ÖNORM B 8110

Logo-ÖNÖRM.jpg ÖNORM B 8110
Bereich Bauwesen
Titel Wärmeschutz im Hochbau
Kurzbeschreibung Planung und Bewertung von Wärmeschutzkonstruktionen und Wärmeschutzmaßnahmen im Hochbau
Letzte Ausgabe siehe Text
ISO

Die ÖNORM B 8110 des ON-Komitees (früher Fachnormenausschusses) 175 „Wärmeschutz im Hochbau“ des Österreichischen Normungsinstituts ON (Austrian Standards Institute) ist das in Österreich geltende Regelwerk für Fachleute auf dem Gebiet der Planung und Bewertung von Wärmeschutzkonstruktionen und Wärmeschutzmaßnahmen im Hochbau. Dieses Österreichische Regelwerk ist mit den entsprechenden Normen auf Europäischer (CEN) und Internationaler Ebene (ISO) harmonisiert.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Die ÖNORM B 8110 „Wärmeschutz im Hochbau“ umfasst folgende Teile (Stand Januar 2012):

  • Teil 1: Deklaration des Wärmeschutzes von Niedrig- und Niedrigstenergiegebäuden - aktuelle Ausgabe 1 November 2011
  • Teil 2: Wasserdampfdiffusion und Kondensationsschutz - aktuelle Ausgabe 1. Juli 2003
    • Teil 2 Beiblatt 1: Wasserdampfdiffusion und Kondensationsschutz - Formblatt für die Temperatur- und Wasserdampfdiffusions-Berechnung - aktuelle Ausgabe 1. Juli 2003
    • Teil 2 Beiblatt 2: Massive Baukonstruktionen - Beispiele zur Vermeidung von Oberflächenkondensation - aktuelle Ausgabe 1. April 1997
    • Teil 2 Beiblatt 3: Wasserdampfdiffusion und Kondensationsschutz - Leichte Baukonstruktionen - Beispiele zur Vermeidung von Oberflächenkondensation - aktuelle Ausgabe 1. Juni 2004
    • Teil 2 Beiblatt 4: Wasserdampfdiffusion und Kondensationsschutz - Hinweise zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden durch raumklimatische Einflüsse - aktuelle Ausgabe 1. September 2003
  • Teil 3: Wärmespeicherung und Sonneneinflüsse - aktuelle Ausgabe 1. Dezember 1999, Entwurf Ausgabe 15. Dezember 2011
  • Teil 4: Betriebswirtschaftliche Optimierung des Wärmeschutzes - aktuelle Ausgabe 15. Juli 2011
  • Teil 5: Klimamodell und Nutzungsprofile - aktuelle Ausgabe 1. März 2011
    • Teil 5 Beiblatt 1: Klimamodell und Nutzungsprofile - Normaußentemperaturen - aktuelle Ausgabe 15. März 2009
    • Teil 5 Beiblatt 2: Klimamodell und Nutzungsprofile - Beiblatt 2: Außenlufttemperatur mit einer Überschreitungshäufigkeit von 130 Tagen in 10 Jahren - aktuelle Ausgabe 1. März 2010
  • Teil 6: Grundlagen und Nachweisverfahren – Heizwärmebedarf und Kühlbedarf - aktuelle Ausgabe 1. Januar 2010
    • Teil 6 Beiblatt 1: Einfamilienhaus - Validierungsbeispiele für den Heizwärmebedarf - aktuelle Ausgabe 1. März 2011
    • Teil 6 Beiblatt 2: Mehrfamilienhaus - Validierungsbeispiele für den Heizwärmebedarf - aktuelle Ausgabe 1. März 2011
    • Teil 6 Beiblatt 3: Nicht-Wohngebäude - Validierungsbeispiel für den Heizwärmebedarf und Kühlbedarf - aktuelle Ausgabe 1. März 2011
    • Teil 6 Beiblatt 4: Einfamilienhaus und Mehrfamilienhaus - Validierungsbeispiel für die Berechnung des Heizwärmebedarfs eines luftbeheizbaren Niedrigstenergiegebäude (Passivhaus) - aktuelle Ausgabe 1. März 2011

Anwendungsbereich

Die ÖNORM B 8110 hilft dem Planer, Errichter und Nutzer von Gebäuden, den (innen)raumklimatischen Zweck von Gebäuden möglichst gut und möglichst wirtschaftlich zu erreichen. Teil 4 ermöglicht überdies, die Instandhaltung, die Instandsetzung, den Abbruch und die Wiederherstellung der bebauten Fläche in die Ausschreibung und Auswahl von Bauleistungen einfließen zu lassen.

