Frank, Josef - Austria-Forum : AEIOU

Frank, Josef#


* 15. 7. 1885, Baden bei Wien

† 8. 1. 1967, Stockholm (Schweden)


Architekt


Josef Frank
Josef Frank. Foto.
© Bildarchiv d. ÖNB, Wien, für AEIOU

Josef Frank stammte aus dem assimilierten jüdischen Bürgertum. Ab 1903 absolvierte er ein Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Wien bei Carl König, das er 1910 mit der Dissertation abschloss. Anschließend machte er ein kurzzeitiges Praktikum in Berlin bei Bruno Möhring und heiratete 1912 die aus Stockholm stammende Anna Sebenius.


Von 1919 bis 1925 war Frank Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule, von 1910 bis 1938 arbeitete er mit seinem Studienkollegen Oskar Wlach zusammen: 1925 Gründung des Einrichtungsgeschäfts "Haus und Garten" nach anglo-amerikanischem Vorbild, Einrichtung einer Reihe von Landhäusern u. Villen in Wien u. Umgebung.

1914 Gründungsmitglied des Wiener Werkbundes, Initiator und 1932 Leiter des Projektes der Werkbundsiedlung in Wien. Angeregt durch das Vorläuferprojekt der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927), verstand sich diese aus 70 Häusern bestehende Anlage auch als Kritik am monumentalen Wohnbauprogramm des "Roten Wien". Frank wollte die Vielfalt an architektonischen Lösungsmöglichkeiten zeigen, die mit den reduzierten formalen und ökonomischen Mitteln modernen Bauens erzielt werden konnten. Die Werkbundsiedlung kann als eines der bedeutendsten Dokumente der architektonischen Moderne in Österreich gelten.

Frank hatte die Auswahl der teilnehmenden Architekten getroffen – die wichtigsten Architekten der österreichischen Zwischenkriegszeit wie Frank selbst, Adolf Loos, Josef Hoffmann, Oskar Strnad, Oskar Wlach, Ernst A. Plischke, Ernst Lichtblau, Clemens Holzmeister und viele andere waren daran beteiligt, ebenso die bereits beruflich im Ausland verankerten Österreicher Richard Neutra, Arthur Grünberger und Margarete Schütte-Lihotzky.

Zugleich führte Frank 1924-31 die Mitplanung bei mehreren kommunalen Wohnbauten der Gemeinde Wien aus (s.u.); dazu kamen Möbel- und Stoffentwürfe, Villen- u. städtebauliche Entwürfe (Traiskirchen, Klosterneuburg). Frank war auch Mitglied der Wiener Werkstätte, der 1903 nach englischem und schottischem Vorbild von Josef Hoffmann und Kolo Moser gegründeten Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, die zusammen mit der Wiener Kunstgewerbeschule und der Wiener Secession eine Erneuerung der Kunst auf Basis handwerklicher Gediegenheit anstrebte. Vor allem auf dem Gebiet des Kunstgewerbes machte sie Wien zum Zentrum einer neuen Geschmackskultur.

1932 musste die Wiener Werkstätte aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Ihr besonderes Verdienst lag in der Überwindung der wuchernden Jugendstil-Ornamentik zugunsten einfacher, geometrisch-abstrakter Formen.

1933 emigrierte Frank aus politischen Gründen mit seiner Frau nach Schweden; 1939 nahm er die schwedische Staatsbürgerschaft an. Frank arbeitete in der Folge für die Stockholmer Designerfirma Svenskt Tenn. Zusammen mit der Firmengründerin Estrid Ericson prägte er ganz wesentlich den sogenannten skandinavischen Wohnstil. Nach 1945 zeichnerisches und theoretisches Spätwerk im Sinn seines "Akzidentismus".

1941 verließ das Ehepaar Frank das von den Nationalsozialisten bedrohte Schweden und ließ sich in New York nieder. 1942-43 hielt Frank Vorlesungen an der New School of Social Research in New York sowie an der Rhode Island School of Design (RISD) in Providence; Ausstellungen in Pittsburgh, San Francisco und Stockholm. 1946 Rückkehr nach Schweden.

Trotz Rückholversuchen nach Österreich blieb Frank seiner alten Heimat weiterhin fern und bewegte sich zwischen seinen Wohnorten in Skandinavien und Südfrankreich. Sein Werk wurde in Österreich v.a. durch H. Czech und J. Spalt rezipiert.



Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Oskar Strnad vertrat Frank die "Wiener Schule der Architektur" mit einem spezifischen Konzept der Moderne bei Häusern, Wohnungen und Inneneinrichtungen. Er beschäftigte sich schon früh mit dem sozialen Wohnungsbau und mit Arbeitersiedlungen.

Wie Adolf Loos war Frank der Überzeugung, dass moderner Wohnbau nur noch in Gestalt von kostengünstigen Siedlungshäusern realisierbar wäre, anstatt die Schaffung von „Superblocks“ im kommunalen Wohnungsbau zu propagieren; im Unterschied zum Großteil der Architekten der Zwischenkriegszeit in Wien war Frank der sogenannten „Siedlungsbewegung“ verbunden.

