unbekannter Gast

Goldscheider, Friedrich#

Wiener Manufaktur#


* 6. 11. 1845, Pilsen (Tschechische Republik)

† 19. 1. 1897, Nizza


Fabrikant


Der älteste Sohn des Landwirts und Kaufmanns Moritz Goldscheider absolvierte eine kaufmännische Lehre und versuchte früh die Lehm- und Tonlager der Familiengrundstücke nutzbar zu machen.

Nach dem Tod seines Vaters am 26. 3. 1865 hieß die Firma "Moritz Goldscheider Erben, Gemischte Warenhandlung und Fabrik zur Erzeugung kohlensaurer Wässer". 1873 stellte die Firma bei der Wiener Weltausstellung "Carlin, Oker und feuerfeste Ziegel" aus, 1874 ging die Firma in Konkurs und Goldscheider errichtete eine Ziegelei mit Ringofenbetrieb, wo er mit der Fabrikation feuerfester Waren begann.

1877 wandte er sich dem Porzellanhandel zu und wurde ab 1880 mehrfach insbesonders für bemalte historistische Jugendstil- und Art-déco-Figuren ausgezeichnet. Er gründete 1885 in Wien die "Goldscheider'sche Porzellan-Manufactur und Majolica-Fabrik". Er erzeugte Tafel- und Waschservice, feuerfeste Kochtöpfe, Tabakbehälter und Dekorationsgegenstände. Bei der Leipziger Messe 1887 zeigte er als Spezialität Terrakottawaren in künstlerischer Ausführung. 1892 errichtete er in Paris eine Niederlage zur Bronzefabrikation, 1894 eine weitere Filiale in Leipzig. 1896 trat sein Sohn Walter in die Firma ein. Nach Goldscheiders Tod wurde das Unternehmen von seiner Frau und seinen Söhnen weitergeführt.

1938 emigrierte die Familie über England in die USA, wo sie die keramische Produktion wieder aufnahm. Der Betrieb existierte unter "arisierter" Verwaltung weiter, wurde 1949 an die Familie rückgeführt und 1954 liquidiert. Auch die 1949 wiedereröffnete Wiener Geschäftsstelle bestand nur bis 1953.

Literatur#

  • Goldscheider Keramik, Historismus - Jugenstil - Art déco, Ausstellungskatalog, Historisches Museum der Stadt Wien 1985
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.