Österreich-Ungarns Armee im Ersten Weltkrieg

Oberster Befehlshaber, der Kaiser und König Franz Joseph I.

Dieser Artikel beschreibt die Österreichisch-Ungarische Armee bei Ausbruch und während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) sowie ihre Aktivitäten bei den wichtigsten Kriegsereignissen, an denen sie beteiligt war.

Inhaltsverzeichnis

Zustand der Armee und Kriegsvorbereitung

Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf

Unter den Armeen der europäischen Großmächte war die Armee Österreich-Ungarns die am wenigsten auf einen Krieg vorbereitete. Österreich-Ungarn besaß eine zu kleine industrielle Basis für die moderne Ausstattung seiner Truppen, auch wenn punktuell Spitzenprodukte gefertigt wurden, etwa die Mörser von Škoda. So betrug die österreichische Produktion an Artilleriegranaten nie mehr als eine Million Stück pro Jahr, während die russischen Fabriken 1916 schon vier Millionen Stück fertigten. Nur allmählich wurden die Streitkräfte mit zeitgemäßem Kriegsgerät ausgerüstet. Die Logistik war unterentwickelt, so dass es oft zu Versorgungsproblemen kam. Die Aufmarschgeschwindigkeit der Truppen war durch die mangelhafte Infrastruktur gehemmt. Dabei hinkten die militärischen Spezialisten oft sogar der zivilen Bahngesellschaft hinterher. Während die staatliche Bahnlinie mit bis zu 100 Waggons pro Zug fuhr, erlaubte das Militär nur Zusammenschlüsse von bis zu 50 Waggons. Die militärische Bahnverbindung zwischen Wien und dem San war dreimal langsamer als die zivile Bahngesellschaft.

Die Bewaffnung mit Infanteriewaffen und Artilleriegeschützen war zeitgemäß, jedoch nur was das stehende Heere betraf. Für die Reserven im Mobilmachungsfall war zum allergrößten Teil nur veraltetes Gerät vorhanden – so mussten bei der Aufstellung der Standschützen im Jahre 1915 diese ihr Gewehr mitbringen oder wurden zunächst mit den uralten, einschüssigen Werndl-Gewehren ausgestattet. Gleiches galt für die Artillerie, die überproportional in der Reserve mit alten Kanonen ohne Rohrrücklauf ausgerüstet war. Der Grund lag einerseits im Mangel an finanziellen Mitteln und andererseits an der sich als fatal herausstellenden Einstellung als solche, nach dem Motto: […] soll man all die schönen (und für teures Geld gekauften) Sachen wegwerfen – man wird sie sicher noch einmal brauchen können […], was letztendlich zu den bekannten Resultaten führte.[1]

Das Niveau der Truppe zeigte ernsthafte Schwächen, was auf den Charakter der Doppelmonarchie als Vielvölkerstaat zurückzuführen ist. So rekrutierten sich einerseits die meisten Offiziere aus dem deutschen und ungarischen Staatsvolk, die Mannschaften aber aus allen Bevölkerungsteilen. Deutsch war die Befehlssprache, doch der einfache, nicht deutsch sprechende Soldat, bekam davon nur die etwa einhundert Wörter beigebracht (Habt Acht, Ruht, Gewehr in die Hand), die zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes zwingend notwendig waren. Diese Umstände wirkten sich naturgemäß nicht positiv auf den Zusammenhalt und die Moral der Truppe aus. Laut der letzten Vorkriegsstatistik von 1911 bezeichneten sich unter den aktiven Berufsoffizieren bei der Infanterie 72 %, bei der Kavallerie 67 % und bei der Artillerie 88 % als Deutsche.[2]

Tiefgreifende Reformen wären dringend notwendig gewesen, wurden jedoch wiederholt verschoben oder bestenfalls halbherzig in Erwägung gezogen. Ein Mitgrund war die permanente Vernachlässigung des größten Truppenkörpers, der Gemeinsamen Armee. Als man nach dem sogenannten Ausgleich von 1867 Ungarn eine eigene Armee zugestehen musste, um das Land im Reichsverbund zu halten, wurde von den Ungarn unverzüglich mit der Aufstellung einer Armee begonnen, die man beschönigend nur k.u. Landwehr (Honvéd) nannte. Zunächst nur aus Infanterie bestehend, erhielt diese Landwehr dann auch eigene Kavallerie- und Artillerieverbände und wurde von der ungarischen Administration bevorzugt bei der Zuteilung von Geld und Personal behandelt.[3] Aus Gründen der Parität erhielt dann auch der Rest des Reiches eine Landwehr, die wiederum von der Administration der anderen Reichshälfte mit äußerstem Wohlwollen behandelt wurde. (Die zur k.k. Landwehr gehörenden fünf Regimenter der k.k. Gebirgstruppe waren mit das Beste in der gesamten „Bewaffneten Macht“.) Dies alles ging auf Kosten der Hauptarmee, deren Zuweisung an Rekruten stellenweise so gering war, dass zur Aufstellung der neuen Maschinengewehr-Einheiten die 4. Bataillone der Infanterie-Regimenter stellenweise bis auf ein Kader ausgedünnt werden mussten.[4]

Im Gesamtüberblick gesehen, war Österreich-Ungarn zwar eben noch personell, in keinster Weise jedoch materiell in der Lage in einen Konflikt wie den Ersten Weltkrieg einzutreten.

Persönliche Ausrüstung (Montierung)

Bereits 1914 begannen die ersten Versorgungsschwierigkeiten. Fehlende Vorratshaltung und die nicht auf diese Art von Massenproduktion vorbereitete Industrie führten zu einer extremen Verknappung von Uniformen (Monturstücken), was bis Kriegsende nicht völlig bereinigt werden konnte.

Qualität und Brauchbarkeit der vorhandenen Ausrüstungsstücke konnten nicht auf ihre Kriegstauglichkeit überprüft werden, nicht jedoch die Beschaffenheit, sondern die ausreichenden Fertigungsmengen bereiteten der Militärverwaltung das größte Kopfzerbrechen. Der zusätzlich aufgestellte Landsturm und die ersten Marschbataillone waren auf das angewiesen, was die ins Feld abgehenden Truppenteile in den Monturdepots zurückgelassen hatten. Der Gesamtbestand der 1914 in den Monturdepots vorhandenen Uniformen dürfte sich auf 1.000.000 Stück belaufen haben. Das schloss jedoch auch alle Friedens- und Paradeuniformen mit ein. Tatsächlich waren an den hechtgrauen Marschadjustierungen lediglich etwa 700.000 Stück vorhanden. Die allergrößten Schwierigkeiten ergaben sich zu Kriegsbeginn beim Schuhwerk, das selbst unter größten Bemühungen nicht in ausreichender Menge zu beschaffen war. Die Kommandanten der im Frühjahr 1915 aufgebotenen VI. und VII. Marschformationen waren angewiesen, das Schuhzeug auf dem freien Markt zu kaufen. Das dabei beschaffte Material entsprach nur in den wenigsten Fällen den Anforderungen.

Uniformen der k.u.k. Armee im Heeresgeschichtlichen Museum Wien

Für die Ausrüstung des Landsturms war die Situation noch prekärer. Vorbestimmt für den Dienst im Hinterland, war für den Landsturm lediglich eine Adjustierung mit blauen Friedensuniformen vorgesehen gewesen. Als es jedoch die hohen Personalverluste im Kriegsverlauf notwendig machten, auch Landsturmformationen in die Stellungsgräben zu schicken, fanden sich diese Männer zu Beginn des Krieges in ihren blauen Uniformen (oder sogar in Zivil mit einer schwarz-gelben Armbinde) an der vordersten Front wieder. Die Umkleidung in die hechtgraue Montur ging nur sehr schleppend voran, da die aktive Truppe vorrangig beliefert wurde. Eine erneute Belastungsprobe für die Monturverwaltung ergab sich nach der Kriegserklärung Italiens im Mai 1915 als die Standschützen von Tirol und Vorarlberg, sowie die Steirer und Kärntner Freiwilligen Schützen zum Grenzschutz aufgerufen werden mussten. Diese etwa 39.000 Männer konnten ebenfalls nicht sofort gänzlich eingekleidet werden. Die Standschützen von Hall in Tirol rückten in Zivil aus,[5] die Kompanie von Predazzo konnte zunächst nur mit den Friedensuniformen der Landwehr ausgestattet werden.[6]

Die allgemeinen Versorgungsschwierigkeiten trugen auch dazu bei, daß die normierte Farbgebung der Felduniformen nicht mehr eingehalten wurde und die Farbtöne zum Teil stark voneinander abwichen.

Strategie und Planung

Bei Kriegsbeginn im Jahre 1914 war die Armee nicht nur von der materiellen Ausstattung, sondern auch vom strategisch-taktischen Konzept nicht auf dem Stand, auf dem sie hätte sein müssen, um den potentiellen Konfliktgegnern gewachsen zu sein. Ursache dafür war das Festhalten an überkommenen Vorstellungen (Standhaft bis in den Tod), verbunden mit unnötigen Personal- und Materialverlusten, statt aus taktischen Gründen Gelände aufzugeben. Man hielt an den Lehren des Krieges von 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 fest und ignorierte die Weiterentwicklung der Waffentechnik (z. B. Flugzeuge, Panzer, Brisanzgranate) und der Militärtaktik, wie es aus den Konflikten zwischen Russland und Japan 1905, der von Österreich-Ungarn selbst militärisch bereinigten Bosnien-Krise 1908 und den Balkankriegen 1912/1913 deutlich wurde. Das im Jahre 1911 erlassene und von dem Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf stark beeinflusste Exerzierreglement für die Fußtruppen war ein gutes Beispiel für diese Art der Einstellung.

Auch das ebenfalls von Conrad von Hötzendorf verfasste Handbuch Zum Studium der Taktik (1. Teil erschienen 1891) stand für den Grundgedanken der österreichisch-ungarischen Militärführung: Offensive und Angriff - um jeden Preis. Allerdings wurde diese Doktrin auch von allen anderen Kriegsparteien (in Frankreich als Offensive à outrance verherrlicht)[7] praktiziert. Das Resultat dieser Einstellung waren die ungeheuren Verluste, die der Friedensstamm des Heeres in Galizien hinnehmen musste und die nicht wieder ersetzt werden konnten. Man hatte einfach übersehen, dass man zwei Armeen gegenüberstand (Russland und Serbien), die im 20. Jahrhundert bereits in größere Kampfhandlungen verwickelt waren und die ihre strategisch-taktischen Ausrichtungen schon modernen Erfordernissen angepasst hatten.

Lediglich zwei Länder kamen in den Kriegsplanungen des Generalstabes als Gegner in Frage: Russland, oder Serbien gemeinsam mit Montenegro. Hierfür waren zwei Aufmarschpläne ausgearbeitet worden. Der Plan „R“ (Russland) sah den Zweifrontenkrieg und der Plan „B“ (Balkan) nur den Krieg gegen Serbien und Montenegro vor. Im Kriegsfall „R“ hatte die Hauptmacht der Armee mit der sogenannten Staffel „A“, bestehend aus neun Korps und zehn Kavallerie-Truppendivisionen von Galizien aus Russland anzugreifen. Unterstützend sollte die sogenannte „B“ Staffel aus vier Korps und einer Kavallerie-Truppendivision nachrücken. Gegen Serbien und Montenegro würde lediglich die Minimalgruppe Balkan mit drei Korps verfügbar sein. Im Falle „B“ sollten die Truppen der „B“ Staffel, verstärkt durch die drei Korps der Minimalgruppe Balkan und vier Kavallerie-Truppendivisionen, eingesetzt werden.

