Affäre Jussel

Die Affäre Jussel im Jahr 1975 betraf eine Vorarlberger Junglehrerin, der aus an sich nichtigem Anlass ein Verstoß gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung vorgeworfen und die deshalb aus dem Schuldienst entfernt wurde. Die Affäre zog in Österreich bundesweit politische und mediale Kreise und gilt als zeitgeschichtlich relevantes Vorkommnis.

Ulrike Jussel absolvierte 1973 die pädagogische Akademie und erhielt ein Begabtenstipendium. Sie unterrichtete in der Folge an der Hauptschule in Dornbirn-Hatlerdorf. In einer Zeichenstunde am 6. März 1975 sollten die Schüler ein Schriftblatt mit einem Text freier Wahl gestalten. Als manche Schüler Vulgärausdrücke aus dem sexuellen Bereich aufschrieben, schenkte Jussel dem keine besondere Beachtung. Daraufhin wurde sie vom Dienst suspendiert und am 19. März ohne Angabe von Gründen gekündigt.

Wiener Zeitungen machten die Affäre öffentlich, der Fall wurde im ORF vom Magazin Teleobjektiv aufgegriffen und wurde im Vorarlberger Landtag besprochen, Unterrichtsminister Fred Sinowatz lud Jussel zu einer Aussprache nach Wien ein[1] und intervenierte danach persönlich bei Landeshauptmann Herbert Keßler zu Gunsten der Junglehrerin, dieser lehnte jedoch eine Wiedereinstellung Jussels wegen „Wiederholungsgefahr“ ab.

Jussel übersiedelte danach nach Innsbruck und leitete zehn Jahre lang das Mädchenheim der Arbeiterkammer Tirol in der Schöpfstraße.

Literatur

  • Peter Eppel, Heinrich Lotter: Dokumentation zur österreichischen Zeitgeschichte, 1955–1980 Wien 1982
  • Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 1977, „Der Fall Jussel“

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kurier, 12. Juli 1975