattet werden. "In der österreichischen Tunnelbauweise, die einen stufenweisen Ausbruch und ein schrittweises Vorarbeiten zum Vollausschnitt vorsieht, sind wir führend. Nun können wir unseren Vorsprung ausbauen", zeigte sich Wilfried Eichlseder, Rektor der Montanuni Leoben, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erfreut. Von Anfang an würden Tunnelvortrittstechnologien, Montan-Maschinen und Bauweisen für Straßen- und Eisenbahnoberflächen getestet.

Der Vollbetrieb soll in zwei bis vier Jahren aufgenommen werden. Dann soll das ZaB ein hochmodernes Forschungs- und Seminarzentrum für den Bau und Betrieb von Untertageanlagen - Tunnelbauwerke, U-Bahnanlagen, Untertage-Kraftwerksanlagen, Untertage-Bergbauanlagen, Tiefbohranlagen der Erdölindustrie - werden. Darüber hinaus soll die Infrastruktur auch als Trainings- und Schulungszentrumzentrum für Einsatzorganisationen, Wartungs- und Instandhaltungspersonal dienen. Eichlseder rechnet damit, dass immer wieder neue Seitentunnels in den Berg geschlagen werden müssen, das ZaB also laufend wächst.

Forschung nützt Standort#

Forschungsaufträge von Bau- und Infrastrukturunternehmen sollen den wissenschaftlichen Betrieb unter der Federführung der Montanuni finanzieren. 40 bis 50 Firmen hätten bereits Bedarf angemeldet, Forschungsaufträge im Wert von je 100.000 bis ein paar Millionen Euro durchführen zu wollen, so der Rektor. Ein Drittel des Budgets der Montanuni kommt aus der Auftragsforschung. Für das Zentrum am Berg werden auch Projektförderungen aus dem EU-Programm Horizon 2020 erwartet.

Die Brandereignisse im Mont Blanc- und im Tauerntunnel 1999 und 2001 machten deutlich, dass noch intensivere Anstrengungen zur Beherrschung und Vermeidung von Katastrophen und verstärkte Forschung zur Tunnelsicherheit notwendig sind. Auch dieser Bereich ist ein Schwerpunkt im Erzberg. "Es gibt sicherheitsrelevante Aufgabenstellungen an Tunnelschalen, neue Absaugsysteme zur Rauchgasableitung und Evakuierungen im Brandfall", erklärt Eichlseder.

Für den steirischen Forschungslandesrat Christopher Drexler hat das Zentrum am Berg außerdem "internationale Strahlkraft für den Forschungsstandort Steiermark". Noch etwas präziser formulierte der steirische Landeshauptmann Franz Voves: Für ihn ist es ein "wichtiger regionalpolitischer Impuls, insbesondere für die Region um den steirischen Erzberg". Um diese war es über die Jahre nämlich immer ruhiger geworden.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 17. September 2014

Essay#

Forschung im Erzberg so gut wie fix#

Europaweit einzigartiges Forschungszentrum in der Steiermark - Finanzierung für "Zentrum am Berg" wird beschlossen.#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 5. September 2014) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Eva Stanzl


Erzberg mit 1466 Meter Höhe
Auf dem Erzberg mit 1466 Meter Höhe in den Eisenerzer Alpen werden heute jährlich 8,5 Millionen Tonnen Gestein gewonnen und 2,2 Millionen Tonnen Feinerz verarbeitet.
© VA Erzberg

Graz/Wien. Am pyramidenförmigen steirischen Erzberg wird künftig nicht nur Eisenerz abgebaut, sondern auch hochkarätige Forschung betrieben: Für die Gründung des neuen Forschungszentrums im Erzberg unter der Federführung der Montanuniversität Leoben (MUL) stehen nun alle Signale auf Grün. Die Partner haben sich nämlich auf die Restfinanzierung von fünf Millionen Euro geeinigt - ein Betrag, den lange niemand aufbringen wollte, was eine Beschlussfassung verunmöglichte.

Kommenden Donnerstag werde die steirische Landesregierung die Finanzierung finalisieren, bestätigte das Büro des zuständigen SPÖ-Wirtschaftslandesrats Christopher Drexler am Freitag auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Am 15. September sollen dann die Verhandlungspartner das "Zentrum am Berg" auf Bundesebene absegnen. Der Spatenstich ist für kommendes Frühjahr geplant.

Wie berichtet, war mehr als drei Jahre lang über das Projekt verhandelt worden. Die Kosten für die Inbetriebnahme des Forschungszentrums in vier stillgelegten Stollen der Voest Alpine liegen bei 30 Millionen Euro. Die Bundesministerien für Verkehr und für Wissenschaft, das Land Steiermark, das steirische Wissenschaftsressort und die Montanuni einigten sich darauf, jeweils fünf Millionen Euro zu investieren. Nur die verbliebenen fünf Millionen wollte niemand übernehmen: Das Land hatte im Sinn, dass der Bund mehr zahlt, und der Bund ging davon aus, dass das Land tiefer in die Tasche greifen würde. Externe Mittel aus den für das Zentrum am besten geeigneten EU-Töpfen der Efre-Strukturfonds hatte die Steiermark bereits anderweitig zugesagt.