Österreich-Ungarn 1914

Obwohl vorherzusehen war, dass Russland nicht untätig bleiben würde, da die Bündnisverträge zwischen Serbien und Russland bekannt waren, reagierte Österreich-Ungarn als Antwort auf die serbische Mobilmachung vom 25. Juli 1914 nur mit der Teilmobilmachung und dem nach der am 28. Juli an Serbien erfolgten Kriegserklärung in Kraft gesetzten Plan „B“. Nach dem Bekanntwerden der russischen Generalmobilmachung vom 30. Juli 1914 hätte der Plan „R“ unverzüglich umgesetzt werden müssen; dies geschah jedoch nicht, da es keine Vorbereitungen und somit auch keine Möglichkeit gab, den einmal angelaufenen Mobilisierungsprozess anzuhalten oder abzuändern. Die dadurch zunächst weiterhin an die Serbische Front rollende „B“-Staffel wäre in Galizien dringend benötigt worden.

Das Königreich Italien kam seinem (im Jahre 1882 mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich geschlossenen) Bündnisvertrag nicht nach mit der Ausrede, dass dies formal ein Defensivbündnis war. Vielmehr stellte es Gebietsforderungen nach Landesteilen der Monarchie (das südliche Tirol mit Trient bis zur Brennergrenze nach den Vorstellungen von Ettore Tolomei, die italienischsprachigen Gebiete des Österreichischen Küstenlandes, allen voran Triest), von denen Österreich-Ungarn jedoch nur hinsichtlich der italienischsprachigen Gebiete des heutigen Trentino verhandlungsbereit war. Gemäßigte Anhänger der Irredenta (unter anderem der Reichstagsabgeordenete Cesare Battisti, der bei Kriegsbeginn nach Italien überwechselte, dort Offizier wurde und nach seiner Gefangennahme wegen Hochverrates gehängt wurde) sprachen sich hingegen für eine Grenzziehung an der Salurner Klause aus, konnten sich aber nicht durchsetzen.

Gleichwohl war man zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, die bereits als bedroht anzusehende Grenze außer mit den permanenten Befestigungsanlagen mit nennenswerten Truppenteilen zu schützen.

Generalmobilmachung

Am 25. Juli 1914 unterzeichnete Kaiser Franz Joseph I. den Befehl zur Teilmobilmachung, dem am 31. Juli 1914 die allgemeine Mobilisierung der Bewaffnete Macht oder auch Wehrmacht genannten Streitkräfte der Monarchie folgte. Diese setzten sich zusammen aus:

Das für den Krieg gebildete Armeeoberkommando unter Erzherzog Friedrich von Österreich-Teschen als Oberkommandant und Franz Conrad von Hötzendorf als Generalstabschef war oberste Instanz für die gesamten Land- und Seestreitkräfte der Monarchie.[8]

Der Friedenssollbestand des Heeres und der beiden Landwehren betrug:

  • 25.000 Offiziere (Ärzte, Tierärzte und Rechnungsführer nicht eingerechnet)
  • 410.000 Unteroffiziere und Mannschaften
  • 87.000 Pferde (hier schwanken die Angaben)
  • 1.200 Geschütze (nur aktive, feldbewegliche Geschütze - Festungsgeschütze und Reservebestände nicht eingerechnet)

Im Personalbestand enthalten waren 36.000 sogenannte Gagisten - länger Dienende und Berufssoldaten.

Der Friedensbestand wurde unter Miteinbeziehung des Rekrutenjahrganges 1914 (Geburtsjahrgang 1893) auf 3,35 Millionen Mann Mobilmachungsstand gebracht. Dazu kamen erste Marschbataillone und zusätzliche Landsturmformationen.

Die Kriegsstärke der Landstreitkräfte betrug 1914:

  • 1.094 Infanterie-Bataillone (inklusive 117 Marsch- und 200 Landsturmbataillone)
  • 6 Radfahr-Kompanien
  • 425 Kavallerie-Eskadronen
  • 15 Flieger-Kompanien
  • 483 Artillerie-Batterien
  • 224 Festungsartillerie-Kompanien
  • 155 Technische Kompanien (Pioniere, Sappeure, Eisenbahn- und Telegraphentruppen)
  • 8 Landsturm-Sappeur-Abteilungen
  • 88 Landsturm-Arbeiterabteilungen
  • 28 Brückenschutz-Kompanien
  • dazu kommen noch Train-, Verpflegs-, Sanitäts-, Stabs- und Verbindungstruppen sowie Kolonnen und vor Ort ausgehobene Arbeiterformationen. Es kann von einer Feldtruppenverpflegungsstärke von etwa 1,8 - 2 Millionen Mann ausgegangen werden.

Bekleidung und Ausrüstung der Armee entsprachen dem damaligen Stand der Technik. Dies betraf jedoch nur die aktiven, kämpfenden Truppenteile. Der Landsturm (eingesetzt etwa für Bewachungsaufgaben) war zum Teil noch in die blauen Friedensuniformen gekleidet. Getragen wurde bei der Infanterie die hechtgraue Marschadjustierung (die sich später immer noch als zu hell erwies und nach deutschem Vorbild durch eine graugrüne Montur ersetzt wurde) auf dem Kopf eine Kappe und als Waffe das Mannlicher Gewehr beziehungsweise das Maschinengewehr Schwarzlose Modell MG 07/12. Kavallerie und Artillerie rückten in ihren bunten Friedensuniformen aus, wobei lediglich die glänzenden Helmteile der Kavalleristen durch einen Überzug verdeckt oder einfach mit grauer Farbe überstrichen wurden.

Entgegen aller pessimistischen Äußerungen traten mit der Mobilmachung separatistische Strömungen in den Hintergrund. Tschechen, Ungarn, Bosniaken und auch italienischsprachige Untertanen der Krone fügten sich widerspruchslos dem Aufruf des Monarchen.

General Viktor Dankl von Krásnik
MG Abteilung

Kriegsjahr 1914

Um den deutschen Bündnispartner zu entlasten, der nach der Schlacht bei Gumbinnen große Teile Ostpreußens aufgeben musste, entschied das Armeeoberkommando aus Galizien heraus nach Norden anzugreifen. Man wollte dadurch auch gleichzeitig dem russischen Aufmarsch zuvorkommen. Die 1. Armee unter General der Kavallerie Dankl und die 4. Armee unter General der Infanterie Auffenberg konnten die russischen Kräfte bei Krásnik und bei Komarow schlagen. Die 3. Armee musste sich jedoch bei Zloczow nach vergeblichen Angriffen wieder zurückziehen. Trotz der nunmehr vom Balkan als Verstärkung heranrollenden 2. Armee („B“-Staffel) gelang es nicht, die Lage in der Schlacht von Lemberg zu stabilisieren. Lemberg musste aufgegeben werden. Auch nach der Niederlage bei Tannenberg ließ der russische Druck in Galizien nicht nach. Darauf befahl man der nach Norden ausgerichteten 4. Armee eine Kehrtwendung mit Angriffsrichtung (bei Rawaruska) nach Süden, die 2. und 3. Armee sollten gleichzeitig nach Norden angreifen. Diese sogenannte zweite Schlacht bei Lemberg endete in einem Desaster und führte zum Rückzug der Österreicher in Richtung San und westlichen Karpathen. Bei diesen Kämpfen waren bereits hohe Verluste eingetreten. Kaiserjäger und Landesschützen hatten hohe Verluste - allein das 2. Tiroler Kaiserjäger-Regiment hatte 80 % Ausfälle zu beklagen. Dieses 2. Regiment verlor am 7. September bei Hujcze-Zaborze seine Fahne, als das Fahnenkommando bis auf den letzten Mann gefallen war. (Am 22. Jänner 1915 wurde dem Regiment in Dobno vom Kaiser eine neue Fahne verliehen)[9]) Die bereits bis zum Herbst 1914 eingetretenen Verluste an gut ausgebildeten Soldaten des „Friedensstandes“, insbesondere Offizieren, waren kaum noch zu ersetzen – später, mit Beginn des Alpenkriegs gegen Italien, sollte sich insbesondere der Verlust der gut ausgebildeten Gebirgstruppen in den frühen Massenschlachten der Ostfront verheerend auswirken.

Mitte September waren große Teile Galiziens verloren gegangen und die Festung Przemyśl erstmals eingeschlossen worden. Entsatzversuche blieben zunächst erfolglos, bis die Schlacht bei Limanowa-Lapanow den russischen Angriffsschwung erlahmen ließ und die Front sich vorerst stabilisierte.

Nachdem sich die Lage an der Südwestfront gegen Serbien im Dezember 1914 beruhigt hatte, konnte das Oberkommando Truppen an die Nordostfront verlegen, um die Abwehrfront an den Karpathenpässen zu verstärken. Am Ende des Jahres hatten die österreichisch-ungarischen Verbände Verluste von insgesamt 1.268.696 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Vermissten (dazu zählen auch die in Gefangenschaft geratenen) zu beklagen. 863.000 Mann waren jedoch nur ersetzt worden. Truppenteile mit 30 bis 40 % Ist-Stärke waren keine Seltenheit.

Kavallerieschlacht

Am 21. August fand östlich von Zloczów die wahrscheinliche letzte klassische Reiterschlacht der Weltgeschichte statt. Hier traf die russische 10. Kavalleriedivision mit dem 10. Husaren-Regiment (Ingermanland-Husaren), dem 10. Ulanen-Regiment (Odessa-Ulanen), dem 4. Kosaken-Regiment (Orenburg-Kosaken) und dem 10. Dragoner-Regiment (Nowgorod-Dragoner) auf die Ortschaft Wołczkowce, die vom II. Bataillon des k.k. Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 35 gehalten wurde. Die angreifenden Russen konnten durch die herbeieilende 4. k.u.k. Kavallerie-Truppendivision mit den Dragoner-Regimentern Nr. 9 und Nr. 15 sowie den Ulanen-Regimentern Nr. 1 und Nr. 13 rund um den Ort Jaroslawice noch vor dem Flüsschen Strypa in stundenlangen Gefechten und eskadronsweisen Attacken aufgehalten werden.[10]

Südostfront

Auf dem Balkan verliefen die Operationen ebenfalls wenig erfolgreich. Nachdem bereits zwei Offensiven der 5. und 6. Armee k.u.k. Armee im August und September 1914 an der Save und Drina unter hohen Verlusten gescheitert waren, konnte zwar im dritten Versuch Anfang Dezember Belgrad eingenommen werden; nach einer serbischen Gegenoffensive musste man die Stadt jedoch wenig später wieder räumen. Die Misserfolge waren neben dem erbitterten Widerstand des Gegners auf äußerst schwieriges Gelände, mangelnden Nachschub und den operativ-taktischen Fehler des Oberkommandierenden der Balkanstreitkräfte, Feldzeugmeister Potiorek zurückzuführen.

Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung

Serbische Zivilisten, die von der k.u.k. Armee hingerichtet wurden

In Galizien und in Bosnien wurden viele Zivilisten der eigenen Bevölkerung von der k.u.k. Armee ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Die Schätzungen sprechen von bis zu 60.000 Opfern.[11] Die Vorwürfe waren „russophile“ Neigungen, „Spionage“ und „Kollaboration“ mit dem Feind. Die „Strafaktionen“ und Repressalien gegenüber der Zivilbevölkerung nahmen derart drastische Ausmaße an, dass von einem systematischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung gesprochen werden kann. Wie viele zivile Opfer dieser Krieg forderte, ist bis heute nicht bekannt. Zeitgenössische Berichte sprechen allein für die k. u. k. Monarchie von bis zu 36.000, die in den ersten Kriegsmonaten am Galgen starben.[12] Zehntausende Ruthenen wurden ins k.k. Internierten-Lager Thalerhof verschleppt.

Am 17. August 1914 kam es im serbischen Städtchen Šabac zu einem Massaker an den Bewohnern. Massenhinrichtungen gab es in den ersten Kriegstagen in zahlreichen nordserbischen Orten. Immer handelte es sich um Übergriffe, die nicht im Getümmel des Gefechts, sondern planmäßig und auf höheren Befehl hin erfolgten.[12]

Allerdings herrschte in diesem Gebiet eine rege Partisanentätigkeit. Mit der Waffe kämpfende (und nicht als Armeeangehörige gekennzeichnete) Zivilisten wurden von jeder Armee der Welt hingerichtet.

Kriegsjahr 1915

Massendesertion

In diesem Jahr kam es unter anderem zu mysteriösen Vorgängen um eine angebliche oder auch tatsächlich stattgefundene Massendesertion[13] aus den Infanterie-Regimentern Nr. 28 und Nr. 36. Beide Regimenter wurden wegen dieser Vorgänge zunächst unehrenhaft aufgelöst, die Fahnen eingezogen. Die genauen Umstände sind bis heute ungeklärt. So berichteten Augenzeugen des benachbarten Landwehr Infanterie-Regiments Nr. 6 aus Eger durchaus glaubhaft, die tschechischen Soldaten seien mit Mehrheit zu den Russen übergelaufen, dieser Version wird jedoch in den Feldakten der österreichisch-ungarischen Armee widersprochen. Stattdessen, so die Aufzeichnungen der k.u.k. Militärjustiz, wären die betreffenden Verbände im Kampf zerschlagen und die Mannschaft nahezu vollständig gefangen worden. Strittig bleibt dabei, ob die tschechischen Soldaten dem Gegner im Gefecht jenen Widerstand entgegengesetzt hatten, der von einem moralisch einwandfreien Regiment zu erwarten gewesen wäre. Gemäß den damaligen Gepflogenheiten ist es allerdings durchaus wahrscheinlich, dass die Angelegenheit heruntergespielt wurde, um die Kampfmoral der übrigen nicht zu gefährden oder zur Nachahmung anzuregen. Im Fall des IR 28 blieb nach dessen Auflösung ein Marschbataillon (Nr. XI) übrig, das aufgrund des Kriegseintritts Italiens nicht seinem Stammverband zugewiesen, sondern an der Südwestfront eingesetzt worden war, wo es sich in den ersten Isonzoschlachten besonders auszeichnete. Aufgrund dieser Leistungen beantragte das Kommando der Südwestfront im August 1915, das IR 28 aus diesem Bataillon wieder aufzustellen. Das Urteil des Feldgerichts der 28. ITD, welches das Regiment letztlich entlastete, folgte im Dezember 1915. Daraufhin wurde das IR 28 aus diesem XI. Marschbataillon nach seiner Rehabilitierung[14] neu aufgestellt und wieder mir der Fahne beteilt. Das IR 36 hingegen wurde im Mai 1915 nach den Vorfällen zur Gänze aufgelöst und die verbliebene Mannschaft aufgeteilt, weshalb der Fall von den Behörden rasch ad acta gelegt wurde und es später auch keine Initiativen gab, das Regiment wieder aufzustellen oder zu rehabilitieren, was ebenfalls auf eine Vertuschung der Angelegenheit schließen lässt.

Schlacht bei Gorlice-Tarnow

Anfang Mai begann eine Offensive der verbündeten deutschen und österreichischen Truppen mit dem Ziel, im Raum Gorlice die russische Front zu durchbrechen und dem Karpathenabschnitt Entlastung zu verschaffen. Gemeinsam glückte der 11. deutschen Armee und der 3. und 4. österreichisch-ungarischen Armee am 2./3. Mai 1915 der Durchbruch in der Schlacht von Gorlice-Tarnów, der bereits nach einem Tag etwa 20 km Tiefe erreicht hatte. Die russische Karpatenfront befand sich in voller Auflösung, die Verbündeten überschritten bei Jarosław den San und konnten im Juni die Festung Przemyśl zurückerobern.

Am 22. Juni 1915 wurde auch Lemberg zurückerobert, womit der Zustand vom Juni 1914 weitgehend wiederhergestellt war. Weitere Angriffe der Mittelmächte im Juli 1915 führten zur Einnahme von Cholm, Warschau und Brest-Litowsk.

Italienische Angriffsschwerpunkte in Südtirol

Kriegseintritt Italiens

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte Italien den Dreibundvertrag mit Deutschland und Österreich-Ungarn für nichtig erklärt, indem es argumentierte, dass es sich dabei um einen reinen Verteidigungspakt handele, der so nicht in Anwendung gebracht werden könne und erklärte sich für neutral. Durch Zustimmung Russlands, auf italienisches Drängen nach Erwerb slawischer Gebiete an der Adria, kam schließlich der Geheimvertrag von London am 26. April 1915 zustande, dem am 23. Mai 1915 die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn folgte.

Dadurch sah sich das Oberkommando einem weiteren Kriegsschauplatz gegenüber, für dessen Ausstattung keinerlei Ressourcen vorhanden waren. Lediglich fünf Infanterie-Truppendivisionen (Nr. 90 - 94) der zweiten Kategorie und 49 Batterien Artillerie mit zum Teil erheblich veralteten Kanonen konnten aufgeboten werden. Dazu kamen zwei Eskadronen Reserve-Kavallerie, 39.000 Standschützen und als Rückgrat der Italienfront, die teilweise stark veralteten Befestigungswerke der österreichisch-ungarischen Grenzsicherung.[15] Als Verstärkung schickte Deutschland das Alpenkorps, einen Verband in Divisionsstärke, der jedoch die italienische Grenze nicht überschreiten durfte, da sich Deutschland und Italien zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Kriegszustand befanden. Der italienische Generalstabschef General Cadorna zögerte, weil er sich über die ihm tatsächlich gegenüberstehenden Kräfte täuschen ließ. Die Standschützen hatten alle strategisch wichtigen Gipfel unverzüglich besetzt und dadurch eine Truppenstärke vorgetäuscht, die zu keiner Zeit vorhanden war.[16] Cadorna zögerte den Angriffszeitpunkt immer wieder hinaus, weil er der Meinung war, seine Verbände seien noch nicht stark genug für einen Generalangriff auf Südtirol. Letztendlich verschaffte er damit dem österreichischen Oberkommandierenden der Südwestfront Generaloberst Erzherzog Eugen die benötigte Zeit, um Verstärkungen heranzuführen. Cadorna hatte nicht erkannt, oder wollte nicht erkennen, dass er zu jedem Zeitpunkt seinem Gegner sowohl personell als auch materiell erheblich überlegen war. Intensive Kampfhandlungen fanden in Südtirol lediglich vor dem österreichisch-ungarischen Festungsriegel Lavarone/Folgaria statt, wo die Italiener große artilleristische Anstrengungen unternahmen, die Werke Verle, Lusern und Vezzena niederzukämpfen und auch massive Infanterieangriffe vortrugen. Ziel dieser Angriffe war das Val Sugana und der Lago di Caldonazzo. Hier hätte man die Festung Trient umgehen und durch das Etschtal nach Norden in Richtung Bozen vordringen können. Warum man die österreichische Front an der stärksten Stelle berannte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Die von Italien erhofften und etwa von Gabriele D'Annunzio immer wieder propagierten Massendesertationen italienischsprachiger k.u.k. Soldaten blieben aus. Die Mehrheit der einfachen Bevölkerung des Trentino und des Küstenlandes, der sogenannten irredenti - (der Unerlösten), die auch die Soldaten stellen mussten (etwa die Hälfte der Kaiserjäger bestand aus Trientinern), wollte nicht zu Italien gehören, sondern lieber bei Österreich bleiben[17]. Das machte sich auch in der Kampfmoral dieser Soldaten bemerkbar, was dazu führte, dass 1916 unter den italienischen Infanteristen ein Sprichwort kursierte Dio ci liberi degli irredenti! („Gott befreie uns von den Unerlösten!“).[18]

Nach dem Kriegseintritt Italiens traten in der österreichischen Öffentlichkeit alle Feinde hinter dem neuen „Hauptfeind“ in den Hintergrund. Einerseits war Italien ein alter Gegner, einer, gegen den man die letzten Erfolge auf dem Schlachtfeld erzielt hatte, andererseits war Italien offiziell Verbündeter, innerhalb des Dreibundes. Obwohl man nie großes Vertrauen in die Loyalität Italiens gesetzt hatte, brandete eine Woge der Empörung in der österreichischen Bevölkerung über den „Treubruch“ auf. Gleichzeitig bestärkte der Eintritt die öffentliche Meinung in der „gerechten Sache“ des Krieges.[19] Gegen die italienischen Großmachtbestrebungen an der östlichen Adria waren plötzlich auch die vorher, gegen Serbien und Russland, wenig motivierten slawischen Soldaten der Monarchie einsatzbereiter. Der Krieg gegen Italien brachte unter den Völkern der Monarchie eine Stimmung hervor, die fast einem gesamtösterreichischen Nationalgefühl ähnelte.[20]

Görz (links) und der Isonzo

Isonzo

Der zweite Schwerpunkt der italienischen Angriffe war das Gebiet im südlichen Isonzoabschnitt und mit ihm die Periode der Isonzo-Schlachten, bei denen man nicht so zögerlich vorging wie in Tirol. Getragen von der Welle der Begeisterung über die nunmehr endlich anstehende Befreiung der unerlösten Gebiete sah man in Italien keinerlei Schwierigkeiten, die Stadt Triest auf dem schnellsten Wege in den Schoß der Mutter Italia heimzuholen (Gabriele d'Annunzio). Die italienische 3. Armee sollte zwischen Monfalcone und Sagrado zum Hochplateau von Doberdo durchbrechen, während die 2. Armee zwischen dem Monte Sabotino und Podgora vorzustoßen hatte. Minimalziel war die Eroberung des Brückenkopfes bei Görz, die Überquerung des Isonzo, Eroberung der Berge Kuk und Priznica (Höhe 383, östl. von Plava), sowie ein Angriff auf den Brückenkopf bei Tolmein. Strategisches Ziel war der Durchbruch nach Triest, dann weiter zur ungarischen Tiefebene wo man sich mit russischen Truppen vereinigen und so Österreich von Ungarn abtrennen wollte.

