Adam von Herberstorff

Ölporträt Herberstorffs (17. Jahrhundert)

Adam Graf von Herberstorff (seit 1623 Reichsgraf; * 15. April 1585 auf Schloss Kalsdorf bei Ilz; † 11. September 1629 auf Schloss Ort am Traunsee) war ein österreichischer Adeliger und Offizier, der acht Jahre lang bayerischer Statthalter und dann Landeshauptmann von Oberösterreich war und als Unterdrücker der protestantischen Bauernaufstände in Oberösterreich in die Geschichte einging.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Frankenburger Würfelspiel –- Zinnfigurendiorama aus dem Peuerbacher Bauernkriegsmuseum (Ausschnitt)

Adam Graf von Herberstorff entstammte der österreichischen Uradelsfamilie von Herberstorff, deren Stammsitz, Schloss Herbersdorf heute im Ort Allerheiligen bei Wildon im Bezirk Leibnitz in der Steiermark, am linken Ufer der Mur gelegen ist. Er war der Sohn von Ulrich Freiherr von Herberstorff, (* 4./14. April 1560) der sich zu Radkersburg am 27. Oktober 1583 mit Marusch von Kollonitz (Kollonitsch), einer Tochter des Daniel von Kollonitz vermählte. Adam war ein Enkel des Franz von Herberstorff und dessen zweiter Ehefrau Elisabeth von Herberstein.[1]

Biografie

Adam von Herberstorff war wie seine Eltern ursprünglich Protestant, studierte daher nicht in Österreich, sondern in Lauingen an der Donau und in Straßburg und trat dann in die Dienste des protestantischen Pfalzgrafen Philipp Ludwig in Neuburg an der Donau. 1610 bis 1611 war er Pfleger in Beratzhausen, 1612 bis 1614 Landrichter in Sulzbach und 1614 Pfleger in Reichertshofen. Nachdem Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 1614 die Regierung angetreten hatte, wurde Herberstorff, der wie der Pfalzgraf zum Katholizismus übertrat, dessen Geheimrat und Statthalter im Herzogtum Pfalz-Neuburg und förderte trotz des Widerstrebens der Landstände eifrig und nachdrücklich die Rekatholisierung von Stadt und Herzogtum Neuburg. Im Jahr 1619 trat er in die Bayerische Armee als Rittmeister ein und diente dort ab 1620 als Oberst eines Kürassierregiments.

Am 8. Oktober 1619, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, wurde zwischen Kaiser Ferdinand II. und Herzog Maximilian I. von Bayern – dem Haupt des oberländischen Direktoriums der katholischen Liga – der wichtige Vertrag von München abgeschlossen, der als „Magna Charta der großen katholischen Allianz“ bezeichnet worden ist. Darin verpflichtete sich der Kaiser mit seinem gesamten Besitz für alle dem Herzog aus der Kriegführung gegen die Protestanten entstehenden Schäden zu haften und ihm die Feldzugkosten – u. a. durch Verpfändung der Provinzen, die Maximilian dem Feind entreißen würde – zu ersetzen.[2] Herberstorff zeichnete sich bei der Unterwerfung der protestantischen Stände Oberösterreichs durch Herzog Maximilian von Bayern im Juli 1620 aus. Er wurde daraufhin schon am 20. August 1620 vom Herzog in Linz den oberösterreichischen Ständen als Statthalter des eroberten und vom Kaiser Ferdinand II. an Bayern verpfändeten Landes vorgestellt.

