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Maria Gugging#

Haus der Künstler in Gugging
Haus der Künstler vom Osten
Foto: Ulrichulrich. Aus: Wikicommons unter CC

Gugging, seit 1998 "Maria Gugging" ist ein Teil der Stadtgemeinde Klosterneuburg.

Niederösterreichisches Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie; an diesem wurde durch Leo Navratil seit den 50er Jahren bildende Kunst und Literatur als Psychotherapie eingesetzt.

Medizin und Kunst wurden entkoppelt, die Krankengeschichten nachrangig. Das künstlerische Schaffen rückte in den Vordergrund. Mitte der 50er Jahre erwies sich die künstlerische Avantgarde als weitaus empfänglicher für dieses Thema als die Vertreter der Medizin und der Wissenschaften.

Zahlreiche Kontakte mit engagierten österreichischen Künstlern und Schriftstellern sind hingegen die Folge - Arnulf Rainer, Peter Pongratz, Franz Ringel, Ernst Jandl, André Heller, Gerhard Roth u.a. Sie besuchen Navratil in Gugging, unterstützen und ermutigen ihn und erkennen in vielen der Zeichnungen und Schriften außergewöhnlich hohen künstlerischen Wert. Auch Jean Dubuffet zeigt sich sehr beeindruckt, unterstützt Navratils Entdeckungen und bestätigt die Zugehörigkeit der Künstler zur Art Brut.

1981 ging daraus das "Haus der Künstler" als Abteilung des Krankenhauses hervor. Im Rahmen der Art Brut fand diese Kunst psychiatrischer Patienten internationale Aufmerksamkeit (Wanderausstellung "Die Künstler aus Gugging", 1983-85). Werke von Künstlern wie Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla wurden von bedeutenden Sammlungen moderner Kunst angekauft. In literarischer Hinsicht ist vor allem das lyrische Werk von Ernst Herbeck bemerkenswert.

Seit 1981 bearbeiteten viele der Künstler das Gebäude - allen voran Johann Garber und August Walla. An den Fassaden des Hauses der Künstler und im Innenbereich finden sich zahlreiche Malereien und farbige Ornamente.

Im Jahr 1990 wurden die Künstler aus Gugging mit dem Oskar-Kokoschka-Preis ausgezeichnet. Sie stehen damit in einer Reihe mit Künstlerstars wie Gerhard Richter, Mario Merz, Maria Lassnig, Valie Export, Jannis Kounellis und William Kentridge.

Mittlerweile ist das Art Brut Center Gugging ein kleines Kunst- und Künstlerdorf am Rande des Wienerwalds, bestehend aus dem Museum, aus einem kleinen „Villa“ genannten Häuschen für Sonderveranstaltungen, aus dem Atelier, das allen künstlerisch interessierten Menschen offensteht, einem Shop und eben aus dem Haus der Künstler.

Als Navratil 1986 in Pension ging, übernahm dessen Assistent Ernst Feilacher die Leitung und benannte den Psychiatriepavillon in "Haus der Künstler" um. Im Frühjahr 2001 startete das atelier gugging mit dem einfachen Konzept, neben den bekannten Gugginger Künstlern auch anderen künstlerisch interessierten Menschen Platz und Material zu bieten. Das Atelier versteht sich als Ableger der langjährigen Arbeit und Erfahrung im Haus der Künstler.

Derzeit hat das Haus 9 Bewohner, von denen 7 künstlerisch tätig sind.

Nach zweijähriger Umbauarbeit wird das "Haus der Künstler" wiedereröffnet und dessen 25-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür am 21. Juni 2011 gefeiert.

In Österreich, so die Galerie-Geschäftsführerin Nina Katschnig, erfahre die Kunst der Gugginger - anders als im Ausland, wo die Werke seit vielen Jahren sehr begehrt sind - noch nicht die Wertschätzung, die sie verdienen würde. Immerhin werden zwar jetzt schon 12.000 Besucher jährlich verzeichnet. Durch das Jubiläum erhofft man sich einen kräftigen Publikumszuwachs.

In Maria Gugging befindet sich auch das Institute of Science and Technology (IST Austria)

Literatur#

  • L. Navratil, J. Hauser, Kunst aus Manie und Depression, 1978
  • derselbe, Die Künstler aus Gugging, 1983
  • derselbe, Gugging 1946-1986, Band 1: Art brut und Psychiatrie, Band 2: Werke und ihre Künstler, 1997
  • www.derstandard.at
  • www.gugging.org

Weiterführendes#


Ankunft in Gugging in: AnkünfteGustav FeichtingerAustria-ForumWien2015jetzt im Buch blättern

-- Maurer Hermann, Sonntag, 13. Dezember 2015, 16:31