Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung

Der Verein Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS) hat das Ziel der Vertiefung und Verbreitung der Erkenntnisse der Sexualforschung und ihre Randgebiete. Es ist ein interdisziplinärer, konfessioneller und parteipolitisch ungebundener und nicht auf Gewinn ausgerichteter Zusammenschluss österreichischer Expertinnen und Experten.

Inhaltsverzeichnis

Zusammensetzung und Wirken

Die Mitglieder sind in unterschiedlichen universitären und außeruniversitären Institutionen tätig und kommen unter anderem aus den Fachbereichen Sexualberatung und Sexualtherapie, Psychotherapie, Medizin, Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Rechtswissenschaften, Sozial- und Kulturwissenschaften, Theologie, Sozialarbeit und Pflegewissenschaften. Weiters gehören zu den Mitgliedern interessierte Politiker und engagierte sowie engagierten Menschen, denen eine emanzipatorische, angstabbauende und autonomiefördernde Sexualwissenschaft und Sexualerziehung wichtige Anliegen sind.

Gegründet wurde die ÖGS 1979 von Ernest Borneman und beruft sich auf die teilweise in Vergessenheit geratene sexualwissenschaftliche Tradition in Österreich.

Weitere Aufgabengebiete sind:

  • Forschungstätigkeit in den Bereichen der Beziehungs- und Sexualwissenschaften
  • Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Sexualberatung und Sexualtherapie
  • Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Sexualpädagogik
  • Förderung sexualwissenschaftlicher Forschungsinitiativen
  • Integration der Sexualwissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen
  • Aufnahme der sexualwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Ausbildungscurricula und Lehrpläne aller Schultypen
  • Aufklärung über die psychosexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
  • Sicherung und Förderung des Menschenrechts auf umfassende sexuelle Selbstbestimmung von Geburt an bis zum Tod
  • Förderung der sexuellen Entwicklung und Gesundheit – Salutogenese
  • Erforschung des Sexualverhaltens aufgrund der neuen Medien (Internet etc.)
  • Förderung einer ganzheitlichen Sicht von Sexualität und sexuellen Störungen z.B. Interaktion zwischen Sexualität und aktuellen oder frühen kindlichen Beziehungen
  • Öffentlichkeitsarbeit zum Abbau sexualfeindlicher Einstellungen
  • Bekämpfung sexueller Vorurteile
  • Bekämpfung von Vorurteilen und Diskriminierungen gegenüber Menschen, welche aufgrund ihrer Berufstätigkeit im Bereich Sexualität (SexarbeiterInnen) stigmatisiert, ausgegrenzt und benachteiligt werden
  • Vertretung und Unterstützung sexueller Minderheiten gegen Diskriminierung
  • Auftreten gegen jeder Art von sexuell begründeter Zensur und Beschränkung künstlerischer Freiheit mit Ausnahme sexueller Ausbeutung
  • Förderung und Unterstützung frauenspezifischer und emanzipatorischer Initiativen in Gesellschaft, Forschung und Bildung
  • Einsatz für Aufrechterhaltung sowie Liberalisierung der Möglichkeiten von Empfängnisverhütung und Geburtenregelung
  • Genderforschung
  • Sexologische Gutachten
  • ExpertInnentätigkeit in Politik, Gesellschaft, Medien etc.
  • Europäische und internationale Vernetzung auf dem Gebiet der Beziehungs- und Sexualforschung

