Österreichischer Tennisverband

Österreichischer Tennisverband
Gründung: 1902
Gründungsort: Wien
Präsident: Ronnie Leitgeb
Mitglieder (ca.): 174.000 (Stand 2009)
Homepage: www.oetv.at

Der Österreichische Tennisverband (ÖTV) wurde 1902 gegründet und ist der Dachverband der österreichischen Tennis-Landesverbände und deren Vereine. Der Hauptsitz befindet sich in Vösendorf bei Wien.[1]

Inhaltsverzeichnis

Organisation

Der Österreichische Tennisverband ist mit knapp 174.000 Mitgliedern (Stand 2009)[2] der drittgrößte Sportverband Österreichs nach dem ÖFB (Fußball) und dem ÖSV (Schi alpin und nordisch)[3] und besteht aus neun Landesverbänden. Jedes Bundesland besitzt einen Landesverband, der wiederum in Vereine unterteilt ist. Jeder Landesverband führt eigene Ranglisten, genauso wie der ÖTV fürs gesamte Österreich[4].

Geschichte des ÖTV

Bis zur Gründung 1902

Der Österreichische Tennisverband wurde im Jahr 1902 gegründet[5], wobei die Geschichte des Tennis in Österreich ältere Wurzeln hat. Bereits im 16. Jahrhundert wurde in Ballhäusern in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck gespielt. Damals jedoch noch der Vorläufer des "modernen" Tennis", das Jeu de Paume, bei welchem man mit der Handinnenfläche den Ball schlägt. In einem Trakt der Wiener Hofburg wurde 200 Jahre gespielt, bis 1741 die Umwidmung des Ballhauses zum Wiener Burgtheater durch Kaiserin Maria Theresia erfolgte. Stattdessen wurde am Wiener Ballhausplatz (Sitz des heutigen Bundeskanzleramtes) eine neue Heimstätte geschaffen. Durch einige Neuerungen (Gummibälle, Holzschläger und Netz) näherte sich das Spiel dem modernen Tennis an. Auch die damalige Zählweise blieb bis heute beinahe unverändert.

Berichte zeugen von, seit 1877 regelmäßig ausgetragenen, Schaukämpfen mit der Teilnahme britische Spitzenspieler. Diese trugen zur Popularisierung des Sportes bei. 1884 wurde auf private Initiative die erste Österreichische Meisterschaft abgehalten, wobei die ersten Sieger aus England stammten und es erst Kurt von Wessely 1909 schaffte, den österreichischen Meistertitel zu gewinnen. Nun folgten Gründungen von Vereinen in den restlichen Bundesländern: 1892 die des "Grazer Athletiksport-Klubs" (GAK) mit einer Tennissektion ab 1902, 1897 des "Wiener Athletiksport Clubs" (WAC), 1899 in Baden, 1900 die Tennissektion des "Wiener Bicycleclubs" (der spätere "Wiener Parkclub"). In Kärnten entstand das "Lawn Tennis-Turnierkomitee Pörtschach". Um diese einzelnen Vereine zu vereinigen, wurde 1902 der "Österreichische Lawn Tennisverband" in Hütteldorf (Wien) gegründet. Dieser hatte seinen Hauptsitz in der Wiener Infanterie-Kadettenschule. Durch diesen Zusammenschluss der Vereine zum ÖTV konnten erstmals offizielle Länderspiele ausgetragen werden. Erster Gegner war Deutschland und wurde mit 8:7 in Wien besiegt.

1902 bis 1945

Arthur Zborzil (WAC) und der Prager Felix Pipes gewannen 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm (Schweden) Silber im Tennisdoppel, welche die einzige olympische Medaille im Tennis bedeutete. Österreich war auch am 1. März 1913 bei der Gründung des Internationalen Tennisverbandes (ITF) vertreten. Trotzdem sank in der Ersten Republik nach 1918 die Bedeutung des Tennis im österreichischen Sportgeschehen. Die Davis Cup-Erfolge blieben aus. Dazu eine kurze Statistik: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreichten die österreichischen Tennisspieler nur sechsmal den Einzug in die dritte Runde.