Nun haben die Verhandlungspartner entschieden, dass jeder seinen Einsatz erhöht. "Wir übernehmen eine weitere Million vom noch offenen Betrag", bestätigte Erhard Skupa, Sprecher der Montanuni, am Freitag der "Wiener Zeitung". Die Gelder kämen aus dem laufenden Uni-Budget, ein entsprechendes Schreiben sei Donnerstagnachmittag an die Partner ergangen. Für Waltraud Klasnic, ehemalige steirische Landeshauptfrau und Vorsitzende des MUL-Universitätsrats, ist es "ein gutes Ende": Dem Vernehmen nach hat nämlich weiters der Bund zugesagt, zusätzliche zwei Millionen Euro, verteilt auf Verkehrsministerium und Wissenschaftsministerium, bereitzustellen. Auch die Steirische Landesregierung will um zwei Millionen Euro aufstocken und diese Summe am Donnerstag absegnen. Im Büro von Landesrat Drexler bestätigte man den Betrag.

Bedingungen unter Tag "wie auf jeder Baustelle"#

"Das Leit- und Impulsprojekt Zentrum am Berg soll in einem Konsens aller Partner umgesetzt werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Finanzierung", sagte auch der steirische ÖVP-Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann auf Anfrage, wobei er unterstrich: "Jeder soll einen anteilsmäßigen Beitrag leisten, um die Realisierung sicherzustellen."

"Wir blockieren sicher nicht", sagte dazu Felix Lamezan, Sprecher des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft: Der Bund werde all seine Zusagen einhalten. Und Walter Fleißner, Sprecher im Verkehrsministerium, hob hervor: "Das Projekt ist sehr weit gediehen und auf einem guten Weg."

Das Zentrum am Berg dient der angewandten Forschung im Tunnelbau. In stillgelegten Stollen im Erzberg soll eine 1:1-Versuchsanlage entstehen, in der Infrastrukturunternehmen Bauweisen prüfen, Belastungs-, Feuer- und andere Katastrophentests in Realsituationen durchführen und Sicherheitsforschung betreiben. Nach der Initialförderung durch die öffentliche Hand und die MUL sollen Industriebetriebe, die im Erzberg forschen, die laufenden Kosten tragen, indem sie Teilabschnitte des Berginneren mieten.

"Mit dem Spatenstich können schon erste Forschungsarbeiten starten", erklärt Erhard Skupa. Da Bergstollen-Querschnitte kleiner sind als jene von Straßen- oder Eisenbahntunnels, müssen sie aufgeweitet werden. "Man wird sich die Geologie im Erzberg genau anschauen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen entwerfen. Neue Tunnelvortriebsmaschinen, Spritzgussbetonmischungen oder Ankertechniken können sogleich auf die Probe gestellt werden."

Forschung treibt Wirtschaft der Region#

Wie verhält sich eine Betonmischung in einem bestimmten Gelände? Wie viel Wasser ist aus dem Gebirge zu erwarten? Probleme wie diese stellen sich im Tunnelbau. "Wir haben im Erzberg reale Bedingungen wie auf jeder Baustelle. Im Gegensatz zum Koralmtunnel können wir aber hier experimentieren, weil wir nicht unter Zeitdruck stehen", sagt Skupa. Die Liste der Interessierten lese sich "angefangen von Asfinag, ÖBB Infrastruktur und Wiener Linien wie ein Who is Who der Infrastruktur-Unternehmen". So könnten etwa die Wiener Linien im Erzberg Schachtsysteme entwickeln, um zu testen, wie sie Rauchgase möglichst rasch ableiten könnten. "Das ist für jeden U-Bahn-Betrieb essenziell." Ähnliche Einrichtungen in Europa würden im Unterschied zum Erzberg mit Einschränkungen kämpfen, so Skupa: Etwa läge ein Tunnelforschungszentrum in der Schweiz so nahe an einer Autobahn, dass Brandtests verboten seien.

Auch dem Ort Eisenerz, der heute nur noch 4500 (statt wie 1960 13.000) Einwohner zählt, könnte das Zentrum am Berg zu neuem Leben verhelfen. Nachdem der "Brotlaib der Steiermark" mehr als ein Jahrtausend die Region prägte, zählt der Raum Eisenerz seit rund 40 Jahren zu den Industrieregionen mit Problemen. Die nunmehr forschungsintensive Steiermark setzt daher auf Hochtechnologie: In der Nähe befindet sich nicht nur die Montanuni, sondern auch ein Kerngebiet für Werkstoffforschung und eines für Weichentechnik. Das Zentrum am Berg passt genau hier gut hin.

Wiener Zeitung, Freitag, 5. September 2014