1. Armee (Deutscher Krieg)

Die Erste Armee war ein kurzfristig gebildeter Heeresverband im Deutschen Krieg von 1866. Kommandierender General war Friedrich Karl Nikolaus von Preußen. Die Armee bestand aus den II., III. und IV. Korps und einem extra für diesen Feldzug aufgestellten Kavallerie-Korps.

Gemäß der Strategie von Moltke sollte die Preußische Armee in drei selbstständig vorgehenden Verbänden in Böhmen einmarschieren und dort die Nordarmee von Österreich bekämpfen. Die Aufteilung in drei Armeen wurde von Zeitgenossen stark kritisiert[1][2], blieb jedoch siegreich.

Inhaltsverzeichnis

Zusammensetzung

Eine Besonderheit der ersten Armee war, dass zwei der drei Korps kein eigenes Generalkommando hatten, sondern unmittelbar dem Oberkommando der Armee unterstellt waren. Der Armeekommandeur Friedrich Karl war vor dem Krieg Oberbefehlshaber vom III. Korps, General Hans Wilhelm von Schack vom IV. Korps wurde mit Kriegsbeginn zum Gouverneur der sächsischen Lande mit Sitz in Dresden versetzt.[3] Beide Posten wurden für die Dauer des Feldzuges nicht wieder besetzt.

II. Korps

Kommandierender General war Generalleutnant von Schmidt, Chef des Generalstabs war der spätere Kriegsminister Georg von Kameke.

  • 3. Division unter August von Werder
    • 5. Brigade von Januschowski
      • 2. Regiment, Oberst von Reichenbach
      • 42. Regiment, Oberst von Borcke
    • 6. Brigade von Winterfeld
      • 14. Regiment, Oberst von Stahr
      • 54. Regiment, Oberstleutnant von Korowiski
      • Pommersches Jäger-Bataillon Nr. 2
    • Divisions Kavallerie Husaren-Regiment „Fürst Blücher von Wahlstatt“ (Pommersches) Nr. 5 Oberst von Flemming
  • 4. Division unter Herwarth von Bittenfeld II.
    • 7. Brigade von Schlabrendorff
      • 9. Regiment, Oberst von Sandrart
      • 49. Regiment, Oberst von Wietersheim
    • 8. Brigade von Hanneken
      • 21. Regiment, Oberst von Krane
      • 61. Regiment, Oberst von Michaelis
    • Divisions Kavallerie Ulanen-Regiment „von Schmidt“ (1. Pommersches) Nr. 4, Oberst von Kleist
    • Korps-Reserve Artillerie, Oberst von Puttkammer

Das II. Korps verfügte insgesamt über 12 Batterien, jeweils vier in einer Division und in der Reserve mit zusammen 72 gezogenen Geschützen.

III. Korps

  • 5. Division unter Wilhelm von Tümpling
    • 9. Brigade von Schimmelmann
      • 8. Regiment, Oberst Emil von Berger
      • 48. Regiment, Oberst von Diringshofen
    • 10. Brigade von Kamiensky
      • 12. Regiment, Oberst von Debschütz
      • 18. Regiment, Oberst von Kettler
    • Divisions Kavallerie Ulanen-Regiment „Kaiser Alexander II. von Rußland“ (1. Brandenburgisches) Nr. 3, Oberstleutnant von Tresckow

IV. Korps

Kavallerie-Korps

Befehlshaber diese für den Krieg aufgestellten Verbandes[4] war General der Kavallerie Prinz Albrecht (Vater). Das Korps bestand aus insgesamt sechs Brigaden, von denen wurde jedoch die erste schwere Brigade zur zweiten Armee abkommandiert. Die dritte schwere Brigade blieb in der ersten Armee, wurde jedoch dem o.g. II. Korps zugeordnet. Somit operierte das Kavallerie-Korps als geschlossener Verband nur mit vier Brigaden.

Zum Korps gehörten noch folgende abkommandierte Verbände:

Kriegsverlauf

Die erste Armee wurde im Raum Görlitz versammelt und marschierte von hier aus am Morgen des 17. Juni 1866 über die Grenze nach Sachsen ein. Der Vormarsch erfolgte über Bautzen und Löbau bis nach Zittau. Am 22. Juni stand die Armee im Raum Zittau, Ostritz und Seidenberg. Am morgen des 23. Juni erfolgte der Einmarsch nach Böhmen.[5][6]

Aufgabe der ersten Armee war es, von Sachsen aus nach Böhmen einzumarschieren, die Iser zu überschreiten und sich im Raum Gitschin mit der zweiten Armee des Kronprinzen zu vereinen. Rechts neben der ersten Armee ging die Elbarmee vor. Erstes größeres Ziel war Reichenberg, das am 24. Juni besetzt wurde. Hier blieb die Armee, entgegen dem ausdrücklichen Befehl vom Generalstabschef Moltke, für zwei Tage stehen. Innerhalb der ersten vier Tage hatte die Armee lediglich 46 km zurückgelegt.[7] Erst nach einem ausdrücklichen Befehl aus Berlin ging der Vormarsch weiter.

