Österreichischer Volkstanz

Hans Thoma: Der Kinderreigen

Mit dem österreichischen Volkstanzen (d.i. Tanzen von Volkstänzen) verbindet man meist österreichische Volkstänze, wie Landler, Polka oder Walzer, oder (ursprünglich nur im Nahbereich zu Oberbayern) der Schuhplattler. Dazu gehören aber auch nicht ursprünglich österreichische Volkstänze wie z. B. höfisch inspirierte Tänze, etwa (Kontratänze), Sprachinseltänze oder der Fackeltanz. Als Ganzes wird der österreichische Volkstanz dem alpenländischen Volkstanz zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Österreichische Volkstänze

Tanzfamilien sind beispielsweise Landler bzw. Ländler, Mazurka, Polka, Rheinländer, Schuhplattler, Walzer (Deutscher Tanz) oder Zwiefacher.

Siehe auch: Liste der Tänze und Volkstanz (mit einer Liste von Volkstänzen)

Österreichische Grundtänze

Auf der Seite Österreichischer Grundtanz sind alle 20 Grundtänze aufgelistet. Es gibt aber unzählige weitere Tanzformen und örtliche bzw. regionale Spielarten. Weitere Volkstänze aus Österreich sind beispielsweise die Kuckuckspolka, eine Rheinländerform, der Lunzer Boarisch, eine Paschboarisch-Form oder der Paschate Zwoaschritt, eine Dreher-Form.

Sehr ausführliche Listen von Volkstänzen aus dem oberdeutschen Sprachraum und internationalen Volkstänzen sind in den unter „Weblinks“ zu finden.

Sprachinseltänze

Sprachinseltänze sind Tänze, die von deutschsprachigen Minderheiten im ehemaligen Österreich-Ungarn, also außerhalb der heutigen Republik Österreich (siehe Sprachinsel, z. B. Siebenbürgen) getanzt wurden, etwa die Rediwa.

Figurentänze und Rundtänze

Die Tanzfolgen der Volkstanzfeste weisen oft nur die Figurentänze (z. B. auch Kreistänze) explizit aus. Figurentänze sind Tänze mit individueller Figurenfolge, denen (z. B. durch die Volkstanzpflege, siehe auch Volkstumspflege) ein Name und eine „Kennmelodie“ zugeordnet wurden.

Zu den Rundtänzen zählen Walzer, Polka, Boarischer, Zwiefacher usw. Im Gegensatz zu den Figurentänzen werden zu den Rundtänzen die unterschiedlichsten Melodien gespielt, während die Figurentänze meist mit einer bestimmten „Kennmelodie“ beginnen, an der versierte Tänzer erkennen können, welcher Tanz gespielt wird. Die Musiker wechseln erst im Laufe des Tanzes nach Belieben oder Können auf andere Melodien.

Die Rundtänze werden von den meisten Tänzern nur in ihrer Grundform ausgeführt, wobei es aber bei entsprechendem Können – und sofern es zu Charakter und Tempo der Musik passt – möglich ist, Figuren der entsprechenden Figurentänze zu verwenden, z. B. Lunzer Boarischer zum Boarischen, Offener Walzer zum Walzer usw.

Weitere Tänze

Siehe auch: Liste der Tänze

Einige Missverständnisse

Tänze, die fälschlicherweise für (traditionelle/überlieferte) Volkstänze gehalten werden, wobei es sich aber tatsächlich um „erfundene“ oder choreographierte Tänze handelt, sind beispielsweise der Vogerltanz, ein Partytanz und der Landler aus dem Musical The Sound of Music. Auch bei dem Lied Edelweiß aus dem Musical The Sound of Music handelt es sich um kein Volkslied.

Volkstanz, Folkloretanz, Volxtanz, Folktanz und Tänze der Welt

In der österreichischen Volkstanz- und Folkloretanzszene (d. h. internationalen Folkloretanzszene) werden die internationalen Volkstänze in ihrer Gesamtheit als „Folkloretänze“ bezeichnet, im Gegensatz zu den (österreichischen) „Volkstänzen“. „Volkstanzen“ bedeutet also generell, österreichischen Volkstanz zu betreiben. Innerhalb der Folkloretanzszene hingegen schließt „Folkloretanzen“ den österreichischen Volkstanz nicht immer aus.

Die Gründe für diese Abgrenzungen dürften darin liegen, dass der Begriff „Volkstanz“ etwas negativ besetzt ist. Bei den Begriffen „Folklore“ und „Brauchtum“ scheint umgekehrt „Folklore“ gegenüber „Brauchtum“ einen ironischen Anklang zu haben.

Dies findet auch Ausdruck in den Neuschöpfungen Volxtanz und Folktanz, welche sich als der „erneuerte Volkstanz“ (vgl. „Neue Volksmusik“) sehen.

Ganz im Sinne dieses sprachlichen Hintergrundes wird auf der Einladung zum Wiener Kathreintanz 2005 vom „österreichischen Tanz“ gesprochen.

Abgesehen von den beschriebenen Differenzierungen, die aber nur in der österreichischen Volkstanz- und Folkloretanzszene gemacht werden, bezeichnen die Kategorien „Volkstanz“, „Folkloretanz“ und „Tänze der Welt“ dasselbe.