Hermann Kövess von Kövesshaza

In einem Tagesbefehl vom Mai 1915 hatte General Cadorna seiner 2. und 3. Armee aufgetragen, mit energischen und überraschenden Aktionen unverzüglich nach der Kriegserklärung auf österreichisch-ungarisches Staatsgebiet vorzudringen. So begann am 23. Juni die Erste Isonzoschlacht, die bis zum 7. Juli dauerte aber nicht den gewünschten Erfolg brachte. Bis zum Ende des Jahres sollte General Cadorna noch dreimal (Zweite Isonzoschlacht - 17. Juli bis 10. August / Dritte Isonzoschlacht - 18. Oktober bis 5. November / Vierte Isonzoschlacht - 10. November bis 11. Dezember) angreifen lassen, konnte jedoch wiederum nur geringfügige Geländegewinne erzielen.

Personalverluste der 1.-4. Isonzoschlacht (Gefallene, Verwundete, Vermisste, Gefangene)[21]

Österreich-Ungarn Italien
1. Isonzoschlacht 10.000 15.000
2. Isonzoschlacht 46.000 42.000
3. Isonzoschlacht 42.000 67.000
4. Isonzoschlacht 25.000 49.000

Zweiter Serbischer Feldzug

Am 6. September schloss Bulgarien mit den Mittelmächten eine Militärkonvention und trat in den Krieg ein. Hauptgrund für Bulgarien war der Versuch, die im Zweiten Balkankrieg verlorenen mazedonischen Gebiete zurückzugewinnen, während sich Deutschland und Österreich-Ungarn davon eine Landverbindung zur Türkei versprachen. Auch war es damit nun möglich, Serbien von drei Seiten her anzugreifen. Dazu wurde eine Heeresgruppe unter dem Kommando des deutschen Generalfeldmarschalls August von Mackensen aufgestellt. Sie umfasste die österreichisch-ungarische 3. Armee unter General der Infanterie Hermann Kövess von Kövesshaza, die deutsche 11. Armee unter General der Artillerie von Gallwitz und die bulgarische 1. Armee unter Generalleutnant Bojadjieff. Am 5. Oktober begann der Angriff und am 7. Oktober landeten österreichisch-ungarische Truppen am Nordrand von Belgrad. Zwei Tage später, nach erbitterten Straßenkämpfen, fiel die Stadt. Ein versuchtes Eingreifen der bei Saloniki stehenden britischen und französischen Truppen konnte von den bulgarischen Streitkräften abgeriegelt werden. Den Überresten der serbischen Armee blieb nur die Flucht an die albanische Adriaküste, wo sie von Schiffen der Entente aufgenommen und nach Korfu gebracht wurden.

Kriegsjahr 1916

Bereits zu Beginn dieses Jahres begannen sich die Probleme abzuzeichnen, die zu schweren Krisen in den verbündeten Armeen führen sollten. Die persönliche Abneigung, die die beiden Generalstabschefs von Falkenhayn und Conrad von Hötzendorf gegeneinander hegten, wurde zumindest durch Falkenhayn auch auf sein Arbeitsgebiet übertragen. Das führte von mangelnder Zusammenarbeit bis hin zur Nichteinbindung der k.u.k. Truppen in die strategisch einheitliche Ausrichtung von Operationen. Die deutschen Verbände wurden völlig selbstständig geführt, wobei man die österreichischen Truppen stellenweise nur als Anhängsel betrachtete, auch wenn man ohne diese im Nordosten und auf dem Balkan nicht zu größeren Operationen fähig war.

Erneute Schwierigkeiten ergaben sich aus der unterschiedlichen Zielsetzung für das Jahr 1916. Während es die österreichisch-ungarische Führung als sinnvoll ansah, den Schwerpunkt auf einen Sieg gegen Italien zu legen und diese Front zu liquidieren, was sich auf den gesamten Kriegsverlauf ausgewirkt hätte, zog es der deutsche Generalstab vor, sich auf die Schlacht um Verdun zu konzentrieren.

Feldzug gegen Montenegro

Hauptartikel: Feldzug in Montenegro

Unabhängig davon verfolgte Conrad von Hötzendorf jedoch weiterhin seine eigene Strategie. Dazu gehörte es, zuerst auf dem Balkan Fakten zu schaffen und Montenegro niederzuringen. Er wollte die italienischen Brückenköpfe bei Durazzo und Valona eindrücken und die französische Orientarmee aus Saloniki vertreiben. Dazu wurden im Jänner die 3. Armee, verstärkt durch Truppen des Kommandierenden Generals von Bosnien, Herzegowina und Dalmatien auf Montenegro angesetzt. Daraufhin zog sich die kleine montenegrinische Armee kämpfend auf das befestigte Massiv des Lovćen zurück. Am 8. Jänner begannen massive Angriffe auf den Berg, wobei die österreichischen Truppen von der Schiffsartillerie der k.u.k. Kriegsmarine unterstützt wurden. Am 10./11. Jänner war der Lovćen zu großen Teilen erobert, die Reste der montenegrinischen Streitkräfte kapitulierten am 17. Jänner. Die Offensive wurde zunächst in Richtung Albanien weitergeführt und die italienische Armee gezwungen Durazzo zu räumen. Da nicht genug Truppen zur Verfügung standen, konnte die mögliche Besetzung von ganz Albanien allerdings nicht durchgeführt werden. Dadurch bestand zwischen den österreichisch-ungarischen Verbänden in Albanien und den deutsch-bulgarischen Truppen in Mazedonien eine große Lücke in der Front, die offen bleiben musste.

Zerstörte Gechützpanzerkuppel des Forte Monte Verena

Frühjahrsoffensive gegen Italien

Da der k.u.k. Generalstab auf seinem Standpunkt verharrte, einen massiven Schlag gegen Italien zu führen, begann am 15. Mai, wegen schlechten Wetters mehrfach verschoben, die Offensive über die Hochfläche der Sieben Gemeinden im Bereich Lavarone/Folgaria Richtung Padua und Venedig. Eine geplante Zangenbewegung von der Isonzofront her, mit der die italienische Region Venetien abgeschnürt werden sollte, konnte nicht stattfinden, da Deutschland die hierfür erforderliche Unterstützung nicht bereitstellen wollte.

Die mit der verkleinerten Offensive beauftragte 11. Armee (Generaloberst Dankl) und die 3. Armee (Generaloberst von Kövess) hatten anfänglich Erfolge zu verzeichnen, unter anderem wurde die Hochfläche mit den italienischen Forts Monte Verena und Campolongo sowie Befestigungswerke im Val d' Astico (Forte Casa Ratti) erobert. Danach blieb die Offensive jedoch stecken. Der Grund lag einerseits darin, dass die Italiener, nachdem sie erkannt hatten, dass vom Isonzo her keine Gefahr drohte, von dort mehr und mehr Truppen abzogen und an die gefährdeten Stellen positionierten. Andererseits waren die Österreicher gezwungen, durch die am 4. Juni gestartete Brussilow-Offensive Truppen abzuziehen und an die Nordostfront nach Wolhynien zu verlegen. Die Offensive an der Südtirolfront musste daher eingestellt werden. Man zog sich in eine begradigte Frontlinie zurück und ging wieder in den Stellungskampf über.

Auswirkungen der Brussilow Offensive

Die Brussilow-Offensive

Die Brussilow Offensive erwies sich als Desaster für die österreichisch-ungarischen Streitkräfte. Der Angriff war mit vier Armeen und starken Artilleriekräften nur für die russische Westfront geplant gewesen, wobei die Verbände an der Südwestfront unter General Brussilow lediglich unterstützend eingreifen sollten. Im Bereich der 4. österreichisch-ungarischen Armee wurden die gut ausgebauten Stellungen bei Luck einfach überrannt und ein Durchbruch von 85 Kilometern Breite erzielt, der bis zum 10. Juni eine Tiefe von 48 Kilometern erreicht hatte. Ebenfalls am 10. Juni gelang es den russischen Kräften, die Front im Bereich der 7. österreichischen Armee bei Okna aufzureißen. Ein mit herbeigeführten Reserven in Wolhynien gestarteter Entlastungsangriff erzielte nicht die gewünschte Wirkung, Luck konnte nicht zurückerobert werden. Am 17. Juni gelang den russischen Kräften die Eroberung von Czernowitz, womit auch die gesamte Bukowina verloren gegangen war. Im Juli konnte die Nordostfront durch die Mittelmächte wieder halbwegs stabilisiert werden. Das Ergebnis waren Personalverluste von insgesamt 475.000 Mann, wovon 226.000 als Gefangene zu verzeichnen waren.

Die 5.-9. Isonzoschlacht

Im Wissen, dass Deutschland nicht unterstützend eingreifen würde, begann die italienische Führung demonstrativ am 11. März die Fünfte Isonzoschlacht, die gegen den Monte San Michele und San Martino gerichtet war, jedoch nur lokalen Charakter hatte. Auf den Frontverlauf hatte sie keinerlei Auswirkungen. Ein erneuter Angriff am 4. August mündete in die Sechste Isonzoschlacht, die bis zum 15. August dauerte und in deren Verlauf es den Italienern gelang die Stadt Görz, den Monte San Michele und die Hochfläche von Doberdo zu erobern. Vom 13.-17. September erfolgte die Siebte Isonzoschlacht, vom 9.-12. Oktober die Achte Isonzoschlacht und vom 31. Oktober - 4. November die Neunte Isonzoschlacht, die zwar alle gewisse Geländegewinne erzielten, ein Durchbruch nach Triest konnte jedoch nach wie vor nicht erreicht werden. Im Verlauf dieser Schlachten hatte Österreich-Ungarn Verluste von etwa 100.000 Mann zu verzeichnen, Verluste, die nur äußerst schwer zu ersetzen waren und die im Anbetracht weiterer zu erwartender Angriffe große Probleme aufwarfen.

Personalverluste der 5.-9. Isonzoschlacht (Gefallene, Verwundete, Vermisste, Gefangene)[22]

Rumänische Gefangene auf dem Weg zur Sammelstelle
Österreich-Ungarn Italien
5. Isonzoschlacht 2.000 2.000
6. Isonzoschlacht 42.000 51.000
7. Isonzoschlacht 15.000 17.000
8. Isonzoschlacht 20.000 25.000
9. Isonzoschlacht 28.000 35.000

Feldzug gegen Rumänien

Nach dem für Österreich-Ungarn desaströsen Verlauf des Sommers widerstand Rumänien nicht länger den alliierten Werbungen und trat am 27. August auf Seiten der Entente in den Krieg ein. Von den Mittelmächten wurde die rumänische Armee auf Grund ihrer personellen und materiellen Ausstattung nicht als bedrohlicher Gegner angesehen, nichtsdestoweniger würde die strategische Lage des Landes seine Ausschaltung zwingend notwendig machen. Auf Seiten des Vierbundes waren jedoch nach der Brussilow-Offensive keine Verbände zu einer unmittelbaren Reaktion verfügbar. Man beschloss daher, vorerst abzuwarten und erst nach der Reorganisation der eigenen Kräfte aktiv zu werden. Diese Schwäche ausnutzend marschierten die Rumänen noch am Tag der Kriegserklärung in das zum Königreich Ungarn gehörende Siebenbürgen ein, die hier nur in geringem Umfang vorhandenen Grenzschutztruppen vor sich hertreibend. Dies machte eine Reaktion der Verbündeten zwingend erforderlich, die alles an noch verfügbaren Truppen mobilisierten und die 9. (deutsche) Armee unter General der Infanterie von Falkenhayn und die 1. (österreichisch-ungarische) Armee unter General der Infanterie Arz von Straußburg zur Rückeroberung von Siebenbürgen ansetzten.

