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Gruscha, Anton Josef#

* 3. 11. 1820, Wien

† 5. 8. 1911, Kranichberg (Gemeinde Kirchberg am Wechsel, Niederösterreich)

Fürsterzbischof von Wien (1890)


Gruscha, Anton Josef
Anton Josef Gruscha. Lithographie von R. Fenzel, 1901.
© Copyright Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, für AEIOU.

Der Sohn eines Kleidermachers besuchte das Gymnasium und trat 1839 in das Priesterseminar in Wien ein.

Vorerst Diakon in Pillichsdorf (NÖ), nach seiner Priesterweihe 1843 dort weiter als Kooperator tätig, 1846 Kooperator in der Pfarre St. Leopold (Wien II.), wurde 1848 zum Wortführer der Jungkatholischen Bewegung, die eine freie Kirche in einem freien Staat forderte. Sozialen Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen, wurde er bei einem Besuch des Gründers der katholischen Gesellenvereins, Adolf Kolping, in Wien im Jahre 1852 von diesem bewogen, Wiener Präses des Gesellenvereins zu werden.

Als Redner und Prediger, der sich nie scheute, zum aktuellen und politischen Leben in Österreich Stellung zu nehmen, wurde er 1855 zum Domprediger von St. Stephan ernannt. 1862 wurde ihm die Lehrkanzel für Moraltheologie an der Universität Wien übertragen. Im Jänner 1878 bestellte ihn Kaiser Franz Joseph I. zum Apostolischen Feldvikar. Am 24. 2. 1890 wurde er Erzbischof von Wien und Herrenhausmitglied, 1891 Kardinal.

Als Pionier der katholischen Gesellenbetreuung des Katholischen Gesellenvereins in Österreich, wo er "Vater Gruscha" genannt wurde, war er um das katholische Vereinsleben und um den Wiener Kirchenbau sehr bemüht. Letztere gipfelte in der Einweihung der Kirche St. Anton von Padua im 10. Wiener Bezirk im Jahr 1901.

Als einer der ersten Geistlichen in Österreich aktiv um die Lösung sozialer Fragen bemüht, stand er den Christlichsozialen reserviert gegenüber und auf dem Standpunkt , dass die Kirche auch ohne Hilfe einer politischen Partei oder des Staates ihre Aufgaben erfüllen könne.

Literatur#

  • O. Posch, A. Gruscha, 1947
  • F. Bischof, Kardinal Gruscha und die soziale Frage, 1959
  • Österreichisches Biographisches Lexikon
  • Neue Österreichische Biographie
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.