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Glave-Kolbielski, Karl#

* 4. 8. 1752, Stettin (Szczecin, Polen)

† 14. 8. 1831, Budapest (Ungarn)

Agent, Fabrikant und Finanzberater


Er entstammte einer englischen Familie, die wegen ihres katholischen Glaubens im 17. Jh. auswanderte. Sein Vater brachte es im preußischen Staatsdienst bis zum Hofrat und vorpommerischen Landphysikus.

Glave-Kolbielski war sehr begabt, studierte an mehreren Universitäten und promovierte 1771 in Halle. Im preußischen Staatsdienst rasch Regierungsrat geworden, warf man ihm in Ostpreußen Bestechlichkeit und Übergriffe vor, weshalb er nach Polen auswich und 1789 in den Dienst des polnischen Königs trat, den er in Finanzfragen beriet. Zusätzlich war er abwechselnd als preußischer und russischer Agent tätig. Durch die Teilung Polens büßte er den Großteil seines angesammelten Besitzes ein und entging einer russischen Verhaftung nur durch den Zufall, dass er 1792 wegen Anleiheverhandlungen für Polen in Amsterdam weilte.

Ab 1799 wandte er sich verschiedenen geschäftlichen Unternehmungen zu, schmuggelte auch Silber von Russland nach Österreich und kam mit Fürst Schwarzenberg in Verbindung, dem er einen erfolgversprechenden Plan für dessen Bankgeschäfte vorlegte. Schwarzenberg ermöglichte ihm eine Studienreise nach England, von wo er illegal Pläne und Teile von Spinnmaschinen nach Österreich transportierte. Auch einen Spinnmaschinenmechaniker brachte er mit und errichtete mit kaiserlichem Privilegium im Wiener Vorort Reindorf eine Fabrik. Auch beteiligte er sich an einer neuen Baumwollspinnerei in Ottakring. Der Kriegsausbruch 1805 und der Tod des Mechanikers ließen seine Unternehmen scheitern und er musste mit 60.000 Gulden Schulden in Konkurs gehen. Völlig verarmt entwickelte er oft recht utopische Bank- und Finanzprojekte, konnte aber auch für einige Persönlichkeiten darunter Erzherzog Karl und Graf Stadion, als Finanzberater tätig sein.

Während der französischen Besetzung Wiens 1809 betraute man ihn mit Spionageaufträgen. Angeblich soll er sogar ein Komplott zur Ermordung Napoleons vorbereitet haben, doch distanzierte sich Kaiser Franz I. ausdrücklich davon. Nach dem Frieden von Schönbrunn erhielt er den geheimen Auftrag, Verbindungen mit England und den spanischen Aufständischen herzustellen, geriet aber in eine Falle französischer Agenten. Um ein Geständnis zu verhindern, verhafteten ihn die Auftraggeber und erfanden dafür verschiedene Vorwände. Ohne ordentliches Gerichtsverfahren war er von 1810 bis zu seinem Tod Staatsgefangener, anfangs in der Festung Leopoldstadt und dann, mit zahlreichen Begünstigungen, in Ofen. Seine Eingaben, Stellungnahmen zu Finanzproblemen und utopische Aufzeichnungen, wie etwa "Nationalburg", umfassten bei seinem Tod 37 Faszikel, die auf Anordnung Metternichs beschlagnahmt und geheimgehalten wurden.

Literatur#

  • A. Přibram, Ein politischer Abenteurer, 1937
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.