Noch bevor er sein Amt antrat, schloss sich Herberstorff mit seinen Truppen der Armee der Katholischen Liga an und nahm am 8. November 1620 an der entscheidenden Schlacht am Weißen Berg teil. In der Folge erhielt er die dem protestantischen Ritter Georg Friedrich Hruska von Brezna abgesprochenen Güter Toužetín (heute im Okres Louni in der Tschechischen Republik) und Bitoces im Rakonitzer Kreis, das böhmische Incolat und wurde von Kaiser Ferdinand II. am 8. April 1623 in den Reichsgrafenstand erhoben. Er erhielt auch die Herrschaft Ort am Traunsee, die früher den Herren von Scherffenberg gehört hatte und die Herrschaft Tollet im Hausruckviertel, die der protestantischen Familie der Jörger von Tollet entzogen worden war. Im Jahr 1625 wurde Herberstorff in den alten Herrenstand Österreichs ob der Enns (heute Oberösterreich) aufgenommen.[3] Während seiner rund achtjährigen Statthalterschaft residierte Graf Herberstorff als Chef der bayerischen Verwaltung in Oberösterreich im Linzer Schloss. Auf Wunsch Kaiser Ferdinands erfolgte unter seiner Verantwortung die gewaltsame Rekatholisierung des Landes nach dem gegenreformatorischen Rechtsprinzip cuius regio, eius religio.

Im Mai 1625 kam es wegen der Einsetzung eines katholischen Pfarrers in Frankenburg am Hausruck zu einer Rebellion, an der sich schließlich etwa 5000 bewaffnete Untertanen beteiligten. Graf Herberstorff ging mit äußerster Strenge vor. In Anwendung des Kriegsrechts ließ er die Vertreter der am Aufruhr beteiligten Orte und Pfarren am 15. Mai am Haushamerfeld um ihr Leben würfeln und die 17 Verlierer ohne Verfahren hängen (Frankenburger Würfelspiel).[4]

Den Funken zu einem neuerlichen Aufstand lieferte am 17. Mai 1626 eine Rauferei in Lembach im Mühlviertel, bei der sechs bayerische Soldaten erschlagen wurden. Die Bauern erhoben sich unter Stefan Fadinger und Christoph Zeller in einem allgemeinen Aufstand gegen den verhassten Statthalter, dem sich auch städtische Handwerker und Vertreter der städtischen Intelligenz und sogar vereinzelte Adelige wie Achaz Willinger (Nachfolger Fadingers als Oberhauptmann) anschlossen. Da bis zu 40.000 Mann unter Waffen standen, konnten sie den Söldnern Herberstorffs mehrfach – insbesondere vor Peuerbach schwere Niederlagen zufügten und ihn in der Landeshauptstadt Linz belagern. Nur durch das Zusammenwirken der österreichischen und der bayerischen Truppen unter dem Feldherrn der Katholischen Liga, Gottfried Heinrich zu Pappenheim – der ein Stiefsohn Herberstorffs war – konnten die Aufständischen in zwei Schlachten am 9. November 1626 bei Emling, nahe Eferding und am 15. November bei Pinsdorf nahe Gmunden am Traunsee besiegt werden. Da die Bauern, selbst als die Schlachten schon verloren waren, weder zurückwichen, noch um Gnade baten, sondern sich töten ließen, kam es zu einem Gemetzel, bei den über 12.000 Aufständische fielen. Pappenheim bewunderte die Kampfkraft der Aufständischen und soll gesagt haben, er getraue sich mit 500 dieser Bauern 1000 seiner eigenen Söldner zu schlagen.[5] Die Rädelsführer des Aufstandes wurden nach peinlicher Befragung (Folter) hingerichtet.

Nachdem Kaiser Ferdinand II. dem Kurfürsten von Bayern als Kompensation die eroberte Oberpfalz und Teile der Unterpfalz überlassen hatte kam das Erzherzogtum Österreich ob der Enns wieder an das Haus Österreich. Am 5. Mai 1628 übergab Graf Herberstorff in einer feierlichen Zeremonie in Linz – in Gegenwart der versammelten Stände – die Statthalterschaft an die kaiserlichen Kommissäre, Anton Franz Wolfradt, Geheimer Rat, Präsident der Hofkammer und Abt des Benediktinerstiftes Kremsmünster, Heinrich Freiherr von Salburg, kaiserl. Kämmerer und Rat, und Johann Spindler von Hofegg, Hofkammerrat.[6] Diese führten interimistisch die Verwaltung bis zum 30. August, dem Tag, an dem der Kaiser – zur allgemeinen Überraschung – den vor Ort verhassten Grafen Herberstorff zum Landeshauptmann von Österreich ob der Enns ernannte.

