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Gletscher#

Gletscher Wiesbachhorn
Das große Wiesbachhorn (3564 m) ist der dritthöchste Gipfel der Glocknergruppe. Salzburg. Österreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv um 1910
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Ein Gletscher - in Salzburg, Kärnten und Osttirol "Kees", im übrigen Tirol "Ferner" - ist ein Eisstrom aus Schneemassen, die oberhalb der Schneegrenze (in Österreich durchschnittlich bei 2900 m) nicht abtauen.

Er fließt aus dem "Nährgebiet" talabwärts, wo er unterhalb der Schneegrenze, im "Zehrgebiet" (bis zu 2100 m herab), abschmilzt.


Dem Höhenaufbau des Landes entsprechend, liegen die meisten Gletscher Österreichs in den Zentralalpen, wo ihre Zahl von Osten nach Westen ansteigt. Insgesamt gibt es in Österreich 925 Gletscher (470 km²). Am stärksten vergletschert sind die Ötztaler Alpen (213 Gletscher), innerhalb der Hohen Tauern die Berge der Venedigergruppe (101 Gletscher).


Bei den österreichischen Gletschern ist seit 1850 ein starker Rückgang zu verzeichnen. Der größte und bekannteste österreichische Gletscher ist die Pasterze in der Glocknergruppe (Kärnten); nicht viel kleiner ist der Gepatschferner (Tirol) in den Ötztaler Alpen.


Am weitesten nach Osten und Norden vorgeschoben sind die Gletscher des Dachsteinmassivs. Entscheidend für den Formenschatz der österreichischen Landschaft waren die Erosions- und Transporttätigkeit der Gletscher in der Eiszeit, die die großen Täler, die Kare und die Wannen der Alpenseen ausgehobelt, Moränenwälle aufgeschüttet und typische Kleinformen (Gletscherschliffe, Gletschertöpfe usw.) gebildet haben. Die Bedeutung der Gletscher für den Menschen liegt außer in ihrem landschaftlichen Reiz (Fremdenverkehr) in der Wasserspeicherung. Ein großer Teil der Gebirgsflüsse und der Kraftwerkstauseen wird von den Gletschern gespeist. Allerdings haben sie in Zeiten einer Klimaverschlechterung durch ihre Vorstöße auch Überschwemmungskatastrophen verursacht (zum Beispiel im Ötztal) und den mittelalterlichen Goldbergbau (zum Beispiel im Sonnblickgebiet) schwer beeinträchtigt.

Österreichische Forscher hatten beträchtlichen Anteil an der Entwicklung der Gletscherkunde (Glaziologie), einem Zweig der Physischen Geographie, und stehen auch jetzt in dieser Wissenschaft mit an der Spitze.


--> Historische Bilder zu Gletscher (IMAGNO)

Literatur#

  • G. Groß, Der Flächenverlust der Gletscher in Österreich, in: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie 23, 1987.

Weiterführendes#


Die Gletscher "fasten" gerade#

Lange Schmelzdauer durch hohe Temperaturen und wenig Eisnachschub.#


Von der Wiener Zeitung (Freitag, 6. April 2012) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Gletscher
Durchschnittliche Rückgänge
Foto: © APA/Alpenverein

Innsbruck. Das Jahr 2011 hat zu einem weiteren Rückgang der heimischen Gletscher geführt. Nachdem die Gletscherzungen der Eisriesen bereits im Jahr zuvor um rund 14 Meter zurückgeschmolzen waren, kamen im vergangenen Jahr noch einmal rund 17 Meter hinzu, erklärten Vertreter des Alpenvereins am Freitag anlässlich der Vorstellung des "Gletscherberichts 2010/11" in Innsbruck.

97 Prozent der Gletscher schmolzen laut den Experten im vergangenen Jahr zurück, drei Prozent wurden als stationär eingestuft. Kein einziger der 95 nachgemessenen Gletscher habe im Jahr 2011 einen Vorstoß verzeichnen können. Bei 15 Gletschern seien sogar Längenverluste von mehr als 30 Metern registriert worden, erklärte die Leiterin des Alpenverein-Gletschermessdienstes, Andrea Fischer. Dies seien doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. "Die lange Schmelzdauer führte 2011 zu starken Rückgängen an den Zungen. Diese reichen weit ins Tal und sind so den hohen Temperaturen besonders ausgesetzt", so Fischer.

Auf dem Firmisan Ferner im Ötztaler Niedertal bildete sich der Gletscher sogar um 64,5 Meter zurück. Auch der bekannteste Gletscher Österreichs ist betroffen: Die Pasterze in der Glocknergruppe bildete sich um weitere rund 40 Meter zurück. Im Jahr zuvor waren es bereits knapp 25 Meter. Laut der Gletscherexpertin war "erstmals auch die Gletschermitte von den Zerfallserscheinungen betroffen".

"Ein Gesundschrumpfen"#

"Österreichs Gletscher befinden sich offenbar im Fastenzustand", meinte Fischer weiter. Der zunehmende Abbau der Zungen habe nämlich auch durchaus einen positiven Effekt, weil sich die Gletscher dadurch in höhere Lagen zurückbilden würden. Dadurch könnten sie sich wieder stabilisieren. "Der Zungenabbau ist wie ein Gesundschrumpfen." Laut Fischer wird es die Gletscher noch mindestens 100 Jahre geben.

Wiener Zeitung,6. April 2012