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Flor, Olga#

* 25. 1. 1968, Wien


Physikerin, Schriftstellerin

Olga Flor wurde am 25. Jänner 1968 in Wien geboren, wuchs in Wien und Köln auf und studierte von 1986 bis 1993 Physik und Kunstgeschichte in Graz. Nach Abschluss des Studiums war sie in den Bereichen Konzeption, Design und Produktion multimedialer Lernprogramme tätig.

Nach längeren Aufenthalten in Modena (1997-1999) lebt sie seit 2004 als freie Schriftstellerin mit ihrer Familie - sie ist Mutter zweier Kinder - in Graz. Olga Flor ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung.

Ihr erster Roman "Erlkönig" erschien im Frühjahr 2002, zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften (z.B.: manuskripte, Lichtungen, Kolik, Wespennest) und Anthologien folgten - z.B.: "Zum Glück gibt’s Österreich", "Wagenbachs Taschenbücher", "Cocktails", "Die besten Klagenfurter Texte 2003", "Wien. Eine literarische Einladung".

Der Monolog "Fleischgerichte" wurde 2004 im Schauspielhaus Graz uraufgeführt; ihr Roman "Kollateralschaden" wurde für den Deutschen Buchpreis 2008 nominiert.

2012 wurde sie mit dem Literaturpreis der Österreichischen Industrie ausgezeichnet - die Begründung der Jury lautete: "Olga Flors literarische Auseinandersetzung mit Krisen unserer Zeit enthüllt in einer kühlen, oft technisch anmutenden, präzisen Sprache Strukturen einer ökonomisierten Welt, die dem Individuum wenig Spielraum offen lassen. Unerbittlich zeigt die Autorin soziale Konstellationen auf, führt die Kleinfamilie und die Geschlechterrollen vor und lotet mit feinem Gespür gesellschaftliche Machtgefälle aus".

Auszeichnungen, Preise (Auswahl)#

  • Einladung zur Werkstattlesung beim Alfred-Döblin-Preis, 2001
  • Literaturförderungspreis der Stadt Graz, 2001
  • Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, 2003
  • Reinhard-Priessnitz-Preis, 2003
  • Österreichisches Staats-Stipendium für Literatur, 2003
  • Otto-Stoessl-Preis, 2005
  • George-Saiko-Reisestipendium, 2006
  • Nomierung (Longlist) für den deutschen Buchpreis, 2008
  • Nominierung für den Alfred-Döblin-Preis, 2011
  • Elias-Canetti-Stipendium 2011/2012
  • Literaturstipendium der Stadt Graz, 2012
  • rotahorn-Literaturpreis 2012
  • "outstanding artist awards" des österreichischen Kulturministeriums, 2012
  • Anton-Wildgans-Preis (Literaturpreis der Österr. Industrie), 2012 (Verleihung im Oktober 2013)
  • Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien, 2014

Werke (Auswahl)#

Bücher:
  • Erlkönig. Roman in 64 Bildern, 2002
  • Talschluß. Roman. Wien, 2005
  • Kollateralschaden. Roman, 2008
  • Die Königin ist tot, 2012
  • Ich in Gelb, 2015

Theaterstücke:

  • Die Renegaten, 2002
  • Fleischgerichte. UA 2004 Schauspielhaus Graz
  • Kugelstein (Komposition: Elisabeth Harnik, Libretto: Olga Flor), Szenische Aufführung der 2. Szene im Rahmen des "Opernreigens der Zukunft", Oper Graz, 2007


Leseprobe #

aus Olga Flor - "Talschluss"
(...) so viel geht uns ab in der heutigen Zeit, sagt Grete, die nur mehr auf Profitmaximierung ausgerichtet ist. (Nein, man kann ihr nicht böse sein. Ununterbrochen strahlt ihr guter Wille durch, ihr ehrliches Bemühen, wirklich zu helfen, zu verbinden und zu unterstützen, die Herzensgüte, die sie vor sich herträgt wie eine Auszeichnung.) Ich kann die Menschen unterstützen bei der Suche nach dem, was ihnen gut tut, sagt sie. Ja, Mutter, sagt Thomas, und damit verdienst du mittlerweile ganz prächtig. Seit wann bist du denn gegen das, was ich tue, sagt Grete. Ich bin gar nicht dagegen, sagt Thomas, ich finde nur, du solltest die Dinge beim Namen nennen. Wir sind doch unter uns, nicht wahr, alle einschlägig ausgebildet; fast, sage ich. Wie viele ich kennen gelernt habe, sagt Grete und lässt den Blick ins Unendliche wandern, oder zumindest in die Weiten hinter meinem Kopf, wo sich ein kleiner rustikaler Bücherschrank befindet, den ich mit dem üblichen Bildungsbürgerschmus gefüllt habe, den nie einer liest (...).


Wie oft ist mir das passiert, sagt Grete, dass ich Leute treffe, die einem wirklich etwas geben können, weißt du, die wirklich etwas zu geben haben, und dann wagen sie es nicht, Geld dafür zu nehmen, und ich versuche ihnen dann klar zu machen, dass es nichts Unmoralisches ist, Geld anzunehmen für etwas, das man den Menschen geben kann, schließlich muss einem die seelische Gesundheit doch mindestens so viel Wert sein dürfen wie, sagen wir, ein neues Auto, was meinst du, Katharina. Ich lächle, schon aus professionellen Gründen halte ich mich raus aus Diskussionen aller Art. Mein Bild steht euch zur Verfügung, aber ich werde mich hüten, das laut zu sagen, ich lächle etwas breiter. Seht in mir, was ihr sehen wollt, ich biete ein angenehmes Äußeres, ich stelle das Ambiente zur Verfügung; höchstens abkühlend, ablenkend und glättend greife ich einmal ein, wenn es denn wirklich nötig sein sollte, das ist alles. Ich verbreite Konsens und Wohlwollen. Die Ungreifbarkeit meiner Person ist Teil der Dienstleistung.


(S. 31f)


© 2005, Paul Zsolnay Verlag, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
LITERATURHAUS

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl