Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft

Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft
ÖGNI-Logo
Gründer Initiatoren: Gunther Maier, Philipp Kaufmann; Offizielle Gründung durch insgesamt 125 Gründungsmitglieder[1]
Typ Verein (ZVR 017278102)
Gründung 29. September 2009
Sitz Wien
Personen

Vorstand: Philipp Kaufmann (Präsident), Karl Friedl (Vize-Präsident); Geschäftsstelle: Ines Reiter

Aktionsraum International und National (Österreich)
Mitglieder 250 (Stand Dezember 2011)[2]
Website www.ogni.at

Die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) ist eine Nichtregierungs- und Non-Profit-Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wege und Lösungen für nachhaltiges Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken in Österreich zu entwickeln und zu fördern. Dadurch soll ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Erreichung von Emissionszielen geleistet werden.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Zertifizierung von nachhaltigen Gebäuden mit einem Gütesiegel in den Qualitätsstufen Gold, Silber und Bronze, sowie die Etablierung von CSR Standards.[3]

Die ÖGNI agiert in Österreich unter dem Dachverband des World Green Building Council (WorldGBC) und führt international die englische Bezeichnung Austrian Green Building Council. Die Gesellschaft wurde 2009 gegründet und besteht in der Rechtsform eines Vereins.

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) wurde von dem Wirtschaftswissenschaftler Dr. Gunther Maier (ao. Univ.-Prof. an der Wirtschaftsuniversität Wien) und dem Immobilienfachmann Mag. Philipp Kaufmann initiiert und ist seit April 2009 aktiv. Am 4. Mai 2009 gründeten die beiden Initiatoren den „Vorverein“ mit Sitz in Wien. Die Vereinigung unterhält eine Geschäftsstelle, die zunächst in Kooperation mit der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) in Wien eingerichtet wurde, und die sich seit Mai 2009 in Linz befindet. Der Verein wurde gemäß dem österreichischen Vereinsgesetz in das zentrale Vereinsregister (ZVR) beim Bundesministerium für Inneres eingetragen, die sogenannte ZVR-Zahl lautet 017278102.[4]

Logo der DGNB, mit der die ÖGNI kooperiert.

Die ÖGNI schloss im Juni 2009 auf der Fachmesse Consense 2009 in Stuttgart mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) einen Kooperationsvertrag ab. Dabei wurde insbesondere vereinbart, dass die ÖGNI das in Deutschland verbreitete Gebäudezertifizierungssystem der DGNB für Österreich übernehmen und anpassen kann. Außerdem wurde die gemeinsame Entwicklung eines europäischen Zertifizierungssystems vereinbart, der Zugang zur Mitarbeit steht allen ÖGNI-Mitgliedern offen.[4]

Mit ihrer Entscheidung für ein international verbreitetes Gütesiegel grenzte sich die ÖGNI gleichzeitig von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB ab, die im Jänner 2009 gegründet wurde und bereits vorher ein eigenes österreichisches Gebäudebewertungssystem entwickelt hat. TQB als Bewertungssystem der ÖGNB existiert seit dem Jahr 2002. Von seiten der ÖGNB wurden die Gründungsvertreter der ÖGNI zur Kooperation eingeladen, eine gemeinsame Lösung kam aber wegen unterschiedlicher Auffassungen im Bereich der Internationalisierung nicht zustande. Die Vertreter der ÖGNI wollten im Unterschied zum bereits in Österreich vorhandenen System das für Deutschland entwickelte System der DGNB in Österreich etablieren und dabei vor allem auch das kostenpflichtige Bewertungssystem der DGNB benutzen. Inzwischen wurde die ÖGNI-Entscheidung für die Adaptierung des deutschen DGNB-Systems und dessen internationale Weiterentwicklung von Teilen der österreichischen Immobilienbranche begrüßt, wie zum Beispiel von den ÖGNI-Gründungsmitgliedern Wolfgang Hesoun (Generaldirektor des Baukonzerns Porr AG) und Wolfhard Fromwald (Vorstand der CA Immo) sowie auch von Erich Schöfbeck, Projektleiter der neuen Unternehmenszentrale Siemens City von Siemens Österreich in Wien.[5][6][7]

Die offizielle Gründung und Wahl des ersten Vorstands (→ siehe auch Abschnitt Präsidium, Geschäftsstelle) erfolgten im September 2009 durch insgesamt 125 Gründungsmitglieder. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Personen, Institutionen und Unternehmen, die aus der österreichischen Bau- und Immobilienwirtschaft sowie aus Forschung und Wissenschaft kommen.[1]

Anfang 2010 wurde die ÖGNI Mitglied im World Green Building Council (WorldGBC) – der globalen Organisation von Einrichtungen und Gremien, die sich für nachhaltiges Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken – für Green Buildings – einsetzen.[8]

Leitbild und Ziele

Die ÖGNI arbeitet nicht gewinnorientiert und will mit einer möglichst breiten Verankerung in der Baubranche und Immobilienwirtschaft das Thema „Nachhaltiges Bauen und Bewirtschaften“ in Österreich entwickeln und fördern. Die Vereinigung trägt und vergibt ein Zertifikat für Immobilien, mit dem die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien gegenüber Gebäudeeigentümern und –nutzern sowie der Öffentlichkeit ausgewiesen und zertifiziert wird. Das Zertifizierungssystem baut auf dem System der DGNB auf und nimmt bestehende österreichische Rahmenbedingungen auf, es ist an die Ansprüche an Qualität, Zielsetzungen und die Möglichkeiten der Nutzer angepasst.[5]

Der Verein schafft die Rahmenbedingungen für eine inhaltliche Etablierung des Gedankens der Nachhaltigkeit bei allen Stakeholdern in Österreich und unternimmt alle hierzu notwendigen Aktivitäten, um dies umzusetzen. Bei der Umsetzung verfolgt die ÖGNI drei zentrale Leitgedanken:

  • Die Etablierung eines europäischen Systems für Gebäudezertifizierung.
  • Ein Zertifizierungssystem „aus der Branche für die Branche“.
  • Nutzung der vorhandenen Marktkräfte.

Das Ziel nachhaltiger Immobilien ist es, umweltschonende, Ressourcen sparende sowie wirtschaftliche und soziale Lebensräume zu schaffen, welche sich auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Nutzer positiv auswirken.

ÖGNI handelt dabei nach dem 3-P- Ansatz, der nachhaltige Produkte wie Immobilien (Blue Buildings) und Baustoffe ebenso wie die Prozesse in den Bau- und Immobilienunternehmen und die handelnden Personen beinhaltet und somit ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept darstellt.[9]

Aktivitäten

Die ÖGNI begann 2009 mit der Adaptierung des DGNB-Gebäudezertifierungssystems, wobei die Abstimmungen von dem dafür zuständigen ÖGNI-Fachausschuss unter Leitung von Prof. Peter Maydl (Technische Universität Graz) und unter Einbindung der Mitglieder erfolgten und erfolgen (→ siehe auch Abschnitt Fachausschuss, Beiräte, Ausbildungsprogramm). Die Übernahme der Systemvariante Büro- und Verwaltungsgebäude wurde im Herbst 2009 abgeschlossen und bei ersten Pilotprojekten erprobt. Der Fachausschuss setzte seine Arbeit mit der Adaptierung weiterer Systemvarianten fort, wie beispielsweise für Handelsbauten.[5]

Anfang 2010 verlieh die ÖGNI ihr erstes Vorzertifikat an ein Gebäude in Kanada. Bei dem ausgezeichneten Gebäude handelt es sich um das eigens für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver errichtete „Österreich-Haus“, ein zweigeschossiger Holzmassivbau in Passivhausbauweise.[10][11][12] Im März 2010 veranstaltete der Verein die erste Fachtagung „Build2gether – Tag des Nachhaltigen Bauens“ in der FH Oberösterreich in Wels. Inhaltliche Schwerpunkte der Veranstaltung waren LCA – Life Cycle Assessment und LCC – Life Cycle Costing.[13] Die erste Zertifizierung gemäß der Systemvariante für Handelsbauten nahm die ÖGNI für einen SPAR-Supermarkt im steiermärkischen Sankt Egidi vor, der in Passivhausbauweise konzipiert und mit dessen Bau im Mai 2010 begonnen wurde.[14]

Das erste „Gold“-Zertifikat der ÖGNI wurde dem Power Tower in Linz verliehen.

Im Mai 2010 war die ÖGNI als Fachverband an der Messe Real Vienna in der Messe Wien beteiligt. Sie informierte auf einem eigenen Messestand unter anderem über „Green Building Aktivitäten und Green Building Coucils in Mittel- und Osteuropa“. Außerdem organisierte die ÖGNI die erste „Green & Blue Building Conference“ (GBB), die als „Tag des nachhaltigen Bauens und Bewirtschaftens“ den dritten Messetag prägte.[15]

Im Rahmen des „Top-Executive-Evenings“ anlässlich der Messe im Wiener Rathaus verlieh die ÖGNI erstmals Zertifikate für nachhaltige Immobilienprojekte in Österreich. Dazu gehörten unter anderem der Power Tower, das weltweit erste Bürohochhaus mit Passivhauscharakter und neue Konzernzentrale der Energie AG Oberösterreich in Linz, sowie die Bürokomplexe Biz Zwei und Rund Vier im neuen Bürobauten-Areal Viertel Zwei, das sich in der Nähe des Praters in Wien-Leopoldstadt befindet.[15][16][17][18]

Im Juni 2010 beteiligte sich die ÖGNI an der Consense 2010, internationaler Kongress und Fachmesse für Nachhaltiges Bauen in Stuttgart. Im Rahmen einer der Vereinsfunktionen, „innovative Hersteller mit Architekten, Bauherren und Projektentwicklern zusammenzuführen“, wurde gemeinsam mit der Außenhandelsstelle München der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) der „Austria Showcase“ präsentiert. Vertreten waren drei Hersteller aus Österreich, die Unternehmen TECHNOpor (Hersteller von Leichtbau- und Dämmstoffen aus Glasschaum-Granulat), ertex-solar (Photovoltaik-Technologie, Europäischer Umweltpreis 2008) und Walch Fenster (red dot design award 2007 und 2009).[2]

Die ÖGNI wirkte bei der Entwicklung eines 2-semestrigen postgradualen Universitätslehrgangs „Nachhaltiges Bauen“ mit, der von der Technischen Universität Graz und der TU Wien gemeinsam eingerichtet wurde, erstmals beginnend im Oktober 2010. Bestandteil des Lehrgangs ist auch die Ausbildung zum ÖGNI-Auditor, die mit der mündlichen Prüfung zum Auditor durch die ÖGNI abschließt.[19][20]

Organisation

Mitglieder, Mitgliederversammlung

Mitglieder sind Architekten, Ingenieure, Bauunternehmen und Bauausführende, Hersteller von Bauprodukten, Investoren, Bauherren, Eigentümer, Projektsteuerer, Betreiber, Ver- und Entsorgungsunternehmen, Mitglieder der Öffentlichen Hand und NGOs, Vertreter aus Wissenschaft und Prüfinstituten. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem die Personen Prof. Peter Maydl (TU Graz), Prof. Werner Sobek (Universität Stuttgart) und Prof. Martin Treberspurg (Universität für Bodenkultur Wien); zu den Mitgliedsgesellschaften gehören u. a. die Konzerne Immofinanz, Porr AG, Spar Österreichische Warenhandels-AG und Strabag, die Hersteller Hansgrohe, Rheinzink Austria, Sto und Xella, die Unternehmen CA Immo, Drees & Sommer, Fair Energy, IC Projektentwicklung, Immofinanz, Real-Treuhand Immobilien und Signa Holding, sowie die Institutionen AFI Aluminium-Fenster-Institut, bbi Baubiologisches Institut und Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Fakultät für Bauingenieurwissenschaften.[1]

Die ÖGNI hat gegenwärtig nach eigenen Angaben mehr als 250 Mitglieder (Stand Juni 2010).[2]

Mindestens einmal im Jahr kommen die Mitglieder zur Mitgliederversammlung zusammen, in der sie ihr Mitbestimmungsrecht ausüben. Dazu gehören insbesondere die Wahl des Präsidiums, welches vereinsrechtlich dem Vorstand entspricht, sowie die Verabschiedung des Haushaltplans und etwaige Satzungsänderungen.

Präsidium, Geschäftsstelle

Das von den Mitgliedern der ÖGNI gewählte Präsidium repräsentiert die Gesellschaft nach Außen und vertritt die Meinungen und Interessen gegenüber Dritten. Die Präsidiumsmitglieder unterstützen und beaufsichtigen unterschiedliche Fachthemen innerhalb der ÖGNI. Das Präsidium ist zuständig für die Aufstellung von Ausschüssen und Beiräten sowie für die Berufung und Abberufung bzw. Benennung von deren Mitgliedern. Es bereitet mit Unterstützung der Geschäftsstelle die Mitgliederversammlung vor und setzt die dort gefällten Beschlüsse um. Außerdem ist es für alle üblichen Vorstandsaufgaben zuständig, wie Aufstellung, Prüfung und Veranlassung des Haushaltsetats und der Geschäftsberichte sowie Berufung und Abberufung und Kontrolle der Geschäftsführung.

Die Geschäftsstelle in Linz organisiert alle operativen Tätigkeiten der ÖGNI und unterstützt das Präsidium bei der Betreuung der Mitglieder und bei der Vorbereitung und Durchführung der Mitgliederversammlung. Außerdem unterstützt die Geschäftsstelle die Ausschüsse und Beiräte bei deren Tätigkeiten.

Von der Mitgliederversammlung gewählte Vorsitzende des Präsidiums sind:

  • September 2009 – September 2011: Philipp Kaufmann (Präsident), Michael Griesmayr (Vize-Präsident)

Fachausschuss, Beiräte, Ausbildungsprogramm

Der ÖGNI-Fachausschuss ist in der Vereinsorganisation für die inhaltliche Adaptierung des DGNB-Zertifizierungssystems nach Österreich verantwortlich. Er wird vom Präsidium ernannt und mit fünf Personen besetzt, wozu ein Vertreter des DGNB gehört. Vorstands- und Fachausschussmitgliedschaft schließen einander aus. Den Vorsitz des Fachausschusses hat Prof. Peter Maydl inne, Leiter des Instituts für Materialprüfung und Baustofftechnologie an der TU Graz. Vertreter des DGNB im Fachausschuss ist Dr.-Ing. Wolfram Trinius, der mit seinem Hamburger Ingenieurbüro in der Normungsarbeit auf europäischer Ebene aktiv sowie Co-Initiator der DGNB ist.

Mit der Einrichtung von verschiedenen Beiräten will die ÖGNI namhafte Persönlichkeiten der Bau- und Immobilienwirtschaft in die Vereinsaktivitäten integrieren. Dabei sollen unter anderem die Themenfelder Wirtschaft, Recht und Technik abgedeckt und so entsprechende Sachkunde für die Arbeit des Vereins gewonnen werden.

Der Ausbildungs- und Akkreditierungsausschuss organisiert die Ausbildung der unabhängigen Auditoren für die Zertifizierung (→ siehe auch Abschnitt Zertifizierungssystem) und führt die Akkreditierung von Ausbildungsinstituten durch. Das Auditorenverzeichnis der ÖGNI umfasst gegenwärtig 105 Personen, die von ihr als Auditoren für das adaptierte DGNB-Gebäudezertifierungssystem nach Ablegung einer Konformitätsprüfung anerkannt wurden (Stand August 2010).[21]

Zertifizierungssystem

Zielsetzung und Methodik

Eine der Hauptaufgaben der ÖGNI ist die Vergabe des Zertifikats für nachhaltige Gebäude. Damit werden Bauten ausgezeichnet, die umweltfreundlich, ressourcenschonend, funktional und behaglich sind und sich in ihr sozio-kulturelles Umfeld integrieren. Als Instrument zur Planung und Bewertung von Gebäuden dient das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen, das von der DGNB entwickelt wurde und das auf der Idee einer integralen Planung basiert. Die Grundlage des Systems wurde am Bauwerkstyp „Neubau, Büro und Verwaltung“ konzipiert. Weitere Systemvarianten für diverse Bauwerkstypen wurden und werden auf dieser Basis entwickelt. Die Bewertung der jeweiligen Qualität von Gebäuden erfolgt nach einzelnen Kriterien, die in sechs Themenfeldern zusammengefasst sind:[22]

