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Fussenegger, Gertrud#

* 8. 5. 1912, Pilsen (Plžen Pilsen , Tschechische Republik)

† 18. 3. 2009, Linz

Schriftstellerin


Gertrud Fussenegger
Gertrud Fussenegger. Foto.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU
Gertrud Fussenegger wurde am 8. Mai 1912 in Pilsen, Böhmen, als Tochter des k.u.k. Offiziers Emil Fussenegger geboren und wuchs in Neu Sandez in Galizien, Dornbirn und Telfs auf.


1930 zog sie, nach dem Tod ihrer Mutter, wieder nach Pilsen zurück. Dort maturierte sie 1930 und studierte anschließend in Innsbruck und München Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie. 1934 promovierte sie mit einer Arbeit über Gemeinschaft und Gemeinschaftsbildung im Rosenroman von Jean Cloponel von Meun.


1937 heiratete sie den Bildhauer Elmar Dietz, in zweiter Ehe war sie seit 1950 mit dem Bildhauer Alois Dorn verheiratet. Ab 1961 lebte sie in Leonding bei Linz.


Ihr literarisches Debüt gab Fussenegger 1936 mit dem historischen Familienroman "Geschlecht im Advent", in dem bereits ihre Hinwendung zur antimodernistischen und mythisierenden Literatur der 1930er Jahre erkennbar war.


Die Erzählung "Eines Menschen Sohn" (1939) und das Reisetagebuch "Böhmische Verzauberungen" (1944) sind, wie auch Werke anderer Autoren sudetendeutscher Herkunft eine Verherrlichung des Deutschtums und Dämonisierung des Judentums. Fussenegger propagierte den Anschluss Österreichs und war Beiträgerin des von Heinz Kindermann herausgegebenen Bandes Heimkehr ins Reich (1939).


Nach 1945 wurde Fussenegger wegen ihres Verhaltens während der Zeit des Nationalsozialismus kritisiert, die alliierte Zensur zog Bücher der Autorin aus dem Verkehr, die inhaltlich Bestandteil der nationalsozialistischen Propaganda gewesen waren.


In der Nachkriegszeit rückte Fussenegger von ihren Positionen ab und setzte sich immer wieder mit der Frage der Schuld der Deutschen auseinander.
Mit einer Trilogie der "böhmischen Buddenbrooks" wandte sich Fussenegger Böhmen, dem Land ihrer Jugend, literarisch zu. Der 1954 erschienene Briefroman "In Deine Hand gegeben" beschreibt die Krieg- und Nachkriegszeit und kann zur Frauenliteratur gerechnet werden.
2007 erschien mit "So gut ich es konnte. Erinnerungen 1912-1948" die gestraffte und überarbeitete Fassung ihrer 1978 erschienenen Autobiographie "Ein Spiegelbild mit Feuersäule".


Anlässlich der Vollendung des 90. Geburtstags von Gertrud Fussenegger erschien eine umfassende Bibliographie, die den Zeitraum von 1930 bis Dezember 2001 registriert. Das Werkverzeichnis weist mehr als 60 Bücher aus.


Fussenegger war Mitglied des P.E.N.-Club, der Humboldt-Gesellschaft, der Sudetendeutschen Akademie und Ehrenmitglied des österreichischen Schriftstellerverbandes.
In den Jahren 1977 bis 1979 und 1984 bis 1985 war sie Jury-Mitglied beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. 1991 war sie Jury-Mitglied beim Franz-Grillparzer-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., was zu heftigen Kontroversen wegen ihrer und des Stifters Vergangenheit führte.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Adalbert-Stifter-Preis, 1951
  • Adalbert-Stifter-Preis, 1963
  • Johann-Peter-Hebel-Preis, 1969
  • Andreas-Gryphius-Preis, 1972
  • Österreichischen Staatspreis für Jugendbuch, 1972
  • Großer Kulturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, 1972
  • Verleihung des Professorentitels h.c., 1972
  • Mozart-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., 1979
  • Humboldt-Plakette, 1979
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1981
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 1984
  • Weilheimer Literaturpreis, 1993
  • Jean-Paul-Preis, 1993
  • Kulturmedaille des Landes Oberösterreich, 1999
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, 2003

Werke (Auswahl)#

Romane:
  • Geschlecht im Advent - Roman aus deutscher Frühzeit, 1936
  • Trilogie der "böhmischen Buddenbrooks" (Die Brüder von Lasawa, 1948; Das Haus der dunklen Krüge, 1951; Die Pulvermühle, 1968)
  • Zeit des Raben, Zeit der Taube, 1960
  • Jirschi oder Die Flucht ins Pianino, 1995

Erzählungen und Prosa:

  • Mohrenlegende, 1937
  • Die Leute auf Falbeson, 1940
  • Der Goldschatz aus Böhmen. Erzählungen und Anekdoten, 1989
  • Frauen, die Geschichte machten, 1991
  • Ein Spiel ums andere, 1999
  • Shakespeares Töchter, 1999

Autobiographie:

  • Ein Spiegelbild mit Feuersäule, 1979

Kinder- und Jugendbücher:

  • Bibelgeschichten, 1991

Literatur#

  • C. Winkler, Die Erzählkunst G. Fusseneggers, 1972
  • F. Denk, Die Zensur der Nachgeborenen. Zur regimekritischen Literatur im 3. Reich, 1996
  • F.-L. Kroll (Hg.), Grenzüberschreitungen. Festschrift für G. Fussenegger, 1998.


Hörprobe#

Österreichische Mediathek Hörprobe


Sprache.
aus: Widerstand gegen Wetterhähne. Ausschnitt; Autorenlesung. Wien, 4.11.1974

Vorlesen

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl




Gehört zum Besten, was in diesem Umfang über die Schriftstellerin zu lesen ist.Ganz besonders fällt die gelungene Darstellung der politischen Entwicklung auf.Ihr Bruder Erwin war übrigens der erste Generaltruppeninspektor des Österreichischen Bundesheeres.

--Glaubauf karl, Samstag, 23. Januar 2010, 14:18