Volkstanz und Standardtanz

Der Walzer und die Polka werden im Volkstanz etwas anders ausgeführt als im Standardtanz. Insbesondere die Polka wird sehr ruhig und walzerähnlich und eher selten in der galoppartigen Form getanzt, wie sie in den Tanzschulen gelehrt und aus der volkstümlichen Szene bekannt ist.

Volkstanzveranstaltungen

Volkstanzfeste

Heutige Volkstanzfeste sind üblicherweise so aufgebaut:

  1. Auftanz aller Anwesenden mit anschließender Begrüßung und abschließendem Walzer
  2. Tanzblöcke mit Pausen
  3. Schlusskreis, meist mit Schlusslied

In Wien sind drei oder vier große Tanzblöcke mit längeren Pausen und vielen Figurentänzen üblich, traditioneller dürfte die in den Bundesländern übliche Einteilung in viele kurze Blöcke (zu je ca. 3 – 5 Tänzen) mit kürzeren Pausen und einem höheren Anteil an Rundtänzen sein.

In der sogenannten Tanzfreien Zeit gibt es im Allgemeinen keine traditionellen Volkstanzfeste.

Beispiele für traditionelle Volkstanzfeste

  • Alpenvereins-Volkstanzfest (Wien)
  • Waldviertler Volkstanzfest (wechselnde Örtlichkeit im Waldviertel)
  • Niederösterreichisches Volkstanzfest (Casino Baden)
  • Tag der jungen Tracht (Hürm, Neunkirchen)
  • Festliches Tanzen (Wien)
  • Herbsttanzfest vor dem Schloss Belvedere (Wien)
  • Kreuzbund-Volkstanzfest (Wien)
  • Landlerisch Tanzen (Wien)
  • Leopolditanz (Klosterneuburg und Mödling)
  • Sommertanzen (Wien, 2 mal wöchentlich während der Sommerferien)
  • Tanz im Heustadl (Wienerwald/NÖ)
  • Wiener Kathreintanz (Wien)


Obwohl es auch heute noch viele traditionelle Volkstanzfeste gibt, findet man Hinweise auf diese Veranstaltungen manchmal nur in den Aussendungen der diversen Volkstanzorganisationen, in Zeitschriften, wie dem Fröhlichen Kreis, auf einschlägigen Webportalen wie Volkstanz.at oder auf Veranstaltungskalendern im Internet, welche auch den Volkstanz bedienen.

Weitere Volkstanzveranstaltungen

Von den Volkstanzgruppen und Volkstanzinstitutionen werden, abgesehen von Seminare und Tanzwochen vor allem Übungsabende und Offene Tanzen veranstaltet. „Offenes Tanzen“ ist der in der Volkstanzszene übliche Begriff für Tanzabende, die auch Gästen offen stehen, im Gegensatz zu den sogenannten „Gruppenabenden“, wo das nicht selbstverständlich ist.

Bekleidung beim Volkstanzen

Österreichische Volkstänze werden auf Volkstanzfesten großteils in überlieferten (bzw. „erneuerten“) Trachten oder in dazupassender Alltagskleidung (z. B. Männer in dunkler Hose und weißem Hemd) getanzt. Auf Übungsabenden ist oft auch Alltagskleidung üblich.

Siehe auch: Lederhose, Janker

Bilder von Trachten

Volkstänze und Urheberrecht

Österreichische Volkstänze sind urheberrechtsfrei, nicht jedoch alle bei Volkstanzfesten zwischendurch als Rundtänze (Polka, Walzer, usw.) gespielten Melodien. Zur daraus entstehenden Problematik siehe Volksmusik und Urheberrecht.

Musikinstrumente

Üblich sind Steirische Harmonika, Geige, Klarinette, Hackbrett, Harfe, Flöte, Blechblasinstrumente usw., als Begleitung oft Kontrabass oder Gitarre. Unüblich sind Schlagzeug (siehe Neue Volksmusik) und Verstärker, als Rhythmusinstrumente werden seltener z. B. die Teufelsgeige oder Holz- bzw. Metalllöffel verwendet.

Forschung

Bekannte Volkstanzforscher: Raimund Zoder, Richard Wolfram, Herbert Lager, Karl Horak, Hermann Derschmidt, Richard Bammer, Walter Deutsch

Heutige Bedeutung

Für den Durchschnittsösterreicher ist Volkstanz typischerweise nicht etwas, an dem er aktiv teilnimmt, sondern man beschränkt sich – wenn überhaupt – auf das Zusehen bei Vorführungen und Aufführungen. Trotzdem gibt es abgesehen von dieser Aufführungskultur auch eine aktive traditionelle Volkstanzszene, in der die überlieferten Tänze als Freizeitvergnügen gepflegt werden. Besondere Anstrengungen werden unternommen, den Volkstanz auch für die Jugend attraktiv zu machen. Siehe z. B. Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz.

Literatur

  • Volkstanzmappe A: Steirische und gesamtösterreichische Tänze. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Volkstanz- und Heimatpflege (Ursprünglich beim Landesjugendreferat Steiermark angesiedelt). Neue, korrigierte Ausgabe 2007 erschienen.
  • Zoder, Raimund: Österreichische Volkstänze. Österreichischer Bundesverlag 1946, 1948 und 1955.

Zeitschriften

Siehe auch

Weblinks