  • Ökologische Qualität (mit 15 Kriterien)
  • Ökonomische Qualität (mit 2 Kriterien)
  • Soziokulturelle und funktionale Qualität (mit 15 Kriterien)
  • Technische Qualität (mit 5 Kriterien)
  • Prozessqualität (mit 9 Kriterien)
  • Standortqualität (mit 6 Kriterien)

Die Standortqualität fließt nicht in die Gesamtbetrachtung der Gebäudequalität mit ein, da jedes Objekt ortsunabhängig bewertet wird.[22]

Bewertung, Auditoren, Auszeichnung

Die Themenfelder werden in der Gesamtbetrachtung des Gebäudes je nach Bedeutung gewichtet. Beispielsweise geht beim Gütesiegel für „Neubau Büro und Verwaltung“ die ökonomische Qualität im gleichen Umfang in die Bewertung ein, wie die ökologische Qualität – zu je 22,5 Prozent. Jedes Themenfeld ist in mehrere Kriterien aufgegliedert, unter anderem werden zum Beispiel der Energiebedarf, die akustische Qualität oder der Flächenverbrauch untersucht. Für jedes Kriterium werden messbare Zielwerte definiert und dabei maximal 10 Punkte vergeben, wobei die Messmethoden jeweils eindeutig vorgegeben sind.[22]

Jedes Kriterium fließt auf differenzierte Weise in die Gesamtbewertung ein. Eine softwaregestützte Berechnung zeigt die Performance des Gebäudes: Ab einem definierten Erfüllungsgrad erhält es Bronze, Silber oder Gold. Darüber hinaus werden sowohl für die Leistungsfähigkeit des Gebäudes insgesamt wie für die einzelnen Themenfelder Noten vergeben.[22]

Die ÖGNI führt die Zertifizierungen nicht selbst durch, sondern überlässt dies unabhängigen, von ihr anerkannten Auditoren. Der Auditor schließt einen Vertrag mit dem Auftraggeber und meldet das Projekt zur Zertifizierung bei der ÖGNI an, wobei unter anderem die anzuwendende Systemvariante abgestimmt wird. Das Ergebnis der Zertifizierung wird einer Konformitätsprüfung unterzogen, um gleichbleibende Standards sicherzustellen. Nach erfolgreicher Zertifizierung und Konformitätsprüfung wird von der ÖGNI das Zertifikat bzw. Vorzertifikat für das beurteilte Gebäude verliehen.[5]

Internationalisierung

Interesse an der internationalen Verbreitung des DGNB-Zertifizierungssystems besteht in mehreren Ländern. Der DGNB aus Deutschland gründete gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Österreich (ÖGNI), Bulgarien (Bulgarian Green Building Council – BGBC), China der Schweiz, Ungarn und Thailand ein International Board, zu dem noch weitere Ländervertretungen hinzukommen wollen. Die in diesem Partnerschaftsnetzwerk vertretenen Organisationen wollen das Gebäudebewertungssystem aus Deutschland an die jeweiligen länderspezifischen Vorschriften und Baustandards anpassen, um die unterschiedlichen klimatischen und baulichen Anforderungen zu berücksichtigen und so eine höhere Aussagekraft zu erreichen. Zudem ist der Dokumentationsaufwand geringer, weil Nachweise und erforderliche Daten lediglich im jeweiligen Land erbracht bzw. gesammelt werden müssen. Außerdem entfallen durch die länderspezifische Adaptierung sonst notwendige Übersetzungen, wie dies bei Verwendung des LEED-Systems aus den USA oder des BREEAM-Systems aus Großbritannien notwendig ist.[23][24][25]