Kaiser Karl I.

Gleichzeitig griffen die Bulgaren in der Dobrudscha an und brachten den Rumänen einige schwere Niederlagen bei. Obwohl von den Russen eine Entlastungsoffensive gestartet wurde und die Entente-Truppen von Saloniki her angriffen, konnten sie die Niederlage der Streitkräfte Rumäniens nicht verhindern. In Folge der Besetzung der Walachei konnte am 6. Dezember auch Bukarest eingenommen werden. Die restlichen Truppen Rumäniens kämpften vorerst weiter an der russischen Front. Dieses militärische Abenteuer hatte das Land fast 500.000 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Kriegsgefangenen gekostet.

Kaiser Karl I.

Am 21. November starb der Oberbefehlshaber Kaiser Franz Joseph I. nach 68 Regierungsjahren im 87. Lebensjahr. Ihm folgte sein Großneffe Carl Franz Joseph, der als Kaiser Karl I. von Österreich und König Karl IV. von Ungarn per Tagesbefehl vom 2. Dezember 1916 selbst den Oberbefehl über die gesamte bewaffnete Macht übernahm. Der bisherige Armeeoberkommandant Feldmarschall Erzherzog Friedrich blieb bis 11. Februar 1917 Stellvertreter des Monarchen in dieser Funktion und wurde dann von Karl I./IV. zur „allerhöchsten Disposition“ (und somit faktisch in die Reserve) gestellt. Generalstabschef Conrad wurde vom Monarchen am 1. März 1917 durch Arthur Arz von Straußenburg ersetzt. Am 3. November 1918 übergab Karl I./IV. das Oberkommando an Arz und bestellte am 4. November auf dessen Wunsch FM. Kövess zum (letzten) Armeeoberkommandanten. Am 6. November 1918 erteilte der Monarch den Demobilisierungsbefehl.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der Wien nicht ein einziges Mal zu einem Frontbesuch verlassen hatte, reiste der neue Oberbefehlshaber von einem Frontabschnitt zum anderen, erkundete die Lage und inspizierte die vor Ort liegenden Truppenteile.

Versorgung

Die allgemeine Versorgungslage begann, sich ab diesem Jahr zusehends zu verschlechtern, obwohl die heimische Versorgungsindustrie steigende Produktionsziffern vorweisen konnte. So wurden vom 1. April 1915 bis zum 31. März 1916 der Armee die folgenden Mengen zur Verfügung gestellt:

2.622.900 / Stück Blusen
2.976.690 / Stück Hosen
1.328.090 / Stück Mäntel
3.948.060 / Paar Schuhe, Stiefel, Halbstiefel
6.237.700 / Garnituren Wäsche
134.220 / Stück Patronentaschen
446.848 / Stück Rucksäcke
665.400 / Stück Zeltblätter[23]
125.250 / Stück Spaten

Allerdings wurde Quantität über Qualität gesetzt, was dann die sogenannte Normtragedauer ganz erheblich verminderte und die soeben ausgegebenen Monturstücke alsbald einer Reparatur zugeführt oder gänzlich ausgetauscht werden mussten.

Eine kontinuierliche Versorgung der Truppe erfolgte erst nach dem Erstarren der Frontlinien, als die Armeekörper begannen, selbstständig Monturdepots anzulegen und mit allem was zu finden war Reserven zu schaffen. Daraus resultierte ein sehr unterschiedlicher Bekleidungsstand. Während bei der einen Truppendivision sogar spezielle Arbeitskleidung ausgegeben werden konnte, hatten andere noch nicht einmal die benötigte Grundausstattung.[24]

Kriegsjahr 1917

Das Jahr 1917 begann mit strukturellen Änderungen in der Armee. Im Februar wurde der bisherige Generalstabschef Conrad von Hötzendorf abgelöst und (ähnlich wie sein deutscher Pendant Falkenhayn) wieder als Truppenführer eingesetzt. Man übertrug ihm das Kommando über eine Heeresgruppe an der Südwestfront. Nachfolger wurde General der Infanterie Arz von Straußenburg. Conrad hatte vor seiner Ablösung die Marschrichtung für das Jahr 1917 festgelegt, in der ein Befreiungsschlag gegen die Italiener am Isonzo gefordert wurde, um die Bedrohung von Triest und Laibach abzuwenden. Eine markante Änderung des äußeren Erscheinungsbildes war die Einführung des Stahlhelms. Nachdem die am Isonzo eingesetzten Truppenteile wegen der eminenten Gefährdung durch Steinsplitter immer dringender einen effektiven Kopfschutz gefordert hatten, lief die Maschinerie langsam an. Da eine entsprechende Produktionslinie nicht vorhanden war, wurden zunächst in Deutschland Stahlhelme bestellt und bis zur Aufnahme der Eigenproduktion im Mai 1917 auch 124.000 Stück geliefert. Die Lieferungen aus Deutschland - insgesamt 416.000 Stück - dauerten bis Jänner 1918.

Infanterie mit dem neuen Stahlhelm, links deutsche, rechts österreichische Fertigung

Konzeptänderung der Infanterie

Inzwischen hatte sich das Wesen des Krieges grundsätzlich geändert. Die Infanterieangriffe im Stil des Jahres 1914 waren bei den ausgebauten Stellungssystemen und der Artilleriemassierung nicht mehr möglich. Die Deutsche Armee hatte diese Problematik erkannt und 1915/16 an der Westfront mit der Taktik der Stoßtrupps bzw. Sturmtrupps begonnen die ersten Einheiten diesbezüglich auszubilden. Die österreichisch-ungarische Armee übernahm diese Taktik ebenfalls und stellte Sturmbataillone zunächst auf Armeeebene, später auch auf Truppendivisionsebene auf.

Situation in Russland

In Russland hatte sich die Situation aufgrund der immer schlechter werdenden Versorgungslage dramatisch verändert. Unruhen der Bevölkerung im Hinterland sollten von der Armee niedergeschlagen werden. Die Weigerung verschiedener Regimenter auf wehrlose Zivilisten zu schießen führte am 12. März zur Meuterei in St. Petersburg, zum Ausbruch der russischen Revolution und zur Abdankung des Zaren. Die Auswirkungen auf die Fronttruppen waren desaströs: Auflösungserscheinungen wurden immer offensichtlicher, ganze Einheiten liefen geschlossen zu den deutschen oder österreichisch-ungarischen Linien über. Die Revolutionsregierung unter Kerenski versuchte ihrer Bündnispflicht gegenüber der Entente dennoch weiterhin nachzukommen und setzte am 29. Juni die sogenannte Kerenski-Offensive gegen die Mittelmächte in Gang.

Die Kerenski-Offensive

Mit den zur Verfügung stehenden Truppen und Material (teilweise bereits aus britischen Hilfslieferungen) sollte gegenüber der österreichisch-ungarischen 2. und 3. Armee ein Durchbruch nach Lemberg versucht werden. Dies auch unter dem Aspekt, dadurch die innenpolitischen Schwierigkeiten zu neutralisieren. Bei Zborow wurde russischerseits eine, aus Fahnenflüchtigen und Kriegsgefangenen gebildete tschechische Infanterie-Brigade eingesetzt, die hier auf zwei böhmische Infanterie-Regimenter traf, die wenig Anstalten machten auf ihre Landsleute zu schießen. Hier begannen sich erstmalig die Anzeichen der schwindenden Loyalität mit dem Kaiserreich abzuzeichnen.

Die russische Offensive brach an der 3. Reservestellung der Österreicher zusammen, wobei im Nachhinein Kerenski, der die Führung selbst übernommen hatte, hochgradiger Dilettantismus bescheinigt wurde, was auch ein Grund für den Fehlschlag war. Am 19. Juli begann die Gegenoffensive, denen die demoralisierten russischen Truppen nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Bis Mitte August waren Ostgalizien und die Bukowina zurückerobert, die Reichsgrenze war wieder erreicht. Die Kämpfe gingen wieder in einen Stellungskrieg über.

Der italienische Stabschef General Cadorna

Die 10. und 11. Isonzoschlacht

An der Südwestfront dauerte es bis Mitte Mai, um die italienische Armee wieder kampf- und angriffsbereit zu machen. General Cadorna begann am 12. Mai die Zehnte Isonzoschlacht, die bis zum 5. Juni andauerte. Nach einem 2½-tägigen, in dieser Intensität bisher noch nicht gekannten Trommelfeuer auf dem ganzen Frontabschnitt von Tolmein bis zur Adria erfolgte der Hauptangriff südlich von Görz, wiederum mit dem Ziel des Durchbruchs nach Triest. Obwohl die Österreichisch-Ungarischen Truppen zähen Widerstand leisteten, gelangen den Italienern zahlreiche Einbrüche und der Kommandant der 5. Armee, Generaloberst Boroevic musste frühzeitig Reserven heranführen. Am 23. Mai führte Cadorna einen zweiten schweren Schlag, sodass sich die österreichisch-ungarische Führung veranlasst sah, Truppen zur Verstärkung aus der Nordostfront abzuziehen. Des Weiteren wurden Verbände aus Tirol und Kärnten herangeführt. In Gegenangriffen gelang es den k.u.k. Kräften, am 4. Juni die sogenannte Flondarstellung zurückzuerobern. Damit beschränkten sich die italienischen Geländegewinne lediglich auf den Gipfel der Kuk-Höhe, die Bildung eines Brückenkopfes auf dem linken Ufer des Isonzo und dessen Behauptung.

Am 17. August griff Cadorna in der Elften Isonzoschlacht die ausgelaugten Verbände der österreichischen 5. Armee erneut an. Mit seiner bisher stärksten Truppenmassierung schaffte er es, an mehreren Stellen den Isonzo zu überqueren und das Hochplateau Bainsizza zu erobern. Gleichzeitige Angriffe der italienischen 3. Armee auf die Anhöhe Hermada scheiterten trotz Geländegewinns. Wie so oft zögerten die italienischen Befehlshaber bei der konsequenten Ausnutzung der erzielten Teilerfolge. Der österreichische Oberbefehlshaber Boroević konnte seine Truppen daher in der zweiten Verteidigungslinie sammeln und sich eingraben lassen. Die neue Frontlinie verlief im Gebiet der italienischen 2. Armee nach der Schlacht auf der Linie: Monte Santo (Kote 682) – Vodice (Kote 652) – Kobilek (Kote 627) – Jelenik (Kote 788) – Levpa. Im Abschnitt der 3. italienischen Armee verlief sie auf der Linie: Log – Hoje – Zagorje – San Gabriele.[25]

Die 12. Isonzoschlacht

Hauptartikel: Zwölfte Isonzoschlacht

Im österreichisch-ungarischen Hauptquartier in Baden bei Wien hatte man erkannt, dass ein weiterer derartiger Angriff von den eigenen Truppen nicht mehr abgewehrt werden konnte. Um nicht überrannt zu werden, musste man selbst die Initiative ergreifen. Nach Absprache mit dem deutschen Bündnispartner, der sieben Divisionen, zahlreiche Artillerie-, Minen- und Gaswerferverbände als 14. Armee unter General der Infanterie von Below zur Verfügung stellte, zog man die bisherige 1. und 2. Isonzoarmee zur Heeresgruppe Boroevic zusammen, um in der als Zwölfte Isonzoschlacht bekannten Kampfhandlung gegen die italienische Isonzofront anzugreifen.

