unbekannter Gast

Gruber, Sabine#

* 6. 8. 1963, Meran (Italien)


Schriftstellerin


Sabine Gruber wurde am 6. August 1963 in Meran geboren und wuchs in Lana auf.

Nach der Matura 1982 am Humanistischen Gymnasium in Meran absolvierte sie ein Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien.

Von 1988 bis 1992 arbeitete sie als Lektorin für Deutsch an der Universität Cà Foscari in Venedig.

Sabine Gruber veröffentlichte Gedichte, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke in diversen Literaturzeitschriften ("wespennest", "manuskripte", "kolik" u.a.) und Anthologien, machte aber auch Rundfunksendungen und Hörspiele im österreichischen und italienischen Rundfunk.

Sie ist Verfasserin von Essays, Rezensionen, Glossen und Kommentaren ("Neue Südtiroler Tageszeitung", "Die Presse"-Spectrum u.a.) und Herausgeberin von Anthologien und von Büchern zum Werk der Südtiroler Autorin Anita Pichler, deren Nachlaßverwalterin sie zusammen mit Renate Mumelter ist.

Sabine Gruber ist - vielfach ausgezeichnet - eine bedeutende zeitgenössische Autorin, die mit ihrem künstlerischen Schaffen wichtige zeithistorische Perspektiven - gerade auch aus weiblicher Sichtweise - aufzeigt. Ihr Werk fasziniert durch eingehend recherchierte Fakten und ihre ebenso spannende wie eindringliche Erzählkunst.

Seit 2000 lebt und arbeitet Sabine Gruber in Wien als freie Schriftstellerin.

Auszeichnungen, Preise (Auswahl)#

  • Teilnahme am Ingeborg Bachmann-Wettbewerb, 1993
  • Stadtschreiberin von Klagenfurt, 1994
  • Förderpreis der Stadt Wien in der Sparte Literatur, 1996
  • Stipendium auf Schloß Solitude/Stuttgart, 1997
  • Reinhard Priessnitz-Preis, 1998
  • Förderungspreis zum Österreichischen Staatspreis für Literatur, 2000
  • Stadtschreiberin von Innsbruck, 2001
  • Heinrich Heine-Stipendium der Stadt Lüneburg, 2002
  • Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien, 2004-2005
  • Walther von der Vogelweide-Förderpreis, 2007
  • Anton Wildgans-Preis, 2007
  • Buch.Preis Linz, 2008
  • Robert Musil-Stipendium, 2009-2011
  • Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien, 2015

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Aushäusige. Roman, 2002
  • Fang oder Schweigen. Gedichte, 2002
  • Die Zumutung. Roman, 2003
  • Über Nacht. Roman, 2007
  • Stillbach oder die Sehnsucht. Roman, 2011
  • Zu Ende gebaut ist nie, 2014
  • Ein unerhörter Wunsch (22 Kurztexte in Erstausgabe, mit Farboffsetlithografien von Anna Stangl), 2013

Hörspiele

  • Der Vogelfänger. Hörspiel. ORF,1993
  • Bis daß ein Tod. Monolog. ORF,1997
  • Presto. Prestissimo. Ein Täuschungsmanöver. Hörspiel, 1997

Stück

  • Bis daß ein Tod. UA 1997 Theater in der Altsstadt (Meran)

Herausgeberschaft

  • Reisende auf Abwegen. Fünf Erzählungen aus Spanien, 1993
  • Es wird nie mehr Vogelbeersommer sein... In memoriam Anita Pichler (1948-1997) (Hrsg. Sabine Gruber und Renate Mumelter), 1998
  • Das Herz, das ich meine... Essays zu Anita Pichler (Hrsg. Sabine Gruber und Renate Mumelter), 2002


Leseprobe#

aus Sabine Gruber - "Über Nacht."

Am Himmel flogen wieder Stare; sie zogen langsam, gedrängt; der schwarze Haufen bewegte sich über den Gran Raccordo Anulare . Was ist, warum lösen sie sich nicht auf, dachte ich, warum formieren sie nicht neue Verbände? Die Anführer werden doch viel zu sehr beansprucht. Ich schaltete das Radio ein, suchte einen Sender, drückte die CD-Taste. Es steckte keine Disk im Schlitz. Immer wieder richtete ich meinen Blick auf den hellen Himmel. Ich wartete darauf, daß sich die dunkle Wolke lichtete, aber die Stare flogen weiterhin eng zusammengepfercht, als wäre dort oben zuwenig Raum.

Ich beugte mich vor, langte nach dem Handschuhfach. Da war nur Papier, eine Zigarettenschachtel, etwas, das sich nach einem Taschentuch anfühlte. Wo hat Vittorio die CDs hingegeben. Ich bückte mich, suchte unter dem Beifahrersessel, tastete nach einer leeren Cola-Dose. Der Song "Every man has a man who loves him" fiel mir wieder ein. Ich richtete mich auf, schlug mit der Hand auf das Lenkrad. Eine der Brandblasen platzte auf; ich bemerkte es erst, als ich mit derselben Hand über die Stirn strich.

Ich sah auf die Straße, der Verkehr hatte etwas nachgelassen.

Das Auto vibrierte, weil ein Lastwagen vorbeirollte. Wieder schaute ich in den Himmel.

Ich muß noch Mutter anrufen. Sie weiß gar nicht, daß ich komme. Da - endlich scherten ein paar Vögel aus, ich erkannte die fernen Punkte. Meine Hand war noch immer unter dem Sessel, erwischte endlich eine Hülle, klappte sie auf - sie war leer. Immer mehr Stare flogen nun versetzt vor den anderen, bildeten nach und nach eine Linie. Jemand hupte. Ich erschrak, war zu weit links. Riß am Lenkrad. Ein Quietschen, ein Knall -


(S. 229f.) © 2007 C.H. Beck, München. Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
LITERATURHAUS

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl