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Franz Ferdinand, Erzherzog von Österreich-Este#

* 18. 12. 1863, Graz (Steiermark)

† 28. 6. 1914, Sarajewo (Bosnien und Herzegowina)


Franz Ferdinand, Erzherzog von Österreich-Este
Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este. Foto, 1912.
© Copyright Österreichisches Institut für Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU.

Sohn von Erzherzog Karl Ludwig, Neffe von Kaiser Franz Joseph I. Wurde nach dem Tod des Kronprinzen Rudolf 1889 und seines Vaters 1896 Thronfolger, musste aber auf die Thronfolge seiner Kinder (mit Sophie Gräfin Chotek) verzichten. Als Erbe von Franz V., Herzog von Modena, seit 20. 11. 1875 „von Österreich-Este". Franz Ferdinands Mutter Maria Annunciata von Bourbon war lungenkrank und starb, als Franz Ferdinand acht Jahre alt war. Mit knapp neun Jahren erlegte Franz Ferdinand sein erstes Wild, was wohl seine spätere Jagdleidenschaft beeinflusst haben dürfte.

Der eher verschlossene Knabe wurde streng militärisch erzogen und 1878 zum Leutnant ernannt. 1888 wurde er Major, 1890 Oberst und 1899 General der Kavallerie. 1898 Stellvertreter des Kaisers im Obersten Armeekommando, 1913 Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht; förderte besonders die Marine. Auf das politische Geschehen hatte er wenig Einfluss.

Er wollte die bevorzugte Stellung Ungarns unter den Ländern der Monarchie beseitigen und suchte den Ausgleich mit den Slawen. Seine politische Haltung war streng konservativ und autoritär, seine Persönlichkeit war unter anderem von einer krankhaften Jagdleidenschaft geprägt.

Die Frage der Thronfolge hatte Kaiser Franz Joseph I. nach dem Tod seines Sohnes Rudolf ebenso offengehalten wie nach dem Tod des Vaters von Franz Ferdinand 1896. Obwohl Franz Ferdinand ab diesem Zeitpunkt Thronfolger war, erfolgte keine formelle Ernennung. Seit 1892 litt Franz Ferdinand an Lungentuberkulose, die durch ausgedehnte Behandlungen und Reisen bekämpft wurde und die er nicht zuletzt durch seine Willensstärke 1897 ausheilen konnte.

Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten und einer am 28. 6. 1900 abgegebenen Verzichtserklärung für die Nachkommen aus seiner morganatischen Ehe (Ausschluss aus dem kaiserlichen Erzhaus) heiratete er am 1. 7. 1900 in der Schlosskapelle von Reichstadt (Böhmen) Sophie Gräfin Chotek, die später zur Herzogin von Hohenberg erhoben wurde.

Durch Franz Joseph von der aktuellen Politik ausgeschlossen, plante Franz Ferdinand für die Zeit seines Regierungsantritts unter Wahrung einer möglichst starken Zentralgewalt die Umgestaltung der Doppelmonarchie in bundesstaatlichem Sinn. Nach einem Ausgleich mit den Slawen sollte durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechts der Einfluss des ungarischen Adels reduziert werden und die Aufteilung nach Volksgruppen bzw. Kronländern den Föderalismus fördern. Mit seinen föderalistisch-trialistischen Ideen geriet er in argen Gegensatz zum Kaiser, der auch dem Ratgeberkreis um den Thronfolger sehr skeptisch gegenüberstand. Dieser „Belvedere-Kreis", so genannt nach dem Wohnsitz Franz Ferdinands, dem überwiegend jüngere Politiker angehörten, wurde fälschlich auch als Kriegspartei bezeichnet; der Thronfolger teilte nämlich die Präventivkriegspläne des ihm beigegebenen Beraters Conrad von Hötzendorf keineswegs. Streng katholisch-konservativ eingestellt, führte er ein ausgesprochen glückliches Ehe- und Familienleben.

1913 Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht, wurden er und seine Gattin in Sarajevo im Anschluss an eine Truppeninspektion von dem serbischen Nationalisten Princip erschossen, was der äußere Anlass für die Auslösung des Ersten Weltkriegs war.

Literatur#

  • G. Holler, Franz Ferdinand von Österreich-Este, 1982
  • F. Weissensteiner, Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher, 1983
  • M. Polatschek, Franz Ferdinand, Europas verlorene Hoffnung, 1989
  • B. Hamann, Die Habsburger, 4/1993
  • W. Aichelburg, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Artstetten, 2000
  • W. Aichelburg, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este 1863-1914. Notizen zu einem ungewöhnlichen Tagebuch eines außergewöhnlichen Lebens (3 Bände), 2014
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.

Weiterführendes#


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-- Pachl W, Dienstag, 20. Oktober 2015, 18:06