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Sarajevo - Geschichte, Kunst und Kultur#

von Zlata Duraković (2012)

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„Sarajevo Vijecnica 2013“ von Julian Nitzsche -
Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Sarajevo, mit knapp unter 300.000 Einwohnern, ist die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Die Stadt liegt im zentralen Gebiet des Landes in Sarajevsko Polje. Im Mittelalter gehörte das Gebiet zur Provinz (župa) Vrhbosna des Königreichs Bosnien (in der Nähe, bei der Stadt Visoko, befand sich der Sitz der bosnischen Könige). Als die Osmanen Vrhbosna eroberten (1459), wurde die Stadt Sarajevo errichtet, und über längere Zeit war sie der Sitz des Eyalets Bosnien (Paschalik Bosnien). Nach osmanischen Bauprinzipien ausgebaut und mit zahlreichen ansehnlichen Monumenten, war Sarajevo zu dieser Zeit eines der bedeutendsten Kulturzentren Südosteuropas. Die Stadt versammelte vier der damals wichtigsten Konfessionen (Muslime, serbisch-orthodoxe und römisch-katholische Christen sowie Juden) und ihre religiösen Vorsteher sowie zahlreiche Intellektuelle, Sufi-Mystiker, Dichter und Reiseschriftsteller, wodurch sie ein bedeutendes Zentrum des islamisch-theologischen, des wissenschaftlichen und des klassischen literarischen Schaffens war (seit 1537 besaß die Stadt eine islamische Hochschule in ähnlicher Weise konzipiert wie die europäischen Universitäten).

Im Jahre 1697 setzten österreichische Truppen unter der Führung des Prinzen Eugen von Savoyen die Stadt in Brand und hinterließen folgenschwere Zerstörungen, wodurch die Entwicklung der Stadt unterbrochen wurde. Erst unter der Donaumonarchie gewann Sarajevo als Verwaltungszentrum erneut an Bedeutung. Die Stadt wurde in dieser Zeit von namhaften Architekten ausgebaut.

Die österreichisch-ungarische Epoche brachte auch gesellschaftlich-kulturell eine bedeutende Wende. Sarajevo hatte 1910 einschließlich der Garnison (3400 Mann) 44.000 Einwohner (12.000 Katholiken, 19.000 Moslems, 8000 Serbisch-Orthodoxe, 5000 Juden); einen katholischen Erzbischof, einen orthodoxen Metropoliten, und einen Ulema Madžlis (islamischer Gelehrtenrat). Der Kommandant des 15. Armeekorps war gleichzeitig Chef der Landesregierung. Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie besaß Sarajevo ein Rathaus (1892-95), Banken, Kirchen, Basar mit Moschee, Obergymnasium, Lehrerinnenbildungsanstalt, mehrere Mittelschulen, Klöster, Krankenhäuser und ein Landesmuseum.

Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo ein Attentat auf den Thronfolger von Österreich-Ungarn, den österreichischen Erzherzog Ferdinand und seine Ehefrau Sophie, die Herzogin von Hohenberg, durch organisierte Mitglieder der Schwarzen Hand mit direkter Unterstützung aus Serbien verübt.

Dies war der Auslöser einer globalen Katastrophe, der Anlass für den Ersten Weltkrieg. Der Zweite Weltkrieg hat in Sarajevo große Schäden verursacht, wobei die Massenvertreibung der Juden der schwerste Verlust war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Sarajevo Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, das eine der sechs Republiken im Zweiten Jugoslawien war. Die Stadt wurde modernisiert und ausgebaut, vor allem nach den 1960ern und vor den XIV. Olympischen Spielen, die im Jahre 1984 in der Stadt stattfanden. Vor den 1990er Jahren war Sarajevo auch durch seine Filmschule international bekannt. Der Zerfall Jugoslawiens – ein historisches Ereignis, welches, wie so oft in der Geschichte Bosnien-Herzegowinas, nichts mit den inneren Verhältnissen im Land zu tun hatte, sondern vorwiegend mit den politischen Verhältnissen der Nachbarländer – fügte den Einwohnern Sarajevo unfassbares Leid und auch der Stadt enormen Schaden zu. Die Belagerung von Sarajevo war die längste Belagerung einer Stadt in der neueren europäischen Geschichtsschreibung. Die Belagerung dauerte 1.425 Tage – vom 4. April 1992 bis zum 29. Februar 1996. Täglich wurden durchschnittlich 329 Granaten abgefeuert. Damals wurden 10.514 Zivilisten aller Volksgruppen ermordet, darunter 1.598 Kinder.

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Redaktion: P. Diem