Geschichte der Wärmeschutznormung

Wärme ist im Gebäudebereich in zweierlei Hinsicht eine planungs- und betriebsrelevante Größe. Einerseits kann sie für die Nutzung zugeführt werden müssen (Beheizung), andererseits kann die Notwendigkeit bestehen, Wärme abführen zu müssen, um den Zweck von Gebäuden erfüllen zu können (Kühlung). Für eine wirtschaftliche Erfüllung dieser Aufgaben muss das Gebäude selbst auch einen Beitrag leisten. Die Zweckerfüllung wird dann durch die Heizungs- bzw. Kühlungsanlagen der Gebäude bewerkstelligt. Dabei ist zu beachten, dass die Heizungs- und Kühlungskosten über den gesamten Nutzungszeitraum betrachtet meist den überwiegenden Anteil aller Kosten bilden, die durch das Gebäude verursacht werden („Life-cycle-cost“). Mit der zunehmenden Verknappung und dem damit verbundenen Preisanstieg der dafür einzusetzenden Energie entstand ein vielfältiges Angebot an Baustoffen und Baukonstruktionen, die den möglichst effizienten Einsatz von Energie im Gebäudebereich beabsichtigten.

Für die in diesem Bereich tätigen Fachleute entstand in der Folge im Österreich ein Regelwerk zur Unterstützung der Planung und Ausführung möglichst energieeffizienter Bauwerke.

Zielkonflikte bei der Wärmeschutznormung

Die Arbeit des Fachnormenausschusses und des ON-Komitees war und ist von Auseinandersetzung über die Grundsatzfrage geprägt, ob die erarbeiteten Normen nur einen Mindeststandard oder eine - eventuell stufenweise - zu erreichende Soll-Qualität des Wärmeschutzes (wie etwa im früheren System der Wärmeschutzgruppen) festlegen sollen. Dazu bestehen unterschiedliche Interessen einzelner Gruppen der Baustoffindustrie. Ebenso haben die Vertreter der Errichter der Bauten oft andere Zielvorgaben als die Vertreter der (späteren) Nutzer.

Auswirkungen der Wärmeschutznormung

Baugeschehen

Für Bauherren, Planer und Bauausführende bildet die ÖNORM B 8110 ein Hilfsmittel für die tägliche Arbeit. Die Norm regelt auch die Ermittlung der technischen und wirtschaftlichen Werte, die in die Berechnungen Eingang finden. Durch die inzwischen in großer Zahl angebotenen normgerechten Computerprogramme ist der Aufwand für Berechnungen und Nachweise praxisgerecht geworden.

Baubehörden

Die ÖNORM B 8110 kommt bei der überwiegenden Zahl der baurechtlichen Genehmigungsverfahren zur Anwendung. Auch in den gerichtlichen Auseinandersetzungen in der Schimmelpilzproblematik ist die ÖNORM B 8110-2 oft das entscheidende Kriterium für die Ursachenfindung.

Immobilienbranche

Die ÖNORM B 8110-1 bildete die normative Grundlage für den Energieausweis. Dieser findet inzwischen Eingang in die Immobilienbranche vieler europäischer Länder.

Energie- und Wirtschaftspolitik

Mit Förderprogrammen für die Energieeffizienz von Gebäuden beabsichtigen staatliche Stellen, sowohl vereinbarte Klimaziele zu erreichen, als auch die gebäudebedingten Energiekosten zu Gunsten der Nutzer und der Binnenwirtschaft so weit wie möglich zu senken. Die ÖNORM B 8110-4 ermöglicht eine diesbezügliche betriebswirtschaftliche Optimierung des Wärmeschutzes. Volkswirtschaftlich gesehen ermöglicht diese Norm die Bereitstellung der Datenbasis für die verschiedenen Szenarien der staatlichen Energiepolitik.