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Fey, Emil#

* 23. 3. 1886, Wien

†16. 3. 1938, Wien (Selbstmord)


Politiker (Christlichsoziale Partei), Offizier und Heimwehrführer


Emil Fey. Foto, 1935., © Copyright Österreichisches Institut für Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv.
Emil Fey. Foto, 1935.
© Copyright Österreichisches Institut für Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv.

Seit 1908 Berufsoffizier, wurde im Ersten Weltkrieg viermal schwer verwundet und erhielt 1922 den Maria-Theresien-Orden für seine Tapferkeit an der Isonzofront bei Zagora (12. 6. 1915). Die mit der Ordensverleihung verbundene Erhebung in den Freiherrenstand wurde 1924 von der Exkaiserin Zita abgelehnt, von ihrem Sohn Otto aber nach dessen Volljährigkeit (1934) bestätigt.

Ursprünglich bei einer Traindivision, hatte er sich mit 1. 3. 1915 zum k. u. k. Infanterieregiment Nr. 4 „Hoch- und Deutschmeister“ versetzen lassen. Nach dem Krieg zuerst national-bürgerlich, wandte er sich dann dem bürgerlich-monarchistischen Lager zu. Bis 13. 2. 1919 war er bei der Volkswehr, nahm auch am Kärntner Freiheitskampf teil und wurde am 26. 11. 1922 Major. Unter seiner Führung wurde 1923 die „Deutschmeister-Heimwehr“ gegründet, und im Dezember 1931 gelang ihm die „Vereinheitlichung“ der Kriegsverbände der Wiener Heimwehr, wodurch er mit dem ebenso ehrgeizigen Heimwehrführer Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg) in scharfe Konkurrenz geriet.

Ab 17. 10. 1932 bis 1933 war er in der Regierung Dollfuß Staatssekretär für das Sicherheitswesen; am 10. 5. 1933 wurde er Minister dieses Ressorts und maßgeblich an der Errichtung des Schutzkorps im Juli 1933 beteiligt. Am 21. 9. 1933 wurde er Vizekanzler; 1933-35 abwechselnd Vizekanzler, Sicherheits- und Innenminister der Regierungen Dollfuß und Schuschnigg.

Fey war an Auslösung und Niederwerfung der Februarkämpfe 1934 maßgeblich beteiligt und erhielt für seinen Einsatz in den Februarkämpfen 1934 eine österreichische und eine ungarische Auszeichnung. Dennoch verlor er an Einfluss.

Ungeklärt ist seine Rolle beim Juliputsch 1934, bei dem er sich einige Stunden lang im Bundeskanzleramt in der Gewalt der Putschisten befand. Nach dem Mord an Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß am 25. 7. 1934 wurde ihm zur Last gelegt, dass er vom Putschplan der Nationalsozialisten frühzeitig erfahren, jedoch nichts dagegen unternommen habe und dann von den Putschisten als „Verhandlungspartner“ benützt worden sei.

Am 20. 11. 1935 wurde er als Landesführer der Wiener Heimwehr abgesetzt. Da alle politischen Wehrverbände am 10. 10. 1936 aufgelöst wurden, hielt er sich im gesetzlich verankerten Schutzkorps. Vom November 1935 bis 1938 war er Vizepräsident des "Bundes österreichische Industrieller".

Ebenso wie seine Rolle im Dollfuß-Mord ist auch sein Selbstmord vom 16. 3. 1938 nicht restlos geklärt, da verschiedentlich auch die Version einer Liquidierung durch Nationalsozialisten kursiert, was durch die Tatsache, dass er selbst mehrere Wunden aufwies und seine Frau, sein Sohn und das Dienstmädchen ebenfalls umkamen, erhärtet erscheint.



Der Weg in den Februar '34#


Alle sind gleich vor dem Gesetz,
Vor dem Gesetz dieses Staats,
Doch hinter dem Gesetz ist stets
Für Heimwehr reichlich Platz.
Ja, dazu sagten wir allerlei,
Als unzensuriert wir noch sprachen -
Jetzt überlassen wir das Herrn Fey
Und seiner braven Polizei;
Die werden die Sache schon machen.


Als Jura Soyfer am 9. April 1933 diese Zeilen in der „Arbeiter Zeitung“ veröffentlichte, war über das Blatt bereits die Vorzensur verhängt worden. Verfügt hatte dies Emil Fey, der 1932 als Staatssekretär für das Sicherheitswesen in die Regierung Dollfuß eingetreten war. Nach der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 erließ Fey das Verbot des Republikanischen Schutzbundes, verordnete Streikverbot, untersagte die traditionellen Maiaufmärsche und nahm Kurs auf eine offene, gewaltsame Konfrontation mit der Sozialdemokratie. Am 11.Februar 1934, einen Tag vor Ausbruch des Bürgerkrieges in Österreich, prophezeite er bei einer Heimwehrkundgebung in Großenzersdorf: „Wir werden morgen an die Arbeit gehen und ganze Arbeit leisten...“



--> Historische Bilder zu Emil Fey (IMAGNO)

Literatur#

  • F. Oswald, Die Stellung von Major E. Fey in der Politik der 1. Republik und des Ständestaates, 1964
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.