Frank verzichtete auch auf Fassadendekor und bevorzugte klare, funktionale Formen, wie es auch in den Anlagen der Wiener Werkbundsiedlung zum Ausdruck kam. Diese Häuser sollten eine Palette modellhafter, moderner Haustypen für künftige Siedlungsanlagen bekannt machen. "Das Wohnhaus ist das einzige Haus, das nicht dazu da ist, irgendetwas ihm [dem Menschen] Fernliegendem zu dienen, Stätte des Erzeugens oder des Geldverdienens zu sein. Es ist Selbstzweck und hat durch sein Dasein die Menschen zu beglücken...."

"...Ein gut organisiertes Haus ist wie eine Stadt anzulegen mit Straßen und Wegen, die zwangsläufig zu Plätzen führen ..."

Neben seiner architektonischen Tätigkeit schuf Frank zahlreiche Entwürfe für Möbel, Einrichtungsgegenstände, Stoffe, Tapeten und Teppiche. Der Wiener Architekt und Möbeldesigner Luigi Blau nennt ihn als eines seiner Vorbilder.


Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl):

  • 1960 Kunstpreis der Stadt Wien
  • 1965 erste österreichische Frank-Ausstellung der Österr. Gesellschaft für Architektur
  • 1965 Österreichischer Staatspreis für Architektur
  • 1991 Josef-Frank-Gasse in Wien-Donaustadt nach dem Architekten benannt
  • 2007 Ausstellung „Josef Frank. Architekt und Outsider“, Jüdisches Museum Wien


Werke (Auswahl):

  • zahlreiche Möbel- und Stoffentwürfe während seiner ganzen Karriere
  • Einrichtung des Ostasiatischen Museums in Köln (1913)
  • Villenkolonie Wien Wilbrandtgasse 3 u. 11 (1913-14) mit Oskar Wlach und Oskar Strnad
  • Kinderheim u. Landvilla in Ortmann für den Industriellen Hugo Bunzl (1914)
  • Werksiedlung Bunzl in Ortmann (1919-20)
  • Siedlungsanlage Hoffingergasse in Wien Altmannsdorf (1921-24), gem. mit Erich Faber
  • Wohnhausanlage Wiedenhoferhof, Wien Hernals (1924-25)
  • Wohnhausanlage Winarskyhof, Wien Brigittenau (1924-26), gemeinsam mit Adolf Loos, Peter Behrens, Margarete Schütte-Lihotzky
  • Ferienhaus Villa Wehtje in Falsterbo, Schweden, Entwürfe für Villen in Kalifornien (1927)
  • Doppelwohnhaus in der Internationalen Werkbundausstellung Stuttgart, Weißenhofsiedlung (1927)
  • Wohnhausanlage Sebastian-Kelch-Gasse, Wien Penzing (1928-29)
  • Haus Beer in Wien Hietzing (1929-30), gem. mit Oskar Wlach
  • Wohnhausanlage Bürgergasse 21-23, Wien Favoriten (1929-33), gem. mit Oskar Wlach
  • Wohnhausanlage Simmeringer Hauptstraße 142-150, Wien Simmering (1931-32), gem. mit Oskar Wlach
  • Wohnhausanlage Leopoldine-Glöckel-Hof in Wien Meidling (1931-32)
  • Begründung u. Leitung der Werkbundsiedlung Wien, Entwurf für das Haus Woinovichgasse 32 (1930-32)
  • Innengestaltung des Wohnhauses Karplus, Wien Döbling (1930)
  • verschiedene Villenbauten, Wochenend- und Einfamilienhäuser, Stadt- u. Ortsplanungen in Schweden (ab 1934)
  • Innengestaltung der Villa Bunzl, Wien Döbling (1935)
  • Planungsteilnahme am Neubau des UN-Gebäudes in New York (1947)
  • Planung einer Verbauung des Stephansplatzes und des zerstörten „Haas-Hauses“ (1947-48)
Schriften
  • Architektur als Symbol. Elemente deutschen neuen Bauens, 1931
  • zahlreiche Aufsätze


Literatur:

  • J. Frank: Architektur als Symbol. Elemente deutschen neuen Bauens, 1931 (neu 1981)
  • J. Frank: Das Haus als Weg und Platz. In: Baumeister, 29. Jg., Wien 1931
  • J. Frank: Die Internationale Werkbundsiedlung Wien, 1932
  • Johannes Spalt u. Hermann Czech: Josef Frank 1885-1967, 1981
  • Johannes Spalt: Josef Frank 1885-1967. Möbel und Geräte und Theoretisches, 1981
  • Maria Welzig: Die Internationalität des Josef Frank, Dissertation, Wien 1994
  • Mikael Bergquist u. Olof Michelsen: Josef Frank – Architektur, 1995
  • Nina Stritzler-Levine, Josef Frank, Architect and Designer, 1996
  • Maria Welzig: J. Frank (1885-1967). Das architektonische Werk, Wien Böhlau 1998
  • Christopher Long: Josef Frank. Life and Work, Chicago 2002
  • Weihsmann, Helmut: In Wien erbaut. Lexikon der Wiener Architekten des 20. Jahrhunderts, Wien Promedia Verlag 2005
  • Iris Meder (Hg.): Josef Frank 1885-1967 – Eine Moderne der Unordnung, 2008
  • Handbuch österr. Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 1, p. 348
  • Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Band 2/1, p. 317


Quellen:

Österreichische Werkbundsiedlung
Österr. Architekturdatenbank nextroom


Redaktion: J. Sallachner




--> Historische Bilder zu Frank Josef (IMAGNO.at)




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