unbekannter Gast

Gegenbauer, Leopold#

* 2. 2. 1849, Asperhofen, NÖ

† 3. 6. 1903, Gießhübl, NÖ


Mathematiker
Hauptgebieten Zahlentheorie und Algebra, Integralrechung und Funktionentheorie,
sowie Versicherungsmathematik, politische Interessen, Gegenbauer Polynome


Leopold Gegenbauer
Leopold Gegenbauer

Leopold Gegenbauer wurde am 2. Februar 1849 als Sohn eines Arztes in Aspernhofen bei Neulengbach geboren.

Vom Herbst 1858 an besuchte er das von den Piaristen geleitete Gymnasium in Krems, wo er 1866 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte. Danach studierte an der Universität Wien zunächst ein Jahr lang Geschichte und er legte Prüfungen über vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen und über Sanskritgrammatik ab, bevor er sich dem Studium der Mathematik und Physik widmete.

Er hörte Vorlesungen bei Moth, Petzval, Weiss, Lang, Boltzmann und Stefan. Im Juni 1869 legte er die Lehramtsprüfung in Mathematik und Physik ab. Das Probejahr verbrachte er am akademischen Gymnasium in Wien. In den Jahren von 1870 bis 1873 lehrte an an verschiedenen Mittelschulen in Waidhofen an der Thaya und in Krems.

Die Jahre 1873 bis 1875 verbrachte er mittels eines Reisestipendiums an der Universität Berlin, wo er in engen Kontakt zu den führenden Mathematikern dieser Zeit, unter anderem mit Weierstraß und Kronecker, kam, aber auch Vorlesungen und Seminare bei Kummer und Helmhotz besuchte. Vor allem die Vorlesungen von Weierstraß, die er sorgfältig ausarbeitete, sowie von Kronecker, die sein Interesse an der Zahlentheorie weckten, haben ihn stark beeinflußt. In dieser Zeit hat er zahlreiche Freundschaften geschlossen und er war bei seinen Kollegen im mathematischen Verein sehr beliebt.


Nach seiner Rückkehr nach Wien im Herbst 1875 wurde ihm eine Professur an der Oberrealschule in Wiener Neustadt angeboten, die er aber nicht mehr antrat, da er das Angebot einer außerordentlichen Professur an die neugegründete Universität Czernowitz vorzog. Er blieb dort bis 1878. Seine besonderen Verdienste um diese Universität wurden 1879 durch Verleihung des Ehrendoktorats gewürdigt. Die Jahre 1878 bis 1893 verbrachte Gegenbauer in Innsbruck (ab 1881 als ordentlicher Professor), unterbrochen durch einen Studienaufenthalt in Italien.


Den Höhepunkt seiner Laufbahn bildete die Berufung nach Wien (1893), wo er Nachfolger von Petzval wurde (der Lehrstuhl war 16 Jahre lang unbesetzt). In Wien fand Gegenbauer einen vielfältigen Tätigkeitsbereich. Er errichtete an der Wiener Universität einen Kurs für Versicherungstechnik.


Ab 1893 war er Direktor des Proseminars und des Seminars für Mathematik. Von 1898 bis 1902 war er Mitglied des niederösterreichischen Landesschulrates und er erarbeitete einen Lehrplan der Mathematik und Physik für die Obergymnasien.

Er war im Beirat des Ministeriums des Innern und verschiedener Kronländer. Gegenbauer war sehr vielseitig und hat zahlreiche Beiträge zu den verschiedensten Gebieten der Mathematik geleistet.

Ehrungen, Auszeichnungen (Auswahl)#

  • 1879 Ehrendoktorat der Universität Czernowitz
  • 1884 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften
  • 1897/98 Dekan
  • 1900 Mitglied der K.Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher

Publikationen (Auswahl)#

  • Einige Sätze über Determinanten hohen Ranges, 1890
  • Über den größten gemeinsamen Theiler, 1892.

Verzeichnis in Poggendorf IV, S.485-486

Quellen#

Otto Stolz, Nachruf auf Leopold Gegenbauer, Monatshefte f. Physik u. Math., Jg. 15, 1904.
Nachruf auf L. Gegenbauer in: Bericht des Generalsekretärs, Alm.Akad.Wiss. Wien 54 (1904) 333-334.
Österreichisches Biographisches Lexikon, Bd. A-Glae, S. 417.
Poggendorf 4, S. 485-486.
Lexikon bedeutender Mathematiker, Hsgb. S. Gottwald, H.-J. Ilgauds, K.-H. Schlote, Bibliographisches Institut, Leipzig, 1990.
G. Oberkofler, Zur Geschichte der Innsbrucker Mathematikerschule, Veröffentlichungen der Univ. Innsbruck, Innsbruck, 1975, Bd. 10, 33-36.
H. Peppenauer, Geschichte des Studienfaches Mathematik an der Univ. Wien von 1848-1900, phil. Diss. Wien, 1953, 284-299.
Acta Math. (Bild)


Redaktion: Christa Binder