Er konnte diese Funktion jedoch nur kurze Zeit ausüben. Von einem Besuch in München, bei dem er versuchte, Forderungen aus früher geleisteten Diensten geltend zu machen, kehrte er krank nach Österreich in sein Schloss Ort zurück, wo er kurz darauf plötzlich am 11. September 1629 in den Armen seines Beichtvaters verstarb. Er war der Letzte seines alten Geschlechtes.

Graf Adam von Herberstorff war Ritter des spanischen Ordens von Calatrava, kaiserlicher und kurbayerischer Geheimer Rat und Kämmerer sowie kurbayerischer Oberst über ein Regiment zu Ross und zu Fuß. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in der Allerheiligenkapelle der Pfarrkirche Altmünster am Traunsee in Oberösterreich. Die Grabplatte aus rotem Marmor zeigt eine lebensgroße Darstellung von Herberstorff in voller Rüstung.

Ehe

Graf Herberstorff war mit Maria Salome Freiin von Preysing-Kopfsburg, einer Tochter des Heinrich Freiherrn von Preysing zu Kopfsburg und dessen Ehefrau, Benigna Thurmerin (Taimerin?) von Mühlheim vermählt.

Da sie aus ihrer Ehe mit dem Letzten Vertreter des Hauses Herberstorff keine Kinder hatte, verkaufte sie als Witwe 1634 die Herrschaft Ort an ihren entfernten Verwandten, Johann Warmund seit 1645 Reichsgraf von Preysing (* 1573, † 1648), und die Herrschaft Tollet am 17. März 1637 an Wenzel Reichard seit 1646 Graf und Herr v. u. z. Sprinzenstein und Neuhaus (* 1597, † Wien 1651). Sie starb 1648.[3]

Sie war in erster Ehe seit 1593 mit dem Freiherrn Reichserbmarschall Veit zu Pappenheim, (* 16. Juni 1535, † 1600) vermählt und wurde dadurch zur Mutter des berühmten Reitergenerals des Dreißigjährigen Krieges, Erbmarschall Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (* 1594, † Leipzig 17. November 1632).

Literatur

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher´s großes Wappenbuch, Band 27 Die Wappen des Adels in Oberösterreich. Nachdruck 1984 von Bauer und Raspe, Neustadt an der Aisch, ISBN 3-87947-027-8, Seite 119/120
  2. Thomas Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter: 1522-1699, Wien 2003, S. 65
  3. a b J. Siebmacher´s großes Wappenbuch, Band 27, S. 20
  4. Thomas Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht. S. 69
  5. Thomas Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht. S. 70
  6. genannt in Johann Nepomuk Schwerdling: Geschichte des uralten und seit Jahrhunderten um Landes. gedruckt bey Jos. Feichtinger's sel. Witwe, 1830, 329. Frau Anna Dorothea, S. 267 (Google eBook, vollständige Ansicht in der Google Buchsuche)
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann Spindler von Hofegg
(Verwalter der Landeshauptmannschaft)
kurbayer. Statthalter des Erzherzogtum Österreich ob der Enns
1620-1628
Johann Spindler von Hofegg, Heinrich von Salburg, Anton Wolfradt
(Kommissäre/Gubernatoren)
Johann Spindler von Hofegg, Heinrich von Salburg, Anton Wolfradt
(Kommissäre/Gubernatoren)
k.k. Landeshauptmann des Erzherzogtum Österreich ob der Enns
1628-1629
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