Ausgangslage der 12. Isonzoschlacht und Lageentwicklung bis zum 12. November 1917

In der zwölften Isonzoschlacht (auch Schlacht von Karfreit, italienisch Battaglia di Caporetto) fanden sich die italienischen Truppen plötzlich in der ungewohnten Rolle des Angegriffenen wieder. Obwohl der Angriffszeitpunkt von übergelaufenen tschechischen und ruthenischen Offizieren verraten worden war, zögerte man auf italienischer Seite wiederum, geeignete Gegenmaßnahmen anzuordnen. Am 24. Oktober begann die Artillerievorbereitung der verbündeten Truppen, das in ungewöhnlich starkem Maße aus Gasbeschuss bestand. Dadurch waren bereits am Morgen im Raum Flitsch und Tolmein tiefe Einbrüche erzielt und unzählige Gefangenen gemacht worden. Trotz der immer noch zahlenmäßigen Überlegenheit der italienischen Truppen ermöglichten die viel zu dicht besetzten vorderen Gräben und der falsche Einsatz der Reserven den operativen Durchbruch.

Am 27. Oktober brach die italienische 2. Armee komplett zusammen. Am 28. Oktober konnte Udine eingenommen werden, das Hauptquartier des General Cadorna, der mit seinem Stab erst einige Stunden zuvor geflüchtet war. Auch die italienische 3. Armee musste sich zurückziehen, da sie sonst Gefahr lief, eingekesselt zu werden. Görz fiel ohne Widerstand an die österreichisch-ungarischen Truppen.

Bis dahin hatte die italienische Armee etwa 200.000 Gefangene und eine erhebliche Menge an Kriegsgerät verloren. Von diesem Erfolg selbst überrascht, befahl das Kommando der Südwestfront die Verfolgung zunächst bis an den Tagliamento, der bereits am 31. Oktober problemlos überschritten werden konnte.

Zurückgelassene italienische Langrohrgeschütze

Als weitere Auswirkung auf die italienischen Truppen an der Front der Karnischen Alpen und der Dolomiten, die hier jetzt plötzlich in der Luft hingen, musste die 4. Armee (General Giardino) alle eroberten und behaupteten Stellungen schnellstens aufgegeben und damit den Österreichern überlassen.

Die nachdrängende k.u.k. 10. Armee unter Feldzeugmeister von Krobatin und 11. Armee unter Generaloberst Conrad von Hötzendorf durchbrachen die italienischen Sperrriegel bei Pieve di Cadore, Belluno und im Valsugana; sie kamen über die Linie Asiago - Monte Grappa aber nicht hinaus. Am 1. November konnte der Piave überschritten und auf dem westlichen Ufer Brückenköpfe eingerichtet werden. Die italienische Regierung erwog bereits eine Umsiedlung in den Süden des Landes, da sich westlich des Piave ein militärisches Vakuum aufgetan hatte. Am Piave jedoch kam der Vormarsch zum Stillstand. Die Gründe dafür sind unklar; es dürfte an der Erschöpfung der Truppe, den überdehnten Nachschubwegen und/oder der schlechten Versorgungslage generell gelegen haben. Obwohl die italienische Armee völlig demoralisiert und am Ende war, konnte Österreich-Ungarn den Krieg hier nicht gewinnen, da die Alliierten unverzüglich begannen, Truppen nach Norditalien zu verlegen, um den Stoß aufzufangen. Am 10. November mussten man die westlichen Brückenköpfe am Piave wieder aufgeben. Mit Hilfe der USA konnten die existenzbedrohenden italienischen Materialverluste schnell wieder ausgeglichen werden. Am Korsett der französischen Unterstützungsdivisionen richtete man die Armee wieder auf.

Gefangene Italiener bei Cividale
Gesamtverluste Österreich-Ungarn Italien
10. Isonzoschlacht 40.000 63.000
11. Isonzoschlacht 100.000 150.000
12. Isonzoschlacht 5.000 >300.000

Kriegsjahr 1918

Zu Jahresbeginn waren noch 4.410.000 Mann im Dienst befindlich, 2.850.000 davon an der Front und 1.560.000 bei den Einsatzkörpern, militärischen Behörden, Kommandos und Anstalten in der Heimat.[26]

Versorgung

Auch die in der 12. Isonzoschlacht erbeutete Masse an Material konnte über die immer schwieriger werdende Versorgungslage nicht hinwegtäuschen. Das Land blutete mehr und mehr aus; viele Ressourcen gingen zur Neige. Militärische Nachschubgüter hatten Vorrang; von der Rüstungsgüterindustrie wurden Höchstleistungen verlangt (siehe auch Kriegswirtschaft); der zivile Sektor kam zu kurz. Durch die Handelsblockade der Alliierten bedingt (siehe auch Seeblockaden im Ersten Weltkrieg, Seekrieg im Ersten Weltkrieg), bekam die Truppe mehr und mehr minderwertiges Material (auch als „Gelumpe“ (= Plunder) bezeichnet), was Kampfkraft und Kampfmoral nicht förderlich war.

Salonikifront

Da die Amerikaner noch nicht im vollen Umfang die ihnen zur Verfügung stehen Kräfte einsetzen konnten, stellten die Mittelmächte im Frühjahr 1918 militärisch immer noch eine nicht zu unterschätzende Kraft dar. Jedoch begann die deutsche Oberste Heeresleitung jetzt Truppen von allen Fronten für die geplante Durchbruchsschlacht in Frankreich zusammenzuziehen. Hiervon betroffen war in erster Linie die Mazedonienfront, in der die bereits geschwächten bulgarischen Truppen den Angriffen der Orientarmee der Entente nur noch bis September standhalten konnten. Danach erfolgte der militärische Zusammenbruch und die Kapitulation Bulgariens.

Piavefront

An der Piavefront hat sich die Situation trotz der Frontverkürzung und der damit verbundenen Truppenverstärkungen nicht merklich verbessert. Die Italiener hatten die personellen und materiellen Verluste aus der 12. Isonzoschlacht ausgeglichen und mit dem neuen Stabschef General Armando Diaz, der den glücklosen General Cadorno nach dem Isonzo-Desaster abgelöst hatte, wehte ein frischer Wind durch die italienische Armee.

General Armando Diaz

Die deutsche Heeresleitung verlangte nunmehr von dem jetzigen österreichisch-ungarischen Generalstabschef Generaloberst Arz von Straußenburg die Bindung alliierter Truppen, um eine Verlegung an die Westfront zu verhindern. Da Arz von Straußenburg den Deutschen bedeutend freundlicher gegenüberstand als sein Vorgänger, wurde dieses Ersuchen sofort wohlwollend in Erwägung gezogen und eine begrenzte Offensive im Raum Monte Grappa mit einem Stoß zur Brenta in die Planung genommen. Der Kommandant der Heeresgruppe Tirol, Conrad von Hötzendorf, war jedoch der Meinung, man solle weiter nördlich zwischen Piave und Astico angreifen. Generaloberst von Boroevic hingegen sah die größten Erfolgsmöglichkeiten an der südlichen Piave. Arz von Straußberg konnte sich gegenüber seinen beiden Truppenführern nicht durchsetzen und befahl einen Kompromiss, dergestalt Boroevic in einer Zangenbewegung Richtung Venedig angreifen, die 3. Italienische Armee des General Herzog von Aosta vernichten und dann nach Norden auf Padua zu einschwenken sollte. Conrad von Hötzendorf sollte mit der 11. Armee nach Süden angreifen die 1. italienische Armee des General Brusati ausschalten und über Vicenza ebenfalls nach Padua vorstoßen. Damit wäre die Zange geschlossen und die 4. italienische Armee eingekesselt worden. Nicht bedacht hatte man jedoch die um Padua versammelte 2. italienische Armee (General Capello) und die um Mantua versammelte alliierte Armee des Marschall Foch.

Für eine solche Kraftanstrengung reichten die österreichisch-ungarischen Truppen nicht mehr aus. Die vom 20. Mai auf den 15. Juni verschobene Offensive erlitt ostwärts der Brenta auf der Hochfläche von Asiago schon am ersten Tag dermaßen hohe Verluste, dass die Angriffe bereits am 16. Juni hier wieder eingestellt werden mussten. Am unteren Piave erzwang die Armee Boroevic an mehreren Stellen den Übergang über den Fluss. Da jedoch wegen des starken Hochwassers und auch der Beschießung durch die italienische Artillerie die Kriegsbrücken nicht im notwendigen Betriebszustand gehalten werden konnten, gab man die Brückenköpfe wieder auf und brach die Offensive am 20. Juni ab.

Die bei den beiden Angriffsoperationen entstandenen Personalverluste von nahezu 150.000 Mann konnten nicht mehr ersetzt werden. Auch das verloren gegangene Kriegsgerät war nicht so ohne weiteres wieder zu beschaffen. Erste Zersetzungserscheinungen machten sich bemerkbar. Insbesondere die nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk vom 3. März aus Russland zurückkehrenden ehemaligen Kriegsgefangenen waren unwillig und brachten teilweise bolschewistische Ideen mit. Trotzdem wurden alle weiteren italienischen Angriffe vollständig abgewehrt. Es war jedoch vorauszusehen, dass die österreichisch-ungarische Front unter der Menschen- und Materialüberlegenheit der Alliierten zusammenbrechen würde.

Die am 13. Juni gestartete und als Entlastungsangriff gedachte Tonalepass-Offensive war ebenfalls zum Scheitern verurteilt und brach nahezu augenblicklich zusammen.

Das Ende

Auflösungserscheinungen

Ab dem 22. Oktober kam es zu massiven Befehlsverweigerungen ungarischer und kroatischer Einheiten, zu denen sich bald Tschechen und Bosniaken gesellten. Österreich-Ungarn befand sich in Auflösung; weder die Regierung in Wien noch die in Budapest verfügte noch über Autorität in den Landesteilen, deren Bevölkerung einen eigenen Staat gründen wollte. Die enorme Überlegenheit der Armeen der Entente machte die Hoffnung auf ein „ehrenvolles“ Kriegsende zunichte. Proklamationen der Vertretungen der Kroaten, Serben und Slowenen am 6. Oktober, der Polen am 7. Oktober und der Tschechen (die in Paris bereits über eine tschechoslowakische Regierung verfügten) am 28. Oktober hatten dazu geführt, dass viele Soldaten dieser Nationalitäten keinen Sinn im weiteren Kampf sahen und so rasch wie möglich nach Hause zurückkehren wollten. Die ungarische Regierung, die die Realunion mit Österreich Mitte Oktober durch Reichstagsbeschluss per 31. Oktober 1918 (mit Zustimmung des Monarchen) als beendet erklärte, verlangte vom Armeeoberkommando Ende Oktober offiziell die sofortige, komplette Rückführung der ungarischen Regimenter von der italienischen Front.

