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Gewerbe und Handwerk#

Werden seit den Anfängen einer eigenständigen Gewerbewissenschaft nach dem 2. Weltkrieg als selbständige wirtschaftliche Erwerbstätigkeiten gesehen, vorwiegend gerichtet auf Deckung differenzierten Bedarfs durch Leistungen, die vor allem Ergebnis der Persönlichkeit des Unternehmers, seiner umfassenden beruflichen Ausbildung und des üblichen Einsatzes seiner personellen Kräfte und Mittel sind. In der Wirtschaftskammer Österreich bilden Gewerbe und Handwerk eine gemeinsame Sektion.

1996 gab es in Österreich über 77.000 Gewerbe und Handelsbetriebe (= rund 37 % aller Betriebe der Wirtschaftskammer Österreich). Die Anzahl von über 142.000 Innungsmitgliedern weist auf Mehrfachmitgliedschaften bzw. Mischbetriebe hin. Die Steigerung gegenüber 1981 betrug 38 %.

Die strukturelle Veränderung des österreichischen Gewerbes ist schon seit Jahrzehnten gekennzeichnet durch Tendenzen zur Spezialisierung (zum Beispiel bei Mechanikern), zur Mechanisierung und Teilautomatisierung und zum Übergang von der Fertigung zur Reparatur, wobei die Gewerbebetriebe zum Teil auch Funktionen des Handels übernehmen (im Durchschnitt rund 15 % des Umsatzes). Nach einer Periode des Ansteigens der Betriebsgrößen (bis Mitte der 70er Jahre) von durchschnittlich 5 auf 8 Beschäftigte blieb die durchschnittliche Betriebsgröße relativ konstant auf diesem Niveau. 1902 hatten noch 84,4 % aller gewerblichen Betriebe weniger als 3 Arbeitskräfte, 1939 noch 80 %, 1954 nur 75,5 %, 1983 nur noch 61 %; seither ist dieser Anteil der Kleinstbetriebe konstant bzw. wieder leicht im Ansteigen (1988: 62 %). 1902 arbeiteten fast 29 % aller Arbeitskräfte in solchen Kleinbetrieben, 1954 nur noch 15,5 %. Seitdem kam es nur zu einer geringfügigen Veränderung (1988: 13 %). Außerdem besteht seit Jahrzehnten eine Tendenz, dass sich Betriebe in benachbarte Fachgebiete ausweiten; so gliedern sich Autoreparaturwerkstätten Tankstellen und Espressos an, Schmiede weichen in den Landmaschinenbau und das Schlossergewerbe aus, Schlosser in die Installation, Sattler in die Tapeziererei. Andererseits führen auch Großunternehmungen zum Teil immer mehr handwerklich-gewerbliche Tätigkeiten aus: Elektrizitätsversorgungsunternehmungen installieren selbst ihre Geräte und bilden Lehrlinge aus, die Industrie montiert und repariert in manchen Sparten selbst. Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Industrie und Gewerbe und Handwerk und die dadurch gebotene Aufgabenteilung - Befriedigung uniformer gegenüber differenzierter Bedürfnisse durch eher instrumental gegenüber personal geprägtes Wirtschaften - überschneiden sich durch solches Ausgreifen zwar in den Randbereichen, werden aber nicht aufgehoben. Die weitere strukturelle Veränderung von Gewerbe und Handwerk in Österreich ist besonders durch eine Verschiebung in Richtung Dienstleistungsgewerbe gekennzeichnet; die starke Zunahme an Betrieben in den Jahren 1990-95 war vor allem auf das Wachstum der Dienstleistungsbranchen zurückzuführen, wobei wiederum die Wirtschaftsdienstleistungen (Unternehmensberater, EDV-Dienstleister, Immobilienmakler, Werbung und andere) an 1. Stelle standen.

Der Anteil des Gewerbes an der Gesamtbeschäftigung in Österreich betrug 1996 zirka 31 %, womit es (gefolgt von der Sektion Industrie mit 24,1 % und der Sektion Handel mit 21,3 %) die meisten Arbeitsplätze bietet. Die bedeutendsten Gruppen von Gewerbezweigen, auf die nahezu 3 Viertel aller Beschäftigen entfallen, waren 1996 die Bau- und Baunebengewerbe (rund 27 %), die metallverarbeitenden Gewerbe (rund 27 %) und die Dienstleistungsgewerbe (rund 22 %). Frühere Domänen des Handwerks, wie zum Beispiel Nahrungsmittelgewerbe (1996 rund 8 %), die holzverarbeitenden Gewerbe (rund 7 %) und Bekleidungsgewerbe (rund 2 %) sind in ihrer absoluten und relativen Bedeutung zwar weit zurückgefallen, aber noch immer in der Größenordnung so moderner Gewerbesektoren, wie zum Beispiel Chemie und Kunststoffverarbeitung (6 %) oder Druck (4 % der Gesamtbeschäftigten des österreichischen Gewerbe und Handwerks). Handwerk.