unbekannter Gast

Faltis, Johannes (oder Johann)#

* 4. 6. 1796, Wolfsdorf (Vlckovice, Tschechische Republik)

† 18. 2. 1876, Trautenau (Trutnov, Tschechische Republik)

Industrieller


Er begründete die mechanische Flachsgarnspinnerei in Österreich.
Sein Vater Dominik (1768 - 1841), ursprünglich Weber, war Kaufmann im Leinwandhandel. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Königsgrätz sammelte Faltis kaufmännische Erfahrungen in Prag und trat 1820 in das väterliche Geschäft ein. Dieses führte er so erfolgreich, dass schon nach drei Jahren in Trautenau ein eigenes Kolonial- und Farbwarengeschäft eröffnete. Er errichtete 1823 in Trautenau eine Leinenmanufaktur und eine Kottonweberei 1835 in Pottendorf (NÖ).

Als er von den ersten Versuchen mit mechanischen Flachsspinnmaschinen in Weigelsdorf (NÖ) erfuhr, ließ er 1835 auf eigene Kosten Mechaniker aus England kommen und in Pottendorf (NÖ) eine Werkstatt zur Erzeugung von Flachsspinnmaschinen mit Holzspindeln errichten. Die ersten hier hergestellten Flachsspinnmaschinen ließ er 1836 nach Jungbuch (bei Trautenau) bringen und eröffnete dort die erste Flachsspinnerei. 1841 betrug das jährliche Garnerzeugnis der 229 Arbeiter an die 2000 Schock. Täglich wurden 1200 Pfund Flachs von 22 Vorbereitungsmaschinen und 20 Feinspinnmaschinen mit je 100 Spindeln verarbeitet.

1845 wurde der Betrieb erweitert, 1848 in Jungbuch eine zweite Spinnerei errichtet, der 1854 eine dritte folgte - nun arbeiteten21 600 Spindeln. 1858-60 errichtete er in Trautenau einen Betrieb mit 14 000 Spindeln, dem 1864/64 ein zweiter mit 10 000 folgte. Faltis, der Erfinder der mechanischen Flachsgarnspinnerei in Österreich, beherrschte, völlig erblindet, knapp vor seinem Tod mit 45 000 Spindeln und 3200 Arbeitern den gesamten europäischen Flachsmarkt. Er erhielt mehrere Preise und Ehrungen, u. a. bei den Weltausstellungen in Wien (1873) und Paris (1878).

Seine Söhne Carl und Fritz konnten das Unternehmen bis zu Jahrhundertwende mit gleichem Erfolg weiterführen, dann allerdings kamen die billigeren Baumwollerzeugnisse auf den Markt.

Literatur#

  • R. Granichstaedten-Cerva, J. Mentschl und G. Otruba, Altösterreichische Unternehmer, 1969.
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.