Akademiestraße (Wien)

Akademiestraße
Wappen
Straße in Wien-Innere Stadt
Akademiestraße
Basisdaten
Ort Wien-Innere Stadt
Ortsteil Innere Stadt
Angelegt 1862
Querstraßen Krugerstraße, Walfischgasse, Mahlerstraße, Kärntner Ring, Bösendorferstraße
Plätze Max-Weiler-Platz, Karlsplatz
Bauwerke Künstlerhaus Wien, Handelsakademie I
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Autoverkehr, Straßenbahnlinie 1, 62, Lokalbahn Wien–Baden
Technische Daten
Straßenlänge ca. 300 Meter

Die Akademiestraße befindet sich im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Sie wurde 1862 nach der dort errichteten Handelsakademie benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Mittelalter querte die Wiener Stadtmauer den Verlauf der heutigen Akademiestraße und davor befand sich die Vorstadt vor dem Kärntnertor. Hier lag das Bürgerspital vor dem Kärntnertor, etwa im Bereich des heutigen Kärntner Rings, der Akademiestraße und des Karlsplatzes bis zum Wienfluss. Es wurde zwischen 1253 und 1257 gegründet. Im Bürgerspital wurden Einheimische und Fremde, Arme und Kranke, sowie Kinder und Greise aufgenommen. Die Finanzierung erfolgte durch zahlreichen Stiftungsbesitz, der dem Spital zu gute kam. 1529 musste das Bürgerspital, ebenso wie alle anderen Vorstadtbauten, vor den herannahenden Türken abgerissen werden und wurde innerhalb der Stadtmauer verlegt. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte das Gelände zum Glacis. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts der Beschluss gefasst worden war, die Stadtbefestigungen abzutragen und an deren Stelle die Wiener Ringstraße zu errichten, entstand 1862 die Akademiestraße als Querstraße zum Kärntner Ring zwischen Karlsplatz und Walfischgasse. 1881 wurde sie durch die Verbauung des ehemaligen Walfischplatzes bis zur Krugerstraße verlängert. 2003 löste man das Teilstück zwischen Mahlerstraße und Kärntner Ring heraus und benannte es in Max-Weiler-Platz um.

Blick in die Akademiestraße stadteinwärts von der Bösendorferstraße gesehen

Lage und Charakteristik

Die Akademiestraße verläuft von der Krugerstraße im Norden bis zum Karlsplatz im Süden. Zwischen Krugerstraße und Mahlerstraße wird sie als Einbahnstraße geführt, dann unterbricht der Max-Weiler-Platz mit seiner Fußgängerzone zwischen Mahlerstraße und Kärntner Ring die Akademiestraße, die den Ring quert. Zwischen Kärntner Ring und Karlsplatz wird die Fahrbahn der Akademiestraße von den Geleisen der Straßenbahnlinien 1, 62 und der Badner Bahn in Anspruch genommen. Zwischen Karlsplatz und Bösendorferstraße dürfen keine Autos verkehren, zwischen Bösendorferstraße und Kärntner Ring können sie in einer Fahrtrichtung auf den Geleisen fahren. Durch diese Konstellation ist der Auto- und Radfahrverkehr in der Akademiestraße sehr gering, da immer nur ganz kleine Teilstücke befahrbar sind.

Die Verbauung ist vorwiegend durch historistische Wohnbauten aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geprägt, die zur Ringstraßenzone gehören, beim Karlsplatz auch durch repräsentative Monumentalbauten. In der Akademiestraße befinden sich zahlreiche Restaurants und Geschäfte der gehobenen Preislage.

Verbauung

Nr. 1a Wohn- und Geschäftshaus Bernhard Hoffmann

Das historistische Eckhaus wurde 1881 von Ludwig Tischler erbaut. Es befindet sich an der Hauptadresse Walfischgasse 13.

Nr. 1b Carl-Vaugoin-Hof

Hier befand sich ursprünglich das historistische Wohn- und Geschäftshaus Blümel, das 1860 von Carl Tietz errichtet wurde. Nach dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg entstand 1957–58 der heutige Carl-Vaugoin-Hof an der Hauptadresse Walfischgasse 10.

Akademiestraße 2, erbaut von Alfred Rothermann (1908-09)

Nr. 2 Späthistoristisches Eckhaus

Das Haus wurde 1908–09 von Alfred Rothermann in neobarocken Formen für Alexander Erdödy errichtet. Die Fassade ist reich durch Erker, besonders an der Ecke, gegliedert. Das oberste Geschoss ist durch ein Gesims etwas abgesetzt, dort befindet sich auch über dem runden Eckerker ein bemerkenswertes secessionistisches Flugdach aus Glas und Eisen. Das neobarocke Portal zeigt eine Wappenkartusche Erdödys.