Franz Matejka war zwischen 1926 und 1934 mit sechs Staatsmeisertiteln die absolute Nummer 1 in Österreich. Sein Können bewies er in einem Schaukampf gegen den US-amerikanischen zehnfachen Grand Slam-Sieger William Tilden in Wien. Matejka verlor in drei Sätzen mit 2-6 5-7 5-7. Zu Beginn der 1930er drangen Adam Bawarowski und Georg von Metaxa in die nationale Spitze vor. 1935 kam der damals 20-jährige Hans Redl hinzu. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland musste Bawarowski nach Polen fliehen. Redl und Metaxa standen dagegen gemeinsam im großdeutschen Davis Cup-Team, siegten 1938 in der Europazone, unterlagen aber im Finale gegen die USA. Der Zweite Weltkrieg endete für einige Tennisspieler tragisch: Metaxa starb bei einem Bombenangriff 1944 und Bawarowski gilt nach wie vor als vermisst.

1946 bis 1985

Hans Redl feierte nach der Rehabilitation einer Amputation des linken Arms, welche durch eine Gewehrkugel verursacht wurde, ein internationales Comeback. 1947 war er der erste Österreicher seit 1937, der zu den Wimbledon Championships eingeladen wurde. Er scheiterte im Achtelfinale gegen den Amerikaner Bob Falkenburg und sechs Jahre später (1953) im Viertelfinale des Doppelbewerbes. Redl war auch Präsident des ÖTV und verstarb 1976.

Fred Huber († 1972) besiegte in England den Australier Lew Hoad, scheiterte jedoch an anderen Österreichern, wie zum Beispiel Franz Saiko, der mit Hans Redl 1954 bis Achtelfinale von Wimbledon vorstieß. Saiko spielte sehr selten im Ausland, blieb in Österreich aber beinahe ungeschlagen. Im Davis Cup feierte er Siege gegen die Briten Mike Sangster und Bobby Wilson. Bei den Damen war Sonja Pachta zu dieser Zeit auf nationaler Ebene sehr erfolgreich und holte von 1956 bis 1975 52 Meistertitel (davon 19 im Tenniseinzel). Sie erreichte 1962 im Einzelbewerb das Achtelfinale und im Mixed-Doppel mit Peter Pokorny das Viertelfinale von Wimbledon.

In Kitzbühel veranstaltete Walter Föger, der damalige Generalsekretär des ÖTV, den "Alpenländercup", bei dem ab 1960 Weltklassespieler um den Sieg mitspielten. Internationale Turniere gibt es seit dieser Zeit in Wien für das Herren- und in Pörtschach für das Damentennis, welche bis in die Gegenwart Bestand haben.

Nach Einführung des Federation Cups (Fed Cup) zum 50-jährigen Jubiläum der ITF für das Damentennis war Österreich seit Beginn dabei. Im Jahr 1973 wurde das Leistungszentrum in der Südstadt (Maria Enzersdorf) errichtet. Dieses diente als Vorbild für regionale Zentren in den Bundesländern. Ab 1974 stand das Turnier in der Wiener Stadthalle (heute BA-CA Tennis Trophy) auf dem Programm, wobei der ÖTV eine Beteiligung daran aber ablehnte. Der Österreichische Tennisverband zählte zu dieser Zeit ca. 50.000 Mitglieder.

Der Kärntner Hans Kary konnte ab 1967 Erfolge gegen Weltklassespieler wie Ilie Năstase, Rod Laver, Manuel Orantes, Ken Rosewall oder Ivan Lendl feiern. Kary verhalf dem österreichischen Tennis zum Durchbruch. Sein Rivale zur damilgen Zeit war der nur um zwei Jahre jüngere Peter Feigl, der jetzige Turnierchef der BA-CA Tennis Trophy. Feigl erreichte in seiner aktiven Laufbahn Rang 35 in der Weltrangliste und gewann als Qualifikant 1980 das Turnier in Cleveland, USA.