Vorstand

  • Johannes Wahala (Präsident) Psychotherapeut, Coach, Supervisor, Theologe (Priester) und Pädagoge
  • Gerti Senger (Co-Präsidentin) Psychotherapeutin- Sexual und Paartherapeutin, Psychologin
  • Helmut Graupner (Co-Präsident) Rechtsanwalt
  • Elisabeth Cinatl (Generalsekretärin) Diplomsozialarbeiterin
  • Sabine Ziegelwanger (Generalsekretärin) Soziologin, Anglistin, Sexualpädagogin
  • Wolfgang Wilhelm (Finanzreferent) Lektor, Kommunikationswissenschafter, Supervisor, Coach, Mediator
  • Sebastian Pintzinger (Finanzreferent) Psychologe
  • Ramanie Ramalingam (Kooptiertes Mitglied für die ÖGS-West) Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, Lebens- und Sozialberaterin i.A.u.S.
  • Clemens Hammer (Kooptiertes Mitglied für den Fort- und Weiterbildungsausschuss) Mediziner, Psychotherapeut in Ausbildung, Sexualpädagoge bei der ÖGF und bei Lovetour
  • Dieter Schmutzer (Rechnungsprüfer) Lebens- und Sozialberater, Sexualpädagoge
  • Thomas Fröhlich (Rechnungsprüfer; Finanzreferent bis 2008) Diplomsozialarbeiter, Sozialwissenschafter mit dem Schwerpunkt Projekt- und Sozialmanagement
Ehemalige Vorstandsmitglieder
  • Ernest Borneman (Vorsitz von 1979 bis 1995)
  • Rotraud A. Perner (Vorsitz von 1996 bis 2002, dritte Vorsitzende bis 2004, jetzt Ehrenmitglied)
  • Helga Ratzenböck (Stv. Generalsekretärin bis 2008) Diplomsozialarbeiterin
  • Peter Poszvek (stv. Finanzreferent bis 2008) Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psycho- und Sexualtherapeut

Sexus

Über viele Jahre wurde die Zeitschrift Sexus mit Fachartikeln herausgebracht.

Forum Sexualität

2004 wurde die Veranstaltungsreihe Forum Sexualität ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um Podiumsdiskussionen mit Experten aus den Bereichen Politik, Sexualforschung, Sexualberatung- und therapie, Sexualstrafrecht und anderen, die das Ziel haben sich mit verschiedenen Bereichen die Sexualität betreffend auseinanderzusetzen. Themen der Veranstaltungen waren unter anderem:

  • Sexualität: Bedrohung oder Menschenrecht? (20. Jänner 2004)
  • Regenbogenfamilien (7. Dezember 2004)
  • Pornografie - Oder: Die Last des Gesetzes auf der Lust am Bild (26. April 2005)
  • TransGender - Ausbruch aus Geschlechtergrenzen oder Krankheit? (31. Mai 2005)
  • Neue Lüste – Neue Lustlosigkeit - Oder: die neosexuelle Revolution. (25. April 2006)
  • Sexualität im Strafvollzug - Tabu oder Recht? (26. September 2006)
  • Wie queer dachte Freud? - Die Dekonstruktion der sexuellen Normalität in den "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie". (5. Dezember 2006)

Berichterstattung Priesterseminar St. Pölten

Am Anfang der Berichterstattung in der Affäre um das Priesterseminar der Diözese St. Pölten im Juli 2004, in deren Folge Kurt Krenn auf Drängen des Vatikans zurücktrat und Klaus Küng Bischof wurde, fand ihr scharfer Protest über die homophobe mediale Berichterstattung starke Verbreitung und die einzelnen Mitglieder wurden des Öfteren von den Medien eingeladen. Durch dies und die Stellungnahmen einiger anderer wurde in weiterer Folge aus den anfänglichen Schlagzeilen in Richtung „(Homo)-Sex-Affäre im Priesterseminar (mit Kinderpornografie)“ eine etwas mehr auf die wesentliche und die getrennte Fakten zurückgeführte Berichterstattung erreicht. Es wurde dann meist differenzierter über den Fund von heterosexueller Kinderpornografie auf der einen und der anscheinenden Beziehung von erwachsenen Männern in einer dies, gerade unter Kurt Krenn, stark verurteilenden Organisation, sowie die mögliche sexuelle Ausbeutung Abhängiger, auf der anderen Seite, berichtet.[1][2][3]

Beratungsstelle Courage

Bis Ende 2002 fungierte die ÖGS auch als Gründungs- und Trägerverein der im Jahre 2000 gegründeten Beratungsstelle Courage. Jetzt ist der Trägerverein das Österreichische Institut für Beziehungs- und Sexualforschung. Dieser arbeitet und forscht in enger Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung.

Weblinks

Quellen

  1. ÖGS Presseaussendung: ÖGS fordert Ende der homophoben Treibjagd - St. Pöltner Priesterseminar - „Kein Sex- sondern Heuchlerskandal!“, 12. Juli 2004
  2. ORF online: Krenn schließt weiter Rücktritt aus, 12. Juli 2004
  3. Michael Brinkschröder: Das neue homosexuelle Image des Priesters - St. Pölten als diskursives Ereignis, Werkstatt 3/2004