Tschechische Soldaten auf alliierter Seite an der Piave

Erste Einheiten setzten dies unverzüglich in die Tat um und verließen ihre Kampfabschnitte, um sich auf den Heimweg zu begeben. Die so entstanden Frontlücken mussten von den standhaltenden Verbänden zusätzlich ausgefüllt werden. Eine nicht unerhebliche Anzahl Tschechen lief jedoch zu den Italienern über und wurde von diesen sofort ausgerüstet und in Kampfverbänden neu aufgestellt, hatte doch die neue Tschechoslowakei durch die Arbeit ihrer Exilpolitiker bereits den Status eines Verbündeten der Entente erreicht.[27])

Schlacht von Vittorio Veneto

Karte der US-Bundesregierung

Als letzte Schlacht wurde vom 24. Oktober 1918 bis zum 3. bzw. 4. November 1918 die Schlacht von Vittorio Veneto oder Dritte Piaveschlacht ausgetragen. Hauptschauplätze der Kriegshandlungen waren der Fluss Piave und der Grappa-Massiv. Mit 7.750 Geschützen und 650 Flugzeugen ging Italien besser ausgerüstet in die Schlacht als Österreich-Ungarn (6.800 Artilleriegeschütze und 450 Flugzeuge). Die gut verpflegten, ausgeruhten und vorzüglich bewaffneten italienischen Verbände konnten so mit Unterstützung der Entente-Mächte sowie tschechischer Deserteure[28] eine erfolgreiche Offensive gegen die ausgemergelten und völlig demoralisierten österreichisch-ungarischen Truppen starten, denen es an allem mangelte. Der alliierten Übermacht war nichts mehr entgegenzusetzen.[29] Bis zum 1. November hatten die Italiener zusammen mit ihren Verbündeten im Westen eine Linie etwa Asiago-Feltre-Belluno erreicht, und im Osten den Parallelfluss zur Piave, die Livenza, überschritten.[30] Bis zum 4. November waren große Teile Friauls und des Trentinos in italienischer Hand.[30] Auf Seite Italiens waren 5.800 Tote und 26.000 Verletzte zu verzeichnen. Auf österreich-ungarischer Seite wurden 35.000 Tote, 100.000 Verletzte und 300.000 Gefangene gezählt.

Mit der Schlacht am Piave „errang Italien einen unvergleichlichen und grandiosen Sieg“ (Benito Mussolini[31]). Zur Feier des Sieges komponierte Ermete Giovanni Gaeta das Piavelied (La Canzone del Piave), das in den Jahren 1946-1948 sogar als Nationalhymne der jungen italienischen Republik fungierte.

Andere schätzten das Ausmaß dieses italienischen Sieges kritischer ein. Der Publizist Giuseppe Prezzolini, der die Schlacht als Augenzeuge erlebte war der Meinung: „Vittorio Veneto ist kein militärischer Sieg gewesen, aus dem einfachen Grunde, weil es eine Schlacht geben muss, damit man einen Sieg erlangen kann, und damit es eine Schlacht gibt, muss ein Feind da sein, der sich schlägt. Nun gab es in Vittorio Veneto aber einen Feind, der sich zurückzog. Vittorio Veneto war ein Rückzug, den wir in Unordnung und Konfusion gestürzt haben; nicht eine Schlacht, die wir gewonnen haben.“[32]

Beteiligte Verbände bei der Schlacht von Vittorio Veneto
Italien 51 Divisionen
Frankreich 2 Divisionen
Großbritannien 3 Divisionen
Tschechen 1 Division
USA 1 Infanterie Regiment
Österreich-Ungarn 18 Divisionen 1. Kategorie
14 Divisionen 2. Kategorie

Waffenstillstand

General Viktor Weber von Webenau

Nach der Schlacht von Vittorio Veneto leitete General Viktor Weber Edler von Webenau im Auftrag des AOK. die österreichisch-ungarische Waffenstillstandskommission, die mit den Italienern den Waffenstillstand aushandeln sollte. Die bereits Anfang Oktober (!) gebildete Kommission bezog am 28. Oktober 1918 in Trient ihr Hauptquartier.

Der folgende Waffenstillstand von Villa Giusti bei Padua, der am 3. November 1918 unterzeichnet wurde und am 4. November in Kraft treten sollte, umfasste die bedingungslose Kapitulation und war nicht Gegenstand von Verhandlungen, sondern wurde namens der Entente vom italienischen Delegationsleiter, Pietro Badoglio, diktiert. Unter anderem wurden die Vertreter Österreichs und Ungarns gezwungen, der Räumung Tirols bis an die Brenner- und Reschenscheidecklinie zuzustimmen, die komplette Kriegsflotte auszuliefern und den alliierten Truppen Bewegungsfreiheit im besiegten Land zu geben. Die Ablehnung des Unterwerfungsdiktats hätte weitaus schlimmere Folgen gehabt als die Annahme.

Auf Grund der Entscheidungsschwäche von Kaiser Karl I. (der den deutschösterreichischen Staatsrat unbedingt in die Entscheidung einbinden wollte, von diesem aber nach langem Warten nur eine kommentarlose Kenntnisnahme des Vorgangs erreichte) entstanden in der Befehlskette Unklarheiten darüber, ob der Waffenstillstand bereits abgeschlossen sei und wann er in Kraft treten würde. (Längst kampfunwillige Truppenteile mochten auch der Meinung sein, der Vertrag würde bei Abschluss sofort wirksam.) Jedenfalls wurde den österreichischen Truppen teilweise bis zu 36 Stunden vor dem offiziellen Termin erlaubt, die Waffen niederzulegen, was dazu führte, dass die Italiener rund 350.000 völlig überraschte österreichisch-ungarische Soldaten ohne Gegenwehr gefangennehmen konnten. Die katastrophalen Zustände in den Kriegsgefangenenlagern kostete danach viele das Leben.

Italien konnte daher kampflos jene Gebiete besetzen, die ihm von der Entente im Londoner Vertrag (1915) zugesprochen worden waren. Darüber hinaus stießen italienische Truppen bis nach Innsbruck vor, von wo sie erst 1924 abzogen.

Nur die Isonzo-Armee und Teile der Hochgebirgstruppen konnten sich erfolgreich zurückzuziehen und dadurch zum größten Teil der Gefangennahme entgehen.

Der Rückzug der Besiegten erfolgte teils in noch geordneten Verbänden, teils individuell. Einheiten, die deutschösterreichisches Gebiet noch in guter Ordnung erreicht hatten, lösten sich hier aber zumeist dadurch auf, dass viele deutschösterreichische Soldaten die Heimkehrerzüge einfach verließen, sobald sie die weitere Heimreise an ihren Wohnort allein schneller zu bewältigen glaubten. Anders verhielten sich durch Deutschösterreich transferierte ungarische und tschechische Einheiten; sie wussten, dass sie zuhause als Soldaten erwartet wurden. Auf dem Heimweg fühlten sich besonders die Tschechen bereits als zu den Siegern gehörig und ließen das die Österreicher spüren. Das reichte bis zu Schießereien mit deutschösterreichischen Truppen auf dem Wiener Westbahnhof. In der Heimat wurden diese Truppen sofort zur Aufstellung eigener Truppen verwendet und teilweise, wie im Grenzgebiet zwischen Kärnten und Slowenien, unverzüglich gegen Deutschösterreich eingesetzt, um Gebietsansprüche zu sichern.

Verluste

Bei einem Gesamtmobilstand von etwa 8.000.000 Mann sind 1.016.200 Mann gefallen oder umgekommen (eingeschlossen etwa 30.000 Mann die Lawinenunglücken oder sonstigen widrigen Witterungsverhältnissen des Hochgebirges zum Opfer gefallen sind), 1.943.000 Mann wurden verwundet und 1.691.000 gerieten in Gefangenschaft. Die prozentualen Verluste betrugen beim Offizierskorps 13,5 %, bei den Mannschaften und Unteroffizieren 9,8 %. Schätzungsweise 30.000 ehemalige Soldaten sind nach 1918 als Zivilpersonen an den im Krieg erlittenen Verwundungen oder Strapazen gestorben.

Fazit

Im klassischen militärischen Sinne war die österreichisch-ungarische Armee bis zum Kriegsende nicht geschlagen worden. Mit den Verbündeten zusammen hielt man riesige Gebiete feindlichen Territoriums besetzt und setzte sich noch immer erfolgreich zur Wehr. Was letztendlich zum Zusammenbruch führte, war die katastrophale Versorgungslage, nicht nur für die Truppe, sondern auch für die Zivilbevölkerung, die (von außen geschürten)[33] politischen Auflösungserscheinungen in den Kronländern sowie die Aussichtslosigkeit angesichts der immer stärker werdenden Präsenz der Vereinigten Staaten von Amerika. Oftmals wurden von den Verbündeten strategische Fehlentscheidungen getroffen, so die nahezu gleichzeitige Offensive vor Verdun und die Südtiroloffensive die beide ohne Erfolg waren, unnötige und unwiederbringliche Personalverluste zur Folge und zweifelsohne Auswirkungen auf den weiteren Kriegsverlauf hatten. (Auch bei den Alliierten gab es diese Fehlentscheidungen, die personellen und materiellen Ressourcen standen hier jedoch auf einem ganz anderen Blatt.)[34]

Im Einzelnen behielten die österreichisch-ungarischen Truppen mit ihren Verbündeten im Oktober 1918 besetzt:

  • Fast das ganze heutige Polen, einen Teil von Weißrussland und der Ukraine mit einer Fläche von etwa 700.000 km² und rund 40 Millionen Bewohnern.
  • Das damalige Königreich Rumänien mit einer Fläche von 130.000 km² und rund 10 Millionen Bewohnern
  • Serbien, Montenegro und Albanien mit einer Fläche von 150.000 km² und 7 Millionen Bewohnern
  • Das Friaul und große Teile von Venetien mit einer Fläche von 15.000 km² und etwa 2 Millionen Bewohnern.[35]