Der ÖGNI-Präsident Philipp Kaufmann wurde mit dem Aufbau der organisatorischen Strukturen und der Weiterentwicklung des internationalen Netzwerkes betraut.[23][24]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c ÖGNI Gründungsmitglieder. Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), September 2009, abgerufen am 12. August 2010.
  2. a b c ÖGNI: zwei Jahre und kein bisschen leise. Austria Presse Agentur, 23. Juni 2010, abgerufen am 15. August 2010 (APA-OTS Pressemeldung der ÖGNI).
  3. http://www.ogni.at/de/verein/
  4. a b ÖGNI auf einen Blick. In: Etablierung der „Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft“ (ÖGNI). Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), Stand: August 2009, S. 3, abgerufen am 13. August 2010 (PDF-Datei).
  5. a b c d FAQ (Informationen über die ÖGNI). Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), abgerufen am 13. August 2010.
  6. Melanie Manner: Wettkampf der Gütesiegel. WirtschaftsBlatt, 15. Oktober 2009, abgerufen am 13. August 2010.
  7. ÖGNI: Unterstützung für „Nachhaltiges Bauen“. In: TGA Facility Management. Magazin TGA, Technische Gebäudeausrüstung, 2010, Ausgabe 2A, S. 7, abgerufen am 13. August 2010 (PDF-Datei).
  8. Austria Green Building Council. World Green Building Council (WGBC), abgerufen am 15. August 2010 (englisch).
  9. http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110930_OTS0132/oegni-zwei-jahre-und-kein-bisschen-leise-bild
  10. Österreich adaptiert DGNB Zertifikat. DETAIL .de, Zeitschrift für Architektur + Baudetail, Anfang 2010, abgerufen am 13. August 2010.
  11. „Österreich-Haus“ im kanadischen Vancouver erhält erstes DGNB-Vorzertifikat der ÖGNI. Oberösterreichische Nachrichten, Linz, 25. Februar 2010, abgerufen am 12. August 2010.
  12. APA-OTS Pressemeldung: Erste Fachtagung BUILD2GETHER in Wels. In: Messe Real Vienna. Reed Exhibitions Messe Wien, 24. März 2010, abgerufen am 13. August 2010.
  13. Bettina Oberrainer: Kein Spartyp in Sachen Klima. Kleine Zeitung, 3. Mai 2010, abgerufen am 14. August 2010.
  14. a b APA-OTS Pressemeldung: >Real Vienna< 2010 in der Messe Wien. Reed Exhibitions Messe Wien, 18. Mai 2010, abgerufen am 13. August 2010.
  15. BIZ Zwei als Pilotprojekt für neues Immobiliengütesiegel. bm baumagazin, 5. November 2009, abgerufen am 14. August 2010.
  16. Nachhaltiges Bauen: Lob an „Viertel Zwei“. medianet, Wien, 28. Mai 2010, abgerufen am 14. August 2010.
  17. Wojciech Czaja: Vier Kipferln und ihre Konkurrenzfähigkeit. Der Standard, Wien, 5./6. Juni 2010, abgerufen am 12. August 2010.
  18. Universitätslehrgang Nachhaltiges Bauen. In: Informationsbroschüre. TU Graz, TU Wien, Status 04/2010, abgerufen am 13. August 2010 (PDF-Datei).
  19. TU Graz und TU Wien starten gemeinsamen Universitätslehrgang für Nachhaltiges Bauen. oekonews.at, Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit, 25. Mai 2010, abgerufen am 12. August 2010.
  20. ÖGNI Auditoren. Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), abgerufen am 15. August 2010.
  21. a b c d Das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen. Aufbau – Anwendung – Kriterien. Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), 2. Auflage, 03/2009, abgerufen am 15. August 2010 (PDF-Datei).
  22. a b Rolf Mauer: DGNB: Wechsel der Geschäftsführung. AZ/Architekturzeitung, Stuttgart, abgerufen am 14. August 2010.
  23. a b DGNB: Personelle Veränderungen. Facility Management (Zeitschrift), 2010, abgerufen am 14. August 2010.
  24. Wojciech Czaja: Mit Pickerl ist das Haus gleich grüner. Der Standard, Wien, 8./9. Mai 2010, abgerufen am 14. August 2010.