1985 bis 1999: Die Ära Thomas Muster

Den größten Tennisboom Österreichs lösten die Davis Cup-Erfolge von Thomas Muster, Alexander Antonitsch und Horst Skoff († 2008) aus. Der Einzug in die Weltgruppe gelang mit dem glatten 5:0-Sieg gegen Großbritannien 1988. Es folgte ein weiteres 5:0 gegen Australien in Wien. Nach dem Ausfall Musters aufgrund seiner schweren Verletzung in Key Biscayne 1989 verlor Österreich gegen Schweden im Viertelfinale mit 2:3. Horst Skoff brauchte für seinen Sieg gegen Mats Wilander (9-7 im 5. Satz) 6 Stunden und 4 Minuten. Nach Thomas Musters Comeback 1990 wurde die Erfolgsserie fortgesetzt: 3:2 gegen Spanien in Barcelona, 5:0 gegen Italien in Wien. Es folgte der erstmalige Einzug ins Davis Cup-Semifinale gegen die USA, welches Österreich vor ca. 17.000 Zusehern im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit 2:3 verlor. Der Leibnitzer Thomas Muster erreichte nach seinem Triumph bei den French Open in Paris 1995 gegen Michael Chang den ersten und bis dato einzigen Grand Slam-Titel im Tennis-Einzel und war ab dem 12. Februar 1996 für insgesamt sechs Wochen die Nummer 1 der Tennisweltrangliste.

2000 bis heute

Nach dem Rücktritt Thomas Musters schafften Stefan Koubek und Markus Hipfl 1999 mit einem 3:2 gegen Schweden den erneuten Aufstieg in die Weltgruppe. Nach dem Abstieg erfolgte 2002 gegen Belgien die Rückkehr in die Weltgruppe. Nach dem 3:2 gegen Großbritannien blieb Österreichs Team unter der Leitung des neuen Kapitäns Thomas Muster unter den 16 Top-Nationen. Muster trat 2004 die Nachfolge von Günter Bresnik an und blieb bis September 2006. Aktueller Kapitän ist Gilbert Schaller, der auch die Funktion des ÖTV-Sportdirektors innehat. Momentan sind Stefan Koubek, Alexander Peya, Julian Knowle und die aktuelle österreichische Nummer 1, Jürgen Melzer, Fixstarter im Davis Cup-Team.

Nach dem 3:2-Sieg gegen Großbritannien in Wimbledon im September 2008[6] darf Österreich 15 Jahre nach der 2:3-Niederlage in Unterpremstätten (Steiermark) und dem Sieg von Thomas Muster gegen Michael Stich mit 6-4, 6-7, 4-6, 6-3 und 12-10 im Jahr 2009 auf eine Revanche gegen den Erzrivalen Deutschland hoffen.[7]

Österreichs Fed Cup-Team

Weitaus erfolgreicher als auf der WTA Tour waren die österreichischen Damen im Fed Cup. Zu den besten gehörte Judith Wiesner-Floimair mit 40 Einsätzen, Petra Huber, Barbara Paulus mit der ersten Top-10-Platzierung einer Österreicherin am 18. November 1996 und Barbara Schett, die mit Rang 7 den bisher besten Platz in Österreichs Damentennis erreichte. 2002 trug Barbara Schwartz mit ihren Siegen unter der Leitung von Alfred Tesar viel zum Sieg über die USA (3:2) bei. Das Fed Cup-Team erreichte das Final four und besiegte beinahe Gastgeber Spanien. Es war nicht das erste Mal, dass Österreichs Damentennis solche Erfolge feierte: Nach dem Semifinale 1990 folgten die beiden Einzüge ins Final four 2002 und 2004. für den letzteren Einzug wurden die Amerikanerinnen von Barbara Schwartz, Patricia Wartusch und Barbara Schett in Innsbruck mit 4:1 geschlagen.