Museale Rezeption

Die Geschichte der k.u.k. Armee im Ersten Weltkrieg ist im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum im Detail dargestellt. Eine Reihe von Vitrinen beinhalten die Uniformen, Bewaffnung und Ausrüstung[36] aller kriegsteilnehmenden Mächte, wie die österreichische Infanterie, gefolgt von der Kavallerie; anschließend u. a. Deutsches Reich, Russisches Reich und Königreich Italien. Breiten Raum nimmt auch der Gebirgskrieg 1915-1918 ein. Ein besonderes Stück dabei ist jene 7 cm-Gebirgskanone M 1899, welche in der Gipfelzone des Ortler auf 3850 Meter in Stellung ging und somit die höchste Geschützstellung Europas bildete. An der rechten Seite des Raumes findet sich eine größere Auswahl an Gemälden von Kriegsmalern, die während des Krieges im k.u.k. Kriegspressequartier dienten und ihre Eindrücke bildlich festhielten. Ein weiterer Raum wird von der schweren Artillerie dominiert. Im Zentrum steht eine österreichische Haubitze M 1916 mit einem Kaliber von 38 cm, die Geschosse mit einem Gewicht von 700 kg über 15 km weit verschießen konnte. Besonders bemerkenswert ist auch das Schul- und Aufklärungsflugzeug Albatros B.II, eines von 5.200 Flugzeugen, welches Armee und k.u.k. Kriegsmarine im Ersten Weltkrieg im Einsatz hatten. In einer langen Vitrine werden die Neuerungen in Waffentechnologie und Ausrüstung ab dem Jahr 1916 gezeigt, darunter auch der erste österreichische Stahlhelm, der nach deutschem Muster gefertigt wurde. In weiterer Folge sind eine große Gruppe an größeren und kleineren Artilleriegeschützen aufgestellt.[37]

Literatur

  • Österreichischen Bundesministerium für Heereswesen und Kriegsarchiv. Unter der Leitung von Edmund Glaise-Horstenau (Hrsg): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Band I – VII. Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen, Wien 1930–39.
  • L'esercito italiano nella grande guerra (1915–1918). Volume I–III. Ministero della Guerra – Ufficio Storico, Roma 1929–1974.
  • Johann Christoph Allmayer-Beck, Erich Lessing: Die K.(u.)K.-Armee. 1848–1914. Bertelsmann, München u. a. 1974, ISBN 3-570-07287-8.
  • Exerzierreglement für die k.u.k. Fußtruppen. Wien 1911.
  • Anton Holzer: Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914–1918. Mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Fotografien. Primus Verlag, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-89678-375-2.
  • Heinz von Lichem: Der einsame Krieg. Erste Gesamtdokumentation des Gebirgskrieges 1915–1918 von den Julischen Alpen bis zum Stilfser Joch. 2. Auflage. Athesia Verlag, Bozen 1981, ISBN 88-7014-174-8.
  • Heinz von Lichem: Der Tiroler Hochgebirgskrieg 1915–1918 im Luftbild. Die altösterreichische Luftwaffe. Steiger Verlag, Innsbruck 1989, ISBN 3-85423-052-4.
  • Heinz von Lichem: Mit Spielhahnstoß und Edelweiß. Leopold Stocker Verlag, Graz 1977, ISBN 3-7020-0260-X.
  • Hans Magenschab: Der Krieg der Großväter 1914–1918. Die Vergessenen einer grossen Armee. Verlag der österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1988, ISBN 3-7046-0115-5 (formal falsche ISBN).
  • Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers. Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg. Styria, Graz u. a. 1993, ISBN 3-222-12116-8.
  • Stefan Rest, M. Christian Ortner, Thomas Ilming: Des Kaisers Rock im Ersten Weltkrieg. Uniformierung und Ausrüstung der Österreichisch-Ungarischen Armee von 1914 bis 1918. Verlag Militaria, Wien 2002, ISBN 3-9501642-0-0.
  • Walther Schaumann: Vom Ortler bis zur Adria die Südwest-Front 1915–1918 in Bildern. Verlag Mayer, Wien 1993, ISBN 3-901025-20-0.
  • Viktor Schemfil: Die Kämpfe am Monte Piano und im Cristallo-Gebiet (Südtiroler Dolomiten) 1915–1917. Verfasst auf Grund österreichischer Kriegsakten, Schilderungen von Mitkämpfern und italienischer kriegsgeschichtlicher Werke. 2. Auflage. Universitätsverlag Innsbruck, Innsbruck 1984, ISBN 3-7030-0145-3, (Schlern-Schriften 273).
  • Viktor Schemfil: Die Pasubio Kämpfe 1916–1918. Genaue Geschichte des Ringens um einer der wichtigsten Stützpfeiler der Tiroler Verteidigungsfront. Verfasst auf Grund österreichischer Feldakten und italienischer kriegsgeschichtlicher Werke. Buchdienst Südtirol, Nürnberg 1984, ISBN 3-923995-03-2.
  • Robert Striffler: Der Minenkrieg in Ladinien. Col di Lana, 1915–1916. Buchdienst Südtirol, Nürnberg 1996, ISBN 3-923995-11-3 (Schriftenreihe zur Zeitgeschichte Tirols 10).
  • Michael Wachtler, Gunter Obwegs: Dolomiten. Krieg in den Bergen. 3. Auflage. Athesia Verlag, Bozen 2003, ISBN 88-872-7242-5.
  • Michael Wachtler, Paolo Giacomel, Gunter Obwegs: Dolomiten. Krieg, Tod und Leid. Athesia Verlag, Bozen 2004, ISBN 88-872-7264-6.
  • Fritz Weber Das Ende der Armee Steyrermühl-Verlag Leipzig-Wien-Berlin 1933
  • Gian Luigi Gatti: Dopo Caporetto – Gli ufficiali P nella Grande guerra: propaganda, assistenza, vigilanza. Libreria Editrice Goriziana [Leguerre], 2000
  • Mario Silvestri: Riflessioni sulla Grande Guerra. Editori Laterza [Quadrante], 1991
  • Luciano Tosi: La propaganda italiana all’estero nella prima guerra mondiale – Rivendicazioni territoriali e politica delle nazionalità. Del Bianco Editore [Civiltà del Risorgimento], 1977
  • Paul Fussel: La Grande Guerra e la memoria moderna. Società Editrice il Mulino [Biblioteca Storica], 1975
  • Elisa Fabbi: La propaganda italiana durante la prima guerra mondiale. Liceo classico statale (Dante Alighieri) Gorizia 2004

Weblinks

 Commons: Österreich-Ungarns Militäruniformen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Österreich-Ungarns Militäruniformen in Details – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. Als Beispiel für diese Einstellung sei die Verordnung von 1915 genannt, nach der alle Regiments-Ehrennamen und Zusatzbezeichnungen zukünftig zu entfallen haben und die Verbände nur noch mit ihrer Stammnummer bezeichnet werden dürften – jedoch seien „zuerst alle vorhandenen Stempel und Formulare aufzubrauchen [sic!]“.
  2. Günther Kronenbitter: „Krieg im Frieden“. Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906−1914. Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56700-4, S. 22.
  3. auch wenn es hier keine Pioniere und keinen Train gab.
  4. Glaise-Horstenau, Österreich-Ungarns letzter Krieg, Bd. I, S. 28 ff.
  5. Wolfgang Joly, Standschützen, Schlern-Schriften, Innsbruck 1998 S. 269
  6. Wolfgang Joly, Standschützen, Schlern-Schriften, Innsbruck 1998 S. 493
  7. Alistair Horne, Des Ruhmes Lohn, Bastei, Lübbe 1980, S. 25
  8. Erzherzog Friedrich in einem Glückwunschschreiben zum 84. Geburtstag des Kaisers am 18. August 1914, in: amtliche Tageszeitung Wiener Zeitung, Nr. 197 vom 21. August 1914, S. 1
  9. Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Kaiserjäger, Stocker Verlag, Graz 1977, S. 40
  10. Max von Hoen: Jaroslawice 1914 Amalthea Verlag, Wien 1929, S. 95 ff.
  11. Das Lächeln der Henker: Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung (ORF)
  12. a b Anton Holzer: Das Lächeln der Henker (Spiegel-Online)
  13. Auf russischer Seite wurde aus ebensolchen Deserteuren oder aus der Gefangenschaft übergelaufenen k.u.k. Soldaten eine Tschechische Legion gebildet, die gegen die eigenen Landsleute kämpfte.
  14. Ruhephase
  15. Luis Trenker: Sperrfort Rocca Alta. Meine Zeit 1914 - 1918. Josef Berg Verlag, München 1977, S. 73 ff.
  16. Wolfgang Joly: Standschützen. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1998, S. 16-25 und 42-73
  17. Fortunato Turrini Hrsg. La Guerra sulle porta Pejo 1998, S. 17-18 und Heinz von Lichem Krieg in den Alpen Bd. 1 Athesia Bozen 1993 S. 10 - 11
  18. C.H. Baer, Die Kämpfe um Südtirol und Kärnten, S. 58
  19. Elisabeth Petru: Patriotismus und Kriegsbild der deutschsprachigen Bevölkerung Österreich-Ungarns 1914-1918. Ungedr. Diplomarb, Wien 1988, S. 69-70
  20. Rudolf Jerábek: Die Brussilowoffensive 1916. Ein Wendepunkt der Koalitionskriegsführung der Mittelmächte. Ungedr. Diss, Wien 1982, S. 538 und 597 und Robert A. Kann: Zur Problematik der Nationalitätenfrage in der Habsburgermonarchie 1848-1918. In: Adam Wandruszka, Walter Urbanitsch (Hrsg.): Die Habsburgermonarchie 1848-1918 Band 3: Die Völker des Reiches, 2. Teilband, Wien 1980, S. 1304-1338, ISBN 3-7001-0217-8, S. 1335
  21. Rest-Ortner-Ilmig Des Kaisers Rock im 1. Weltkrieg Wien 2002 S. 13
  22. Rest-Ortner-Ilmig Des Kaisers Rock im 1. Weltkrieg Wien 2002 S. 16
  23. In Deutschland „Zeltbahn“ genannt
  24. Rest-Ortner-Ilmig: Des Kaisers Rock im Ersten Weltkrieg. Verlag Militaria, Wien 2002, S. 32
  25. Vasja Klavora; Monte San Gabriele. Verlag Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt 1998, S. 139 ff.
  26. Manfried Rauchensteiner: Streitkräfte (Österreich-Ungarn). In: Gerhard Hirschfeld (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn/Wien 2008, ISBN 978-3-8252-8396-4, S. 896–900.
  27. Jan F. Triska: Im Krieg am Isonzo. Aus dem Tagebuch eines Frontsoldaten. Verlag Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt 2000, ISBN 3-85013-687-6, S. 177 ff.
  28. aus diesen konnte bereits ein Verband in Divisionsstärke aufgestellt werden
  29. Heinz von Lichem: Spielhahnstoß und Edelweiß Stocker Verlag, Graz 1977, S. 247
  30. a b vgl. US-Karte zur Schlacht
  31. Aus einer Rede Mussolinis vor dem Siegesdenkmal in Bozen am 4. November 1930 aus: Giancarlo Taretti: Benito Mussolini - Duce del Fascismo, Roma 1937, S. 188
  32. Giuseppe Prezzolini, Vittorio Veneto. Rom, La Voce. 1920, S. 34.
  33. Z. B. durch die Tschechische Exilregierung, oder die italienische Irredenta
  34. Z. B. die Aktivitäten des als „Blutsäufer“ oder auch „der Metzger“ bekannten franz. General Mangin vor Verdun
  35. Hans Magenschab: Der Krieg der Großväter 1914–1918. Die Vergessenen einer großen Armee. Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1988, S. 212.
  36. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume, Salzburg 1981, S. 33-35.
  37. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 64-71.