Nr. 2b-2c Gustav-Mahler-Hof

Das Wohn- und Geschäftshaus für Heinrich von Drasche-Wartinberg wurde 1861–62 von Ludwig Förster errichtet. Das an 3 Seiten freistehende frühhistoristische Durchhaus mit Innenhof hat Eingänge in der Walfischgasse 8 und der Mahlerstraße 7.

Nr. 3 Historistisches Eckhaus

Das Gebäude wurde 1868–69 von Ferdinand Schlaf in Formen der Wiener Neorenaissance errichtet. Es befindet sich an der Hauptadresse Mahlerstraße 9.

Nr. 8 Wohn- und Geschäftshaus

Das frühhistoristische Eckhaus am Kärntner Ring 8 wurde 1860–61 von den Architekten Wilhelm von Flattich und Carl Schumann entworfen.

Nr. 9 Frühhistoristisches Eckhaus

Das Wohn- und Geschäftshaus wurde 1863–64 von Anton Baumgartner für Alfred Pollak Ritter von Rudin in Formen der Neorenaissance erbaut. Es befindet sich am Kärntner Ring 10.

Nr. 10 Historistisches Eckhaus

Das bedeutende historistische Eckhaus in Formen der Neorenaissance wurde 1868–69 von Johann Romano von Ringe und August Schwendenwein von Lonauberg errichtet. Es liegt an der Bösendorferstraße 7.

Nr. 11 Historistisches Eckhaus

Das Haus Hans Georg von Angeli wurde 1869 von Friedrich Schachner in Formen der Neorenaissance erbaut. Es befindet sich an der Bösendorferstraße 9.

Handelsakademie I von Ferdinand Fellner d. Ä. (1860-62)

Nr. 12 Handelsakademie I

1860–62 erbaute Ferdinand Fellner der Ältere die Handelsakademie I für die Wiener Kaufmannschaft in Formen eines späten romantischen Historismus. Es war dies das erste öffentliche Gebäude in der neugeschaffenen Ringstraßenzone. 1909 stockte Eduard Frauenfeld das vierte Obergeschoss auf, 1993–95 wurde das Gebäude renoviert. Die Handelsakademie nennt sich heute Vienna Business School.

Das Schulhaus wurde auf drei Seiten freistehend auf einem E-förmigen Grundriss errichtet. In der Mitte befindet sich ein zentrales Stiegenhaus, zu beiden Seiten zwei kleine Innenhöfe. Die Fassade wird durch polygonale Pfeiler und durch Gesimse plastisch gegliedert. Das Eingangsportal befindet sich im Mittelrisalit und wird von den Statuen des Adam Smith und des Christoph Kolumbus, beide 1862 von Josef Cesar geschaffen, flankiert. Am Mittelrisalit und im unteren Geschoss sind Rundbogenfenster zu sehen, an der übrigen Fassade Segmentbogenfenster verschiedener Wertigkeit.

Im Inneren befindet sich ein großes Vestibül mit M-förmiger Treppenanlage. Der Festsaal im zweiten Obergeschoss wird durch eine aufwändig gestaltete Tür mit Rundbögen und Rosetten betreten. Im dritten Obergeschoss liegt ein breiter Saalraum mit Gedenktafel von 1909. Die Buchregale der Bibliothek werden durch Säulchen gerahmt und stammen ebenfalls von 1909.

Künstlerhaus-Kino, erbaut von Alfons Hetmanek (1947-49)

Nr. 13 Künstlerhaus-Kino

→ siehe Hauptartikel Künstlerhaus Wien

Das Künstlerhaus Wien am Karlsplatz 5 wurde 1865–68 von August Weber als repräsentatives Ausstellungs- und Versammlungsgebäude für die 1861 gegründete Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens errichtet. Es zählt zu den herausragenden Gebäuden der Wiener Ringstraßenzone und bildet gemeinsam mit Handelsakademie und Musikvereinsgebäude ein Ensemble am Karlsplatz.

Der linke Seitenpavillon an der Akademiestraße wurde 1947–49 von Alfons Hetmanek unter Beteiligung von Carlos Riefel und Rudolf Pleban zu einem Kinosaal umgebaut. Am Eingangsportal befinden sich an dessen Seitenwänden Sgraffiti von Leopold Schmid aus dem Jahr 1948, die symbolisch die verschiedenen Filmgenres darstellen. Der Kinosaal selbst besitzt monumentale Leinwandbilder von Rudolf Eisenmenger, Deckenstuckreliefs von Rudolf Schmidt, Puttenreliefs von Ferdinand Opitz und Erich Pieler sowie Mahagonimasken neben der Bühne von Alfons Riedel. Das Kino ist eine der Spielstätten des Filmfestivals Viennale.

An der Außenseite zur Akademiestraße befinden sich die Statuen des Peter Paul Rubens von Victor Tilgner (1879–82) und des Albrecht Dürer von Anton Schmidgruber (1879).

Literatur

Weblinks

 Commons: Akademiestraße (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.20212216.371575Koordinaten: 48° 12′ 8″ N, 16° 22′ 18″ O