Vereinstatuten

Der Zweck des Verbandes ist die Wahrung und Förderung der Interessen des Tennissportes in Österreich. Die Umsetzung der Anti-Doping-Bestimmungen (der WADA) des Internationalen Fachverbandes und der Anti-Doping-Bestimmungen des Bundes-Sportförderungsgesetzes (BSFG) in allen Bereichen des ÖTV.[1] Der Verein ist gemeinnützig und nicht auf finanzielle Gewinne aus. Die Finanzierung wird durch Beiträge der Mitglieder, Einnahmen aus eigenen Veranstaltungen, Subventionen, Totomittel, Spenden, Zuwendungen des Austria Tennis Pool, Erträge aus Beteiligungen, Bewilligungsgebühren (Lizenzen) für Turniere und sonstiger Art gewährleistet.[8] Die Einteilung der Mitglieder erfolgt in ordentliche, außerordentliche Mitglieder und Ehrenmitglieder bzw. Ehrenpräsidenten.[9]

Präsidium

Seit dem 1. April 2012 ist Ronnie Leitgeb der Präsident des Österreichischen Tennisverbandes.[10][11][12] Er folgte damit dem Wiener Ernst Wollner nach, der das Amt seit 2003 innehatte und in der dritten Amtsperiode dem Österreichischen Tennisverband vorstand.

Aktuelle Rankings

Bei den Herren ist Jürgen Melzer in Top-Position und das Davis Cup Team auf Rang 15 zu finden. Sybille Bammer führt die österreichischen Damen an und das Fed Cup Team rangiert an 30. Stelle.

Statistik

Davis Cup

Zum ersten Mal spielte Österreich 1905 im Davis Cup und 74 Jahre mit einigen Unterbrechungen. Die Gesamtbilanz steht bei 137 Einsätzen (64 Siege - 73 Niederlagen). Der Spieler mit den meisten Spielen (45 - 18) und Einzelerfolgen (36 - 8) ist Thomas Muster. Der Spieler mit dem meisten Doppelsiegen (13 - 14) ist Alexander Antonitsch, der gemeinsam mit Muster die meisten Doppel gewinnen konnte (9 - 7). Antonitsch spielte die meisten Davis Cup-Begegnungen (27) und Hans Kary die meisten Jahre (14). Das beste Resultat in der langen Davis-Cup-Geschichte Österreichs war der Einzug in das Halbfinale 1990.

Fed Cup

Zum ersten Mal spielte Österreich 1963 im Fed Cup und 38 Jahre ohne Unterbrechungen. Die Gesamtbilanz steht bei 89 Einsätzen (38 Siege - 51 Niederlagen). Die Spielerin mit den meisten Einsätzen (39 - 27) und Einzelerfolgen (28 - 16) ist Judith Wiesner. Die Spielerinnen mit dem meisten Doppelerfolgen sind Judith Wiesner (11 - 11) und Barbara Schett (11 - 5).
Wiesner spielte zudem die meisten Fed Cup-Begegnungen (40) und die meisten Jahre (14). Die besten Resultate in der Fed Cup-Geschichte Österreichs waren drei Mal der Einzug in das Halbfinale 1990, 2002 und 2004.

Literatur

  • Hans Buzik (Bearb.): Tennis in Österreich einst und jetzt. Ein Querschnitt durch 90 Jahre Tennis. Postsportverein, Wien 1975.
  • Dieter Pink: Der Österreichische Tennisverband - Idealität und Realität eines modernen Sportverbandes. Wien 1994. Diplomarbeit.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Satzungen des ÖTV. S.1
  2. Mitgliederstatistik 2009 (abgerufen 20. März 2012)
  3. ÖTV Profil
  4. ÖTV Ranglisten
  5. Beitrag zum Jubiläum 104 JAHRE ÖTV
  6. Tennis Austria News vom 21. September 2008
  7. Kleine Zeitung vom 23. September 2008
  8. Satzungen des ÖTV. S.2f
  9. Satzungen des ÖTV. S.2
  10. Leitgeb heißt der Präsident
  11. Tennis: Neo-ÖTV-Präsident will Basis-Strukturen und Trainerausbildung verbessern
  12. Leitgeb zum neuen ÖTV-Präsidenten gewählt