Auf dem Weg zur Iser kam es am 26. Juni von 9 bis 14 Uhr[8] zum Gefecht bei Liebenau, und die Armee überquerte dann bei Eisenbrod, Turnau und Podol die Iser. Das zur Verteidigung dieser Flussübergänge angeordnete österreichische Korps wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. Juni in der Schlacht bei Podol zurückgeworfen. Am nächsten Tag marschierte die Armee jedoch statt östlich auf Gitschin nach Süden in Richtung Münchengrätz. In der Schlacht bei Münchengrätz wurden die vereinigten Österreicher und Sachsen zum Rückzug gezwungen und dabei getrennt. Gleichzeitig erfolgte hier die erste Vereinigung mit der Elbarmee. Für diese Abweichung vom Aufmarschplan und den damit verbundenen Zeitverlust wurde Friedrich Karl trotz des Erfolges heftig kritisiert, da sich dadurch die Vereinigung der beiden preußischen Hauptarmeen verzögerte. Um den weiteren Vormarsch nicht noch weiter zu behindern, mussten sich die beiden preußischen Armeen wieder teilen. Somit war es die erste Armee alleine, welche in der Schlacht bei Gitschin kämpfte. Gitschin wurde am späten Nachmittag des 29. Juni 1866 durch zwei Divisionen erreicht und nach einem längeren Kampf in der Nacht genommen. Eine mögliche Verfolgung des hier geschlagenen Gegners erfolgte nicht, da den Divisionen (3. und 5.) keine zusätzliche Kavallerie-Einheiten mitgegeben worden waren.

Vom 30. Juni bis zum 2. Juli erfolgte der Vormarsch in Richtung auf Königgrätz. Hier kam es am 3. Juli 1866 zur Schlacht bei Königgrätz. Obwohl zahlenmäßig unterlegen griffen die Preußen an, eroberten das Tal der Bystrice und konnten die Österreichische Nordarmee bei deren Gegenangriffen, insbesondere im Swip-Wald zurückwerfen. Ein eigener Vormarsch war gegen die überlegene Artillerie der Österreicher nicht möglich, und die Armee erlitt hohe Verluste, bis die zweite Armee in die Schlacht eingriff und die Österreicher zum Rückzug zwang. Der gemeinsame Angriff aller drei preußischen Armeen drängte die Österreicher bis an die Elbe zurück, wo dann die verbliebene österreichische Artillerie den weiteren Vormarsch der Preußen aufhielt. Eine größere Verfolgung über die Elbe hinaus erfolgte nicht mehr, die eigene schwere Kavallerie war immer zu weit zurück.

Nachdem am 4. Juli 1866 die Gefallenen der Schlacht begraben wurden und, soweit möglich, die Verwundeten versorgt wurden, erfolgte ab dem 5. Juli der weitere Vormarsch über Prelautsch, Brünn (12. bis 15. Juli) bis nach Ebental, das am 20. Juli erreicht wurde. In dieser Zeit erfolgten nur noch einzelne Gefechte zwischen zur Aufklärung ausgeschickten kleineren Verbänden der Preußen und Österreichern.

Literatur

  • Theodor Fontane: Der deutsche Krieg von 1866. (Gesamtausgabe in 2 Bänden:) Band 1: Der Feldzug in Böhmen und Mähren (Nachdruck von 1871/2009), ISBN 3-936-03065-0.
  • Geoffrey Wawro: The Austro-Prussian War. Austria’s war with Prussia and Italy in 1866. Cambridge Univ. Press 1996, ISBN 978-0-521-62951-5.
  • Carl von Winterfeld: Geschichte der preussischen Feldzüge von 1866. Döring, Potsdam 1867 (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. Friedrich Engels: Betrachtungen über den Krieg in Deutschland. Abschnitt 4. Engels spricht hier allerdings nur von zwei Armeen
  2. Fontane, aaO, Seite 105 ff.
  3. Fontane, aaO, Seite 135
  4. Fontane, aaO. Seite 131
  5. Zeitangaben nach Fontane, Seite 79 und 139f
  6. Amtspresse Preussen vom 27. Juni 1866
  7. Wawro, aaO. Seite 131
  8. Amtspresse Preußen vom 4. Juli 1866, Seite 1.