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Geistliche Spiele#

Entstanden aus den Wechselgesängen (Tropen) der Osterliturgie. Die Stoffe stammten zunächst aus der Leidensgeschichte Christi, bald aus den gesamten christlichen Überlieferungen (Oster-, Passions-, Fronleichnams-, Weihnachts-, Marien-, Heiligen-, Weltgerichtsspiele usw.). Geistliche Spiele wurden seit dem 10. Jahrhundert in lateinischer Sprache, später auch in der Volkssprache in der Kirche neben dem Altar aufgeführt. Erste deutschsprachige Dramen entstanden um 1250. Als frühe Spielhandschriften in Österreich sind das "Innsbrucker Osterspiel" (1391) und das "Wiener Osterspiel" (1472) erhalten, Aufführungen sind erst später nachweisbar (in Tirol ab 1430, in Wien ab 1499).


Durch Einfügen von drastischen volkstümlichen Szenen löste sich das geisltiche Spiel aus der Liturgie und dem Gottesdienst und wurde aus dem Kirchenraum verlagert. Unter geänderten Bedingungen und in mehrfach gewandelter Gestalt lebte es in Form von religiösen Volksschauspielen bis in die Gegenwart weiter, vor allem im Bereich der Weihnachtsspiele und der Passionsspiele.

Literatur#

  • F. Michael, Das deutsche Drama des Mittelalters, 1971
  • R. H. Schmid, Raum, Zeit und Publikum des geistlichen Spiels, 1975
  • B. Neumann, Zeugnisse mittelalterlicher Aufführungen im deutschen Sprachraum, 1979
  • F. Hadamowsky, Mittelalterliche geistliche Spiele in Wien 1499-1781, 1981
  • R. Bergmann, Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele und Marienklagen des Mittelalters, 1986
  • B. Neumann, Geistliches Schauspiel im Zeugnis der Zeit, 1987